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The Wire
• HBOs Meisterwerk über Drogen und Politik
#1
19. Januar 2011 um 20:13 Uhr
The Wire
Wikipedia-Artikel: deutsch / englisch
Ich wollte schon seit Monaten ein Thema zu dieser Serie aufmachen, war aber immer zu faul. Jetzt habe ich die grandiose vierte Staffel (von insgesamt fünf) abgeschlossen, und kanns mir nicht mehr länger verkneifen.
Obwohl ich bereits länger von The Wire wusste, habe ich die Serie lange Zeit ignoriert, weil ich Cop-Shows nur bedingt interessant finde. Was ich nicht wusste: The Wire ist keine Cop-Show, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Vielmehr geht es um Politik.
Die Serie spielt in Baltimore, einer der Verbrechenshauptstädte der Vereinigten Staaten. Die Drogenbanden haben die Stadt fest in ihrem Griff, und die Polizei zerfleischt sich im Gerangel um Zuständigkeiten und Posten. Die Verbrecherorganisationen auf der einen Seite und die Polizei auf der anderen sind die zwei Konstanten der Serie, doch in jeder Staffel werden weitere Aspekte des öffentlichen Lebens der Stadt beleuchtet: die Hafenarbeiter, die Stadtverwaltung, das Schulsystem, die Presse... Alle diese Institutionen und Organisationen haben in der Serie gemein, dass die maroden internen Machtstrukturen stets zu fatalen Ergebnissen führen, worunter dann meist die Leute leiden, die in diesen Strukturen ganz unten stehen. "The shit rolls downhill", wie es bereits im Pilot heißt.
Intellektuell demonstriert The Wire eine Tiefe, wie man sie bei kaum einer anderen Serie findet. Daher kommt es wohl, dass viele Kritiker die Serie als die beste aller Zeiten bezeichnen. Doch wie sieht es mit der emotionalen Tiefe aus?
The Wire weiß zu schockieren, zu bestürzen, zu berühren, aber oftmals bleibt die Serie ein wenig auf Distanz. Es werden zweifelsohne einige faszinierende Charaktere eingeführt. Aber die schiere Menge an Figuren sorgt dafür, dass man mit niemandem das Level an Familiarität erreicht, wie beispielsweise mit den Figuren aus Firefly oder Six Feet Under. Nichtsdestotrotz haut es einen immer wieder aus den Latschen, wenn einer der Charaktere frühzeitig ins Gras beißt, was nicht gerade selten passiert, denn an Gewalt mangelt es in Baltimore nicht.
Ganz große Guckempfehlung!
Wikipedia-Artikel: deutsch / englisch
Ich wollte schon seit Monaten ein Thema zu dieser Serie aufmachen, war aber immer zu faul. Jetzt habe ich die grandiose vierte Staffel (von insgesamt fünf) abgeschlossen, und kanns mir nicht mehr länger verkneifen.
Obwohl ich bereits länger von The Wire wusste, habe ich die Serie lange Zeit ignoriert, weil ich Cop-Shows nur bedingt interessant finde. Was ich nicht wusste: The Wire ist keine Cop-Show, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Vielmehr geht es um Politik.
Die Serie spielt in Baltimore, einer der Verbrechenshauptstädte der Vereinigten Staaten. Die Drogenbanden haben die Stadt fest in ihrem Griff, und die Polizei zerfleischt sich im Gerangel um Zuständigkeiten und Posten. Die Verbrecherorganisationen auf der einen Seite und die Polizei auf der anderen sind die zwei Konstanten der Serie, doch in jeder Staffel werden weitere Aspekte des öffentlichen Lebens der Stadt beleuchtet: die Hafenarbeiter, die Stadtverwaltung, das Schulsystem, die Presse... Alle diese Institutionen und Organisationen haben in der Serie gemein, dass die maroden internen Machtstrukturen stets zu fatalen Ergebnissen führen, worunter dann meist die Leute leiden, die in diesen Strukturen ganz unten stehen. "The shit rolls downhill", wie es bereits im Pilot heißt.
Intellektuell demonstriert The Wire eine Tiefe, wie man sie bei kaum einer anderen Serie findet. Daher kommt es wohl, dass viele Kritiker die Serie als die beste aller Zeiten bezeichnen. Doch wie sieht es mit der emotionalen Tiefe aus?
The Wire weiß zu schockieren, zu bestürzen, zu berühren, aber oftmals bleibt die Serie ein wenig auf Distanz. Es werden zweifelsohne einige faszinierende Charaktere eingeführt. Aber die schiere Menge an Figuren sorgt dafür, dass man mit niemandem das Level an Familiarität erreicht, wie beispielsweise mit den Figuren aus Firefly oder Six Feet Under. Nichtsdestotrotz haut es einen immer wieder aus den Latschen, wenn einer der Charaktere frühzeitig ins Gras beißt, was nicht gerade selten passiert, denn an Gewalt mangelt es in Baltimore nicht.
Ganz große Guckempfehlung!
#2
31. Januar 2011 um 09:03 Uhr
@ wrath of math: Super beschrieben!
Ich liebe "The Wire" (so wie die meisten anderen HBO-Serien auch) und was mir an deiner Beschreibung gefällt ist das die Serie extrem gut ist man aber merkwürdig "unfamiliär" mit den Charakteren bleibt - anders als zum Beispiel bei "Six feet under". Am Anfang wußte ich deshalb nicht so genau was ich von "The Wire" halten soll, zumal auch mir sonst Cop-Serien nicht so zusagen. Nach einer Weile hab ich mich aber dran gewöhnt und finde die Serie absolut genial. Für mich ist es zwar nicht die beste Serie aller Zeiten, aber eine der Besten!
Allerdings bin ich "erst" bei Staffel 2 - wie weit bist Du denn schon?
Ich liebe "The Wire" (so wie die meisten anderen HBO-Serien auch) und was mir an deiner Beschreibung gefällt ist das die Serie extrem gut ist man aber merkwürdig "unfamiliär" mit den Charakteren bleibt - anders als zum Beispiel bei "Six feet under". Am Anfang wußte ich deshalb nicht so genau was ich von "The Wire" halten soll, zumal auch mir sonst Cop-Serien nicht so zusagen. Nach einer Weile hab ich mich aber dran gewöhnt und finde die Serie absolut genial. Für mich ist es zwar nicht die beste Serie aller Zeiten, aber eine der Besten!
Allerdings bin ich "erst" bei Staffel 2 - wie weit bist Du denn schon?
#3
03. Februar 2011 um 11:45 Uhr
Anschauen! Anschauen! Anschauen!
Und das mit der "Unfamiliarität" kann ich für mich nicht bestätigen - es ist sogar eher andersherum, selbst Leute die im Gegensatz zu den in jeder Staffel auftretenden Charakteren nur vergleichsweise kurze Zeit dabei sind (wie die Sobotkas in Staffel 2, die Schüler ab Staffel 4) kommen mir irgendwie familiär, bekannt oder wie immer man das nennen will, vor. Ich denke das liegt auch an der Figurenzeichnung und der Inszenierung überhaupt, die Charaktere verhalten sich irgendwie ungekünstelter und natürlicher als ich das von den meisten anderen Serien sagen kann (da dürften die Props an David Simon & Team gehen, bei Generation Kill und Treme geht es mir da ähnlich).
Und das mit der "Unfamiliarität" kann ich für mich nicht bestätigen - es ist sogar eher andersherum, selbst Leute die im Gegensatz zu den in jeder Staffel auftretenden Charakteren nur vergleichsweise kurze Zeit dabei sind (wie die Sobotkas in Staffel 2, die Schüler ab Staffel 4) kommen mir irgendwie familiär, bekannt oder wie immer man das nennen will, vor. Ich denke das liegt auch an der Figurenzeichnung und der Inszenierung überhaupt, die Charaktere verhalten sich irgendwie ungekünstelter und natürlicher als ich das von den meisten anderen Serien sagen kann (da dürften die Props an David Simon & Team gehen, bei Generation Kill und Treme geht es mir da ähnlich).
#4
03. Februar 2011 um 14:44 Uhr
Hört sich sehr spannend und sehr interessant an! "The Wire" hat offenbar fast alles, was ich mir von einer guten Serie wünsche - eine anspruchsvolle Erzählweise, Charakter-orientierte Drehbücher und einen riesigen Cast. Damit gehört es für mich auf jeden Fall zum Pflichtprogramm. Wann ich aber mal dazu komme, steht noch in den Sternen...
Hat die Serie trotz der bedrückenden Schicksale und Vorgänge eigentlich eine halbwegs optimistische Message? Oder ergeht sie sich eher in zynischer Resignation gegenüber der unverbesserlichen Verderbtheit von Institutionen?
Hat die Serie trotz der bedrückenden Schicksale und Vorgänge eigentlich eine halbwegs optimistische Message? Oder ergeht sie sich eher in zynischer Resignation gegenüber der unverbesserlichen Verderbtheit von Institutionen?
#5
03. Februar 2011 um 22:16 Uhr
Pedda, on 03. Februar 2011 um 14:44 Uhr, said:
Hat die Serie trotz der bedrückenden Schicksale und Vorgänge eigentlich eine halbwegs optimistische Message? Oder ergeht sie sich eher in zynischer Resignation gegenüber der unverbesserlichen Verderbtheit von Institutionen?
Eher letzteres, obwohl ich die Serie bis jetzt nie als deprimierend empfand. Bisher jede Staffel die ich gesehen hab endete mit einer großen Montage aller Handlungsstränge, die immer ein gewisses Life-goes-on-Feeling verbreiten. Optimistisch würde ich das nicht nennen, aber auch nicht unbedingt fatalistisch.
#6
04. Februar 2011 um 14:18 Uhr
Ich würde sagen es hält sich die Waage zwischen Handlungs/Charakterarcs die ziemlich negativ und die einigermaßen positiv ausgehen. Diese Grundresignation über die Unfähigkeit von Institutionen zieht sich allerdings durch die Serie. Das Einzige was ich immer vermisst habe ist dass es meines Erachtens nie so wirklich zwischen den Haupt(sympathie)charakteren gekracht hat - in der Hinsicht war The Shield nochmal ein anderes Kaliber.
#7
06. Februar 2011 um 12:45 Uhr
In dem Zusammenhang kann ich auch David Simons Buch Homicide empfehlen, was noch aus seiner Zeit als Reporter der Baltimore Sun stammt. Er hat dort die Mordkommission ein Jahr lang bei ihrer Arbeit begleitet.
Das Buch bildete später die Grundlage für die gleichnamige Serie und es finden sich auch viele Sachen bei The Wire wieder.
Das Buch bildete später die Grundlage für die gleichnamige Serie und es finden sich auch viele Sachen bei The Wire wieder.
#9
06. Juni 2012 um 09:44 Uhr
Hehe, ganz schön böse - und für mich genau der richtige Anstoß, um diese Woche endlich mal mit Season 1 zu beginnen. Ich bin sehr gespannt, wie mir diese hochgelobte (wenn auch kaum mit großen Preisen bedachte) Serie gefallen wird
#10
02. November 2012 um 17:54 Uhr
Argh, ich habe aus Versehen die deutsche DVD zur zweiten Staffel von "The Wire" doppelt bestellt. Hat irgendeiner von den UT-Gängern Interesse?
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