The Newsroom
HBO-Serie von Aaron Sorkin. Mit Jeff Daniels als News-Anchor
HBO-Seite | IMDb | Wikipedia
Aaron Sorkin ist wieder da!
Ab Mai zeigt HBO seine neue Dramaserie "The Newsroom". Darin geht es - wie schon bei "Sports Night" und "Studio 60" - um die Geschehnisse hinter den Kulissen einer fiktiven TV-Sendung. Diesmal steht die Show eines von Jeff Daniels gespielten Anchors im Mittelpunkt, der mit den Bossen seines typischen US-Nachrichtensenders ACN in Konflikt gerät. Ich als großer Fan von "The West Wing" freue ich mich also schon auf knackige Dialoge zum Thema Politik.
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The Newsroom
• HBO-Serie von Aaron Sorkin. Mit Jeff Daniels als News-Anchor
#2
26. Juni 2012 um 11:18 Uhr
Am Sonntag zeigte HBO die erste Folge der zehnteiligen Season 1 von "The Newsroom".
Die Serie ist eine kompromisslose Liebeserklärung an den mutigen amerikanischen (Fernseh-)Journalismus des letzten Jahrhunderts und seine heldenhaft vorbildlichen Protagonisten. Oder vielleicht auch nur ein Märchen darüber, wie diese idealisierte Vergangenheit heute wiederbelebt werden kann, damit die TV-Nachrichten ihren Teil dazu beitragen, aus Amerika wieder "the greatest nation on earth" zu machen.
Jedenfalls ist "The Newsroom" ein flammender Appell für journalistische Tugenden, politischen Realismus und tatkräftigen Mut. Und genau das ist leider das größte Problem von Sorkins jüngstem Projekt.
Denn einerseits sind der unsympathisch-zynische Hauptcharakter Will (perfekt verkörpert von Jeff Daniels), dessen idealistisch-resolute Produzentin Mackenzie und ihre drolligen Kollegen ein neckisches Team. Und natürlich macht es erst einmal Spaß, dabei zuzusehen, wie Will die politische Naivität einer College-Studentin ("Why is America the greatest nation on earth?") öffentlich entlarvt, indem er seinem Publikum einen Haufen wenig schmeichelhafter OECD-Statistiken um die Ohren haut.
Aber bereits in dieser Anfangsszene erreicht "The Newsroom" eine fatale Fallhöhe, weil hier - und danach immer wieder - billige Pappkameraden aufgestellt werden, damit die Protagonisten in jedem Akt mindestens eine märchenhaft idealistische Rede schwingen und als moralische Sieger präsentiert werden können. So weiß der Zuschauer immer, was er gerade zu denken hat. Schade, dass Sorkin hier so spektakulär über seine eigene linksliberale Überheblichkeit gestolpert ist.
So oder so ähnlich haben das übrigens auch die Kritiker von Spiegel Online, FAZ.net und der US-Presse gesehen.
Die Serie ist eine kompromisslose Liebeserklärung an den mutigen amerikanischen (Fernseh-)Journalismus des letzten Jahrhunderts und seine heldenhaft vorbildlichen Protagonisten. Oder vielleicht auch nur ein Märchen darüber, wie diese idealisierte Vergangenheit heute wiederbelebt werden kann, damit die TV-Nachrichten ihren Teil dazu beitragen, aus Amerika wieder "the greatest nation on earth" zu machen.
Jedenfalls ist "The Newsroom" ein flammender Appell für journalistische Tugenden, politischen Realismus und tatkräftigen Mut. Und genau das ist leider das größte Problem von Sorkins jüngstem Projekt.
Denn einerseits sind der unsympathisch-zynische Hauptcharakter Will (perfekt verkörpert von Jeff Daniels), dessen idealistisch-resolute Produzentin Mackenzie und ihre drolligen Kollegen ein neckisches Team. Und natürlich macht es erst einmal Spaß, dabei zuzusehen, wie Will die politische Naivität einer College-Studentin ("Why is America the greatest nation on earth?") öffentlich entlarvt, indem er seinem Publikum einen Haufen wenig schmeichelhafter OECD-Statistiken um die Ohren haut.
Aber bereits in dieser Anfangsszene erreicht "The Newsroom" eine fatale Fallhöhe, weil hier - und danach immer wieder - billige Pappkameraden aufgestellt werden, damit die Protagonisten in jedem Akt mindestens eine märchenhaft idealistische Rede schwingen und als moralische Sieger präsentiert werden können. So weiß der Zuschauer immer, was er gerade zu denken hat. Schade, dass Sorkin hier so spektakulär über seine eigene linksliberale Überheblichkeit gestolpert ist.
So oder so ähnlich haben das übrigens auch die Kritiker von Spiegel Online, FAZ.net und der US-Presse gesehen.
#3
08. Juli 2012 um 12:19 Uhr
Ungeachtet der oben zitierten Kritik hat HBO seiner jüngsten Serie, wie man das von dem Sender inzwischen schon fast gewohnt ist, direkt nach der Ausstrahlung der ersten Folge eine weitere Staffel spendiert.
Guckt's hier denn noch irgendjemand? Ich schau mir morgen die Episoden 2 und 3 ran, die ja deutlich schlechter als der Auftakt sein sollen. Hoffentlich bieten sie mehr als Wohlfühlfernsehen.
Guckt's hier denn noch irgendjemand? Ich schau mir morgen die Episoden 2 und 3 ran, die ja deutlich schlechter als der Auftakt sein sollen. Hoffentlich bieten sie mehr als Wohlfühlfernsehen.
#4
10. Juli 2012 um 16:03 Uhr
Pedda, on 08. Juli 2012 um 12:19 Uhr, said:
Guckt's hier denn noch irgendjemand?
Hier, ich. Folge 3 guck ich heute abend.
Ich kann die Kritik oben (und die paar anderen, die ich gelesen habe, u.a. bei Hitfix) zwar nachvollziehen, dennoch liebe ich diese Serie quasi vom ersten Moment an (Will's Blick und Wahrnehmung der Podiumsdiskussion, man fühlt es förmlich in ihm brodeln) und das wird sich kaum ändern (ist für mich bei Sorkin aber immer schon so gewesen).
Man kann immer etwas aussetzen bei ihm (Liberalismus, überhöhte Charaktere, Gutmenschentum... whatever), dennoch sind seine Serien qualitativ so weit oberhalb (oder abseits
Alles im Grunde egal, der Meister ist zurück und alle sind dankbar, selbst die größten Kritiker seiner Kunst mögen noch so sehr schreien: Any given Sunday sitzen alle dann doch vor der Glotze und erfreuen sich an messerscharfen Dialogen und pointierten Streitgesprächen mit politischem Hintergrund und Wunschgedanken.
Hach, die Welt könnte so schön sein, wäre das Drehbuch dazu nur von Sorkin.
#5
11. Juli 2012 um 00:10 Uhr
Pedda, on 08. Juli 2012 um 12:19 Uhr, said:
Guckt's hier denn noch irgendjemand?
Ich habe bisher nur die erste Folge gesehen, und ich war begeistert. Meine beiden Lieblings-Kritiker haben die nächsten Folgen total verrrissen
Ich schaue mir die nächsten auf jeden Fall noch an. Aber ich habe hier mindestens noch 7 Serien, die alle drauf warten ... fast alle Britisch oder Schwedisch, und es kommen die nächste Zeit noch Damages, neue Wallanders, Line of Duty, Sinbad dazu. Und das im Sommer, wo das TV Gerät sowieso nie an ist.
Pedda: wie ist Dein Eindruck von Newsroom nach Ep 2 und 3 ?
#6
14. Juli 2012 um 18:44 Uhr
Habe jetzt 2 und 3 gesehen. Kann zwar die Kritik (die sich hauptsächlich auf die Frauenfiguren bezieht) verstehen, aber ganz so extrem negativ finde ich das nicht. Bei Ami-Serien schalte ich sowieso von vornherein mein Gehirn auf: Geschlechterrollen 50er Jahre um.
Also, ich finds nach wie vor gut, ich schau weiter.
Ehm, das war Jane Fonda, oder? Hab ich erst nicht erkannt, ich glaube, die hat vor lauter OP's überhaupt keine Muskeln mehr im Gesicht, stört aber nicht weiter. Tolle Szene!
Also, ich finds nach wie vor gut, ich schau weiter.
Ehm, das war Jane Fonda, oder? Hab ich erst nicht erkannt, ich glaube, die hat vor lauter OP's überhaupt keine Muskeln mehr im Gesicht, stört aber nicht weiter. Tolle Szene!
#7
01. September 2012 um 17:06 Uhr
Zitat
Habe jetzt 2 und 3 gesehen. Kann zwar die Kritik (die sich hauptsächlich auf die Frauenfiguren bezieht) verstehen, aber ganz so extrem negativ finde ich das nicht. Bei Ami-Serien schalte ich sowieso von vornherein mein Gehirn auf: Geschlechterrollen 50er Jahre um.
Also, ich finds nach wie vor gut, ich schau weiter.
Also, ich finds nach wie vor gut, ich schau weiter.
US-Serien im Vergleich zu Produktionen unseres Kontinents pauschal ein solches Frauenbild vorzuwerfen, finde ich ziemlich übertrieben. Dafür gibt's hüben wie drüben einfach zu viele Gegenbeispiele. Das Klischee der neurotischen, leicht überforderten und tendenziell hysterischen (Karriere-)Frau ist doch hierzulande mindestens genauso gut vertreten.
Aber um auf deine Frage im vorigen Post zu antworten: Die Episoden 2 und 3 habe ich nicht viel anders empfunden als die Auftaktfolgen. Sie waren streckenweise noch propagandistischer als der Pilot, da muss man den Kritikern Recht geben. Nur durfte ich mir zu diesem Zeitpunkt sowieso kaum noch Hoffnungen machen, "The Newsroom" würde sich im Verlauf der ersten Staffel zu einem knallharten Polit-Drama mit "50 Grauschattierungen"
Das fand ich von Beginn an ziemlich enttäuschend (weil zu platt). Aber diese bewusste Wahl von Prämisse und Stil muss man akzeptieren - und dann eben entscheiden, ob man das Ganze trotzdem oder vielleicht gerade deswegen guckt. Letztlich habe ich mich für die Serie entschieden, weil mir zumindest die fünf, sechs kauzigen Hauptcharaktere, ihr märchenhafter Idealismus und ihre verkorksten Beziehungen dann doch irgendwie ans Herz gewachsen waren. In eine ähnliche Richtung geht diese treffsichere Kritik der New York Times. Was man Sorkin dennoch vorwerfen muss, ist die erschreckende Blässe der allermeisten Nebencharaktere, die ausbaufähige Darstellung die weiblichen Figuren und nicht zuletzt die Selbstgefälligkeit der Storys.
Wie auch immer: zum Schluss gibt's hier noch mal die wunderbar altmodische Titelmelodie, geschrieben von einem meiner Lieblingskomponisten, Thomas Newman ("American Beauty", "Finding Nemo", "Wall-E")
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