Willkommen im neunen Jahr
Callum Keith Rennie hatte eine große Klappe
von Mirco Neubauer (xshrekx) und Marion Rauhut (Caprica) | 01.01.2008
Callum Keith Rennie spielt bei “Battlestar Galactica” einen der menschlichen Zylonen. Er war als Leoben schon in der Miniserie dabei und wurde von Commander Adama erschlagen. Leoben wird gespielt von Callum Keith Rennie.
Für
Galactica TV sprach Marcel Damen mit dem Schaupieler. Lesen Sie im heutigen ersten Teil des ausführlichen Interviews, wie Callum Keith Rennies späte Schauspielkarriere begann und erfahren Sie, wie er bei einer Kneipenschlägerei fast sein Augenlicht verlor.
Galactica TV: Zunächst möchte ich Ihnen natürlich für dieses Interview danken.
Callum Keith Rennie: Oh, ich danke Ihnen.
Galactica TV: Ich möchte mit dem Beginn Ihrer Karriere anfangen, da man hört, dass Sie sich erst im Alter von 25 Jahren dem Theater zugewandt haben. Haben Sie vorher auch geschauspielert? Oder was haben sie davor gemacht?
Callum Keith Rennie: Ich hatte verschiedene Jobs. Ich wusste nicht wirklich, was ich machen wollte. Einige Freunde hatten einen Radiosender gegründet und machten eine Live-Theatersendung in Edmonton, zusammen mit der University of Alberta. Die fragten, ob ich da eine Rolle sprechen wollte. Eins kam zum anderen und dann wurde ein Stück bei einem großen Französisch-Festival in Edmonton aufgeführt. Sie beschlossen, eine Reihe von Stücken zu machen und sie wollten, dass ich dabei war. Also hab ich das gemacht, und es lief wirklich gut. Aber die konnten die Sache im Enfeffekt nicht wirklich ernst nehmen, da sie gar nichts übers Radio wussten. Also bin ich danach irgendwie wieder zurück in mein normales Leben zurück, wissen Sie. Es hat noch ein paar Jahre gedauert, bis ich mehr am Theater gemacht und mich darauf konzentriert habe. Ich habe ein wenig mehr getan und ich mochte das Theater wirklich nicht so sehr wie ich gedacht hätte. Ich habe einen ganz merkwürdigen Film in Edmonton gemacht, als ich Ende 20 war, aber ich schätze, mein erstes professionelles Engagement hatte ich mit 33.
Galactica TV: Okay, wann haben Sie also wirklich beschlossen, dass das Ihr Beruf werden wird?
Callum Keith Rennie: Uhm... Ich glaube, letzte Woche? (Beide lachen) Ich frage mich immer noch, ob das meine Beruf sein wird. Ich glaube, mit 33 hatte ich einige Gelegenheiten, mein Leben etwas ernster zu nehmen und ich dachte, ich würde dem mal ein Jahr geben, denn Theater hatte für mich nicht wirklich als Beruf funktioniert. Ich weiß nicht, warum es funktionierte. Und ich schien Angst davor zu haben. Aber als ich dann etwas für den Film gearbeitet hatte, konnte ich anders arbeiten. Man muss nicht jedesmal perfekt sein. Da ist etwas von dem, wer ich bin und mit der Einstellung ging es viel besser. Als ich also mein erstes Engagement bekam, habe ich erkannt, dass ich darauf aufbauen könnte.
Galactica TV: Wenn das nicht ihr Beruf wäre, welcher wäre es dann?
Callum Keith Rennie: Pffff... (lacht) Ich habe wirklich keine Ahnung. Uhm... Ich glaube, ich hätte irgendetwas mit Kunst zu tun. Ob als Maler oder etwas in der Richtung, aber irgendetwas kreatives, denn ich kann nicht... Ich hatte viele Jobs und nichts hat funktioniert. Es war ganz egal, wieviel Geld ich verdient habe, es war egal, wie wenig ich hatte, wenn es etwas Kreatives war, dann hat es mir gefallen und das war es. Ob es also Schreiben oder Malen wäre... Ich male nach wie vor, da mir das gefällt. Irgendwas künstlerisches, ich weiß nicht genau, was.
Galactica TV: Andere Schauspieler sagen, dass Vancouver insgesamt recht wenig Schauspieler hat, so dass man sich bei verschiedenen Serien immer wieder trifft. Sie waren bei “The L Word”, “Da Vinci's Inquest” und noch einigen anderen dabei, bei denen “Battlestar Galactica”-Schauspieler aufgetreten sind. Tahmoh Penikett und Aaron Douglas zum Beispiel. Bei “The L Word” haben Sie zwar erst später mitgespielt, aber haben Sie mit einigen von ihren Kollegen vor Ihrer Arbeit an der “Battlestar Galactica”-Miniserie zusammen gearbeitet?
Callum Keith Rennie: Lassen Sie mich nochmal auf die vorherige Frage zurück kommen [...] Ich würde gerne Profigolfer sein. Professioneller Golfer als Beruf. Das würde mir gefallen.
Galactica TV: Wenn man gut ist, kann man dabei eine Menge Geld verdienen.
Callum Keith Rennie: Das ist einer von diesen Traumjobs, von denen man, wenn man gut ist, leben kann, und es würde Spaß machen.
Okay, zurück. Vancouver ist schon klein. Ich schätze, ziemlich klein, wenn man bedenkt, wie viel hier gearbeitet wird. In Toronto oder Montreal ist es ähnlich.
Ich bin mir nicht sicher, ich habe viele Jahre nicht wirklich in Vancouver gearbeitet, erst die letzen paar Jahre. Es scheint, als habe ich überall gearbeitet außer in Vancouver. Ich habe gerade eine Folge von “Men in Trees” gedreht und da sind Leute, die sind schon seit zehn Jahren dabei, mit denen ich noch nie gearbeitet habe, die ich noch nicht einmal getroffen habe. Nicki Lee zum Beispiel. Ich hab ihn zwar mal gesehen, aber nie mit ihm gearbeitet oder eine Szene mit ihm gedreht. Und solche Menschen gibt es einige in der Stadt. Und was “Battlestar Galactica” angeht, ich hatte vorher mit keinem der anderen Schauspieler gearbeitet. Es ist hier zwar klein, aber ich habe mehr in Toronto und am anderen Ende des Landes gearbeitet als hier.
Galactica TV: Sie haben mit Bruce McCulloch aus "Kids in the Hall" eine Punkrockband gegründet?
Callum Keith Rennie: Nein, das behaupten sie nur bei der verrückten IMDb-Seite. Fast alles, was da steht, ist falsch.
Galactica TV: Stimmt also nicht?
Callum Keith Rennie: Ich weiß nicht, warum da fast alles falsch ist. Aber nein, habe ich nie. Ich bin mit Bruce aufgewachsen, wir waren zusammen auf der High School und danach auf dem College. Ich hatte immer mit Musik zu tun und er liebte Freunde, die Musik machten. Wir haben zusammen Punkrock gehört und viel Bier getrunken und viel Spaß gehabt.
Galactica TV: Spielen Sie ein Instrument oder so?
Callum Keith Rennie: Nein. Ich habe einen Freund, Tom Holliston, der ist in einer Band, die "No Means No", "The Handsome Brothers", heißt, beides das gleiche. Er versuchte mir, Gitarre spielen beizubringen und mich in die Band "The Showbiz Giants" zu bringen. Ich war aber wirklich nicht geschickt dabei. Ich erinnere mich daran, dass ich mich nicht zusammenreißen konnte, um lang genug still zu sitzen und geduldig genug zu sein, um das zu lernen. Das schien an mir abzuprallen, und wenn ich was richtig gemacht habe, dann habe ich mich kaputt gelacht und konnte nicht weiter machen.
Galactica TV: Ein weiterer Fund von IMDB, mal sehen, ob das stimmt: Ihnen wurde bei “Akte X” die Rolle des “Alex Krycek” angeboten.
Callum Keith Rennie: Ja.
Galactica TV: Das stimmt? Aber Sie lehnten das Angebot ab, weil Sie sich nicht für wiederkehrende Rolle in einer Serie verpflichten wollten?
Callum Keith Rennie: Nun, das war eine Geldsache, auf die mein Manager und ich uns zu der Zeit geeinigt hatten. Wir meinten, das passe nicht. Ich meine, das war nicht gerade unglaublich viel Geld. Die Serie fing gerade erst an, dieser Popkulturerfolg zu werden und da war nicht wirklich... Wissen Sie, ein Teil des Problems war, dass ich in einer Serie gefangen gewesen wäre. Und damals war ich dazu nicht bereit, glaube ich. Ich war noch sehr neu in dem Geschäft, also dachte ich, dass es, wenn ich nicht ein ordentliches Einkommen in den nächsten paar Jahren hätte, besser wäre, bei so vielen Projekten wie möglich zu arbeiten. So spät, wie ich angefangen habe. Für mich war es wohl besser, einige Sachen zu spielen und mich in dem Geschäft zu etablieren.
Galactica TV: Haben Sie diese Entscheidung bereut?
Callum Keith Rennie: Nein.
Galactica TV: Nie?
Callum Keith Rennie: Nein, so bin ich. Man trifft solche Entscheidungen. Es ging nicht ums Geld. Es ging eher darum, was ich brauchte. Es schimmerte immer durch: Wenn du das nicht machst, bist du ein Narr. Aber gleichzeitig muss man darauf vertrauen, dass man die Arbeit macht, die man möchte. Der Charakter hing immer in der Luft, als ob es sich lohnen könnte. Es hängt davon ab, zu was man sich verpflichten möchte und was für Arbeit man machen möchte.
Galactica TV: Ich habe gehört, dass sie eine Brille tragen, weil Ihre Augen in einer Kneipenschlägererei verletzt wurden?
Callum Keith Rennie: Ja.
Galactica TV: Hat Sie jemand Toaster genannt?
Callum Keith Rennie: (Lacht) Nicht ganz. Aber ja, ich war in einer Keilerei in einer Kneipe hier verwickelt. Gott, das ist 14 Jahre her und viel davon war meine eigene Schuld. Dass mir das aus dem Kopf geschlagen wurde, gehört zu den besten Sachen, die mir je passiert sind. Vielleicht DAS Beste, was mir je passiert ist, denn das hat mich ausgenüchtert und mir die Möglichkeit gegeben, mich zum Beispiel dazu zu entschließen, es jetzt als Schauspieler zu probieren.
Galactica TV: Geraten Sie immer noch in Kneipenschlägereien?
Callum Keith Rennie: Nö. Ich hatte eine große Klappe. Ich war ein Großmaul und wenn ich ein paar Bier intus hatte, dann habe ich Ärger gemacht. Ich habe wohl viel Ärger gemacht. (lacht) Aber nein, wenn ich davon lese, dann lässt mich das schaudern. Das klingt, als wäre ich ein Arsch gewesen. Aber ich war nur jemand, der sich in seinem Leben verloren hatte. Und ich habe vieles ausprobiert, okay? Ich habe viel ausprobiert und war nicht auf Ärger aus.
Galactica TV: Haben Sie die Original-Serie “Kampfstern Galactica” gesehen, als sie 1978 ausgestrahlt wurde?
Callum Keith Rennie: Ja, ich meine, sie wurde ausgestrahlt. Ich war kein großer Fan und habe sie meistens nicht gesehen. Ich weiß nicht mehr, was ich damals geguckt habe.
Galactica TV: Sie haben also auch den Film nicht im Kino gesehen?
Callum Keith Rennie: Nein.
Galactica TV: Aber Sie hatten von der Serie gehört, oder?
Callum Keith Rennie: Der alten Serie? Ja, aber ich habe sie erst vor kurzem gesehen, in den letzten paar Jahren. Sie haben die Serie hier wiederholt. Ich habe sie gesehen, aber ich finde, sie hat sehr wenig mit der Serie zu tun, bei der ich arbeite.
Galactica TV: Das stimmt. Sie sind seit der Miniserie bei “Battlestar Galactica”. Wie haben Sie von der dieser neuen Serie erfahren?
Callum Keith Rennie: Nun, die neue Serie tauchte auf als... wissen Sie, sie haben Material geschickt, ich habe es gelesen, ein Angebot für die Rolle kam und ich habe eingewilligt. Es gab kein Vorsprechen. Mir wurde die Rolle angeboten und ich war so aufgeregt, dass ich mit Edward James Olmos zusammenarbeiten konnte. Das war toll. Es war toll, ihn zu treffen und es war toll, mit ihm in der Pilotfolge zu arbeiten. Ich wusste nicht, wo das hinführen sollte, denn ich hatte nicht für eine Fortsetzung oder so etwas unterschrieben. So haben sie also angefangen, mich langsam Stück für Stück zurück zu bringen und letztes Jahr habe ich an ziemlich vielen Episoden mitgearbeitet. Und das war toll. Es war ein langsamer Prozess.
Galactica TV: Das ist eine ziemliche Ehre, die Rolle einfach angeboten zu bekommen. Sie haben nicht einmal für andere Rollen vorgesprochen, so wie viele von den anderen Schauspielern.
Callum Keith Rennie: Nein, die Castingleute hier kannten meine Arbeit sehr gut und sagten einfach: “Callum wäre toll hierfür.” Und Michael Rymer hat sich mein Band angesehen und gesagt: “Okay, er ist großartig, heuern wir ihn an.” Das ist immer schön, wissen Sie. Manchmal muss man da hin und sich die Rolle verdienen und manchmal bekommt man den Job und musste sich nicht darum bemühen. Es gibt also zwei Möglichkeiten: Vorsprechen und nicht vorsprechen.
Quelle:
Interview bei Galactica TV