Caprica-City-Forum: Ferien - Caprica-City-Forum

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Ferien
aus dem abgebrochenen 5. Fanfic-Wettbewerb

#1 Mitglied ist offline   wrath-of-math 

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08. Juni 2010 um 19:28 Uhr

Eine weitere Geschichte aus dem 5. Fanfiction-Wettbewerb, aus dem leider nichts wurde:
Als sich Haushaltsroboter Serge plötzlich außerhalb seine vertrauten Umgebung wieder findet, ist sein einziges Ziel, zurück nach Hause zu gelangen.

Spoiler: Die Geschichte bezieht sich auf die neue Serie "Caprica", enthält aber keine direkten Spoiler.



Ferien


Aufsatz „Was ich in den Ferien erlebt habe“
von Camille Young

In den Ferien war ich mit Mama und Papa und Argo zu Besuch auf der Farm von meinen Großeltern. Die wohnen nicht weit weg von Delphi. An einem Tag sind Mama und Papa ins Museum gegangen, um sich die Kobol-Ausstellung anzugucken. Ich bin aber bei Oma und Opa geblieben, weil ich Museums langweilig finde. Ich bin draußen herum gestreunt, zusammen mit Argo. Wir haben die Gegend um die Farm erkundet.
Als wir unten am Fluss waren, an dem Opas Grundstück aufhört, fing Argo plötzlich an ganz laut zu bellen. Er rannte fort, und ich rannte hinterher. Argo blieb an einem komischen Ding stehen, das ganz nah am Wasser lag. Er dachte wahrscheinlich, das ist ein riesengroßer Knochen, weil es irgendwie so aussah. Argo schnüffelte das Ding von oben bis unten ab. Ich habe erst gemeint, es ist nur ein Plastikklumpen. Doch dann fing das Ding an zu reden!

∙ ∙ ∙

Serge lag auf dem Rücken, als sein System neu bootete. Seine optischen Sensoren stellten fest, dass er sich nicht mehr im Haus der Familie Graystone befand. Auch seine Verbindung zum Hauscomputer war unterbrochen. Er rief seine letzten gespeicherten Informationen ab, und verglich deren Zeitstempel mit seinem inneren Chronometer. Es waren 23 Minuten und 42 Sekunden seit seiner Deaktivierung vergangen; seit dem Zeitpunkt, als die Einbrecher ihn mit einem gezielten EMP-Impuls überwältigt hatten. Um ihn herum erkannte er diverse Wertgegenstände aus dem Besitz der Graystones, die sich nun nicht mehr an ihrem vorgesehenen Platz befanden. Das gefiel ihm gar nicht.
Links und rechts von ihm saßen zwei tätowierte Männer. Der linke war unrasiert und wies ein korrektionsbedürftiges Gebissprofil mit einer großen Zahnlücke auf. Der andere hatte ein stark asymmetrisches Gesicht, bei dem das rechte Auge deutlich über dem linken lag. Ohne Verbindung zum Hausnetz hatte es jedoch keinen Zweck, ihre Gesichtsmerkmale an die Polizei zu übermitteln.
Serge entschied sich für den Angriff. Doch seine Versuche, die Arme auszufahren oder die eingebauten Waffen einzusetzen, wurden mit Meldungen über mechanische Fehlfunktionen beantwortet. Man hatte ihn beschädigt. Auch seine Beschleunigungssensoren waren entweder defekt, oder die enge Kabine, in der er sich zusammen mit den Männern befand, bewegte sich in hohem Tempo.
Er probierte es mit Kommunikation. »Guten Abend«, sagte er in einem freundlichen Tonfall, dem einzigen den er beherrschte. »Die Graystones benötigen meine Dienste. Bitte bringen Sie mich zurück.«
»Scheiße, ich denke Hermes hat ihn deaktiviert.«, fluchte der Mann mit der Zahnlücke.
»Keine Angst, ohne seine Ärmchen ist er harmlos.«, sagte der andere und beugte sich mit seinem schiefen Gesicht über den zentralen optischen Sensor. »Was kostest du? Wie viel können wir für dich verlangen?«
»Ich bin ein Unikat. Mein Wert lässt sich nicht allein an Material- und Produktionskosten messen.«
Der Mann grinste. »Umso besser, dann gibt’s sicher Leute, die einen Haufen Cubits für dich ausgeben würden. Ist nur die Frage, ob wir dich als Ganzes verhökern, oder in Teilen.«
»Diese Käufer würden sich strafbar machen.«, gab Serge den Männern zu verstehen.
»Sag bloß!«
»Viele meiner Teile sind mit passiven Sendern ausgestattet, die geortet werden können. Das Caprica City Police Department wird mit Hilfe der Graystones jeden finden, der Teile von mir illegal in Besitz nimmt. Bitte bringen Sie mich zurück zu den Graystones. Sie benötigen meine Dienste.«
Der Mann verzog den Mund. Die Gesichtserkennung interpretierte seine Mimik als Beunruhigung. »Du lügst!«, behauptete sein Kollege, aber es klang fast wie eine Frage.
»Ich bin nicht programmiert auf Lügen. Allerdings wurden mir humoristische Anmerkungen beigebracht.« Die Männer blickten sich verwirrt an, also fügte Serge trocken hinzu: »Dies war jedoch keine humoristische Anmerkung.«
Wieder sahen sich die Männer an. Sie schienen einen stillen Entschluss zu fassen. Nur wenige Augenblicke später wurde er aus der Kabine raus auf das Deck eines kleinen Motorbootes getragen und bei voller Fahrt über Bord geworfen. Zum Glück war er als Schwimmkörper konzipiert worden.

∙ ∙ ∙

Das Ding war ein Roboter. Er sagte, sein Name ist Serge, und dass er unbedingt zurück zur Familie Graystone muss. Das sind ganz berühmte Leute, aber das wusste ich da noch nicht. Ich rannte zurück zum Haus und rief nach meinem Opa. Der meinte, ich habe vermutlich nur Spielzeugschrott gefunden, und wollte erst nicht mitkommen. Deswegen musste ich ihn ganz lange überreden. Als er endlich mit mir runter zum Fluss kam, war ich ganz schön froh.
Wir haben den Roboter den ganzen Weg zurück zu Opas Werkstatt getragen. Opa war genervt, weil der Roboter zu viel redete. Ich fand Serge aber sehr nett.

∙ ∙ ∙

Auf Zehenspitzen lehnte Camille an der großen Werkbank und sah ihrem Opa gebannt dabei zu, wie er getrockneten Schlamm aus den Ritzen und Öffnungen in Serges Kunststoffhülle puhlte. Sie liebte es, ihm beim Handwerk zuzuschauen. Selbst wenn es nur um einfache Reparaturen oder –wie hier– das Putzen einer Maschine ging, arbeitete er stets mit einer solchen Konzentration und Bedachtheit, dass sie von jedem seiner Arbeitsschritte fasziniert war. Üblicherweise schwiegen die beide in solchen Situationen. Doch nie zuvor hatte ihr Großvater an einer Maschine gearbeitet, die sprechen konnte.
»Sowas wie dich hab‘ ich noch nie in irgend ‘nem Laden gesehen.«, stellte der alte Mann fest, während er die Linse von Serges Auge mit einem feuchten Lappen abwischte.
Der Roboter antwortete: »Daniel Graystone hat mich konstruiert. Bitte bringen Sie mich zurück zu ihm. Mein Dienste werden benötigt.«
Ein grummelndes Stöhnen entfloh Camilles Großvater. Er mochte Serge offensichtlich nicht besonders. »Das hast du jetzt schon ein Dutzend Mal gesagt. Und ich hab gesagt, ich überleg’s mir. Ich will nicht, dass die glauben, ich hätte dich gestohlen.« Er schnaubte abschätzig. »Ich leg mich bestimmt nicht mit dem verfrakt nochmal reichsten Mann auf Caprica an.«
»Sie sollten bei Anwesenheit von Kindern nicht fluchen.«, riet Serge und versicherte dann: »Ich kann bezeugen, dass Sie nicht der Dieb sind. Die Diebe trugen Tätowierungen, wie sie auf Tauron üblich sind. Sie jedoch stammen ihrem Akzent zu Folge ursprünglich von Aerilon.«
»Verdammte Dreckfresser!«, fluchte ihr Opa. »Machen nichts als Ärger! Aber warum sollten die Graystones dir glauben? Du bist nur ein Roboter.«
»Das ist korrekt.«, antwortete Serge schlicht.
Camille verstand die Logik hinter den Gedanken ihres Großvaters nicht so richtig. Gerade einem Roboter sollte man doch glauben können, dachte sie. Es gefiel ihr nicht, dass ihr Opa solch eine Abneigung gegenüber Serge zeigte. Sie entschied, dass sie dem kleinen Kerl zur Seite stehen muss. »Er will zurück nach Hause. Wir müssen ihm helfen.«, sagte sie mit jugendlicher Überzeugung.
»Er ist eine Maschine. Er hat kein Zuhause. Er kann genauso gut deiner Oma im Haus helfen.«
»Ich diene den Graystones.«, beharrte Serge.
Camilles Stimme wurde quengelig. »Er will aber nicht Oma helfen. Er hat Heimweh.«
»Heimweh?«, lachte der Alte. »Ach, Kleines, du bist mir eine. Ein Roboter fühlt auch kein Heimweh.«
»Das ist korrekt.«, bestätigte Serge. »Allerdings bin ich darauf programmiert, den Graystones behilflich sein zu wollen. Ich habe den Wunsch, dorthin zurückzukehren, wo ich einen Zweck erfülle. Dies könnte als Heimweh interpretiert werden.«
Camilles Großvater schüttelte verächtlich den Kopf. »Von dummen Robotern kann das vielleicht als Heimweh interpretiert werden. Wenn du auch nach Jahren noch von diesen seltenen Tagen träumst, an denen beide Sonnen gleichzeitig über den Weizenfeldern auf Aerilon scheinen, und das Getreide wie einen Teppich aus purem Gold glänzen lassen ― das nenne ich Heimweh!« Er wurde ruhig und schwieg. Für eine Weile saß er einfach nur da, mit Wehmut in den Augen. Camille verstand nicht, was gerade vor sich ging. Sie wusste, dass ihr Opa gelegentlich knarzig und eigenbrötlerisch war, aber so hatte sie ihn noch nie erlebt. Sie überlegte gerade, ob sie nicht irgendetwas sagen sollte, als ihr Großvater plötzlich aufstand. Er hatte eine Entscheidung getroffen: »Na los. Bringen wir dich zurück zu deinem Herrchen.«

∙ ∙ ∙

Opa hat den Roboter dann erst mal sauber gemacht. Dann haben wir Serge auf die Ladefläche von Opas Pick-Up geladen, um ihn zurück nach Hause zu bringen. Ich durfte hinten mitfahren, obwohl Papa das gar nicht mag. Aber mein Opa hat sich da nicht so. Auf der Fahrt konnte ich super mit Serge reden. Obwohl er nur ein Roboter ist, kann er ganz kluge Sachen sagen.
Ich habe ihn gefragt, warum er denn so dringend zurück nach Hause muss. Serge sagte, die Graystones brauchen seine Hilfe. Es ist seine Bestimmung, für die Graystones zu arbeiten, so wie es meine Bestimmung ist, in die Schule zu gehen, meinte er. Ich erklärte ihm, das stimmt nicht, weil ich ja auch oft Ferien habe. Doch Serge braucht keine Ferien. Hat er jedenfalls gesagt.

∙ ∙ ∙

Titus Young zögerte einen Moment. Mit dem Finger umfuhr er den runden Klingelknopf, unschlüssig wie er die Übergabe des Roboters am besten bewerkstelligen sollte. Reiche Leute, Menschen die in gläsernen Palästen wohnten und sich von Robotern bedienen ließen, waren ihm von Grund auf suspekt. Wie würde der berühmte Daniel Graystone reagieren? Dankbar? Abweisend? Würde er überhaupt irgendetwas für jemanden wie Titus übrig haben? Dann erinnerte er sich, dass er kein kleiner Junge mehr war, sondern ein alter Mann, und entschied, dass seine Scheu töricht war. Er schaute hinab zu Camille, die ganz aufgeregt von einem Bein zum anderen wippte. Dann drückte er den Knopf.
Ein Glockenton erklang. Wenige Augenblicke später öffnete sich die Tür, und ein junges Mädchen mit schwarzen Haaren, vielleicht fünf oder sechs Jahre älter als Camille, stand ihnen gegenüber. »Hallo?«, fragte sie.
»Äh, hallo.«, antworte er unsicher. »Vermissen Sie ihren Roboter?« Beiläufig winkte er hinüber zu seinem Truck, den er vorm Haus geparkt hatte.
Sofort hellte sich das Gesicht des Mädchens auf. Sie sprang an ihm vorbei zum Auto. »Sie haben ihn gefunden?« Dann rief sie ins Haus: »Dad! Serge ist zurück!«
Und kurz darauf erschien er: Daniel Graystone. Mit langen Schritten hielt er auf Titus zu und streckte bereits auf halbem Wege die Hand aus. »Sie haben unseren Roboter zurück gebracht?«, fragte er, während sie sich die Hände schüttelten. Es war nur oberflächliche Freundlichkeit. »Wo haben sie ihn gefunden?«
»Ein paar Meilen entfernt von Delphi. Meine Enkelin hat ihn am Ufer des Flusses entdeckt.«
Graystone nickte. »Ja, das passt. Die Einbrecher kamen per Boot, über die Seeseite.«
Das schwarzhaarige Mädchen beugte sich herunter zu Camille und umarmte sie. »Das hast du toll gemacht, dass du ihn nicht einfach dort liegen gelassen hast.«, lobte sie. Camille strahlte.
Gemeinsam hoben sie den Roboter von der Ladefläche und stellten ihn vor der Tür auf seinen Rollerball. »Kannst du dich bewegen, Serge?«, fragte Graystone kühl.
»Ja, Daniel.«
»Dann geh‘ runter in mein Labor. Wir schauen gleich mal, was sie mit dir gemacht haben.« Ohne ein weiteres Wort des Dankes verschwand der Roboter im Haus. Aber was sollte man schon von einer Maschine erwarten? Zumindest Daniel Graystone kannte die grundlegendsten Formen der Höflichkeit. »Vielen Dank für ihre Hilfe!«, sagte er mit einem weiteren Händedruck. »Ich hatte schon befürchtet, ich müsste mir einen Serge 2.0 bauen. Wenn er nicht zu stark beschädigt ist, kann er schon heut Abend wieder für uns kochen.«
Camille horchte auf. »Er ist doch gerade erst wieder zurück. Sie sollten ihn nicht so viel arbeiten lassen! Geben Sie Serge ab und zu mal Ferien!«
Graystone reagierte verblüfft. Seine Tochter lachte. »Schlaues Mädchen! Hast du gehört, Dad? Serge braucht Ferien.«

∙ ∙ ∙

Die Familie Graystone hat sich ganz doll gefreut, als wir ihnen Serge heim brachten. Besonders Zoe, die Tochter von dem berühmten Mr. Graystone, war sehr nett. Wir plauderten ein bisschen mit ihnen, dann haben wir uns aber wieder auf den Weg zurück zur Farm gemacht.
Bald darauf waren die Ferien dann zu Ende. Ich war darüber eigentlich ganz froh, denn mit der Zeit wurde es langweilig auf der Farm. Mama, Papa, Argo und ich fuhren zurück nach Hause. Zwei Tage später fing die Schule wieder an.

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#2 Mitglied ist offline   OldMan 

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30. Juli 2010 um 10:59 Uhr

Was aus dem FF-Wettbewerb wurde, habe ich leider nicht mitbekommen. Schade, dass er offenbar geplatzt ist...? Umso schöner ist es, dass du dich trotzdem dafür entschieden hast, deine Geschichte zu veröffentlichen!

Mir gefällt sie! Sie ist frisch, humorvoll - und anders. Den eingewobenen Schulaufsatz finde ich besonders gelungen und nah an der Realität. So zu schreiben, ist für einen Erwachsenen sicherlich nicht ganz einfach. Ich fühlte mich jedenfalls prompt an meine ehemaligen Schulkinder aus der Grundschule erinnert :mrgreen:
Serge und Daniel finde ich ebenfalls sehr überzeugend.
Mir hat es wirklich Spaß gemacht, "Ferien" zu lesen. Danke für diese Geschichte! ;)

PS: Camille Young? ;) ;) :censored:
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#3 Mitglied ist offline   wrath-of-math 

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30. Juli 2010 um 16:03 Uhr

Camille Young? Hmmm...

SGU vielleicht? Verdammt, das war nicht mal Absicht. Dämliches, Namen abkupferndes Unterbewusstsein! :mrgreen:
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#4 Mitglied ist offline   OldMan 

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30. Juli 2010 um 17:20 Uhr

Beitrag anzeigenwrath-of-math, on 30.07.2010, 17:03, said:

SGU vielleicht?


Hat ne Weile gedauert, bis ich den gedanklichen Haken geschlagen hatte, aber: Ja! :mrgreen:
Macht ja nix, ob beabsichtigt oder nicht. Zum Schmunzeln fand ich's aber auf jeden Fall :censored:
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