Maureen Ryans Season-4-Interviews
• Die "Chicago Tribune"-Bloggerin klärt auf
#1
13. Februar 2009 um 19:03 Uhr
Hier erhaltet ihr wertvolle Informationen, was sich die Macher der Episoden bei den Folgen gedacht haben.
#2
13. Februar 2009 um 19:08 Uhr
Ron Moore
Maureen Ryan: Warum Ellen?
Ron Moore: Es hat eine gewisse Logik. Ich habe schon sehr früh gemerkt, dass ich Tigh und sie als Paar sehr gerne mag. Dass es da etwas gab, das tiefer ging als ihre Ehe, als ihre Beziehung, dass das eine Beziehung war, die Zeit und Raum überwunden hat. Dass das zwischen den beiden einfach etwas uraltes ist, das schon eine sehr lange Zeit existiert – dieser Gedanke gefiel mir. Das wurde schon in der Pilotfolge von "Battlestar Galactica" erwähnt.
Maureen Ryan: In der Miniserie verbrennt Tigh ihr Foto, oder?
Ron Moore: Ja, und in der ersten Szene, in der wir ihn sehen, wird er sauer, weil Starbuck ihn wegen seiner Frau neckt. "Was ist mit Ihrer Frau?" Die beiden werden handgreiflich.
Die Idee, dass die beiden das Paar unter den Final Five sind, schien sehr verlockend, vor allem, dass sie das Paar sind - Sie wissen schon, dieses Drama – immerhin hatte ihre Beziehung schon viel mitgemacht. Aber die Idee, dass dieser Beziehung schon immer etwas tieferes, etwas zentraleres zu Grunde lag, die gefiel mir wirklich sehr.
Maureen Ryan: Wann haben Sie diese Wahl getroffen?
Ron Moore: Irgendwann während der dritten Staffel. Wir haben Ellen schon sehr früh in dieser Staffel getötet, und an dieser Stelle hatten wir noch keine Ahnung. Aber damals, als wir sie töteten, hatte ich zum ersten mal die Idee, dass es noch fünf Zylonen gibt und diese noch aufgedeckt werden müssen.
Zu Beginn der dritten Staffel lebte Baltar mehrere Episoden lang auf dem zylonischen Basisschiff. Und dieser Teil der Handlung sorgte für eine Entspannung – nachdem Baltar einmal in der Welt der Zylonen war, warum sollte er nicht alle 12 zylonischen Modelle sehen? Wie konnten wir da gut drum rum kommen und das gut verpacken? Und dann hatte ich eine Idee – was, wen das kein Zufall ist? Was, wenn das eine bestimmte Bedeutung hat, dass wir die anderen fünf noch nicht gesehen haben? Und so wurden die Final Five zu einem Mythos.
Im Laufe der vierten Staffel musste ich immer wieder an Ellen denken, wenn es darum ging, wer die Final Five sind. Ich glaube, ich hatte mich erst für Ellen entschieden, als wir wussten, wer die Final Four sind. Als wir uns mit ihnen beschäftigten – Tigh, Anders, Tory und Tyrol – hatte ich das Gefühl, "und Ellen muss der fünfte sein". Denn das Tigh ein Zylone ist, war eine so tiefgreifende Enthüllung, ein solch großer Schritt für die Serie, dass es sich nur natürlich anfühlte, dass auch Ellen ein Zylone ist.
Und er brachte sie um, weil sie mit den Zylonen kollaboriert hat! Das war so vielschichtig, ich fand das richtig faszinierend. Es ging um Schuld und Beschuldigungen, um Erinnerung und Verantwortung, und ich fand einfach gut, wie die Dinge zusammen hingen.
Maureen Ryan: Ja, als sich herausstellte, dass sie es sein würde, dachte ich, "ja, so arbeitet Ron Moores Kopf. Er macht mittlerweile vieles komplizierter".
Ron Moore: [Lacht] Hat es Ihrer Meinung nach funktioniert?
Maureen Ryan: Ich finde schon. Aber es kam mir vor, als würde es einfach Sinn ergeben. Manchmal habt ihr da Handlungswendungen eingebaut, wo ich mich fragte, ob ihr das ernst meint. Zum Beispiel, als sie die zerstörte Erde gefunden haben, der Zeitsprung von einem Jahr, und als Boomer Adama erschießt. Ich dachte immer, "wow, damit habe ich jetzt nicht gerechnet". Dieses mal bin ich nicht so vom Stuhl gefallen. Das klang interessant. Und ergab Sinn. Hatten Sie auch das Gefühl, dass da einfach ein Puzzlestück seinen richtigen Platz findet?
Ron Moore: Ja, allerdings, es hat einfach in die alles übergreifende Handlung gepasst. Und so in der Art hat die Serie immer funktioniert, es ging darum, einen Plot Twist zu zeigen, und zu sehen, wie die Dinge zusammen passen. Das schien einfach natürlich. Plötzlich schien alles Sinn zu ergeben [...].
Maureen Ryan: Wie viele von den ersten sieben Zylonen wussten es? Ein Teil von mir fragt sich, ob Cavil es wusste, und auf New Caprica einfach nur mit ihr herumgemacht hat, weil er es eben konnte. Hat Ihnen das geholfen, Ihre Entscheidung zu treffen?
Ron Moore: Ja, die Sache mit Cavil wird noch eine wichtige Rolle spielen. Sobald wir mit der Staffel weiter voran kommen, wird sich das auch zeigen. Aber alles wird sehr gut zusammen passen.
Maureen Ryan: Wir werden also in den nächsten paar Folgen erfahren, wer wusste, dass Ellen eine Zylonin ist, und wie sich das auf die Dinge, die da noch kommen werden, auswirkt?
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Wir werden sie also wiedersehen. Wird sie in dem Rest der Staffel eine wichtige Rolle sielen?
Ron Moore: Ich will nicht zu viel verraten, aber das wird nicht das letzte mal sein, dass wir Ellen sehen.
Maureen Ryan: Ich dachte auch sofort an die Szene im Opernhaus. [D'Anna Biers] sagt zu einem der Final Five, "I'm sorry, I had no idea" ("Entschuldigung, ich hatte ja keine Ahnung"). Sagte sie das zu Ellen?
Ron Moore: Ich glaube, die Intention dahinter war... wir hatten ein Gespräch darüber zwischen den Autoren – nachdem wir einmal beschlossen hatten, dass Ellen eine Zylonin war, war unsere Intention, dass D'Anna mit ihr spricht. Als wir diese Dialogzeile geschrieben haben, war der Plan noch nicht ganz klar, aber später, als wir die Identität aller Zylonen beschlossen hatten, war uns klar, das ist Ellen.
Maureen Ryan: Es scheint, als seien viele der Final Five auf New Caprica wichtige Personen oder Führungspersönlichkeiten gewesen. Ist da etwas dran?
Ron Moore: Es ging mehr darum, zu sehen, wie sich diese Charaktere unter diesen Umständen verhalten würden. Sie wussten nichts von ihrer wahren Natur. Welche Handlungen würden sie in dieser Situation unternehmen, in Anbetracht dessen, wer sie wirklich waren. So haben sie sich entwickelt. Für uns war die ironisch angehauchte Tatsache wirklich interessant, dass alle fundamental an dem Widerstand gegen die Zylonen beteiligt waren.
Maureen Ryan: Wussten Sie, dass Ellen der letzte Zylone wird, während Sie mit dem Schreiben an der dritten Staffel ungefähr in der Mitte oder eher am Ende waren?
Ron Moore: Zwischen der dritten und der vierten Staffel hatten wir Autoren uns zurückgezogen, und genau damals haben wir uns explizit darüber unterhalten. Ich glaube, an dem Punkt haben wir über die Ellen-Sache nochmal genauer nachgedacht. Wir dachte, okay, nehmen wir mal an, es ist Ellen, aber lasst uns uns nicht darauf festlegen, lasst uns auch für andere Möglichkeiten offen bleiben. Wir haben über andere Möglichkeiten gesprochen, aber auf keine erhielten wie die selbe Resonanz wie auf Ellen, also kehrten wir zu dieser Idee zurück.
Ich glaube, in den Gesprächen, in denen wir beschlossen, wer die Final Four sind, wurde die Idee, dass Ellen der fünfte Zylone ist, zumindest erwähnt, und wenn nicht, dann wurde zumindest nur wenig später darüber geredet.
Maureen Ryan: Während Sie die vierte Staffel schrieben, hatten sie also eine halb ausgereifte Idee, dass es Ellen sein würde?
Ron Moore: Ja, als wir mit der vierten Stafel begannen, haben sich die Autoren während der Pause zurückgezogen und darüber nachgedacht, wie der generelle Handlungsbogen in der letzten Staffel aussehen würde. Und wir sprachen über Ellen, und darüber, wie wir an den Punkt kommen würden, an dem ihre Identität offenbart wird.
Maureen Ryan: Sie gaben uns also einen Hinweis, damals in der ersten Hälfte der vierten Staffel, als Tigh die Caprica Six in der Brig besucht hat – er sieht immer wieder Ellens Gesicht anstatt das der Six. War das ein Hinweis auf diese Verbindung, oder befand sich Tigh da einfach in einem verwirrten Zustand?
Ron Moore: Es ging um beides. Es ging um seinen angeborenen Instinkt, sich nach der Frau zu sehnen, die er wirklich geliebt hat. Aber es war auch ein Hinweis darauf, dass es eine tiefere Verbindung zwischen den beiden gibt.
Maureen Ryan: Warum wurde das direkt in der ersten neuen Folge aufgedeckt? Wollten sie das einfach hinter sich bringen, weil sie wussten, dass das Interesse der Fans wuchs?
Ron Moore: Ja, ich denke schon – wir wollten die Leute schockieren, und den ganzen Plan ändern. Ich wusste, dass ich den letzten Zylonen nicht erst am Ende offenbaren wollte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich den Druck vom Serienende nehmen wollte, und ich wollte die Frage nicht erst am Ende beantworten.
Und ich wollte nicht, dass es in der Serie nur noch um die Frage geht, wer der fünfte Zylone ist. Das wäre die alles bestimmende Frage gewesen, und nichts anderes. Ich wollte also, dass die Sache relativ früh klar ist. Und dann dachte ich, lasst uns die Sache früh hinter uns bringen. Ich überlegte, "lasst uns Ellen zurück bringen, lasst uns ein paar Sachen mit ihr machen, lasst uns heraus finden, wohin wir damit kommen."
Ich versuche mich daran zu erinnern, warum wir beschlossen, Ellens Herkunft in dieser Folge zu offenbaren. Die Erde zu erreichen, den Punkt zu erreichen, den zu erreichen das Hauptthema der Serie war, und dann die Final Four mit ihren Flashbacks auf ihre früheren Leben – das schien der perfekte Moment zu sein.
Es hatte auch einfach etwas sehr poetisches, als Tigh in das Meer hinein läuft, und man sich fragt, ob er wie die Füchse in Adamas Geschichte Selbstmord begehen wird. Und in dem Augenblick, als ihm bewusst wird, dass es Ellen ist, das ist der Kern dieser Folge, und dann wird der Bildschirm einfach schwarz. Ich fand dieses Ende einfach großartig. Diese Vorgehensweise schien sehr dramatisch, zumal das erstmal nicht weiter behandelt wird.
Maureen Ryan: Um mal auf ein anderes Thema zu kommen – die Dee-Geschichte. Sie haben sehr deutlich gezeigt, wie stark sich die Entdeckung der Erde persönlich und emotional auf die Charaktere auswirkt. Das musste einfach Opfer fordern. Irgendjemand musste den Preis zahlen für diese Entdeckung. Nicht jeder kam damit zurecht. Nicht jeder konnte sich sagen, okay, das hat nicht funktioniert, probieren wir es eben nächste Woche nochmal.
Ron Moore: Mir kam es vor, als würde jemand sagen, das war es für mich, ich will nur noch einen kurzen glücklichen Augenblick, und dann will ich, dass dieser Alptraum endlich vorbei ist. Und Dualla schien dafür die richtige zu sein.
Maureen Ryan: Gab es Diskussionen darüber, wer das sein würde? Wer die Person sein würde, die den Preis bezahlt? Wie kamen Sie auf Dualla?
Ron Moore: Wir sprachen darüber, und irgendwie fühlte es sich nicht so glücklich an, denn leider war sie ja er sehr sympathischer Mensch. Sie war eine von denen, bei denen man es am wenigsten erwartet. Es fühlte sich aber auch richtig an. Sie hatte eine lange Reise hinter sich – sie hatte sich in Billy verliebt, und dann in einen anderen Mann, und keine der beiden Beziehungen hat funktioniert. Und alles, was sie noch hatte, war ihre Hoffnung darauf, eines Tages die Erde zu erreichen. Dass eines Tages alles in Ordnung sein würde.
Ihre ganze Familie, ihre ganze Welt, alles war zerstört. Nachdem Billy gestorben war und nachdem sie sich von Lee getrennt hatte, hatte sie nur noch die Erde als Ziel. Ihr Job bedeutet ihr nicht viel – wie könnte er das an diesem Punkt auch? Sie kann keine Karriere machen, es geht nur darum, den nächsten Tag rum zu bekommen. Sie hatte also nur noch die Hoffnung, die Erde zu erreichen. Und dann erreicht sie die Erde und sie stellt sich als in großes Nichts heraus. Sie hatte das Gefühl, das war es jetzt, es ist vorbei.
Und das werden auch die besonderen Auswirkungen ihres Todes sein – sie ist professionell. Es ist nicht so, als hätte sie keine Gefühle, aber sie kann diese Gefühle wegstecken und einfach ihren Job machen, Offizier sein und das tun, was sie eben tun muss. Und dann, als sie dazu plötzlich nicht mehr in der Lage war... ich meine, sie konnte, als sie die Verabredung mit Lee hatte, aber danach konnte sie nicht mehr. Dass jemand wie sie einfach Selbstmord begeht, das ist sehr beunruhigend.
Sie hat sich einfach gesagt, dass ihre Geschichte, dass sie als Person hier ihr Ende findet. Es gab ihr einen gewissen Grad von Kontrolle, sie konnte selbst entscheiden, sie konnte sagen, mein Leben endet hier.
Maureen Ryan: Ich bin sicher, dass es für die Schauspieler schwer ist, aber auch für die Autoren ist es nicht einfach, wir dachten, „das ist doch aber Dee!“. Ist es schwer, eine Figur zu töten, mit der man so lange zusammen gelebt hat?
Ron Moore: Ja, es ist schwer. Mit der letzten Staffel war es ein bisschen anders. Cally starb, ebenso wie Dee, und andere werden ihnen folgen – über die anderen Opfer in der vierten Staffel hatten wir andere Diskussionen. Denn die werden alle im Zusammenhang mit dem Ende der Staffel stehen. Alles wird enden. Die ganze Geschichte wird enden, es wird also darum gehen, wie diese Geschichten enden werden.
Maureen Ryan: Nun, es wurde auf jeden Fall sehr schön umgesetzt. Es wirkte sehr stark.
Ron Moore: Ja, ich denke, dass das eine wirklich gute Folge ist.
Maureen Ryan: Aber sie wurde während des Streiks gedreht, richtig?
Ron Moore: Ja, als der Streik begann, war das die einzige Folge, zu der wir schon ein Drehbuch hatten, also war klar, dass dieses Drehbuch gedreht werden würde.
Ich flog nach Vancouver, versammelte die ganze Mannschaft – Schauspieler und Crew – in der CIC und sagte: „Okay, hier stehen wir also. Es wird einen Streik geben, an dem auch ich teilnehme. Die anderen Autoren befinden sich gerade in einer Streikpostenkette, und ich fliege gleich zu ihnen. Es wird keine weiteren Drehbücher geben. Ich vertraue euch die Serie an. Macht das beste aus dieser Folge! Ich hoffe, ihr bekommt so viel Überstunden wie möglich.“ Mein Produzent bekam fast einen Herzinfarkt.
Ich sagte, dass ich ihnen nur das Beste wünsche, und alle lachten. Dann meinte ich: „Es ist wie damals, als Admiral Cain in 'Pegasus' diesen blinden Sprung macht. Sie wusste nicht, wo sie landen würde, oder was sie auf der anderen Seite erwarten würde. Sie wusste nur, dass sie gehen musste. Und an diesem Punkt befinden wir uns jetzt auch. Niemand von uns weiß, was am Ende des Streiks passieren wird. Ich denke, wir werden zurück kommen, macht einfach eine gute Serie, macht das beste 'Battlestar Galactica', das ihr je gesehen habt." Ich verließ die CIC, stieg in ein Flugzeug und flog zurück nach Los Angeles.
Ich war natürlich nicht dabei, aber ich habe gehört, dass die Schauspieler und Crew sehr emotional agierten, als sie die Folge drehten, weil jeder sich fragte, ob das die letzte Folge überhaupt sein würde, ob man die Serie absetzen würde, wenn der Streik zu lange dauert. Ich glaube, das hat die schauspielerischen Leistungen und die Stimmung stark beeinflusst.
Maureen Ryan: Ich weiß nicht, was der Streik alles von der künstlerischen Perspektive aus Positives bewirkt hat, wahrscheinlich nicht viel, aber ich glaube, die Umstände waren für diese Folge sehr gut. Die Stimmung ist sehr ungemütlich, niemand versucht so zu tun, als sei er guter Laune. Das sieht man besonders in der Szene zwischen Tigh und Adama.
Ron Moore: War sie nicht großartig?
Maureen Ryan: Als Sie vom Streik zurück kehrten und die Arbeit an dieser Folge aufnahmen, was dachten Sie da?
Ron Moore: Ich war während der Arbeit immer wieder sehr bewegt und von den Geschehnissen mitgerissen. Da ist zum Beispiel die Szene, in der Laura den Raptor verlässt und alle sie anstarren und sie einfach kein Wort heraus bringt, woraufhin sie versucht, sich durch die Menge zu kämpfen - dieser Augenblick war einfach unglaublich. Das ist Laura! Laura fehlen die Worte, und sie kann der Situation nicht Herr werden. Niemand kann das, wirklich nicht.
Maureen Ryan: Das ist es, was die Folge so schmerzhaft macht. Niemand kommt damit zurecht. Niemand schafft es, wieder aufzustehen vom Boden. Wir haben so oft gesehen, wie sie sich wieder aufgerafft haben, aber dieses mal schaffen sie es nicht. Adama läuft betrunken zu Tighs Quartier, mit einer geladenen Waffe. Roslin gibt auf. Dee bringt sich um.
Ron Moore: Man hatte in der Mitte der Staffel das Gefühl, dass wir an einen Ort kommen werden, an dem wir die Erde finden, und dann ist die Erde nicht das, worauf sie gehofft haben, sie finden nur Asche. Das musste authentisch vermittelt werden. Es musste deutlich werden, dass das niederschmetternd war. Noch nie hat etwas sie so getroffen. Unsere Helden werden nicht mehr heldenhaft agieren. Aus dieser Situation werden sie nicht einfach so wieder heraus kommen. Sie wird ihre kostbarsten Hoffnungen zerstören.
Maureen Ryan: Das verrückte ist, selbst ohne Ellen, ohne Dee, erhielten wir jede Menge Informationen oder Hinweise darauf, was auf der Erde und in der Vergangenheit auf den Kolonien passiert ist. Ich könnte Stunden damit verbringen, Ihnen Fragen darüber zu stellen. Tigh und Baltar haben die Theorie, dass es sich bei dem 13. Stamm um Zylonen handelt, und dass sie diesen Planeten gefunden und ihn Erde genannt haben. Ist das als Theorie oder als Tatsache zu verstehen?
Ron Moore: Ich glaube, Sie können das als Tatsache verstehen.
Maureen Ryan: Der Teil der Zeitleiste, mit dem ich Probleme habe, ist dieser: wir wissen, dass es vor 2000 Jahren auf den Kolonien zu einer Katastrophe kam, und dann finden wir die Erde und stellen fest, dass es hier vor 2000 Jahren ebenfalls eine Katastrophe gab. Verstehe ich da etwas nicht richtig?
Ron Moore: Nein, Sie verstehen das schon richtig. Ich kann ihnen verraten, dass es in späteren Folgen mehr Erklärungen geben wird, und dass die zeitliche Abfolge einen Sinn ergeben wird. Sie werden die folgenden Kapitel auch noch lesen müssen, aber es wird Sinn ergeben.
Maureen Ryan: In Rückblicken sehen wir Tyrol auf diesem Marktplatz, und es scheint, als würden auf diesem Planet viele verschiedene Menschen leben, nicht nur zwölf verschiedene Modelle. Ist das richtig?
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Dieser Planet ist die Erde? Wir werden also nicht irgendwann herausfinden, dass es eine andere Erde geben wird? Das ist die einzige Erde, die wir je zu Gesicht bekommen werden?
Ron Moore: Sie haben die Erde gefunden. Das ist die Erde, die die 13. Kolonie gefunden hat und sie auf den Namen Erde getauft hat. Sie haben die Erde gefunden.
Maureen Ryan: Und dann ist da noch die Sache mit Starbuck. Wir wissen nicht genau, was sie jetzt ist, richtig? Alle zwölf Zylonen sind nun bekannt, aber sie weiß das nicht. Vermutet sie, dass sie ein Zylone ist?
Ron Moore: Ja, im Moment hält Starbuck alles für möglich.
Maureen Ryan: Was mich an der Szene, in der Sie offensichtlich Ihren eigenen Körper findet, wirklich überrascht ist die Tatsache, dass Leoben überrascht zu sein scheint. Normalerweise ist er derjenige, der diese Mischung auf Wahrheit und Lüge von sich gibt und ihre Gedanken durcheinander bringt. Aber er wirkt sehr erschrocken.
Ron Moore: Oh ja, ich finde es toll, dass Leoben an einen Punkt kommt, an der feststellt, dass er sich geirrt hat. "Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich dachte, ich hätte Ströme und Flüsse und solche Dinge gesehen, aber jetzt bin ich ratlos." Das macht ihn gewissermaßen sterblich.
Maureen Ryan: Hat irgendjemand vom Sender oder vom Studio gesagt, dass diese Folge zu dunkel ist?
Ron Moore: Ich glaube, es gab Zweifel. Es gab die Frage, ob die Leute nach dieser Folge überhaupt bereit sein würden, sich den Rest auch nicht anzuschauen. Woraufhin ich meinte, dass dies das Ende ist.
Ich meinte: "Wir befinden uns hier im letzten Kapitel - jeder, der so weit gekommen ist und sich den Rest nicht mehr anschauen will - das ist bestenfalls eine Minderheit." Die Leute wollen wissen, wie es ausgeht. Und ja, das ist ein ziemlich dunkles Kapitel. Und vielleicht ist es nicht mal das dunkelste.
Maureen Ryan: Das ist ein erschreckender Gedanke.
Ron Moore: [Er lacht] Vielleicht wird es nicht mehr besser.
Quelle: Maureen Ryans Blogeintrag bei der Chicago Tribune. Dort finden Sie auch Kommentare vom Regisseur Michael Nankin und dem Autorenduo David Weddle und Bradley Thompson zu der Episode, sowie kurze Auszüge aus dem Drehbuch.
Weiterführende Links:
- Ronald D. Moore im Forum von CC
- Diskussion über die Final Five
- Thread zu "Sometimes a Great Notion"
#3
13. Februar 2009 um 19:10 Uhr
Ron Moore
Maureen Ryan: Wir scheinen ein Spiegelbild dessen zu Gesicht zu bekommen, was in der Welt der Zylonen geschehen ist - es gibt Risse und verschiedene Gruppierungen entstehen und werden zu Todfeinden. Ist es das, was geschieht? Es scheint eine wirkliche "Unruhe" in der Flotte zu geben, besonders, was die Allianz mit den Zylonen anbelangt.
Ron Moore: Seitdem gezeigt wurde, dass die Erde ein Traum zu sein scheint, ein Traum, der nicht wahr werden würde, wenden sich einige ab und gehen ein Bündnis mit den Zylonen ein - aber nicht jeder möchte da mitmachen. Es schien nur natürlich, dass diese Meinungsverschiedenheiten noch stärker werden würden und die Leute wirklich anfangen würden, ihre Führer in Frage zu stellen.
Adama und Laura haben uns wohin geführt? Warum sollten wir ihnen noch zuhören? Warum sollten wir glauben, dass sie wissen, worüber sie reden? Jetzt bitten sie uns darum, eine Allianz mit den Zylonen zu bilden? Mit den Zylonen? Nach allem, was passiert ist? Es scheint, dass die Flotte dieses Thema schon abgeschlossen hätte, wenn sie sich so auseinanderentwickelt.
Maureen Ryan: Ich hatte das Gefühl, dass sich Adama extrem schnell entschieden hat. Denkt er einfach nur, dass es hier eben um das Überleben geht, und man eben zu tun hat, was man tun muss?
Ron Moore: Ich glaube, neben seinem Idealismus besaß Adama auch immer einen hohen Grad an Pragmatik. Nachdem er einmal beschlossen hatte, ins CIC zurückzukehren, am Ende von "Sometimes a Great Notion", hat er sich der Idee hingegeben, sich mit etwas weniger zufriedenzugeben, als man erwartet hätte. "Wir werden irgendwie überleben, wir suchen einen Ort, an dem wir überleben können, und ich werde alles tun, um diesen Ort zu finden."
Jetzt, da er wieder mittendrin ist, wie viele Kompromisse will er da eingehen? "Die Zylonen, okay, wir haben eine Allianz mit ihnen. In Ordnung, ich wette auch darauf. Wir werden ihre Technologie verwenden." Er versucht einfach nur dafür zu sorgen, dass der Plan Erfolg hat. Er versucht, sich von dem Traum zu lösen, den er hatte, und von dem Ort, von dem er dachte, dass sie dort bleiben würden. Er versucht einfach nur, das Beste aus einer ziemlich schlechten Situation zu machen.
Maureen Ryan: Zylonische Technologie zu verwenden, sie in die Schiffe der kolonialen Flotte einsetzen - ich kann absolut verstehen, dass die Leute das nicht für eine gute Idee halten.
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Es ist eine Sache, auf militärischer Ebene mit ihnen zusammenzuarbeiten, aber ihre Technologie an Bord bringen...? Das verstehen sie nicht wirklich...
Ron Moore: Oh ja. Zu Beginn der Serie sagt Adama, dass er auf der Galactica keine Computer, die miteinander vernetzt sind, einbauen würde. Das war den Leuten wirklich wichtig. Darum sind sie vor 50 Jahren untergegangen. Ihre eigene Technologie hatte sich gegen sie gewandt, und nun werden sie dazu aufgefordert, diese Technologie zu nutzen, um zu überleben. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass einige da sehr irritiert reagieren werden.
Maureen Ryan: Mir fällt es schwer zu glauben, dass Adama das tun wird. Er ist so ein Typ, der mit Sicherheit einen Herzinfarkt bekommen hätte, wenn er gesehen hätte, wie Gaeta in der zweiten Staffel die Computer miteinander verbunden hat (wenn er nicht auf der Krankenstation gelegen hätte).
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Aber glauben Sie, dass seine Werte, seine Toleranz, sich verändert haben?
Ron Moore: Ja, ich vermute, er verändert sich, er versucht es zumindest - jetzt geht es nur noch darum, den anderen einen Schritt voraus zu sein. Aber wie Sie sehen werden, wird er immer noch Grenzen ziehen in Bezug darauf, wie weit er der zylonischen Technologie vertraut. Er hat nicht wirklich zylonische Technologie an Bord der Galactica installiert. Er sagte: "Diese anderen Schiff in der Flotte - vielleicht werden wir sie mit zylonischer Technologie ausstatten."
Maureen Ryan: Und er sieht es wahrscheinlich so: Die zylonische Flotte steht genauso unter Druck wie die koloniale Flotte. Sie können nirgendwo hin, werden sie da die einzigen Alliierten verärgern, die sie im ganzen Universum haben?
Ron Moore: Ich glaube, er hat das Gefühl, dass beide da zusammen drinstecken, auch wenn er ihnen nicht hundertprozentig vertraut, mehr so zu 90 Prozent.
Er versucht sich zu sagen, dass sie ganz schön auf die Nase gefallen sind, und zwar alle, alle zusammen, und versucht, das Beste daraus zu machen. Ich denke - ich weiß, dass er sie nicht aus den Augen lässt, aber seine Möglichkeiten schrumpfen. Er hat einfach nicht besonders viele Wahlmöglichkeiten. Und er hat auch keinen Grund, sich groß Hoffnung zu machen. Sie versuchen nicht, einen bestimmten Punkt zu erreichen. Sie können nur hoffen, dass sie zufälligerweise einen Planeten finden, auf dem sie leben können. Wenn man das so betrachtet, dann holt er sich eben Hilfe, wo er gerade welche bekommen kann.
Maureen Ryan: Ja, es ist einfach ein Teufelskreis, vermute ich. Bedeutet die unglaublich unkluge Aussage, die wir von Lee auf der Pressekonferenz hörten, dass Tigh zumindest ein paar Leuten von Ellen erzählt hat? Lee und Admiral Adama?
Ron Moore: Ja, die Vermutung ist, dass er es Adama erzählt hat, und dass Lee es weiß, ebenso wie Laura, also die höchste Führungsebene.
Maureen Ryan: Warum mussten Sie offenbaren, dass Nicky nicht das Kind vom Chief ist?
Ron Moore: Nun, wir arbeiten daran, einige Handlungsbögen aufzudecken und Antworten auf verschiedene Fragen zu liefern. Eine dieser Fragen war, ob Hera das einzige Hybridenkind ist, das einzige zylonisch-menschliche Kind. Wäre Nicky auch ein Hybrid gewesen, was hätte das dann bedeutet. Dann hätte es zwei davon gegeben. Es war für die Mythologie der Serie wichtig, dass Hera der einzige Hybrid ist. Das haben wir immer mehr oder weniger so gesagt.
Maureen Ryan: Sie mussten die Geschichte also neu anpassen...
Ron Moore: Ja, das mussten wir. Wir wussten, dass das ein Problem geben würde, als wir erst einmal entschieden hatten, dass Tyrol ein Zylone ist. Wir fragten uns, wie wir das lösen würden. Und dann sagte jemand, dass es sich irgendwann eben einfach herausstellt, dass Tyrol nicht der Vater ist. Und wir lachten. Und dann sagten wir uns, dass das eigentlich eine ganz gute Lösung ist. "Dann ist Tyrol eben nicht der Vater", und dann ging es weiter.
So ist die Serie eben. Wir steigen in das Spiel ein, dann nehmen wir uns ein bisschen Zeit, um uns anzuschauen, ob alles passt. Oder wir versuchen zumindest, es anzusprechen und passend zu machen, so dass das Mosaik immer noch stimmig ist.
Maureen Ryan: Heißt das, dass Cally den Chief betrogen hat? Waren die beiden zusammen, als sie mit Hot Dog rumgemacht hat?
Ron Moore: Ich glaube, Cottle sagte mal, dass sie schwanger war, bevor sie geheiratet haben. Ich glaube, sie hatte eine Art Beziehung mit Hot Dog, bevor sie und der Chief geheiratet haben. Aber das fällt alles in das Jahr, das wir ausgelassen haben, zwischen dem Ende der zweiten und dem Beginn der dritten Staffel.
Maureen Ryan: Wissen Sie, wenn ich so zurückdenke... irgendwie missfällt es mir, dass Cally eine Ehebrecherin gewesen sein soll. Sie hat genug durchgemacht.
Ron Moore: Ich denke schon, dass sie ihn betrogen hat. Die Intention war aber nicht, dass sie Tyrol betrügt. Es ging darum, dass sie eine Beziehung mit Hot Dog hatte, entweder vor oder nach ihrem Zusammenkommen mit Tyrol. Ich glaube, Tyrols Heiratsantrag war ein spontaner Entschloss. Sie war sehr überrascht und sagte ja, aber wahrscheinlich hat sie drei Wochen vorher das letzte Mal mit Hot Dog geschlafen, irgendwie so. Es war einer von diesen besonderen Umständen.
Maureen Ryan: Es hat Cally erwischt. Weil... na ja, die Liste der Dinge, die Cally passiert sind, ist lang...
Ron Moore: [Lacht] Ich weiß.
Maureen Ryan: Ich habe mir die vergangenen Staffeln noch mal angeschaut, und irgendwann kam mir die Theorie, dass ihr Jungs euch zusammensetzt und euch überlegt, was das Schlimmste ist, das in dieser Folge passieren könnte. Und ob es möglich wäre, dass es Cally passiert.
Ron Moore: [Lacht] Ich weiß.
Maureen Ryan: Also hatte ich gehofft, dass ihr nach ihrem Tod nichts Schlimmes mehr passieren könnte.
Ron Moore: Nein, nein, sie hat ihn nicht betrogen. Es ist halt einfach so gekommen.
Maureen Ryan: Um mal zu etwas ganz anderem zu kommen: Möchte Laura endgültig sterben? Offensichtlich ist sie ja nach dem Absetzen der Medikamente in einer euphorischen Phase.
Ron Moore: Ich glaube, sie findet sich mit der Tatsache ab, dass sie sterben wird. Und in dieser Folge hat sie einfach beschlossen, dass sie ein bisschen leben möchte, bevor sie stirbt. Sie möchte ihre restliche Zeit einfach nicht in der Flotte, gefangen zwischen Politik und Verantwortung und diesem ganzen Kram, verbringen. Sie verlässt ihr altes Leben.
Sie hat die Menschen an einen Ort geführt, der sich nicht als der richtige herausgestellt hat, und jetzt gibt es nichts mehr, was sie noch geben könnte. Sie wollte die Menschen zur Erde führen und sie hat die Menschen zur Erde geführt - und es war alles umsonst. Und nun? Jetzt stirbt sie. Sie hat noch immer Krebs. Und sie hat keinerlei Antworten parat, für niemanden, und sie möchte ihre restlichen Tage einfach so verbringen, wie es ihr gefällt, und in Ruhe gelassen werden
Maureen Ryan: Mir kam es so vor, als würde Mary [McDonnell] ihren Charakter sehr wütend spielen. Laura ist auf sich selbst sauer, auf die Welt, die Umstände, das Universum. Und das ist der Grund dafür, dass sie das Gefühl hat, hier fertig zu sein.
Ron Moore: Sie stand für die Suche nach der Erde, sie war die Stimme, der Kopf. Sie war die Präsidentin. Sie war diejenige, die gesagt hat: "Alles wird gut. Glaubt mir. Glaubt an die Prophezeiungen. Glaubt an die Erde. Es wird eine bessere Zukunft geben. Kommt, Leute, steht auf. Los geht's." Das war sie. Und als das nicht wahr wird, kommen in Laura riesige Schuldgefühle, Ärger, oder einfach unglaublich widersprüchliche Gefühle hoch.
Maureen Ryan: Ich fand es schön, wie Sie die Episode beendet haben. Erst Adama alleine in seinem Bett, alleine in seinem Quartier und dann am Ende ist er bei ihr. Das war einfach ein sehr netter, sehr intimer Augenblick. Und die Herzen der Fans dieser Beziehung werden gerade sehr viel höher schlagen.
[Sie lachen]
Maureen Ryan: War das auch das Ziel dieser Szene, oder entwickelte sich diese Beziehung auf natürliche Weise in diese Richtung?
Ron Moore: Beides. Wir hatten das Gefühl, dass wir diese Beziehung sehr vorsichtig aufgebaut haben, in kleinen Schritten, und sie haben sich gesagt, dass sie sich lieben, sie haben sich geküsst. Es war schön, die beiden zusammen im Bett zu sehen, besonders mit ihrem von der Chemo kahl gewordenen Kopf. Sie wirken... verletzlich, nackt, aber auch sexy. Dieses Bild schien uns perfekt hineinzupassen, hier in die letzte Hälfte der vierten Staffel.
Es war aber auch schön, den Fans dieser Beziehung eine solche Szene zu geben. Wir wollen ihnen sagen: "Genießt es. Genießt diese Szene. Es ist tatsächlich geschehen. Sie haben nicht nur so getan und es ist auch nicht bei Blicken und kleinen Hinweisen und all solchen Dingen geblieben. Adama und Roslin lieben einander und hatten eine Beziehung."
Maureen Ryan: Und wissen Sie was? Sie wirkt, als würde sie in dieser Szene strahlen. Sie ist wunderschön. Es ist wirklich toll, dass sie in diesen dunklen Zeiten - die Frau stirbt, alles ist durcheinander - so wunderschön aussieht und strahlt und den Moment genießt.
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Aber aus einem anderen Blickwinkel, einem politischen Blickwinkel - wenn man sich Adama und Roslin anschaut, kann man schon das Gefühl bekommen, dass Zarek in seiner Rede im Rat ein paar Dinge sagt, die gar nicht so falsch sind.
Ron Moore: Sicher!
Maureen Ryan: Seine Argumentation ist nicht immer ganz fair, aber es ist schwer, gegen die Punkte, die er anbringt, zu argumentieren - über die Art und Weise, wie Adama und Roslin geherrscht und die Flotte geführt haben.
Ron Moore: Ich dachte ehrlich gesagt, dass es sogar sehr fair ist. Ich wollte, dass seine Argumente sehr glaubwürdig sind - es ging um etwas wirklich Wichtiges. Wenn Sie in der Colonial One säßen, dort, wo der Rat sich versammelt, dann würden sie auch denken, oh Moment, wohin bringt und die Adama-Roslin-Regierung eigentlich? Bisher haben wir noch keinen wünschenswerten Ort erreicht.
Maureen Ryan: Ja, in dieser Szene war ich seiner Meinung, ich glaube, er hat ein paar gute Punkte auf den Tisch gebracht. Ich denke einfach, was Adama einst über Cain sagte, passt hier sehr gut - man muss sich Handlungen und Geschehnisse in ihrem Zusammenhang ansehen. Zarek, als ein hervorragender Propagandist, lässt alles in einem Kontext erscheinen, dass die Handlungen und Situationen sehr schlecht aussehen lässt.
Ron Moore: Sicher, das ist eben Politik. Und die Leute hörten ihm zu.
Maureen Ryan: Warum ist das Baby der Caprica Six und Tigh so wichtig?
Ron Moore: Darum werden wir uns in der nächsten Folge kümmern. Die Caprica Six und Tigh wären das erste rein zylonische Paar, das sich vermehrt hat.
Maureen Ryan: Baltars Szene wirkt sehr düster. Soll das eine Art Jim-Jones/People's-Temple-Gefühl hervorrufen? "Etwas Schlimmes wird hier passieren?"
Ron Moore: Es wird sicher in diese Richtung gehen, ja. Und wieder wirkte es einfach richtig an dieser Stelle, nachdem die Erde sich als unbrauchbar herausgestellt hat. Baltar hat die Idee von Gott vorangebracht, die Idee, dass Gott seine Kinder beschützen und sie an einen bestimmten Ort bringen werde. "Wir alle müssen uns Gott übergeben." Und dann bringt Gott einen an diesen Ort. Und wie reagiert Baltar? "Nun, Gott! Vielleicht sollte er zu uns herunter kommen und sich bei uns entschuldigen."
Maureen Ryan: Ich hätte mir eher vorstellen können, dass er eine Position vertritt, die in die Richtung geht, dass sie unwürdig sind, dass er fragt, welche Sünden seine Kinder begangen, was sie falsch gemacht haben. So etwas in der Art. Wird das auch mit in die Situation hineinspielen, vielleicht in die Richtung, dass sie Gottes Zorn auf sich gelenkt haben?
Ron Moore: Ja, ein bisschen, aber seine Gedanken werden eher so aussehen: "Ist es deine Schuld? Welch dunkle Gedanken, welch böse Gedanken hattest du? Keine? Dann ist es vielleicht nicht unsere Schuld."
Maureen Ryan: Also: Atheismus! Das ist Baltars neuer Lebensstil.
Ron Moore: Atheismus! Lasst uns zum Atheismus zurückkehren! Denn diese Gottesgeschichte scheint ja auch nicht so gut zu funktionieren.
Maureen Ryan: Adama sagt in der Folge immer wieder, dass er sich nicht so gut fühle. Ist das wieder nur diese Unruhe? Worum geht es da? Ist er einfach nur sehr müde?
Ron Moore: Ja, das ist alles, er trägt einfach eine zu große Last auf seinen Schultern. Er hat viel getrunken in letzter Zeit. Er nimmt Schmerztabletten. Er fühlt sich einfach nicht gut.
Maureen Ryan: Ja, ich kann das verstehen. Ich wusste nur nicht, ob da noch mehr dran ist. Ich weiß nicht, ob ich damit leben könnte, wenn noch jemand aufgibt.
Ron Moore: Nein, es ist kein Anzeichen von etwas Tieferliegendem.
Maureen Ryan: Es kam mir generell so vor, als würde diese Folge etwas Zukünftiges vorbereiten, als wäre sie eine Möglichkeit, kurz Luft zu holen. Kam Ihnen das auch so vor? Nach "Sometimes a Great Notion" - na ja, konnte man nicht noch so eine Folge zeigen.
Ron Moore: Ja, so kam es mir auch vor. Ich wollte einfach eine charakterorientierte Folge, in der es nur darum geht, wo die Leute in ihrem Leben stehen. Eine Folge, die einfach versucht,. wieder auf den neusten Stand zu kommen, zu zeigen, wie es den Leute geht, bevor der nächste große Handlungsbogen kommt.
Maureen Ryan: Als wir letztes Jahr miteinander sprachen, bereiteten Sie sich gerade darauf vor, diese Folge zu drehen. Wie war es, das erste Mal tatsächlich Regie zu führen?
Ron Moore: Es lief sehr gut, mir gefiel es sehr. Ich empfand das Drehen auf eine seltsame Weise als entspannend. Ich habe meine Zeit am Set genossen, ich war vorbereitet, ich wusste, was ich in den einzelnen Szenen haben wollte. Man gab mir Schaubilder von jedem Set, und ich zeichnete Kamerapositionen und Ähnliches hinein. Aber ich fand heraus, dass ich, nachdem ich einmal am Set war, nie wieder in diese Schaubilder hineingesehen habe. Auch wenn darin alles Wichtige war, habe ich mir das Material, das ich geschrieben habe, nie wieder angeschaut.
Es hat sich wirklich gelohnt. Es ist großartig, genau zu wissen, welchen Sinn eine Szene haben soll, was die Dialoge meinen, worum es in der Serie gehen sollte. Ich hatte auf jede Frage eine Antwort. Wenn einer der Schauspieler oder der anderen Regisseure mich fragte, warum ich etwas tue oder welchen Sinn das ergibt, dann hatte ich eine Antwort. Das hat es sehr viel einfacher gemacht, und ich fand es einfach großartig. Ich habe es sehr genossen.
Mein Sohn kam ans Set, und ihm gefiel es. Er ist neun. Ich habe eine siebenjährige Tochter. Sie kamen beide ans Set, und ich dachte, es wird so wie üblich laufen, sie bleiben eine Stunde, und dann werden sie sich langweilen. Meine Tochter hat tatsächlich so reagiert, aber mein Sohn blieb für die Hälfte des Drehs an meiner Seite. Jeden Morgen, beim Sonnenaufgang, stand er mit mir auf, kam zum Set, setzte sich am Set neben mich in den Regie-Stuhl. Er saß einfach da und schaute den ganzen Tag lang zu und war wirklich ein vorbildlicher junger Mann. Es war großartig, denn so habe ich die Serie durch seinen Blickwinkel gesehen.
Er stellte Fragen oder schaute sich Sachen an und war beeindruckt von diesem oder jenem, und immer behielt er seine Fähigkeit, sich über Dinge zu wundern. Und ich konnte mich hinsetzen und darüber nachdenken, wie das ist, wenn man an einem Set ist, bei dem der Vater Regie führt, wie es ist, in einer Viper zu sitzen, solche Dinge. Eddie Olmos nahm ihn mit ins CIC und setzte ihn in einen dieser Stühle vor den Konsolen und sagte, dass er jetzt das Schiff steuere. "Dieser Knopf macht das, dieser Knopf macht jenes." Und ich habe das einfach beobachtet. Jesus. Das war einfach so erstaunlich, und ich teile diese Erfahrung mit ihm. Das war wirklich cool.
Maureen Ryan: Hat es Ihnen geholfen, die Folge auch geschrieben zu haben? Gab es viele Veränderungen im Vergleich zu dem, was Sie geschrieben hatten?
Ron Moore: Nein, in den Szenen gab es keine Veränderungen. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Schauspieler ihre Charaktere, Darstellungen und Szenen etwas anders wahrnahmen als ich.
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Es war viel einfacher, das Material zu schneiden, weil ich am Set war. Man verliebt sich in bestimmte Teile des Dialogs, den Rhythmus des Dialogs. Und dann hört man den Dialog beim Dreh und die Schauspieler haben Schwierigkeiten, und dann sage ich eben, dass das so nicht funktioniert, dass wir am besten von hier bis da schneiden oder das Stück herausnehmen. Es gab eine Szene, die nicht einmal gedreht wurde. Ich meinte einfach, dass wir das nicht brauchen würden. Ich konnte schon sehen, wie sich die Situation für die Charaktere entwickeln würde.
Dieser Prozess war sehr aufschlussreich und interessant. Ich habe jetzt auch den mittleren Teil des Gesamtprozesses kennengelernt, denn Schreiben ist der Anfang und Schneiden das Ende. Aber ich war noch nie mit den Schauspielern am Set, wenn die Serie gedreht wurde, und jetzt habe ich diesen Mittelteil auch kennengelernt. Es kam mir so vor, als hätte ich das Projekt jetzt komplett kennengelernt. Ich erkenne, worum es in dieser ganzen Folge geht.
Quelle: Interview bei Chicago Tribune
Weiterführende Links:
- Ronald D. Moore im Forum von CC
- Thread zu "A Disquiet Follows My Soul"
#4
13. Februar 2009 um 19:12 Uhr
Mark Verheiden
Maureen Ryan: Wann beginnt diese Folge? Am Morgen nach der letzten Szene von "A Disquiet Follows My Soul"? Ich glaube das eher nicht, immerhin brauchen Gaeta und Zarek ja Zeit, um ihren Plan auszuarbeiten.
Mark Verheiden: Wir befinden uns ein oder zwei Tage nach dem Ende der letzten Folge. Gaeta hat sich um Unterstützung seitens der Crew-Mitglieder gekümmert und die nächsten Schritte mit Zarek besprochen.
Maureen Ryan: Glauben Sie, dass es noch einen anderen Weg für Gaeta, Zarek oder irgendjemand anderen gegeben hätte, um den Flottenführern die Allianz mit den Zylonen auszureden? Glauben Sie, dass eine brutale Machtergreifung die einzige Antwort gewesen wäre, wenn Roslin und Adama nicht auf die Gegenstimmen gehört hätten?
Mark Verheiden: Gaeta hat versucht, seine Bedenken zu verdeutlichen, aber in der letzten Folge wurde er einfach ignoriert. Er stand mit dem Rücken zur Wand. Was mich beim Schreiben an dieser Folge so fasziniert hat, war die Vorstellung, dass Gaeta und Zarek tatsächlich recht haben. Wenn man sich die Situation mal von Außen anschaut, dann erscheint eine Allianz mit den Zylonen verrückt und gefährlich.
Die Enthüllung der letzten vier Zylonen war auch nicht hilfreich. Adamas bester Freund und erster Offizier ist ein Zylone, Roslins rechte Hand ist ein Zylone, der Chief, Starbucks Ehemann Anders - plötzlich war klar, dass die Kommandozentrale der Galactica infiltriert worden war. Und dann kommt noch hinzu, dass niemand aus der Führungsebene sich die Zeit genommen hat, den Menschen zu erklären, wie diese Allianz der Crew oder der Flotte würde helfen können. Gaetas Motivation war klar, er hat versucht, die menschliche Rasse zu retten, und das ist die wahre Tragik an seiner Geschichte.
Natürlich ruft das eine viel gewichtigere Frage hervor - ist Meuterei je gerechtfertigt? Ich erinnere mich an sehr lebhafte Diskussionen darüber, denn während es in vielen Dramen um Meutereien geht, bedeuten sie im richtigen Leben einen sehr großen Schritt, vor allem für einen so loyalen Offizier wie Gaeta. Aber ich hatte das Gefühl, dass eine Meuterei nach all der Zeit im Weltraum, in Folge der Enttäuschung, die mit der Entdeckung der Erde einherging, einfach passieren könnte.
Maureen Ryan: Sah Zareks Plan vor, Adama zu töten? Ebenso wie Tigh? Und hat er diesen Teil des Plans vor Gaeta geheim gehalten? Oder wusste Gaeta vielleicht, dass Zarek ihm nicht alles erzählt?
Mark Verheiden: Zarek wusste, dass ein lebender Adama Ärger bedeuten würde, er wollte ihn also definitiv aus dem Spiel haben. Es gab zu Beginn der Arbeiten am Drehbuch Diskussionen darüber, ob die Soldaten, die im CIC das Feuer eröffnen, unter Zareks oder unter Gaetas Kommando stehen, und ob das einen Riss zwischen den beiden verursachen könnte, aber diese Idee haben wir mehr oder weniger fallen gelassen.
Maureen Ryan: Als Roslin politisch nicht mehr aktiv und der Rat der Zwölf für Adama nur ein kleines Licht war, hat er da mehr oder weniger eine militärische Diktatur geführt? Wieviel von dem, was in "The Oath" passiert ist, kann Adama und Roslin zu Lasten gelegt werden?
Mark Verheiden: Adama hat sich definitiv in diese Richtung bewegt, das erwähnt Zarek auch, als er Lee dazu überreden möchte, auf die Galactica zurückzukehren. Die Grenze zwischen der zivilen Staatsgewalt und dem Militär war immer sehr schmal, und nun, da Roslin und Adama ihre Beziehung öffentlich gemacht haben, ist diese Grenze kurz davor, zu verschwinden. Es wird noch einige dramatische Entwicklungen geben, die sich auch an dieser Dynamik orientieren.
Maureen Ryan: Vielleicht gehört das zu den Dingen, die ich in den früheren Staffeln übersehen habe, aber haben wir den Offizier von der Pegasus, der drohte, Athena zu vergewaltigen, schon einmal auf der Galactica gesehen? Wurden all die Leute von der Pegasus begnadigt? Ich habe mich gefragt, warum dieser Typ immer noch im Militär dient, in Anbetracht dessen, was in der Folge "Pegasus" mit Athena passiert ist.
Mark Verheiden: Nein, weder Gage noch Vireem (die "Sunshine Boys", wie sie unter uns Autoren genannt werden) haben wir seit dem "Pegasus"-Dreiteiler wieder gesehen. (Lt. Thorne war übrigens der sadistische Offizier, der damals gestorben ist.) Wir haben schon oft überlegt, diese Männer wieder reinzubringen, aber jetzt schien der geeignetste Zeitpunkt, in Anbetracht ihrer Abneigung gegen Helo, Athena und Zylonen generell.
Die Wahrheit ist, dass auf der Galactica viele Crew-Mitglieder herumlaufen, die eine Unmenge an Groll und Gedankenspielen mit sich herumtragen. Piloten, deren Freunde während der Zylonenangriffe getötet wurden, die Crew der Pegasus (wenn ich mich recht erinnere, kam auch Gaetas Freund Hoshi von der Pegasus), gereizte Zivilisten, usw. Sie alle mussten lernen, damit zurecht zu kommen. Mehr oder weniger.
Maureen Ryan: Nach der letzten Folge fragten sich einige der Fans, ob es Adama gut gehe. Nun frage ich mich das mehr denn je - könnte er der sterbende Anführer sein, der die Menschheit zu... naja, zu etwas besserem als einem Leben auf der Flucht führen soll?
Mark Verheiden: Ich glaube, Ron hat etwas dazu gesagt (Adama nimmt Schmerztabletten, er liegt nicht im Sterben), von daher - er hat alles gesagt.
Maureen Ryan: Es kommt mir so vor, als hätte man sich viel Mühe damit gegeben, die verschiedenen "Beats" der Serie in diese Episode zu integrieren - die ruhigen Unterhaltungen, die Action-Sequenzen, die spannenden Momente, die eher intimen Augenblicke. Ich weiß, wenn Sie das Drehbuch schreiben, haben Sie die fertig geschnittene Folge noch nicht gesehen, aber glauben Sie, dass sich die Reihenfolge des Endprodukts mehr oder weniger an die im Drehbuch halten wird? War dieser Teil des Schreibprozesses schwierig - zu wissen, wann was zu passieren hat?
Mark Verheiden: Nachdem die letzten beiden Folgen eher nüchtern waren, hatten wir das Gefühl, dass die Dinge etwas schneller passieren müssten, aber ich wollte auch die emotionalen Geschichten nicht aus den Augen verlieren. Ich habe alle Schnittversionen gesehen, außer der, die letztendlich ausgestrahlt wurde. Die Folge läuft definitiv analog zu den Ereignissen im Drehbuch. Es wäre auch schwierig gewesen, die Reihenfolge zu ändern, da die Meuterei sich auf eine sehr spezielle Weise, Schritt für Schritt, entwickelte.
Maureen Ryan: Welcher Teil des Drehbuchs zu "The Oath" war am schwierigsten zu schreiben? Welcher am einfachsten, welcher am lustigsten?
Mark Verheiden:Am schwierigsten war, sich die einzelnen Schritte von Gaetas Meuterei zu überlegen. Und wie wir es schaffen würden, die Galactica vom Rest der Flotte zu isolieren, während Adama und die Offiziere in der CIC im Dunkeln gelassen werden. Als wir uns darüber erst einmal klar waren...
Am meisten Spaß gemacht hat das Schreiben der Szene, in der Kara auf die Männer trifft, die Lee am Raptor gefangen halten. Ich wollte endlich wieder eine Kick-Ass-Kara sehen, und Katee hat diesen Wunsch erfüllt. Verbunden mit dem tollen Augenblick, den sie mit Lee hatte, und der lebensbejahenden Einstellung, war ich insgesamt sehr zufrieden, da ich das Gefühl hatte, dass Starbuck nach einigen harten Schlägen endlich wieder eine sinnvolle Aufgabe erhält.
Maureen Ryan: Haben die Autoren Gaetas Verrat schon zu Zeiten von New Caprica vorbereitet? Und als er sein Bein verloren hat - geschah das, um ihn näher an diesen Punkt zu bringen, an dem er Adama verrät? Oder bemerkten Sie erst während der Planung für die zweite Hälfte der vierten Staffel, dass diese Entwicklung für diesen Charakter Sinn ergeben würde? Also, wann begannen Sie, Gaeta in einen Revolutionär zu verwandeln?
Mark Verheiden: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir Gaetas Entwicklung schon damals geplant haben, aber die Idee mit der Meuterei hatten wir schon länger, und Gaeta haben wir seit Beginn der vierten Staffel in diese Richtung entwickelt. Nach seinem Beinahe-Tod in "Collaborators" schien er der perfekte Kandidat zu sein, und dann kam noch die Sache mit seinem Bein hinzu. Ich glaube, der arme Kerl dachte, ich hätte was gegen ihn. Dass sein Bein amputiert wird, war ursprünglich für die Folge "A Road Less Traveled" geplant, aber wir beschlossen, das erst in der darauffolgenden Episode, "Faith", zu verwenden.
Zufälligerweise beinhaltete das Drehbuch für "The Oath" einige Rückblicke zur Miniserie, zu den entscheidenden Augebnlicken damals. Szenen, die einen sehr jungen Gaeta an der Seite von Adama zeigen sollten. Es war sehr ergreifend, sich diese Szenen noch einmal anzusehen, vor dem Holocaust, und sie dann neben die sehr angespannte Beziehung zwischen Adama und Gaeta in der heutigen Zeit zu stellen.
Letztendlich haben wir die Rückblicke nicht verwenden, aber es hat mir dabei geholfen, das Ausmaß an Wut und Verrat zu verstehen, der während der Meuterei zwischen Adama und Gaeta entstanden ist.
Maureen Ryan: Wie war es, mit John Dahl zusammenzuarbeiten? Hatten Sie das Gefühl, dass er etwas neues oder etwas anderen in die Serie einbringt?
Mark Verheiden: John war großartig, sehr entspannt, aber er wusste, was er will und hat sich dafür einen sehr engen Zeitplan überlegt. Ich glaube, die Leute wissen gar nicht, wie eng er war, wir haben "The Oath" in siebeneinhalb Tagen gedreht.
Maureen Ryan: Gibt es interessante Geschichten über den Dreh dieser Folge? Ist irgendetwas ganz anders passiert, als Sie das ursprünglich geplant hatten? Besser oder schlechter?
Mark Verheiden: Der letzte Tag, an dem ich meine letzte "Battlestar Galactica"-Folge gedreht habe, war natürlich der Tag, an dem plötzlich nichts mehr funktionierte. Da war niemand dran Schuld, ein paar Geräte wollten einfach nicht mehr. Wir haben die letzte Szene gedreht, in der Luftschleuse. Nach einem Schnitt ging der Mechanismus kaputt, der das Tor zur Luftschleuse schließt und öffnet. Das Schweißgerät, das Funken hätte sprühen sollen, beschloss, genau das nicht zu tun.
Es kam eins nach dem anderen. Letztendlich hatten wir alles im Kasten (ein paar Sachen haben wir irgendwann neu gedreht), aber damals war es doch sehr hektisch. Als ich fertig war, habe ich den Stuhl mit meinem Namen und dem BSG-Logo auf dem Rücken geklaut und bin zurück nach Los Angeles geflogen.
Einige andere Erinnerungen an den Dreh:
Die Szene, in der Baltar versucht, Gaeta die Meuterei auszureden, war eine Idee von James Callis, die er hatte, nachdem die Schauspieler ihren Text alle zusammen einmal durchgegangen waren. Die Idee war großartig und ich habe sie noch in derselben Nacht aufgeschrieben. Ich liebe diesen Augenblick, sowohl Baltars Worte als auch Gaetas Reaktion darauf.
Die Schüsse im CIC: Da es in dieser Folge zum ersten Mal zu einem richtigen Schusswechsel im CIC kam, kann ich mich noch daran erinnern, wie ich entschied, wieviele Schusslöcher in die einzelnen Glasoberflächen eingearbeitet werden sollten. Man müsste meinen, dass man während dieses Prozesses sehr vorsichtig vorgehen würde, und dass jemand ganz vorsichtig Löcher hinein bohrt.
Aber tatsächlich kümmerte sich ein Mann mit einer Luftpistole darum, indem er Murmeln in die Glasoberflächen schoss, so dass es nach Löchern aussah, die von Kugeln verursacht wurden. Er begann zu schießen, und plötzlich flogen Murmeln durch den ganzen Raum. Als es vorbei war, schaute ich mir die Sache an und sagte zu ihm, dass er noch ein bisschen mehr umher schießen soll.
Und woran ich mich auch noch erinnere: es passte überhaupt nicht zu der Intensität der Folge, wie Eddie Olmos und Michael Hogan mit ihren Waffen herumgespielt haben. Einige ihrer Scherze haben es bis ins Gag Reel geschafft, die haben da sehr lustige Sachen gemacht. Und wo ich gerade von Eddie spreche, ich kann kaum in Worte fassen, wie aufregend es war zu sehen, wie er die Geschichte anging. Er hatte einige sehr großartige Momente, sowohl bei der Schießerei aber auch bei der sehr süßen Szene mit Roslin. Der Augenblick, in dem Adama einfach stehen bleibt und dem Soldaten ins Gesicht schaut, der ihn in die Brig bringen soll - die Idee dazu kam mir, weil ich dachte, dass das eine Szene ist, die Adama / Eddie einfach hervorragen darstellen würde. Mein Dank geht aber an alle Schauspieler, sie alle haben hervorragende Arbeit geleistet.
Quelle: Interview bei Chicago Tribune
Weiterführende Links:
Episodenthread zu "The Oath"
#5
13. Februar 2009 um 19:15 Uhr
Michael Angeli, mit Kommentar von Richard Hatch
Maureen Ryan: Warum bestand Gaeta darauf, dass Adama einen "Prozess" bekommt? War es, weil er sich daran festklammern wollte, dass sein Putsch ein rechtmäßiger Übergang der Befehlsgewalt ist? Oder wollte er von Adama selbst hören, dass Adama sich irrt? Warum hat er das getan?
Michael Angeli: Gaeta war vor allem ein Idealist und trotz seiner gelegentlichen Verdrießlichkeit ein Romantiker. Er glaubte an das Prinzip der Regierung, Gesetze, Führungskraft, Militärdienst und so weiter. Und wenn Sie sich an seine Aktionen auf New Caprica zurückerinnern, seine Absichten hatten einen gewissen Grad an Edelmut. Er wollte die Dinge richtig machen, war ein Fürsprecher der Gerechtigkeit und Fairness.
Darum überrascht es nicht, dass er sich selbst bei einem sich zuspitzenden Putsch noch eine Art Prozess wünscht. Aber noch wichtiger, Gaeta war zwiegespalten. Er mag Adama und konnte sich nicht dazu aufraffen, ihn zu töten. Gaeta war der Romantiker, Zarek der Realist. Für Gaeta war der "Prozess" ein Hinhalten. Und Adama dazu zu bringen, seine Fehler zuzugeben, diente Gaeta in Wirklichkeit dazu, sich selbst davon zu überzeugen, dass Adama sterben muss - denn dieser gibt selber zu, dass er Unrecht hatte.
Maureen Ryan: Warum ließ Zarek diesen "Prozess" zu? War das der Preis für Gaetas weitere Beteiligung, die Zarek noch benötigte?
Michael Angeli: Zarek wusste, dass Gaeta die größere Unterstützung unter den Meuterern genoss. Sie standen hinter Gaeta, nicht so sehr hinter Zarek. Was Zarek unterschätzte war Gaetas Fehlen an Entschlossenheit. Vergessen wir nicht, es war Gaeta, der Zarek freiließ und ihn mit dem Angebot der Macht in der vorherigen Folge verführte. Als Gaeta impulsiv einen Prozess forderte, wusste Zarek, er musste ihm dies gewähren.
Zarek hat Erfahrung auf diesem Gebiet. Er verstand, dass der entscheidende Faktor die Zeit war. Putsche gelingen oder scheitern innerhalb der ersten Stunden (etwas, das Laura auch wusste, nebenbei bemerkt. Beachten Sie ihre Parole auf dem Basisstern), und sich in dieser frühen Phase mit Gaeta anzulegen hätte die ganze Aktion scheitern lassen können.
Maureen Ryan: Ich bin mir ein wenig unsicher, was der Zwölferrat wusste und wann er es wusste. Hat der Rat Lauras Sendung aus Baltars Hauptquartier gehört? Wusste er, dass Gaeta und Zarek die Kontrolle über die Flotte übernommen hatten - oder dies planten? Wusste der Rat, dass Adama, Tigh und andere sich in Gewahrsam befanden? Haben sie sich versammelt um Zarek anzuhören weil sie dachten, der Putsch wäre friedlich?
Michael Angeli: Ja, der Rat war in der Lage, genug von Lauras Übertragung zu hören und sie haben auch einige von Gaetas Befehlen mitbekommen. Ursprünglich gab es eine kurze Szene auf der Colonial One, in der Zarek und der Rat die Übertragung hören, aber es gab so viel abzudecken in dieser Folge, da wurde diese Szene geschnitten.
Zarek brachte den Rat mit zur Galactica, wo er "sicher" sein würde und er ein Auge auf ihn werfen konnte. Er gab ihnen eine letzte Chance mit seinem "Vom Herzen"-Apell. Er dachte, er könne dem Rat mit Lob umschmeicheln, aber wie wir wissen, funktionierte dies nicht ganz, nicht wahr?
Maureen Ryan: Wenn der Rat sich Zarek angeschlossen hätte, hätte er ihn trotzdem ermordet?
Michael Angeli: Keine Ahnung. Wir könnten ihn fragen, aber er ist tot.
Maureen Ryan: Warum hat sich der Rat gegen Zarek gewandt? Bedenkt man, dass das Verhältnis zu Roslin und Adama nicht gerade problemlos war.
Michael Angeli: Die Zarek/Rat-Szene wurde oft umgeschrieben. Was geschnitten wurde ist dass Zarek den Rat informierte, dass Roslin übergelaufen war, er die Präsidentschaft übernahm und Gaeta Admiral Adama, dem wegen Hochverrat der Prozess gemacht wird, ersetzte. Der Rat beschwert sich lauthals, dass Zarek all diese Entscheidungen ohne den Rat traf. Aber ich denke, auch ohne dieses Material funktioniert die Szene sehr gut. So ist es schockierender, als sie Zarek zurückweisen. So hat der Rat nochmal seinen Mut bewiesen, bevor er ausgelöscht wurde.
Maureen Ryan: Wurden Sie von Winston Churchill inspiriert ,als Sie Lauras "I'm coming to all of you"-Rede geschrieben haben? Welche Quellen haben Sie dafür herangezogen?
Michael Angeli: [Produzent] Ronnie [Moore]. Er riet mir, Laura an diesen Punkt zu bringen. Ich hatte also Zarek, den schrecklichen Lügner/Hiobsboten, der Adama erzählt, Tigh wäre bei einem Fluchtversuch getötet worden, obwohl er noch lebt. Oder der Laura erzählt, Adama wäre exekutiert worden (was Zarek ja auch glaubte). All dies drängte Laura an einen Punkt, an dem sie entweder zusammen- oder ausbricht.
Geholfen hat uns die Tatsache, dass wir Planungsprobleme hatten und wir diese Szene am Ende eines langen Tages gedreht haben. Alle waren erschöpft. Mary war den ganzen Tag unterwegs, kam gerade aus Europa zurück. Wir dachten, sie wäre total fertig, aber sie war immer noch auf London-Zeit und hat uns alle weggerockt. Nach dem Dreh hat jeder applaudiert.
Maureen Ryan: Dies war eine sehr ereignisreiche Episode, und in den 44 Minuten ist einiges passiert. Was musste da geschnitten werden?
Michael Angeli: Oh mein Gott, Sie könnten eine weitere Episode aus dem zusammenstellen, was wir geschnitten haben. Zu einem Zeitpunkt hatten wir etwa 90 Spezialeffekt-Szenen, viele davon wegen Gaetas Bein. Das Handgemenge im Teaser war ursprünglich länger und es war mehr Space porn involviert. Und, leider, Romo Lampkins "I’m mad as hell and I’m not gonna take it anymore!"-Szene musste gekürzt werden. Nahezu alles an Racetracks Story ist verschwunden, genauso wie das Material vom Basisstern. Aber ich als jemand, der geschnittenem Material sehr nachtrauert, bin wirklich zufrieden mit dem endgültigen Schnitt.
[Update: Angeli schrieb in einer späteren E-Mail, es gäbe eine gute Chance, dass wir einiges des geschnittenen Materials aus "Blood on the Scales" auf den DVDs zu sehen bekommen]
Maureen Ryan: Was hat es mit dem großen Riss in der Wand auf sich, in dem großen Raum, in dem der FTL-Antrieb der Galactica untergebracht ist?
Michael Angeli: Nun, es ist ein großer... Riss. In der Wand. Der Galactica. Richtig?
Maureen Ryan: Hat Tyrol den FTL-Antrieb sabotiert um Adama zu helfen oder um nicht von den Zylonen getrennt zu werden? Oder aus beiden Gründen?
Michael Angeli: Nein, Tyrol wollte Adama und seinen Leuten helfen. Besonders, nachdem Kelly (die beiden waren gute Freunde bevor Kelly eingebuchtet wurde und der Chief sich als Zylone herausstellte) ihn am Leben ließ.
Maureen Ryan: Sowohl in dieser Folge als auch in "The Oath" wird angedeutet, dass die Schmerzen in Gaetas Bein zum Teil psychischer Natur sind. Stimmt das? Haben die Schmerzen deswegen aufgehört, weil er seinem nahenden Tod entgegen blicken musste?
Michael Angeli: Nein und ja. Die Schmerzen und die Unannehmlichkeiten, die mit einer solchen Operation verbunden sind, sind sicher echt, aber beide können zweifellos durch den geistigen Zustand des Betroffenen verstärkt werden. Und ja, so haben wir uns das gedacht - dass Gaeta mit sich selbst im Frieden ist, überrascht feststellt, dass es nicht mehr weh tut und dann - bumm!
Maureen Ryan: Die Szene am Ende der Folge mit Baltar und Gaeta - warum haben Sie diese beiden Charaktere zusammen gesetzt? Warum haben Sie diese Szene eingefügt?
Michael Angeli: Ich glaube, dass Gaeta und Baltar einander so nah waren und so viel gemeinsam erlebt haben, dass das einfach richtig schien. Die Szene diente mehreren Zwecken. Zuerst, und das ist das wichtigste, lässt sie Gaeta wieder menschlicher wirken. Wir sehen den Gaeta, den wir immer geliebt und gemocht haben. Auch Baltar gibt seine wahren Gefühle preis. Es ist offensichtlich, dass Gaetas Situation ihm das Herz bricht. Und klar, sowohl James [Callis] als auch AJ [Alessandro Juliani] sind großartig in dieser Szene, sie sind einfach verdammt gute Schauspieler.
Ich habe mir die Folge zusammen mit ein paar anderen Leuten zuhause bei Mark Sheppard angeschaut, und Liz Nankin (die Ehefrau von Regisseur Michael Nankin) hat etwas sehr interessantes gesagt. Wir töten ja einen unserer ältesten, und für manche auch einen der angesehensten Charaktere, und mit dieser Szene haben die Zuschauer die Möglichkeit, sich angemessen zu verabschieden.
Die Szene soll den Zuschauer auch etwas hinters Licht führen. Man glaubt, dass Gaeta mit dem Leben davon kommt. Die Szene spielt in Gaetas Quartier (das war Rons Idee). Und Gaeta spricht von sich selbst im Präsens, er sagt. dass er möchte, dass die Leute wissen wer er ist, oder etwas in der Richtung.
Maureen Ryan: Glauben Sie, dass die Meuterei daran gescheitert ist, dass es Gaeta an der Nervenstärke fehlte, sie durchzuziehen? Oder weil Gaeta und Zarek nie genug Unterstützung innerhalb der Flotte hatten?
Michael Angeli: Ich glaube, es lag daran, dass Gaeta ein zu großes Herz hatte, und daran, dass Laura Adama zu sehr geliebt hat, um aufzugeben.
Maureen Ryan: Stammt der Titel "Blood on the Scales" aus der Literatur? Oder haben Sie sich den ausgedacht? Was auch immer es ist, können Sie ein bisschen darüber erzählen?
Michael Angeli: Ich wurde sicher durch Bob Dylans Album "Blood on the Tracks" inspiriert, sowie der Geschichte rund um das Watchtower-Lied. Aber thematisch war es ein indirekter Hinweis auf Gaetas Schicksal und auf das Rätsel, das seine Person aufgibt. Zunächst ist er der gute Soldat, der Idealist, dann wird er desillusioniert (und sticht sogar seinen Held, Baltar, mit einem Kugelschreiber nieder), der Verlust seines Beines beeinflusst dann seine Sicht auf Kara und die Zylonen.
Seine Verbitterung entwickelt dann ihre ganz eigenen Züge, heraus kommt die Meuterei. Er möchte das Richtige tun, aber die Waage der Justizia wird nicht nur durch das Vergießen unschuldigen Blutes berührt, sondern auch dadurch, dass Gaeta es nicht schafft, seine Menschlichkeit (seine Liebe zu Adama) oder das Blut, das durch seine Venen fließt, zum Schweigen zu bringen.
Maureen Ryan: Warum hatte Baltar eine Vision von Adamas Exekution? Hatte das was mit Psychologie zu tun oder hatte er einfach nur einen schlechten Traum, basierend auf den aktuellen Geschehnissen?
Michael Angeli: Wie schon erwähnt, viele Szenen auf dem Basisstern, in denen Baltar zu sehen war, wurden geschnitten. Baltar fühlt sich sehr schuldig dafür, dass er weggelaufen ist, vor seiner Gemeinde, vor der Gefahr, und so weiter. Dann trifft er eine andere, sehr gut aussehende Six (Lida), die seine schlechte Laune mit Verletztheit verwechselt. Sie möchte ihm dabei helfen, sich wieder besser zu fühlen, und all das wirkt sich auf seine Psyche aus und verursacht den Alptraum - darum will er zurück zur Galactica und sich allem stellen.
Maureen Ryan: Sie sagten einmal, dass Sie ohne Musik nicht schreiben können. Ich weiß, es ist schon eine Weile her, dass sie "Blood on the Scales" verfasst haben, aber können Sie sich noch daran erinnern, welche Musik Sie beim Schreiben gehört haben?
Michael Angeli: Klar. Keith Jarrets Wien-Konzert, den Soundtrack zu "Im Namen des Vaters", Death Cab for Cutir, Neil Youngs "Cortez the Killer". Und Radioheads "All I need" vom "In Rainbows"-Album habe ich mir immer und immer wieder angehört.
Maureen Ryan: Können Sie uns ein paar Anekdoten vom Dreh der Folge erzählen? Lief am Set etwas anders, als Sie es sich vorgestellt haben? Gab es Probleme beim Dreh? Ist irgendetwas Interessantes oder Unerwartetes passiert?
Michael Angeli: Nun, wir hatten viel Spaß mit Aaron [Douglas], der einen Großteil dieser Folge damit verbringt, durch diese Lüftungsschächte zu kriechen, die die Crew aufgebaut hat. Während die Schächte gebaut wurden, beschloss die Crew, sie sehr eng zu machen. Dann schrieb ich die Szene hinein, in der Tyrol an der Latrine vorbei kommt und sich die Nase zuhalten muss. Bei der Probe saß Ross Newcomb, der auf Arbeit immer Kilts trägt, auf der Toilette. Wir hatten viel Spaß mit unserem schamlosen Fäkalhumor.
Was Probleme angeht - ich hatte es einfach. Aber Wayne Rose, unser Regisseur, war gezwungen, seinen Drehplan täglich umzuwerfen, weil sowohl Grace als auch Tahmoh in L.A. an anderen Serien arbeiteten. A.J. [Alessandro Juliani] spielte gerade fünf Abende pro Woche auf Victoria Island Theater, und musste zum Set geflogen werden, während Mary, Tricia und Jamie wegen einer Convention, für die sie Monate bevor die Folge überhaupt geschrieben worden war, verbindlich zugesagt hatten, zwischen Europa und Kanada hin und her flogen.
Es war also eine Herausforderung, alle gleichzeitig ans Set zu bekommen. Aber Wayne hat es geschafft, und wenn man sich die Folge von der visuellen Seite her anschaut, ist sie einfach wunderschön. Es war auch schön zu sehen, wie Michael Trucco seine Stunts selbst machte, obwohl ich ihn noch ein paar Monate zuvor im Krankenhaus besucht hatte, weil er sich das Genick bei einem Autounfall gebrochen hatte.
Maureen Ryan: War das die letzte Folge, die Sie für die Serie geschrieben haben? Und wenn ja, war es wichtig für Sie, noch einmal Romo Lampkin und seine berühmte Sonnenbrille dabei zu haben? Beide haben Sie ja durch "The Son Also Rises" in die Serie hinein gebracht.
Michael Angeli: Es sollte die letzte Folge sein, aber ich landete dann doch noch einmal in Vancouver und hatte die Aufsicht über "Island in a Stream of Stars". Damit hatte ich Mike Taylor einen Gefallen getan - er hatte den Piloten zu "Virtuality" geschrieben - und Ron, der mit Mike gerade an "Virtuality" arbeitete und außerdem die Pilotfolge für "Caprica" drehte.
Letztlich war es so, dass ich mit Ron und den Schauspielern bis ganz zum Schluss da blieb, bis wir die letzte Folge durchgingen. Das arf sehr bewegend. Alle lachten, Aaron brachte Scotch mit, jeder hat seinen Teil vorgelesen, und dann waren alle am Weinen. Und damit meine ich wirklich alle. Und dann, als alles vorbei war, haben wir einander unsere Drehbücher signiert.
Es ging mir nicht so besonders darum, Romo wieder in die Serie hinein zu schreiben. Ich wusste, dass das sowieso passieren würde - er ist einfach zu gut und zu interessant, um ausgelassen zu werden, dank Mark. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass Mark auch einen Auftritt im Serienfinale hat, aber eigentlich wäre das nicht nötig gewesen, denn Ron spielte selbst schon mit dem Gedanken. Und es war auf jeden Fall toll anzusehen, wie Romo sich seine Sonnenbrille von dem Typen zurückholt, den er tötet.
Maureen Ryan: Was mögen Sie an dieser Folge besonders?
Michael Angeli: Es war schön, wieder mit Wayne Rose zusammen zu arbeiten. Er führte auch bei "Guess What's Coming to Dinner" Regie. Er sollte noch eine weitere Folge drehen, und ich wollte ihn unbedingt für "Blood on the Scales". Ron und David Eick waren so nett und haben mir diesen Wunsch erfüllt.
Ich war froh, Kelly wieder einbringen zu können, schließlich kam er ja in [der ebenfalls von Angeli geschriebenen Episode] "The Son Also Raises" ins Gefängnis. Der Schauspieler, Ty Ollson, hat eine Präsenz...er spielt die anderen einfach gegen die Wand. Alle Schauspieler waren wirklich toll, und es war ein Privileg, ihnen zuschauen zu dürfen.
Maureen Ryan: Was fiel Ihnen beim Schreiben oder Drehen von "Blood on the Scales" am schwersten?
Michael Angeli: Am schwierigsten war es, Richard Hatch zu beobachten. Er wusste, dass das seine letzte Folge sein würde, und der Gedanke, dass er als Bösewicht wahrgenommen werden könnte, machte ihm zu schaffen - aber er war, meiner Meinung nach, kein Bösewicht. Und er war so emotional und einfach persönlich involviert, egal wie er darüber dachte. Ich glaube, er hatte seinen besten Auftritt seit Beginn der Serie, wirklich.
Maureen Ryan: Adama sagte, dass diejenigen, die an der Meuterei beteiligt waren, keine Gnade erfahren würden. Gaeta und Zarek sind für ihre Taten offensichtlich gestorben. Aber welche Auswirkungen wird Adamas Aussage für Leute wie Narcho oder Racetrack haben?
Michael Angeli: Keine Ahnung. So weit sind wir noch nicht.
Quelle: Interview bei Chicago Tribune
Richard Hatchs Kommentar im Blogeintrag:
Nachdem ich Zarek nun vier Jahre lang verkörpert habe, möchte ich erst einmal sagen, dass ich ihn nie als eine Art Bösewicht gespielt habe, noch habe ich je gedacht, dass er einer wäre - und tue das noch immer nicht.
25 Jahre lang saß er im Gefängnis, als Preis dafür, dass er sich [auf Sagittaron] für die Menschenrechte eingesetzt hat. Er hat sowohl seine Familie, als auch seine Freunde und Bekannten sterben sehen, wegen des autoritären Regimes auf seinem Heimatplaneten. Das gab ihm das Recht, den Machtinhabern auf der Galactica, die zu glauben schienen, dass nur sie die richtigen Entscheidungen für die Menschen treffen können, zu misstrauen
Und da Zarek durch Roslin und Adama auf illegale Weise blockiert wurde, was auch immer er tat, einschließlich einer gewonnenen Wahl, musste er alle verfügbaren Hebel in Bewegung setzen, um seiner Stimme in einer diktatorischen Regierung, die durch Adama und Roslin angeführt wurde, überhaupt noch Gehör zu verschaffen. Den Rat haben die beiden gering geschätzt, und sie haben getan, was auch immer sie wollten. Ob die Menschen damit einverstanden waren, war ihnen egal.
Und nach vier Jahren hatte Zarek noch immer nur zwei Anzüge und kaum Geld. Er hatte auf einem steinigen Pfad viele Lektionen gelernt, er war ein intelligenter Mann - warum also hätte er an die Macht kommen wollen, nur um der Macht willen? Er hat aus erster Hand erfahren, was Macht auf seinem Heimatplaneten angerichtet hat, und wie Macht korrumpieren kann. Und der einzige Grund dafür, dass er an die Macht wollte, nachdem er schon einmal die Hölle durchfahren hatte, war sicher zu sein, dass auch die Menschen eine Stimme in ihrer Regierung bekommen.
Hat denn jeder vergessen, worum es in der Demokratie geht? Oder schauen wir einfach nicht mehr hin, wenn die Regierung den demokratisch gewählten Repräsentanten nicht mehr zuhört, nur weil wir die Charaktere [Adama und Roslin] so mögen? Anbei bemerkt, ich mag die beiden Schauspieler sehr, auch ihre Charaktere, Tatsache ist aber, dass diese ungefähr so viele Gesetze gebrochen haben, wie sie es Zarek vorwerfen.
Die Wahrheit ist, nach allem was ich gelesen habe, nach all den Drehbüchern, war mir klar, dass Zareks Taten das Ziel hatten, etwas zum Positiven hin zu verändern. Sein ganzes Leben ging es darum. Mein Gott, er saß dafür 25 Jahre lang im Gefängnis, er hat sein Leben dafür gegeben. Und mal ehrlich, mit dem, was wir über die Zylonen und ihre Programmierung wissen, wie kann man ihnen jemals wieder vertrauen? Selbst die Humlons wissen nicht, wozu sie fähig sind, aufgrund ihrer geheimen Programmierung.
Natürlich war Zarek alles andere als perfekt, aber wie hätte er auf ehrliche und geradlinige Art und Weise etwas erreichen sollen, wenn man bedenkt, dass sie ihm so viele Steine wie möglich in den Weg gelegt haben und dass Adama seinen Ruf so beschädigt hat, dass niemand mehr Zarek vertraut hat. Adama hatte all die Macht, er hatte das gesamte Militär hinter ihm, er konnte also jede mögliche Quelle nutzen, um seine Meinung kundzutun.
Ist schon vergessen, dass Zarek auf New Caprica in Einzelhaft saß, weil er mit Baltars Agenda nicht einverstanden war? Verhält sich so ein machthungriger Terrorist?
Hat sich mal irgendjemand Zareks Hintergrundgeschichte angesehen? Scheinbar nicht. Die Leute haben einfach akzeptiert, was Adama ihnen erzählt hat, als sei es die gottgegebene Wahrheit, aber wenn man sich seine Taten mal richtig anschaut, dann sieht man, dass er nicht etwas getan hat, das nicht auch seine idealistische Vision einer wahren Demokratie unterstützt hat. Eine Demokratie, in der die Regierung verantwortlich handelt. Diese Regierung hat nicht verantwortlich gehandelt.
Die Adama/Roslin-Regierung - so sehr wir diese Charaktere auch mögen - hat jedes Gesetz gebrochen, um an der Macht zu bleiben und ihren Willen durchzusetzen. Unabhängig von ihrem guten Willen haben sie die wahre Demokratie auf der Galactica zerstört, und trotzdem ist es Zarek, der als machthungriger, böser Mensch angesehen wird, weil er zu den wenigen gehörte, die es wagten, sich zu erheben und zur Wehr zu setzen.
Und warum? Weil er daran geglaubt hat, dass es nicht richtig ist, nur aufgrund eines Holocausts, ähnlich den Geschehnissen bei 9/11, wegzusehen und alle Macht der Regierung zu überlassen. Denn das ist der sicherste Weg, alle Bürgerrechte zu verlieren, alles, wofür wir Menschen in vielen Kriegen gekämpft haben. Meiner Meinung nach ist es absolut falsch, zu behaupten, dass Zarek nur an die Macht wollte um der Macht willen, und das ergibt auch keinen Sinn, wenn man sich mit seinem Charakter, seinen Handlungen und seinen Gedanken näher auseinander setzt.
Die Wahrheit ist, Zarek, Adama und Roslin wollten alle aus dem selben Grund an die Macht - um etwas zum Positiven zu verändern. Aber Zarek besaß immer noch den idealistischen Glauben daran, dass die Regierung immer verantwortlich zu handeln habe, verantwortlich gegenüber den Menschen, die in der Serie durch den Rat repräsentiert wurden.
Im Endeffekt ist es sehr einfach, Zarek einfach als einen machthungrigen Terroristen abzuschreiben. Aber was hat er in den letzten vier Jahren nicht alles gemacht, das seine Überzeugungen untermauert hat? Seine Worte, seine Rückmeldungen, seine Weisheiten, seine Taten dienten immer zur Unterstützung seiner Agenda - eine verantwortungsvolle Regierung zu bilden, weil er wie viele andere schon einmal unter einer Regierung zu leiden hatte, die dies nicht tat.
Und, so sehr ich es hasse das zu sagen, es scheint als würde sich die Regierung auf der Galactica in genau diese Richtung bewegen. Man sagt mir, nur Roslin und die Familie Adama, einschließlich Lee, haben das Recht, die Flotte anzuführen, und niemand kann sich dagegen stellen. Das schien hier der Fall zu sein. Demokratie ist eine sehr zerbrechliche Konstruktion, und sie geht sehr leicht verloren, wenn wir nicht darauf achten, dass die Regierung verantwortungsvoll handelt. Meiner Meinung nach hat "Battlestar Galactica", diese außergewöhnliche Serie, dieses Thema auf eine sehr starke, ehrliche Weise behandelt.
Ich sehe es als ein Privileg an, Teil dieser wundervollen Serie gewesen zu sein, und ich habe es geliebt, Tom Zarek spielen zu dürfen, einen Charakter voller Makel, hoch komplex und sehr oft falsch verstanden.
Quelle: Artikel bei chicagotribune.com
#6
13. Februar 2009 um 22:28 Uhr
Das Interview zu "No Exit", dieses Mal mit den Autoren Ryan Mottesheard und Jane Espenson, erscheint erst Sonntag, nicht wie gewohnt Freitag. In einem gerade erschienenen Blogeintrag bittet sie die Leser (also uns
#7
17. Februar 2009 um 20:48 Uhr
Fan-Q&A mit Jane Espenson und Ryan Mottesheard
Maureen: Hat die Fülle an Informationen, die Sie in "No Exit" vermitteln mussten, das Schreiben der Folge zu einer besonderen Herausforderung gemacht? War es eine größere oder eine kleinere Herausforderung, im Vergleich zu Ihren anderen "Battlestar Galactica"-Aufträgen?
Jane: Es war eine sehr viel größere Herausforderung. Das ist einer der Gründe dafür, dass so viele Autoren an dieser Folge geschrieben haben. Erst hat Ron die Szenen mit Cavil und Ellen geschrieben, dann hatte Ryan die schwerste Aufgabe – er hat das Konzept angefertigt, auf dem wir alle aufgebaut haben. David Weddle und Bradley Thompson haben es dann perfektioniert, wodurch einige neue Elemente hinzu kamen, und dann habe ich den letzten Schliff vorgenommen. Beide Handlungsstränge dieser Folge waren sehr schwierig zu schreiben, denn für beide war es notwendig, einen interessanten Weg zu finden, um diese riesige Menge an Informationen zu vermitteln. Glücklicherweise wollten nicht nur wir den Zuschauern diese Informationen vermitteln, sie wollten diese Informationen auch haben.
Maureen: Stammen die Menschen denn nun ursprünglich von Kobol, oder von der Erde?
Jane: Ich bin immer davon ausgegangen, dass es Kobol ist.
Maureen: Warum wurde die Erde zerstört?
Jane: Die auf der Erde lebenden Humlons haben ihre eigenen Kampfmaschinen gebaut, die sich dann gegen sie gewandt haben.
Maureen: Wie war es, mit John Hodgman zu arbeiten? Sollte Dr. Gerard als eine Art komischer Kontrapunkt dienen oder hat John das von sich aus in die Rolle eingebracht?
Jane: Die Rolle des Dr. Gerard haben wir extra für John Hodgman geschrieben. Er sollte eine amüsante Person spielen, und seine absolut perfekte Darstellung hat uns sehr dabei geholfen, den richtigen Ton zu treffen.
Maureen: Wurde viel aus dieser Folge herausgeschnitten?
Jane: Sicher wurde einiges geschnitten. Ich kann mich daran erinnern, dass Ellen in der Szene, in der sie den Apfel isst, noch mehr zu Boomer gesagt hat. Es gab eine sehr viel längere und ausgearbeitetere Fluchtszene, die in der Nachbearbeitung immer weiter gekürzt wurde, auch während der Produktion, bis sie dann ganz heraus genommen wurde.
Maureen: Wie war es, diese Folge zu drehen – ist irgendetwas besser gelaufen, als Sie es erwartet hätten? Oder schlechter? Können Sie sich an irgendwelche Anekdoten vom Set erinnern?
Jane: Die Geschichte mit Anders hat sehr viel besser funktioniert, als ich es befürchtet hatte. Michael Trucco hat seiner Darstellung so viel Gewicht gegeben, so viel Eile, dass es nie langweilig wurde, selbst wenn die Menge an Informationen sehr gewaltig war. Seine Darstellung in dieser Folge hat mich wirklich beeindruckt.
Ryan: Ich habe Michael Trucco auch sehr zu danken. Er war sehr gut vorbereitet und hat sehr viel in seine Darstellung eingebracht. Und seien wir ehrlich, er musste eine riesige Menge an Informationen erzählen, noch dazu unter dem Mantel einer seltsamen Erhabenheit.
Maureen: Wie kann es sein, dass Saul Tigh und Adama einander schon so lange kennen?
Jane: Sie haben sich erst nach dem Krieg getroffen. Zu diesem Zeitpunkt wurden Saul schon falsche Erinnerungen implantiert und er wurde in die Kolonien geschickt, um unter den Menschen zu leben.
Leah: Was ich an der Serie unter anderem so interessant finde, ist die Art und Weise, wie man bestimmte Charaktere eine Zeit lang sehr nah verfolgt, so dass man das Gefühl hat, etwas über dessen Inneres zu erfahren, und dann zieht man sich wieder zurück und man sieht die Person hauptsächlich von Außen, so dass wir seinen emotionalen bzw. psychischen Zustand nur durch seine Handlungen darstellen müssen. Boomer ist ein gutes Beispiel dafür – zuerst waren wir ihr so nah, dass ich seit "Downloaded" immer wieder neugierig darauf war, wie es in ihrem Inneren aussieht.
Wieviel reden Sie über das, was mit den Charakteren passiert, die wir nicht auf dem Bildschirm sehen? Was wissen Sie über Boomer, was wir nicht wissen?
Ryan: Wir haben ganz genau aufgezeichnet, was seit "Downloaded" mit Boomer passiert ist – zum Beispiel, als sie auf dem Basisstern bereit war, Heras Genick zu brechen – und gingen sicher, dass das, was wir in dieser Folge zu sehen bekamen zu dem passt, was wir in den letzten 18 Monaten gesehen hatten. Nachdem sich Boomer in der Folge "Six of One" für Cavils Pläne entschieden hatte, hat sie alles dafür gegeben, vielleicht mehr als jeder andere Zylone, Cavils Streben danach, eine möglichst perfekte Maschine zu werden, zu erfüllen.
Jane: Schaut einfach weiter. Es kommt noch mehr Boomer auf euch zu.
Jeremy L.: Wieviel von dem, was zur Zeit passiert, war den Autoren schon während der ersten, zweiten Staffel bekannt? Ich könnte mir vorstellen, dass es für die letzten zehn Folgen eine Vorgabe gab. Wieviel von "No Exit" stand in dieser Vorgabe und wie viel haben Sie sich erst überlegt, als Sie diese Folge tatsächlich ausgearbeitet haben?
Ryan: Ursprünglich war geplant, dass vieles von dem, was in "No Exit" passiert, in mehreren Folgen stattfinden sollte. Aber dadurch, dass die Szenen zwischen Ellen und Cavil im Laufe von insgesamt 18 Monaten passiert sind, also seit Ellens Tod, wurde der Wechsel zwischen dem, was auf dem Basisstern in der Vergangenheit passiert ist, und dem, was jetzt auf der Galactica geschieht, zu konfus. Wir glaubten, dass es das beste wäre, diese Dinge in eine Folge zu packen.
Jane: Als wir mit der letzten halben Staffel begannen, kannten wir natürlich schon die Details, die in "No Exit" bekannt wurden. Die ungefähre Form kannten wir vorher schon, auch dass hier und da einige Dinge endlich geklärt werden würden, viele davon schon bevor ich in der vierten Staffel der Serie hinzukam. Ich kann nichts darüber sagen, was in den ersten beiden Staffeln schon bekannt war.
Sadtigh Greg: Wie kann es sein, dass Ellen und Anders von Daniel wussten, aber keiner der anderen Zylonen, mit Ausnahme von Cavil, die Final Five kennen?
Ryan: Ellen weiß von Daniel, weil sie die einzige der Final Five ist, die gestorben ist und folglich ihre Erinnerungen zurück erhielt. Unsere Idee war, dass Cavil die Erinnerungen der Final Five ausgelöscht hat, als er sie wieder belebte und sie auf die Erde schickte, um unter den Menschen zu leben. Was Anders angeht – er hat sein Wissen durch den Schuss in seinen Hinterkopf erhalten, und dadurch, dass die Kugel, während sie durch seinen Kopf wandert, diese unterdrückten Erinnerungen aufweckt.
Cavil ist der einzige, der von den Final Five weiß, weil er die Programmierung der anderen sechs Modelle so verändert hat, dass diese nie den Wunsch verspüren würden, über die Final Five zu reden oder nach ihren Identitäten zu suchen. Offensichtlich bricht sein kleines Kartenhaus zusammen, wenn sie es doch tun, weshalb er die D'Anna-Reihe abgeschaltet hat.
Jane: Ellen erhielt ihre Erinnerungen zurück, als sie wiedererwachte, und Anders erhielt seine, als ihm eine Kugel in den Kopf geschossen wurde. Die Erinnerungen aller anderen Zylonen an die Final Five wurden von Cavil gelöscht.
Don C.: Könnten Sie uns die Daten für folgende Geschehnisse nennen:
a) Der 13. Stamm verlässt Kobol
B) Die 12 Stämme verlassen Kobol
c) Pythia lebte und verfasste ihre Schriften
Jane: Auf die Daten bezüglich der Geschehnisse rund um Pythia und Kobol werden wir, so wie ich das verstanden habe, noch eingehen, in einem Comicbuch geschrieben von Seamus Kevin Fahey [einer der Battlestar-Autoren] und Davin Reed.
Marc: Wenn die Zenturier die Kolonisten so sehr hassen und verachten, dass sie einen Krieg führten, um sie zu vernichten, warum wollen sie dann unbedingt menschenähnliche Zylonen erschaffen? Warum wollten sie sich weiterentwickeln zu dem, was sie hassen?
Jane: Oh, ich LIEBE diese Frage! Meiner Meinung nach ist das keine Frage nach dem Plot, sondern eine psychologische Frage. Warum wählen Menschen, die ihre Eltern nicht mögen, einen Pfad, der sie zu ihren Eltern werden lässt? Warum übernehmen Sklaven freiwillig die Besitztümer ihrer früheren Besitzer. Warum werden diejenigen, die gegen Diktatoren rebellieren, selbst zu Diktatoren? Ich hoffe, es ist nicht meine Aufgabe, diese Frage zu beantworten, denn ich habe keine Antwort darauf, aber ich liebe es, nach der Antwort zu suchen.
Ryan: Glauben Sie, die Six hätte es geschafft, sich in Baltars Kopf zu schleichen, wenn sie mehr wie ein Zenturion und weniger wie Tricia Helfer ausgesehen hätte? Es hat definitiv Vorteile, die Verkleidung seiner Feinde zu übernehmen.
Dave B.: Ich verstehe nicht, warum Cavil in seiner Wut die Final Five für seine menschliche Form verantwortlich macht. Nach dem zu urteilen, was Anders gesagt hat, war das der Wunsch der Zenturier. Sollte Cavil nicht auf sie sauer sein?
Jane: Eltern arbeiten schwer, um ihre Kinder in eine angesehene Schule schicken zu können. Das Kind hasst die Schule und entscheidet schließlich, dass der Besuch dieser Schule es auf einen Weg geleitet hat, der den Rest seines Lebens zerstört hat. Macht er die Kultur dafür verantwortlich, die seine Eltern dazu gebracht hat, diese Schule vorzuziehen? Schiebt er die Schuld auf all die anderen Kinder, die die Schule lieben? Macht er die Schule verantwortlich? Naja, das vielleicht schon, aber hauptsächlich macht er seine Eltern verantwortlich. Vor allem, wenn er eigentlich riesige Angst davor hat, seine Eltern zu enttäuschen, weil er keine herausragende Leistungen zeigt.
Ryan: Die Zenturier haben Cavil nicht erschaffen. Das waren die Final Five. Wir haben in "Razor" Experimente gesehen, die die Zenturier mit den Hybriden unternommen haben, und wir haben die Final Five als Humlons auf Kobol gesehen, vor tausende Jahren, von daher denke ich nicht, dass die Idee, eine menschliche Form anzunehmen, so überraschend kam (ich habe das Gefühl, dass Cavil auch mit einem Körper aus Metall zufrieden gewesen wäre).
Oscar R: Wie werden "Caprica" und "Battlestar Galactica" miteinander zusammenhängen? Ohne Spoiler erfahren zu möchten, wird es notwendig sein, BSG geschaut zu haben, um "Caprica" zu verstehen, oder wird "Caprica" eine eigenständige Serie sein, die den selben mythologischen Hintergrund wie "Battlestar Galactica" hat?
Jane: Oh, interessant! Normalerweise fragen die Leute genau umgekehrt. Aber die Antwort ist natürlich die selbe: man muss keine der beiden Serien kennen, um die jeweils andere voll genießen und verstehen zu können. Nichts für BSG relevantes wird ungelöst bleiben, so dass wir das in "Caprica" wieder aufnehmen müssten, es sei denn, Ihnen fehlt etwas, wenn Sie nicht die ganze aufregende Geschichte hinter der Erschaffung der Zenturier auf Caprica erfahren wollen – was Sie natürlich tun sollten!
James: Ich würde gerne wissen, ob die Final Five (und die anderen auf der Erde lebenden Zylonen) genauso wie die Zenturier an den einen wahren Gott geglaubt haben?
Jane: Die Final Five waren Polytheisten, bis sie die Zenturier trafen, die ja Monotheisten waren.
Carl: Da diese Folge so viele Informationen und Hintergründe bereithielt, würde ich von Ryan und Jane gerne etwas über die fehlenden Flashback-Szenen über die Erde wissen, da sie für die Geschichte der Zylonen ja doch sehr wichtig waren. Die große Mehrheit der Informationen wurde durch Sam offenbart, der als eine Art Geschichtenerzähler fungierte. War es eine bewusste Entscheidung, keine Szenen über die Erschaffung der acht Modelle einzublenden? War das eine Budget-Entscheidung?
Jane: Wir haben darüber diskutiert, Flashbacks zu verwenden, und uns dagegen entschieden. Ich weiß nicht, ob ich mich an die Gründe dafür, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben, erinnere, aber ich hoffe, in der fertigen Folge funktioniert das so. Ohne die Flashbacks kann der Zuschauer sehen, wie die Zuhörer die Informationen aufnehmen. Das emotionale Herzstück dieser Folge sind die Reaktionen der Zuhörer, ich glaube, man würde das sonst vermissen.
Ryan: Vielleicht hätten Probleme mit dem Budget sie trotzdem verhindert, aber wir hatten generell das Gefühl, dass die Zuschauer die Informationen auf dieselbe Weise erhalten sollten wie Tigh, Tory und Tyrol. Er erzählt ihnen alles, ohne zu irgendwelchen allwissenden Flashbacks zu greifen. Außerdem glaube ich nicht, dass es schwierig ist, sich vorzustellen wie diese Szenen ausgesehen hätten, und um den bewundernswerten David Cronenberg zu zitieren: "Wenn man weiß, wie die Szene aussieht, dann muss man sie nicht sehen".
Ein Staunender: Werden wir mehr über diese zuvor unbekannte Kolonie, die Cavil in einem seiner Gespräche mit Ellen erwähnt hat, erfahren? Wurde sie vielleicht von Menschen von der Erde gegründet oder bewohnt? Oder vielleicht von Nachfahren oder Inkarnationen der Final Five?
Jane: Oh, Sie meinen Die Kolonie? Sie glauben, es ist eine Kolonie?
Clifton: Als was ersteht Ellen wieder auf, nachdem sie auf New Caprica gestorben ist? Sollen wir davon ausgehen, dass es noch andere Kopien von den Final Five gibt, genau wie bei den anderen acht Modellen?
Ryan: Ja, Sie sollten davon ausgehen, dass wenn Tigh, Tyrol, Anders oder Tory irgendwann sterben, ein Körper auf Cavils Basisstern auf sie warten würde. Dass sie alle den Angriff der Zylonen aus der Miniserie überlebt haben, ebenso wie unzählige Mühen und weitere zylonische Angriffe und dass Ellens Tod nur durch die Hand eines anderen Final Five herbeigeführt wurde ist schon sehr bemerkenswert. Und macht Cavil definitiv sehr wütend, könnte ich mir vorstellen.
Max Bell: Ryan, das war einfach unglaublich! Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, aber laut IMDB und BSGWiki ist dies Ihr erstes Drehbuch. Diese Folge ist ja sehr kompliziert – hat Ihre Arbeit als Drehbuch-Koordinator Ihnen dabei geholfen, alles im Auge zu behalten?
Ryan: Der Job des Drehbuch-Koordinator ist, genauso wie der des Autoren-Assistenten, normalerweise einer, in dem Leute arbeiten, die selbst Autoren werden wollen. Während man selbst nicht kreativ werden kann, arbeitet man zumindest sehr eng mit den Autoren zusammen und liest jeden Entwurf, jedes Konzept eines jeden Drehbuchs. Ich kannte das "Battlestar Galactica"-Universum auf jeden Fall sehr gut, aber ich war während des Entwicklungsprozesses auf das kollektive Gedächtnis aller Mitarbeiter angewiesen, und dieser Prozess ist sowieso schon ein sehr kollaborativer.
Chris: In Anbetracht dessen, dass bald "The Plan" herauskommen wird, kann man davon ausgehen, dass nicht alles über die zylonische Geschichte am Ende der Serie herauskommen wird? Und Jane, wenn Sie mal wieder Zeit haben, würden Sie dann bitte wieder bloggen? Ich bin einer Ihrer heimlichen Leser, und ich vermisse Sie sehr.
Jane: Es werden definitiv einige Fragen in "The Plan" beantwortet, aber nicht so, dass das Ende von "Battlestar Galactica" irgendwie unvollständig wirkt. Und ich hoffe, irgendwann wieder mit dem Bloggen anfangen zu können. Im Moment bin ich unglaublich beschäftigt, denn wir beginnen gerade mit der Ausarbeitung der Geschichten für "Caprica", aber ich lerne während dieses Prozesses so viel, dass mein Blog-Tank sich immer weiter füllt.
Richard S.: Eine Frage an Jane: In "No Exit" haben wir viel über die zylonische Geschichte erfahren, und es klingt so, als hätte John / Cavil beim Überleben der Galactica seine Hände im Spiel gehabt. Zumindest schien er Ellen Tigh und die anderen Final Five in eine Richtung zu stoßen, in der sie die Menschheit in einem möglichst schlechten Licht sehen. Haben wir Zuschauer damit eine Inhaltsangabe für "The Plan" erhalten, so wie die Folge "Pegasus" ja auch die Geschehnisse aus "Razor" vorweg nahm? Für mich klingt das so, als sei der zylonische Plan – oder zumindest Cavils Plan – gewesen, den Eltern eine Lektion zu erteilen.
Jane: Hmm…so habe ich bisher nicht darüber gedacht, aber ich mag diese Idee.
Carla: Wer oder was ist denn nun Starbuck?
Ryan: Wollen Sie wirklich, dass ich Ihnen das bei noch fünf verbleibenden Folgen verrate? Also wirklich… schalten Sie einfach nächste Woche den Fernseher ein!
Adamachief Lori C: Das einzige mal, dass ich während der Folge innehalten musste, war, als Adama es ablehnt, zylonische Technologie zu nutzen, um die Galactica zu reparieren. Immerhin war Adama derjenige, der darauf drängte, die zylonische FTL-Technologie zu installieren, was sogar zu einer Meuterei geführt hat. Warum war er so zögerlich, gerade in Anbetracht des schlechten Zustandes der Galactica?
Jane: Es geht hier darum, jeden einzelnen Knochen der Galactica zu ersetzen. Darum, dass sie nicht mehr sie selbst ist, darum, dass Adama die Krankheit akzeptieren muss, die sie langsam tötet. Es geht nicht nur darum, die Zylonen um Hilfe zu bitten, sondern einander gleich zu werden. Ich sehe das als eine vom Ausmaß her sehr viel bedeutsamere Entscheidung an als die frühere.
Ryan: Gewissermaßen übernimmt Adama die Verantwortung für die Meuterei – Lee sagt ja in "The Oath" auch etwas darüber, dass Zarek recht hat – und zögert daher, sich noch abhängiger von der zylonischen Technologie zu machen, nach der Verwüstung, die das beim ersten mal zur Folge hatte. Auch Laura erkennt ihre Verantwortung an, indem sie die Regierungsgeschäfte an Lee abgibt. Außerdem möchte Adama einfach auch nicht akzeptieren, dass die Galactica in einem so schlechten Zustand ist, wie Tyrol es beschreibt, und in dieser Folge geht es darum, dass er diese Tatsache schließlich doch akzeptiert.
Justin: Ich hätte mir gewünscht, dass in dieser Folge nochmal das Schicksal der anderen Meuterer, von Zarek und Gaeta einmal abgesehen, angesprochen wird. Was ist mit Racetrack, Narcho und Seelix passiert?
Ryan: Mr. Angeli hat das in der letzten Folge ganz subtil angesprochen, als wir gesehen haben, wie Kelly sich umentschieden hat und Adama den Meuterern angeboten hat, ihre Allianz zu erneuern, während sie ihren letzten Marsch zur CIC antreten.
Quelle: Interview bei der Online-Ausgabe der Chicago Tribune
#8
24. Februar 2009 um 13:11 Uhr
Q&A mit Jane Espenson
Maureen Ryan: Ich hatte das Gefühl, in dieser Folge gab es eine Familienzusammenführung, die genauso ablief, wie Familienzusammenführungen das üblicherweise tun – am Anfang hat jeder die besten Absichten, aber dann stehen ihnen alte und neue Lasten und Kümmernisse im Weg. Besonders Ellen wirkt wie eine Mutter, die über das Verhalten ihrer Kinder schockiert ist. Würde es Ihnen etwas ausmachen, uns etwas über diese Analogie zu erzählen?
Jane Espenson: Ich kann dieser Analogie nur Beifall spenden. Ich denke, sie ist sehr passend.
Maureen Ryan: Warum ist die Ellen, die wir in "Deadlock" sehen, nicht so cool und gesammelt wie die Frau, die wir letzte Woche in "No Exit" gesehen haben? War sie am Boden zerstört, weil Tigh die Caprica Six geschwängert hat? Oder gab es andere Faktoren, die ihre alten Charaktereigenschaften zum Vorschein gebracht haben?
Jane Espenson: Ein guter Punkt! Das habe ich an Kate Vernons Darstellung sehr toll gefunden – wie sie so großartig spielt, wie die Rückkehr in die familiäre Beziehungen uns so zurückfallen lässt. Ellen und Saul bringen einander dazu, ihre schlechtesten Charaktereigenschaften zu zeigen, und ich glaube, Ellen war in dem Moment, in dem sie ihn das erste mal wiedergesehen hat, dazu verurteilt, wieder zu der alten Ellen Tigh zu werden, vollkommen unabhängig von den Umständen. Und dass sie jetzt wieder besser an Alkohol rankommt, hilft auch nicht gerade.
Maureen Ryan: Kann Ellen nach tausenden gemeinsam verbrachten Jahren wirklich glauben, dass Tigh Caprica mehr liebt als er sie liebt? Ist das der Fall?
Jane Espenson: Ich glaube, dass Saul Caprica wirklich liebt. Aber nicht mehr als Ellen. Ich glaube nicht einmal, dass Ellen das wirklich glaubt. Aber es handelt sich nicht nur um eine lockere Beziehung, und der Zylonische Glaube über den Zusammenhang von Schwangerschaft und Liebe scheint ihre Angst zu bestätigen. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass "tausende von Jahren" leicht gesagt ist – sie haben es schließlich als nicht einmal ansatzweise so lang empfunden.
Maureen Ryan: Wenn die Zylonen auf der Erde Kinder bekommen konnten, warum nicht auch Ellen und Tigh?
Jane Espenson: Einige Leute können das eben nicht. Und als die Zylonen dann ihre Theorie über Liebe und Fortpflanzung entwickelten, war es wie geschaffen für Ellen, in ihrer Wut und Verletztheit danach zu greifen.
Maureen Ryan: „Deadlock“ schien das Potential zu haben, in eine Seifenoper abzudriften – zum Beispiel die Frauen, die sich um einen Mann streiten, den sie beide lieben. Ich weiß nicht, ob es wirklich so war, aber haben sie sich darüber Gedanken gemacht, als Sie das Drehbuch geschrieben haben – darüber, dass die Folge nicht zu Soap-lastig werden sollte?
Jane Espenson: Ich habe die Folge nicht als soapig empfunden, sondern als emotional. Der Kampf um die Liebe mag sich so anfühlen, weil diese Geschichten traditionell über Frauen erzählt werden, während Männer meist in Geschichten rund um Arbeit zu finden sind. Das sind aber nur zwei Sorten von Geschichten, die wir erzählen, aber sie sind es trotzdem wert, erzählt zu werden. Und sie müssen nicht kitschig sein. Ich hoffe, dass die Six / Ellen – Szene nicht zu sehr an Dolly Partons Lied "Jolene" erinnert. Denn ich fürchte, da liegt die Gefahr. Ich habe einfach versucht, eine Auseinandersetzung zu schreiben, die mir glaubhaft vorkamen, über Emotionen, die so komplex sind wie ich es mir eben vorstellen konnte.
Maureen Ryan: Der Stress, unter dem das Baby leiden musste, und schließlich sein Tod – wurden sie durch den extremen Stress ausgelöst, unter dem die Caprica Six stand? Oder war Liams Tod unausweichlich – starb er, weil ein rein zylonisches Kind nie überlebensfähig gewesen wäre?
Jane Espenson: Ich mag diese Frage. Wenn Sie möchten, kann ich noch eine Frage hinzu fügen: "Ist das Baby gestorben, weil Tigh, nachdem er beobachtet hat, wie Ellen ihr Opfer bringt, sich wieder in sie verliebt hat und die Six in diesem Moment seine Liebe verloren hat?" Und ich bin sicher, es gibt noch andere mögliche Erklärungen.
Maureen Ryan: Es scheint, als gäbe es zwei verschiedene Fraktionen, unter den Menschen und den Zylonen – diejenigen, die die Reinheit ihrer Rasse erhalten wollen und diejenigen, die bereit sind, eine gemischte Kultur zu bilden. Ich habe das Gefühl, dass das nicht gut gehen wird. Schauen Sie sich nur die Geschichte an, immer wenn es zwei derartige Gruppen gab, die einander so nah waren, kam es zu einem Konflikt. Was denken Sie darüber?
Jane Espenson: Nun, ich glaube, der Kampf zwischen diesen beiden Fraktionen wurde während der Meuterei schon sehr ausführlich ausgetragen.
Maureen Ryan: Wieviel von Baltars Nächstenliebe für die Bewohner von Dogsville ist motiviert durch den Wunsch, seine Macht von Paula zurück zu erkämpfen? Oder ist das eine ehrliche Nächstenliebe?
Jane Espenson: Ganz ehrlich, ich glaube nicht einmal Baltar könnte diese Frage beantworten.
Maureen Ryan: Was musste aus der Folge herausgeschnitten werden?
Jane Espenson: Ich schaue sie mir gerade an – ich versuche mich daran zu erinnern. Oh, es bestand mehrmals die Überlegung, Zenturions in de Flotte zu holen, um die Zivilisten unter Kontrolle zu halten. Das war eine sehr coole Idee, aber letztendlich gab es dafür keinen Platz. Und es gab eine lange Debatte darüber, ob Laura / Lee / Adama den Final Five erlauben würden, sich wieder zu vereinigen, mit oder ohne Zeugen. Und es gab einen sehr lustigen Austausch zwischen Tigh und Ellen über ihren Vergiftungstod, in dem sie so tat, als sei sie sehr sauer darüber. Tigh sagt da, "Ich dachte du wüsstest, dass es Gift ist, du hast nach dem Becher gefragt!", und Ellen antwortet: "Ich war durstig!"
Maureen Ryan: Was war das schwierigste daran, "Deadlock" zu schreiben? Und was das lustigste?
Jane Espenson: Am schwierigsten war es, die Schritte auszuarbeiten – wie die Abstimmung sich auswirken würde, was ein "ja" bedeuten würde, was ein "nein" bedeuten würde, all das. Am lustigsten – ich habe ein paar Witze in diese Folge eingebaut! Manchmal passt das nicht zum Ton der Episode, aber hier gab es einige sehr leichte Elemente (bis sie tatsächlich sehr düster wurde).
Maureen Ryan: Wie war es, als sie beim Dreh der Folge in Vancouver dabei waren – war es eine der problematischeren Folgen? Erinnern Sie sich an irgendwelche Geschehnisse vom Set?
Jane Espenson: Ich kann mich daran erinnern, dass jeder am Set sehr neugierig, ja sogar aufgeregt war, darüber, was als nächstes passieren würde. Erinnerungswürdige Momente – ich habe in den Dialogen ständig das Wort „earthshaking“ [Erdbeben, Anm. d.Ü.] verwendet, was wir erst in der letzten Minute bemerkt haben, und dann gab es eine kurze Debatte darüber, war wir stattdessen verwenden sollen. Wir landeten dann bei "mythisch".
Maureen Ryan: War es eine große Sache, dass das ihre letzte "Battlestar Galactica"-Folge sein würde? Hat das Ihr Schreiben oder den Dreh für Sie beeinflusst?
Jane Espenson: Ja, es war traurig zu wissen, dass das meine letzte sein würde. Aber diese Folge haben wir vor "No Exit" gedreht, und ich bin für den Dreh da geblieben. Es war also nicht das letzte mal, dass ich vor Ort war.
Maureen Ryan: Warum möchte Galen Tyrol die Flotte verlassen? Ich dachte, die Tatsache, dass er seinen alten Job als Chief zurück hat bedeutet, dass er bei der Galactica bleiben möchte.
Jane Espenson: Er hat den Job angenommen, weil Adama ihn darum gebeten hat. Aber er distanziert sich immer mehr von seinem alten Leben.
Maureen Ryan: Warum hat Adama, mit Zustimmung von Roslin und Lee, Baltars Fraktionen lauter große Waffen gegeben? Ich weiß, Adama war in letzter Zeit nicht ganz er selbst, aber das scheint eine sehr schlechte Idee zu sein.
Jane Espenson: Adama hat Probleme damit, auf der Galactica für Ordnung zu sorgen. Er hat während der Meuterei viele Soldaten verloren. Wenn er keine Truppe bilden kann, die die Zivilisten unter Kontrolle hält, muss er darüber nachdenken, die Zenturions vom Basisstern einzusetzen, und er fürchtet einen zivilen Aufstand, sollte er das machen. Baltar behauptet, dass das die letzte menschliche Lösung ist, und Adama muss dem zustimmen.
Es folgen Fragen von Alan Sepinwall:
Alan Sepinwall: Sind die Körper, die die Final Five jetzt haben, die selben wie damals auf der Erde? Konnte man den 13. Stamm nicht von den uns eher bekannten Humlons unterscheiden? Oder sind Ellens und Sauls Probleme mit dieser Konzeption ein Resultat daraus, dass sie sich jetzt in diesen neuen Körpern befinden?
Jane Espenson: Ah, ja, die Körper sollen identisch sein, aber natürlich sind sie wieder auferstanden, es sind also nicht genau die selben Körper, was bedeutet, dass das schon ein Faktor sein könnte. Aber ich persönlich denke einfach, dass es sich hier um ein Paar handelt, dass keine Kinder bekommen kann. Und, mal ernsthaft, sind Sie nicht froh darüber? Ich wäre mir jetzt nicht so sicher, dass sie besonders gute Eltern abgeben würden.
Alan Sepinwall: In Anbetracht der vielen Identitäten und Berufe, denen Baltar nachgegangen ist, und wie schnell er selbige wieder hat fallen lassen, sobald etwas besseres kam, sollten wie ihm überhaupt noch irgendetwas glauben? Und wenn ja, ist es eine Herausforderung für einen Autoren, zwischen den Momenten zu differenzieren, in denen er nur eine Rolle spielt und zwischen denen, in denen er es ernst meint.
Jane Espenson: Ich glaube, wenn er etwas sagt, meint er es fast immer ernst. Ich zumindest schreibe es so.
Alan Sepinwall: In dieser Folge schien es mehr erinnerungswürdige Sätze zu geben als in anderen. War das ein wichtiges Merkmal für eine Folge rund um Ellen, die ja einen der lustigsten Charaktere in der Serie spielt, oder haben Sie einfach noch ein paar gute Witze verwenden wollen, die Sie sich für ihr letztes Drehbuch aufgespart haben?
Jane Espenson: Ich suche immer nach Orten für Witze- keine bestimmten Witze, einfach nur Orte für irgendwelche Witze. Manchmal ist ein Drehbuch einfach nicht geeignet für Humor, aber ich glaube, wenn die Situation es hergibt, sollte ich das auch nutzen.
Alan Sepinwall: Gibt es einen mythologischen Grund dafür, dass Baltars Kopf-Six so lange nicht mehr erschienen ist, oder warum ist sie genau in diesem Augenblick zurückgekehrt? Oder sind viele der Head-Six-Szenen rausgeschnitten wurden, aus praktischen Gründen?
Jane Espenson: Es gibt keinen mythologischen Grund dafür.
Alan Sepinwall: Vermutet Bill richtig, dass Saul bewusst den Namen Liam als Derivat von William gewählt hat?
Jane Espenson: Ja, er hat das Kind nach seinem besten Freund benannt.
Quelle: Interview bei der Online-Ausgabe der Chicago Tribune
Weiterführende Links:
- Episodenthread zu "Deadlock" im Forum von Caprica City
#9
03. März 2009 um 09:23 Uhr
Q&A mit David Weddle und Bradley Thompson
Alan: Warum ist Tyrols Traumhaus leer, wenn er [am Ende der Folge] dorthin zurückkehrt? Ist es leer weil er die Projektion ohne Boomer durchführt, oder weil sie ihn die ganze Zeit über betrogen hat?
Weddle: Die zylonischen Projektionen sind phantasievolle Ausdrücke ihrer unterbewussten Wünsche oder ihres Gefühlslebens. Tyrols Rückkehr in das leere Phantasiehaus am Ende der Episode, mit der fehlenden Boomer und seiner Tochter, war ein Ausdruck seiner Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Thompson: Es ist leer weil es das ist, was er erlebt hatte. Wie Tyrol müssen Sie sich ihre eigenen Schlüsse ziehen. Aber es war definitiv nicht irgendeine dramaturgische Entscheidung. Wir versuchten nicht mysteriös zu sein. Dahinter steckt eine Logik.
Vor langer Zeit arbeitete ich in Japan und sprach mit einem japanischen Geschäftsmann. Er erzählte mir, jedes mal wenn Amerikaner sein Land besuchen, fragen sie was sie sich anschauen sollten. Seine Landsleute empfehlen dann immer den einen oder anderen Schrein. Die Amerikaner machen sich auf und schauen sich diesen schäbigen alten Schrein an. Und sie sind enttäuscht. Ein Gesprächspartner erzählte mir, es läge an der unterschiedlichen kulturellen Orientierung. "Für euch Amerikaner geht es nur darum, ein Ziel zu erreichen. Für uns geht es um die Reise dahin."
"Battlestar Galactica" ist eine wundervolle Reise - die, weil wir sie alle zusammen bestritten, Rons fantastisches Drei-Stunden-Finale noch überwältigender macht.
Maureen: Hab Boomer den Chief wirklich geliebt? Oder war ihre abschließende Rede ihm gegenüber nur ein weiterer Teil ihrer Betrügerei?
Weddle: Hat Boomer den Chief wirklich geliebt? Das ist eine interessante Frage und eine, auf die ich keine Antwort habe. Boomer hat einen tief sitzenden inneren Konflikt. Ich denke die falschen Informationen, die sie implantiert hatte, das "aktiviert werden" als Zylonin, das Adama-Erschießen, von Cally getötet zu werden, sowie ihre Erfahrungen auf New Caprica führten zu tiefen Verhaltungsstörungen. Sie war entschlossen, ihre Mission durchzuführen, aber beim Verführen von Tyron erwachten Liebesgefühle, von denen sie dachte, sie wären tot. Ich denke, sie empfand tiefes Missbehagen kurz bevor sie in den Raptor stieg, aber sie war der Meinung schon zu weit gegangen zu sein um noch umzukehren. Erschwerend hinzu kam ihre perverse Eifersucht auf Athena, die alles erreicht hat, was Boomer mal wollte, und dies manifestierte sich in ein krankhaftes Verlangen, Athena zu schaden. Es ist schwer zu sagen, jemand der so etwas macht liebt den Chief. Und doch, auf ihre geschädigte Art, glaube ich, sie liebte ihn und macht es immer noch.
Thompson: Gute Frage. Vielleicht weiß sie selbst keine Antwort darauf. Boomer ist ein kompliziertes, geschädigtes Individuum. Vielleicht stimmt beides?
Maureen: Liebt Tyrol die wahre Boomer oder die, an die er sich erinnert?
Weddle: Das ist genau die Frage, die er sich auch stellt. Seine Besuche im Phantasiehaus verdeutlichen das er in die Träume verliebt ist, die er mit Boomer und einem Leben, das er gerne hätte, verbindet. Machen wir das nicht alle auf eine gewisse Art mit den Menschen, in die wir uns verlieben? Und wenn es ihnen nicht gelingt, diesen Phantasien und Erwartungen zu genügen, kann es schmerzhaft für sie und für uns werden.
Thompson: Schwarz/Weiß-Antworten wären schön. Aber sowas gibt es selten beim menschlichen - oder zylonischen - Herzen. Das wirft eine interessante Frage auf: Wiegt die Verbundenheit zu deiner Mission, deinem Land, deinen Leuten schwerer als das, was dein Herz dir diktiert?
Maureen: Was dachte sich der Chief, was in dieser Box war, die er für Boomer herumschleppte? Klamotten zum wechseln?
Weddle: Zu Beginn der Episode instruiert Starbuck die Raptor-Piloten, die auf eine lange Mission gehen um bewohnbare Planeten zu finden, Wasser und Nahrung für den langen Flug einzupacken. Und wir sehen, wie sie Kisten packen, die genau so aussehen wie die in der Boomer Hera versteckt. Tyrol dachte, er gäbe Boomer die Chance wegzufliegen und irgendwo ein neues Leben zu führen. Natürlich muss sie Wasser und Nahrung mitnehmen um so viel Zeit wie möglich zu haben, dies zu erreichen.
Thompson: "Verpflegungspaket - Lange Haltbarkeit" - Diese großen Boxen haben wir bereits früh in der Serie als notwendig bei Planeten-Suchmissionen etabliert. Und da dies Athenas Aufgabe war, würde es auffallen, wenn sie nicht eine dieser Boxen verladen würde. Deshalb hat Chief Tyrol wahrscheinlich angenommen, sie würde die für diesen Flug vorgesehene Kiste mitnehmen.
Maureen: Sind wir richtig in der Annahme, das alles, was Boomer getan hat seit sie Cavils Basisstern verließ, Teil des Plans war, Hera zu entführen?
Thompson: Wie würden Sie einen voll bewaffneten Basisstern entkommen?
Alan: Ron erzählte im Podcast zu "Deadlock", dass es ursprünglich einen anderen Plan gab, wie Boomers Story enden sollte. Er konnte aber noch nichts dazu sagen ohne zu verraten, was in der Serie noch kommen wird. Sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem Sie uns den ursprünglichen Plan offenbaren können, oder müssen wir noch länger warten?
Thompson: Da müssen Sie noch warten.
Alan: Bear McCreary sagte, dass der Pianospieler teilweise ihm nachempfunden wurde. Wurde diese Geschichte geschrieben, um Bears Arbeit für "Battlestar Galactica" zu würdigen, oder haben sie erst beschlossen, eine eher musikalische Folge mit Starbuck zu drehen und dann festgestellt, dass Sie da ja auch noch einen sehr talentierten Musiker sitzen haben, mit dem man sich ein paar Dinge ausdenken könnte?
Maureen: War Bear die ganze Zeit am Set, und wenn ja, wieviel wurde an der Folge aufgrund seiner Ideen verändert? Ich freue mich schon darauf, Bears Sicht der Dinge zu lesen, aber wie sehen Sie das, was er zu der Folge dazu getan hat?
Thompson: Die Folge war nicht musikalisch angelegt, wir wollten eigentlich nur die Lücke in Starbucks Geschichte schließen - und da ihr Vater ein Musiker war, schien es nur natürlich, herauszufinden, was mit ihrem musikalischen Teil geschehen ist.
Wir baten darum, Bear während des gesamten Drehs dabei zu haben, weil er die Musik komponieren sollte, die Roark Critchlow und Katee Sackhoff live am Set während des Drehs spielen würden. Es war auch wichtig, dass er mit Michael Nankin interagiert, unserem Regisseur, denn eine solche Folge zu drehen bedeutet einen ständigen Entwicklungsprozess, und wir mussten flexibel sein, falls wir etwas ändern müssen, sobald wir etwas neues über einen Charakter gelernt haben.
Bear hat sich auch an unserem total fehlgestimmten Piano versucht, damit er während der Aufnahme des Soundtracks Musik hinzufügen konnte, die mit dem selben Instrument gespielt wird, und Teile, die während der eigentlichen Darbietung nicht passten, ändern kann.
Wir haben Slick nach Bear geformt, da Bear mit jedem neuen Soundtrack die selben Qualen bei dem Versuch, sich selbst zu übertreffen, durchmacht (er hat die Latte ganz oben angelegt, und versucht, selbst das noch zu übertreffen, und zwar konsequent seit vier Jahren, und doch ist er immer erfolgreich). Das schien zu Slicks Drang, etwas zu komponieren, gut zu passen.
Ich kann nicht viel darüber sagen, wieviel durch seine Ideen geändert wurde, denn er war voll und ganz daran beteiligt, diese Folge so erfolgreich zu machen wie sie im Endeffekt war. Das haben wir alle gemeinsam erreicht (einschließlich Ron und Michael, Katee und Roark), sie ist aus unseren Ideen erwachsen.
Alan: Stimmt es, dass der Pianospieler wirklich existiert hat? Und wenn ja, hat Kara Halluzinationen oder projiziert sie etwas? Und gibt es Gründe dafür, nicht davon auszugehen, dass Karas Vater - der ja ein Musiker ist, dessen Name mit D anfängt und der ihr beigebracht hat, die Piano-Version von "All along the Watchtower" zu spielen - Daniel ist, das künstlerisch begabte achte Zylonenmodell?
Thompson: Interpretationen sind immer subjektiv und gehören allein dem Interpreten. Wir haben etwas auf den Bildschirm gebracht, das zu Schlussfolgerungen führen könnte. Sind Ihre die selben wie unsere? Sind Sie zufrieden mit Ihnen?
Maureen: Hat die Tatsache, dass die Aufnahme von Dreilide Thrace "Live from the Helice Opera House" heißt etwas mit den Visionen vom Opernhaus, die schon lange Teil der Serie sind, zu tun?
Thompson: Vielleicht.
Maureen: Meiner Meinung nach geht es in dieser Folge um all das, was die Menschen im Kampf uns Überleben verloren oder aufgegeben haben oder unterdrücken mussten. War diese Folge ein wichtiger Teil für das Beenden der Geschichte dieser Charaktere, besonders im Fall von Kara und Tyrol?
Weddle: Brad und ich fanden das Verfassen dieser Folge spannend und erfüllend, weil wir so viele wichtige Charaktere wiedergesehen haben: Boomer, Tyrol und Starbuck. Während der vergangenen vier Staffeln waren wir viel mit der Entwicklung dieser Charaktere beschäftigt, und es war aufregend und lohnend, einige ihrer letzten Schritte auf dieser Reise zu beschreiben. Das ganze Team fand es wichtig, dass wir die Beziehung zwischen Boomer und Tyrol nochmal aufgreifen, besonders da der Chief in der Zwischenzeit herausgefunden hat, dass er ein Zylone ist. Und Karas Beziehung zu ihrem Vater näher zu beleuchten vervollständigt ihre Biographie und rundet ihren Charakter ab. Diese Folge setzt Geschehnisse in Gang, die unsere Charaktere zum Höhepunkt ihrer Geschichte treiben. Diese Folge bleibt kein Einzeiler.
Thompson: Wir hatten immer das Gefühl, dass eine Liebe, wie sie zwischen dem Chief und Lt. Valerii existierte, nicht einfach so verschwinden würde - besonders in Anbetracht der Veränderungen, die beide in den letzten vier Jahren erlebt haben. Und die Gründe, aus denen sie auseinander gegangen sind - ergeben die überhaupt noch Sinn? Ist noch etwas übrig davon? Wir wollten sehen, wo das hinführt. Und da wir nur noch wenige Schritte vom Finale entfernt sind, gäbe es da einen besseren Zeitpunk?
Maureen: Der Augenblick, in dem Tyrol die Tochter, die er hätte haben können, sieht, gehört für mich zu den bittersüßesten und emotionalsten dieser Staffel. Aaron Douglas Darstellung war durchgängig hervorragend, aber ich wette, Michael Nankin hatte etwas mit der Darstellung, die wir gesehen haben, zu tun. Erinnere ich mich recht daran, dass Sie darum baten, ihn für diese Folge zu engagieren? Warum?
Thompson: Jeder Schauspieler hat eine phänomenale Arbeit geleistet. Eines von Michael Nankins vielen Talenten ist die Fähigkeit, diesen Maschinen soviel Dampf zu machen, dass sie im entscheidenden Moment die maximale Wirkung haben. Ich muss sagen, dass Aaron und Grace sich in dieser Folge selbst übertroffen haben. Für eine ihrer besten Arbeiten haben sie sich mit einigen der furchterregendsten, persönlichen Dinge beschäftigt. Und Katee hat es mit Slick genauso getan.
Zu Nankins Talenten gehört auch, dass er eine Atmosphäre schaffen kann, in der Schauspieler sich sicher dabei fühlen, Risiken einzugehen, vielleicht auch auf ihrem Hintern zu landen, in dem Wissen, dass er ihnen zurück auf die Beine helfen wird, wenn sie fallen. Dieses Vertrauen hat sich über eine lange Zusammenarbeit aufgebaut. Und es ist besonders schwierig für diese Schauspieler, denn von ihnen erwarten wir eine brillante Arbeit.
Michael Nankin gehört zu den talentiertesten Regisseuren, mit denen ich bisher arbeiten durfte, und er war für die Folge 19 schon eingeplant lange bevor wir wussten, worum es überhaupt gehen würde - oder dass wir sie schreiben würden. Nachdem 'irgendjemand'...Mark Verheiden die Drehbuchaufträge für die letzten paar Folgen verteilt und uns gefragt hatte, ob wir noch eine weitere machen wollen. Wir haben natürlich sofort zugegriffen, mit beiden Händen. Dann wollte er wissen, welche Folge wir gerne hätten, und wir waren uns natürlich gleich einig: die von Nankin.
Maureen: Wie sehr bezogen sich die Szenen mit Kara und dem Klavierspieler und ihrem Versuch, ein Stück zu komponieren, auf den Schreibprozess eines Thomspon und Weddle?
Thompson: Wenn ich mich recht erinnere, ging es eher um die Qualen und die Freude, die Bear während dieses Prozesses empfindet. Natürlich gibt es Parallelen zu jeder anderen Anstrengung, aber in diesem Fall hat David sehr viel mit Bear gesprochen und die Problemlage sehr auf einen Musiker / Komponisten ausgerichtet.
Maureen: Wo wir gerade bei Kompositionen sind - was musste aus der Folge herausgeschnitten werden? Ist am Set etwas geschehen, womit Sie nicht gerechnet haben oder das für Probleme sorgte?
Thompson: Es ist schon eine Weile her, seit ich mir das alles angesehen habe, aber ich glaube, am meisten wurde von der Musik weggeschnitten, weil das sehr lang war und wir die Kürzungen an dieser Stelle am ehesten verkraften konnten. Durch die Bearbeitung wurde die Folge restrukturiert, denn Andy und Paul fanden einen Weg, um den Klimax rund um Kara zeitgleich mit dem von Boomer geschehen zu lassen. Dadurch wurde das Ende sehr viel zufriedenstellender.
Und ich sollte anmerken, dass wir dazu ermahnt wurden, und zwar von weit oben, dass Helo die Fehler, die er macht, nicht machen soll. In den folgenden Entwürfen entfernten wir uns von unseren Ideen, hatten aber das Gefühl, dass wir die Fans irgendwie betrügen. Bis Michael Nankins erste Notizen zum Drehbuch bei Ron ankamen. In einer Notiz stand, dass er nicht glauben könne, dass er diese Möglichkeit habe, und sie nicht nutzen wolle. Ron hat sich dann an uns gewandt und gesagt, dass er recht habe. "Das ist so falsch, wir müssen das machen!" Und dann durften wir diese Szene wieder in die Folge aufnehmen.
Thompson ergänzend über Boomer und Tyrol: Ich kann mich daran erinnern, dass der Boomer-Tyrol-Teil der Geschichte schon in der dritten Staffel im Raum stand, aber wir wussten nicht, wo das reinpassen würde oder wie das aussehen sollte. Wie so viele Ideen für "Battlestar Galactica" hing diese in der Luft, bis die Zeit gekommen war und wir sie maximal ausschöpfen konnten.
Das gehört zu den Dingen, die so genial an Ron sind - Geduld. Das ist wie mit der Atombombe, die die Six für Baltar besorgen sollte. Und wie sich das schließlich auflöste. Als es soweit war, waren wir wirklich glücklich, dass wir das noch hatten. Aber Ron legte es nicht drauf an, diese Idee auszuspielen, bis sie schließlich wirklich Sinn ergab. So war das auch mit Boomer und Tyrol.
Alan: Ein Teil des Fandoms war mit Folgen wie "A Disquiet Follows My Soul" und "Deadlock" sehr unzufrieden, weil sie ihnen zu langsam waren oder sie das Gefühl hatten, dass es nicht genügend Antworten auf die mythologischen Fragen gab und die Geschichte zu wenig vorangetrieben wurde. Außerdem haben sie einen Teil des sogenannten "Endspiels" vermisst. Jetzt haben Sie eine Folge geschrieben, in der sich Starbuck daran erinnert, wie man Klavier spielt, und während ich die Folge mochte, glaube ich dass sie genauso wie Jane letzte Woche jede Menge Kritiker vor der Tür stehen haben werden. Gibt es etwas, das sie über die Dinge, die noch kommen werden, sagen wollen? Wird vieles vom Endspiel für das Finale aufgehoben? Oder haben Sie das Gefühl, dass Fans, denen es nur um die Geschichte und die Mythologie geht, einen wichtigen Teil der Serie nicht mitbekommen?
Weddle: Ich liebe Serien, die sich auf das Gefühlsleben der Charaktere konzentrieren. Sie sind das unglaublich wichtig, das Fundament, auf dem actionlastige Folgen aufbauen, wie zum Beispiel ''Exodus''. ''Exodus'' ist eine sehr mächtige Folge, aber nur, weil ''Occupation'' und ''Precipice" das vorbereitet haben. ''A Disquiet Follows My Soul'' dient als Vorbereitung für die unglaublich spannenden Folgen über die Meuterei. Die Fans mögen denken, dass jede Folge actionreich sein sollte, aber hätte man nicht die ruhigen Episoden, in denen alle Charaktere ihren emotionalen Ausgangspunkt erreichen, wären die Action-Folgen leere Hüllen.
Thompson: Eine große Sinfonie oder ein dickes Buch können nicht die ganze Zeit über schnell, actionreich und aufregend sein. Das würde keinen Raum für Dynamik und Kontraste lassen. In ''Battlestar Galactica'' ging es immer um die Charaktere, nicht um einen Plot oder eine Endschlacht. Es hängt von den Leuten ab: entweder sind sie interessant und zufriedenstellend oder nicht. Was noch kommen wird? Es ist Rons Vision, Rons Geschichte und entweder vertrauen sie ihm mit den wenigen Stunden, die noch bleiben oder Sie tun es nicht. Ich kann nur für uns sprechen wenn ich sage, dass die Serie zu einem zufriedenstellenden, ehrlichen Ende kommt.
Maureen: Habe ich das richtig gesehen - in einer Szene sitzt an der Bar neben Starbuck Mr. Weddle? Oder projiziere ich jetzt etwas?
Weddle: Gratulation zur Entdeckung des Weddle-Skinjobs an der Bar. Jetzt kennen Sie die schreckliche Wahrheit. Weddle ist ein Zylone. Ich bin überrascht, dass Sie während der letzten Folge keinen weiteren Skinjob entdeckt haben.
Thompson: Ja, mich kann man in dieser Szene auch sehen, aber ich glaube, ich bin rausgeschnitten worden. Wir haben ausgelost, wer wo sein würde und hatten an diesem Punkt noch keine Ahnung, wie die Szene aussehen würde.
Quelle: Interview bei der Online-Ausgabe der Chicago Tribune
Weiterführende Links:
- Episodenthread zu "Someone to Watch Over Me" im Forum von Caprica City
#10
11. März 2009 um 09:55 Uhr
von Marion Rauhut (Caprica) | 11.03.2009
Wie jede Woche hat sich Maureen Ryan von der Online-Ausgabe der Chicago Tribune mit dem Drehbuchautor der aktuellen Folge von "Battlestar Galactica" unterhalten und wichtige Fragen gestellt, die auch die Fans beschäftigen.
Aber nicht nur Michael Taylor, der Drehbuchautor von "Islanded in a Stream of Stars", hat sich mit ihr unterhalten, auch Michael Angeli, der ebenfalls am Set dabei war, stand ihr für Fragen und Antworten zur Verfügung.
Vorsicht vor massiven Spoilern zur aktuellen Folge!
Maureen Ryan: Welchen Einfluss hatte Edward James Olmos als Regisseur dieser Folge? Ich glaube, wir haben schon einmal darüber gesprochen, in einem früheren Interview - ich meine mich daran erinnern zu können, dass Sie sagten, er hätte einen "instinktiven" Stil.
Michael Taylor: Ja, das trifft es ganz gut. Erwartungsgemäß hat Eddie ein tolles Verhältnis mit den Schauspielern, und sein Regie-Stil richtet sich ganz nach seinem Gefühl. Er sieht bei jeder Szene mehr als das, was man auf dem ersten Blick erkennen kann und beschäftigt sich mit den Gefühlen, die diese Szenen untermauern; es ist, als ob er ständig versuchen würde, etwas verborgenes, undefiniertes zu finden, das mit Worten allein nicht fassbar ist.
Ein gutes Beispiel dafür ist die relativ kurze Szene zwischen Helo und Athena, im Teaser. In dieser Szene sollte es noch mehr Dialog geben (einiges davon ist vielleicht in Eddies längerem Director's Cut zu sehen, der auf der DVD zur zweiten Hälfte der vierten Staffel enthalten sein soll), aber Eddie hat sich auf diesen entscheidenden Moment beschränkt - ein Moment, der noch dazu weniger geschrieben als durch die vorgegebene Szene herbeigeführt wurde.
Gestern Abend habe ich mit Grace Park gesprochen, und sie erzählte mir, dass diese Szene das Ergebnis des zweiten Versuchs war - der erste Versuch war katastrophal. Beim zweiten mal war sie so verblüfft, dass sie kaum wusste, was passiert ist. Das ist einer der Momente, der für Drehbuchautoren sowohl berauschend als auch demütigend ist, weil man merkt, dass die eigene Arbeit nicht mehr als ein Sprungbrett für die Schauspieler ist. Und es ist einer der Momente, die Eddie immer wieder aus den Schauspielern herausholt.
Michael Angeli: Wo wir gerade vom Verhältnis zu den Schauspielern reden - Eddie war nicht nur zu denen nett, die immer dabei sein. In einer Szene sehen wir etwa zwei Duzend Statisten, die Crewmitglieder darstellen, die dabei helfen, Nachschub für den Kleber, den sie auf die Lecks schmieren, zu entladen. Während das Licht eingestellt wurde, hatten wir ein bisschen Pause, und ich habe zugesehen, wie Eddie sich unter die Statisten gemischt und ihnen gezeigt hat, was sie tun müssen, damit es so aussieht, als würden sie etwas schweres heben, weil die Säcke und Kisten in Wirklichkeit leer waren. Und während er ihnen Tips gab, sprach er jeden persönlich an und man konnte sehen, wie sich das auf ihre Bereitschaft sich ihrer Rolle hinzugeben stärkte; sie fühlten sich wertvoll - womit eine weitere unschätzbare Eigenschaft Eddies deutlich wird: eine ehrliche, beständige Liebe für diese Serie.
Wir sehen nicht nur, wie sich Adama aufgrund seines Verlustgefühls eine Farbschlammschlacht liefert. Wie sehen auch Eddie, wie er erkennt, dass die Aufregung, der Nervenkitzel, der Regen, die wenigen schönen Tag in der Sonne von Vancouver, die harte Arbeit, die guten Kämpfe, die Freundschaften, die Routine, der Charakter, den er sechs Jahre lang gespielt hat, ihrem Ende zuneigen. In dieser Szene hat Eddie die Kameras einfach weiterfilmen lassen, er hat keine Schnitte gemacht, bis er fertig war. Es gab ein paar Diskussionen darüber, dass Adama seinen Zusammenbruch schon hatte, als er heraus fand, dass Tigh ein Zylone ist. Aber diese beiden Szenen könnten unterschiedlicher nicht sein - und beide sind zulässig.
Maureen Ryan: Es gab in dieser Folge ein paar sehr nette Anspielungen auf die Folgen "Sine Qua Non" und "Unfinished Business". Hatten Sie schon bevor Sie mit dem Drehbuch begannen gehofft, dass Sie diese Anspielungen würden einbauen können, oder sind die einfach so dort hinein gerutscht?
Michael Taylor: Ich hatte keinen bestimmten Plan, aber ich glaube, dieser Joint hat sich in mein Unterbewusstsein eingenistet, so wie Lauras Joint zwischen den Seiten des Buchs. Und da ich glaube, dass ein Ende einen automatisch dazu bringt, den Anfang zu reflektieren, und in Anbetracht dessen, dass ich in dieser Serie mit "Unfinished Business" angefangen habe, vermute ich, dass meine Gedanken einfach dorthin zurück abgedriftet sind. Wie auch Lauras Gedanken.
Maureen Ryan: Ist viel Material der Schere zum Opfer gefallen? Wenn ja, worum ging es darin?
Michael Taylor: Ja, wir mussten wahrscheinlich ziemlich viel schneiden. "Wahrscheinlich", weil es schon eine ganze Weile her ist, dass ich das Drehbuch geschrieben habe, und ich bin zu faul, es mir jetzt nochmal anzuschauen. Ich weiß, dass es Szenen gab, oder zumindest eine Szene, mit Tyrol in der Brig, und ich meine mich zu erinnern, dass der Grund dafür war, dass er gestanden und sich aufgrund seiner Schuldgefühle selbst dort eingesperrt hat.
Und es ist noch viel mehr auf dem Boden gelandet - Szenen, die geschnitten werden mussten, oder zumindest gekürzt wurden - wie es oft der Fall ist, wenn man so überfüllte Folgen hat, und besonders bei meinen Folgen, die so vollgepackt sind, dass einige Szenen und Charaktere wegdriften, wie die Six aus dem Riss an der Außenwand der Galactica.
Letztendlich glaube ich aber, dass die Folgen, zumindest meine, größtenteils besser sind, nachdem die notwendigen Schnitte gemacht wurden. Aber in diesem Fall werden Sie zumindest die Chance haben, herauszufinden, welche Szenen geschnitten wurden, sobald Eddies längere Version auf DVD erscheint.
Maureen Ryan: EJO hat bewirkt, dass die Darstellung des Kindes, das Hera spielt, großartig war. Ich kann mir vorstellen, dass das schwierig war, in Anbetracht dessen, dass sie in einigen Szenen weinen und bockig sein musste. Wie hat er das geschafft?
Michael Taylor: An dieser Stelle übergebe ich an Mr. Michael Angeli. Wie hat er das geschafft, Mike? Indem er ihr eine Karotte auf einem Muffin vor die Nase gehalten hat, oder eine Spritze mit Morphium? Oder war das Mädchen, wie ich vermute, eine Gefangene seines umwerfenden Charismas?
Michael Angeli: Eddie hatte das Glück, dass Hera von einer neuen Schauspielerin dargestellt wurde. Wenn ich mich nicht irre, dann ist das kleine Mädchen, von dem sie jetzt gespielt wird, 16 Monate älter als die eigentliche Hera, die, auch wenn sie sehr bezaubernd war, sich in eine Art Betty Davis in "Hush, Hush, Sweet Charlotte" verwandelte.
Maureen Ryan: Ich frage mich, was Adama meinte, als er Tigh sagt, dass er die Galactica würdevoll gehen lassen wolle?
Michael Taylor: Nun, ich vermute, er meinte dass er sie mit einem angemessenen Pomp und Umständen, die zum besten Schiff der Flotte" passen, gehen lassen will. Auf der anderen Seite bedeutet "Style" im Galactica-Universum mehr als nur leeres Feuerwerk prahlerische Gesten. Wir werden also sehen...
Maureen Ryan: Verglichen mit anderen Drehbüchern, die Sie für die Serie geschrieben haben - war dieses hier einfacher oder schwerer zu schreiben?
Michael Taylor: Seltsamerweise ließ sich diese Folge recht einfach schreiben. Oder zumindest relativ einfach. Ich kann mich daran erinnern, dass Rons Notizen zu meinem ersten Entwurf nicht sehr ausführlich waren, und im Endeffekt haben wir diesen Entwurf, mit ein paar Änderungen, gedreht. Vielleicht waren einige der vorletzten Zusammentreffen zwischen unseren Charakteren an diesem Punkt in der Serie einfach unausweichlich. Nach allem, was sie durchgemacht haben, hat jeder das Gefühl, den Kreis schließen zu müssen, und die Auflösung könnte letztendlich ein ordentlicherer Prozess werden als es die Reise um den Kreis herum war.
Aber auf der anderen Seite ist die Vergangenheit nur der Prolog, um einen anderen Mann zu zitieren, und ein Teil meiner Rolle hier beinhaltete, den Dirigentenstab für Ron zum Überqueren der Zielgeraden vorzubereiten. Was meinen Job vielleicht ein bisschen einfacher gemacht hat (und seinen sehr viel schwerer). Entschulden Sie, wenn ich so, ähm, wirr spreche.
Michael Angeli: Michael Taylor spricht nicht wirr, er ist bescheiden. Das Drehbuch für diese Folge muss sich mindestens drei mal signifikant geändert haben. Diese Folge war schließlich die Türschwelle. Es liegt in ihrer Natur, dass hier die verschiedenen Puzzleteile für das Finale in die richtige Position geschoben werden - was zu einem Großteil auch die Gefühlslage unserer Hauptcharaktere beinhaltet - was normalerweise weniger pompöse Weltraum-Aufnahmen bedeutet. [zum Beispiel Kämpfe, etc.]
Irgendwann befand sich die Szene mit der Six, die in den Weltraum gezogen wird, in der Mitte der Geschichte. Mike merkte, dass die Geschichte mit etwas Spannendem beginnen musste und verschob die Szene, mit großem Erfolg, in den Teaser. Mike hatte auch öfters tolle Ideen, die wir entweder in die vorhergehende Episode packten oder ins Finale. Es war schwierig, die Folge 20 einzugrenzen, wir mussten also viel neu strukturieren, neu überdenken und uns mit ein paar Dingen abfinden. [...]
Maureen: Ich hatte das Gefühl, dass es in dieser Folge um Akzeptanz ging - um die Akzeptanz der Realität und dessen, was wirklich wichtig ist. Was denken Sie darüber?
Taylor: Akzeptanz kann ganz schön ätzend sein.
Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass sie auch ihre guten Seiten hat. Man verliert etwas von der Last, die auf einen drückt und ist frei darin, neue Handlungsweisen zu verwenden, gewagte Dinge zu tun, verblüffende Erkenntnisse zu gewinnen. Oder so, wir werden es vielleicht sehen (man, macht es Spaß, Leute zu quälen - oder das zu tun, was ich darunter verstehe).
Angeli: Wenn Mike sagt, dass Akzeptanz ziemlich ätzend sein kann, dann spricht er mit einer zweigeteilten Zunge. Ich kenne keinen Autor, der so sorgfältig und pedantisch ist wie Mr. T. Das gelingt ihm durch Kontrolle. [...]
Ideen, Dialoge - William Goldman sagte einmal, dass man dazu in der Lage sein sollte, seine eigenen Babys zu töten. Taylor ignoriert sie, bis sie erwachsen sind. Ron würde über die Mühen, die Taylor sich macht, um an etwas dran zu bleiben, lachen. Sie können sich also vorstellen, wie der arme Kerl sich gefühlt haben muss, als er zwischen LA, wo er an "Virtuality" gearbeitet hat, und Florida, wo er sich um seinen immer kranker werdenden Vater kümmern musste, der schließlich im September 2008 gestorben ist, hin und her pendelte, anstatt sich in Vancouver um seine letzte Folge kümmern zu können.
Maureen: Ich habe mich sehr gefreut, mehr über Searider Falcon zu hören. Wünschen Sie sich, einen Weg zu finden, um mehr über diese Geschichte aus den Kolonien zu schreiben?
Taylor: Nun, ich vermute, dass das Buch zeitlich ungefähr um "Caprica" herum spielen könnte. In diesem Fall wäre es möglich, dass man mit dem Voranschreiten der Serie mehr darüber erfährt. Auf der anderen Seite glaube ich aber nicht, dass Adama tatsächlich aus dem Searider Falcon vorgelesen hat, ein Buch, das zum ersten Mal von Jane Espenson eingebracht wurde, und das mir mehr wie eine Robinson Crusoe-ähnliche Geschichte vorkam.
Ohje...Sie zwingen mich dazu, mir tatsächlich das verdammte Drehbuch anzuschauen...hm, es muss doch irgendwo hier auf der Festplatte sein...klick...ich blättere durch die Seiten...viel zu viel Arbeit für einen Samstag Nachmittag. Aber ja, scheinbar wollte ich, dass Adama ihr aus einem Paperback-Buch vorliest, und mit Sicherheit nicht aus "Love and Bullets", das Buch, aus dem er ihr in "The Ties That Bind" vorgelesen hat.
Maureen: Haben sich beim Drehen der Folge irgendwelche unerwarteten Probleme ergeben? Gab es am Set irgendwelche Herausforderungen? Gibt es irgendwelche Geschichten über die Produktion von "Islanded", die Sie mit uns teilen wollen?
Taylor: Ich übergebe wieder an Mr. Angeli, der netterweise bereit war, am Set zugegen zu sein, während ich versucht habe, mich beim Sender beliebt zu machen (was immer eine sehr schwierige Angelegenheit ist, das kann ich Ihnen jetzt verraten).
Angeli: Eine visuell sehr schwierig zu realisierende Szene war die, in der Baltar sich rasiert. Eddie wollte, dass die Head Six ihn rasiert, während Kara, auf der Toilette sitzend, und er sich necken. Wir haben viel Zeit mit dem Versuch verbracht, es so aussehen zu lassen als sei sie da, ohne dass man ihre Reflektion in Baltars Spiegel sehen kann. Eddie fand schließlich eine Lösung – Baltar rasiert sich selbst und die Head-Six hat er an einer Stelle positioniert, an der sie vom Spiegel nicht erfasst wird. Das war ein großartiges Stück Kamera- und Regiearbeit.
Ich persönlich hatte das Gefühl, dass ich Mike bei jeder Änderung und am Ende eines jeden Tages, an dem sich ja lauter kleine Dinge angesammelt haben, einen Telefonanruf schuldig bin. Aber es hat funktioniert – hauptsächlich, weil Mike Vertrauen in seine bessere Hälfte hatte.
Die andere große Herausforderung entstand durch Rons bessere Hälfte. Er und seine wundervolle Frau / beste Freundin, Terry, beschlossen, eine Frau zu honorieren, die geholfen hat, während des Autorenstreiks Geld aufzutreiben, indem sie ihr eine Tour durch unsere Sets in Vancouver geschenkt haben. Sie durfte ihren Ehemann mitbringen, ihren Sohn und eine Freundin von ihrem Arbeitsplatz. Ron wollte sie auf dieser Tour begleiten, aber er wurde am "Caprica"-Set aufgehalten und bat mich, für ihn einzuspringen.
Sie mussten eine Verschwiegenheits-Klausel unterschreiben, und während sie das taten, hörte einer unserer Mitarbeiter, wie die Frau und ihre Freundin sich wegen mir sorgten, weil sie hofften, dass ich sie nicht als die "TWOP"-Autoren erkennen würden, die mich als Frauenhasser bezeichnet und behauptet hatten, ich wäre ein widerlicher Kerl, der seine Sexfantasien durch seine Charaktere auslebt (wer macht das denn bitte nicht?). Ich wollte etwas sagen, aber sie sahen so gespannt und dankbar aus und ich wollte ihrem Mann und ihrem Sohn den Spaß nicht verderben, also habe ich mir auf die Zunge gebissen. Das war sehr hart.
Es stellte sich heraus, dass sie wundervoll waren – auch wenn das erste, was sie sehen wollten, einer unserer Mülleimer war. Sie wurden richtig anhänglich, als wir am Set ankamen. Eddie war gerade mitten im Dreh der Szene, in der Ellen mit Tigh redet, und es ist klar, dass sie der fünfte Zylone ist.
Ich konnte sehen, wie die Frau und ihre Freundin sich total schockiert anschauten. Man muss ihnen lassen, nicht nur haben Sie Ellens Identität über neun Monate lang geheim gehalten, sie haben auch ihr Versprechen, den Besuch bis zur Ausstrahlung des Finales geheim zu halten, eingehalten, was viel schwieriger gewesen sein muss als die Sache mit Ellen. Am schönsten war, dass sie mir sehr nette Dankes-Karten geschickt haben, bevor sie mich auf TWOP weiter fertig machten.
Maureen: Ich glaube, ich habe Angeli in der Hangar-Szene gesehen, aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.
Taylor: Nein, Sie haben sich das nicht eingebildet und auch nicht halluziniert, was in Anbetracht dessen, dass Sie wahrscheinlich kein Zylone ist, wahrscheinlicher gewesen wäre. Mr. Angeli war tatsächlich dort, in einem Kostüm, als Mitglied von Baltars Sekte. Sie könnten ihn fragen, ob die Mitgliedschaft in dieser Sekte, auch wenn sie nur kurz war, irgendeinen Austausch von, eh, Gefallen mit dem berühmten Gaius erforderte.
Angeli: Ich hatte sogar eine Sprech-Rolle, die leider den Schnitt nicht überlebt hat. Einmal während meiner Szene hat Steve McNutt, unser DP [Anm. d. Übersetzerin: Kameramann], einen Cut machen lassen und mich angeschrien, weil ich Kaugummi gekaut habe, womit die Menschen kurz vor dem ersten Zylonenkrieg aufgehört haben.
Maureen: Wenn Sie noch irgendetwas anderes über diese Folge sagen möchten, dann sind Sie gerne dazu eingeladen...
Angeli: Ich bin in einem Strom wundervoller Erlebnisse gelandet, die ich lange Zeit sehr vermissen werde.
Taylor: Mir fällt nichts ein. Mir ist nie wirklich was eingefallen. Das ist alles nur eine bemerkenswerte Illusion, möglich gemacht dadurch, dass ich für eine kurze, glückliche Zeit ein Stück kreatives Treibgut war, an die Oberfläche getrieben durch eine Welle namens "Battlestar Galactica". Und jetzt, da ich kurz davor bin am Strand meinen Kopf zu verlieren, zusammen mit meinen anderen hochgeschätzten Autoren-Kollegen, den Schauspielern und unserer Crew, werde ich die Aussicht ein letztes mal genießen.
Ich verlasse Sie anstatt mit einem kohärenten Gedanken lieber mit diesem mentalen Bild eines Fanboys, der für alle Ewigkeit im Sitz einer Viper feststeckt...
"Taylor, Waffen bereit, ich geh rein. Bereit zu Feuern.
Over, and out..."
Quelle: Interview bei der Online-Ausgabe der Chicago Tribune
Weitferührende Links:
- Alle Maureen Ryan - Interviews
- Thread zur Folge "Islanded in a Stream of Stars"
#11
17. März 2009 um 09:06 Uhr
#12
25. März 2009 um 19:56 Uhr
von Marion Rauhut (Caprica) | 25.03.2009
Zum letzten Mal hat sich Maureen Ryan von der Online-Ausgabe der Chicago Tribune mit dem Drehbuchautor der aktuellen Folge von "Battlestar Galactica" unterhalten und wichtige Fragen gestellt, die auch die Fans beschäftigen.
Ron Moore, der Drehbuchautor von "Islanded in a Stream of Stars" und Produzent der Serie, hat sich mit ihr unterhalten und stand ihr für Fragen und Antworten zur Verfügung.
Vorsicht vor massiven Spoilern zur letzten Folge!
Maureen Ryan: Ich glaube, das, was mich wirklich vom Finale überzeugt, war, dass es Hoffnung gibt.
Ron Moore: [Er lacht] Ich glaube, es gab einige Leute, die sich auf das nihilistischste Finale aller Zeiten vorbereitet haben.
Maureen Ryan: ''Es werden alle sterben, richtig?''
Ron Moore: Ich weiß.
Maureen Ryan: Das ist die totale Überraschung - dass die Serie mit einer hoffnungsvollen Aussicht endet.
Ron Moore: Ja, das stimmt. Das ist die finale Wendung - dass alles gut wird.
Maureen Ryan: Ich würde gerne über die Sache mit der zweiten Erde reden. Als ich das sah, musste ich erstmal inne halten.
Ron Moore: Das wurde in die Serie geschrieben, als wir beschlossen haben, die Erde zu erreichen. Das war schon immer der Plan - zur Erde zu gelangen, zu sehen, dass sie in Trümmern liegt und dann zu überlegen, wo um Gottes willen man jetzt hin soll. Wir wollten die Zuschauen auf diese weitere Reise mitnehmen und sie die Erde vergessen lassen, sie sollten nicht daran denken. Denn das Konzept der Serie war einen Ort zu finden, den man Erde nennen kann.
Wir wollten das den Zuschauern also präsentieren, bevor sie überhaupt damit rechnen und damit einen Tiefpunkt kreieren, so dass die Leute denken, ''Oh nein, und was jetzt?''. Die Zuschauer sind abgelenkt. Wir wollten die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Charaktere lenken, so dass sie nicht mehr damit rechnen, dass noch irgendetwas positives passieren würde.
Und ganz am Ende, im letzten Augenblick, einen Moment der Hoffnung zu haben, etwas, an das man sich klammern kann, etwas, das ihnen gibt wonach sie so lange gesucht haben, und nicht nur ihnen, auch den Zuschauern.
Maureen Ryan: Und so ist die Erde also eine Hommage an die andere Erde, die erste.
Ron Moore: Ich fand das interessant. Das ist nicht die Original-Erde. Wir leben sozusagen auf einer Hommage an die Erde. Sie kamen her und wollten versuchen, eine Lektion von den Geschehnissen auf der Original-Erde zu lernen und aus dieser Erde eine bessere Geschichte machen.
Maureen Ryan: Die Frage ist also - haben sie ihre Lektion gelernt?
Ron Moore: Genau. Die Serie konnte diese Frage nicht beantworten. Es kam mir für die Serie nicht richtig vor, wie bei vielen anderen Dingen, eine definitive Antwort zu geben. Genauso wenig wie die Serie eine Antwort zum Thema Terrorismus, den Irak, zu Sicherheit und Freiheit gegeben hat. Sie bringt einen soweit, dass man eine Möglichkeit und Hoffnung hat, aber man kann nicht sicher sagen, dass alles gut wird.
Maureen Ryan: Ich habe mir nochmal die letzten Szenen aus ''Crossraods, Teil 2'' angesehen, und das letzte Bild, das wir sehen, sieht sehr nach einem Planeten aus, der der Erde sehr ähnlich sieht. Wie passt das zu dem, was wir in ''Daybreak'' sehen? Können Sie mir das genau erklären?
Ron Moore: Das war sehr genau durchdacht. Der Planet, den Sie am Ende von ''Crossroads'' sehen, ist der Planet, auf dem wir jetzt stehen. Er beherbergt den Nordamerikanischen Kontinent, sowie den Südamerikanischen. Es ist sehr deutlich, wir wollten, dass jeder die Erde visuell sehr einfach identifizieren kann.
Tatsächlich bringt Kara die Menschen zu beiden Erden. Einmal zu der Original-Erde, bei der wir, so wie sie in der Folge ''Revelations'' gezeigt wurde, darauf geachtet haben, dass man die Landmassen aus dem Weltraum nie so recht identifizieren kann. Wir wollten, dass die Zuschauer den Planeten als Erde erkennen und die meisten Leute gingen auch davon aus, aber wir wollten die Leute auch nicht komplett in die Irre führen, also sollte es auch nicht wie Nordamerika aussehen.
Maureen Ryan: Kara war also auf der Erde. Auf der Original-Erde.
Ron Moore: Sie war auf dieser Erde, ja.
Maureen Ryan: Der gerösteten Erde.
Ron Moore: Sie hat die Flotte dorthin geführt. Sie bringt uns dorthin. Das ist ein Teil der Erfahrung, an die sie sich erinnert. Sie erinnert sich daran, dorthin gereist zu sein, diesen Ort gesehen zu haben, und dann kehrt sie zu der Flotte zurück und sagt, dass sie wisse, wie man dorthin komme.
Im Finale verbindet sie intuitiv die Musik mit den Koordinaten, gibt sie in den Computer ein und dann bringen uns diese Koordinaten zu der zweiten Erde, zu diesem Ort hier.
Maureen Ryan: Sie müssen zugeben, sie haben uns schon ein bisschen hinters Licht geführt.
Ron Moore: Ja, wir haben Ihnen den Kopf verdreht. Aber ich glaube, das liegt noch im Grenzbereich, ich denke nicht, dass das übertrieben irreführend war. Mit der Zeit akzeptiert man das sicher. Und natürlich wollten wir, dass die Leute erkennen, dass es diese Erde sein würde, aber wir haben nichts in die Serie geschrieben, das uns davon abgehalten hätte, das Finale so zu gestalten wie wir es wollen.
Maureen Ryan: Irgendjemand oder irgendetwas hat diese Geschehnisse so geschehen lassen. Und sie haben das absichtlich offen gelassen.
Ron Moore: Wir hatten das Gefühl, dass das Unendliche, das Göttliche, eine konkrete Terminologie nicht zulässt, von Natur aus nicht. Je mehr man versucht, genau auszudrücken, was es schlussendlich ist, desto weniger mysteriös, übernatürlich wird es. Und ich dachte, man kann nur so und so weit gehen. Man kann diese Präsenz anerkennen, man kann die Hand eines anderen anerkennen, und ich fand, dass die Serie das ungefähr so weit bequem zeigen konnte.
Das war seit der Miniserie in die Mythologie der Serie eingebettet, so dass das ein Teil der Serie werden musste, und auf dieser Ebene musste es auch ein zufriedenstellendes Ende haben, aber ich wollte nicht einfach einen bärtigen Mann im Himmel oder irgendetwas in der Art das aussprechen lassen. Ich wollte es einfach ein bisschen mysteriös lassen. Und wie bei so vielen Dingen sind die Fragen interessanter als die Antworten.
Wir wissen das irgendwie von Natur aus. Es wirkt, als wäre das ein roter Faden in der Mythologie, dass man das Göttliche nicht wirklich kennen kann. Man kann es erfahren, man kann es erleben, es können einem Dinge offenbart werden, aber man kann die Geheimnisse im Herzen dieser Sache nicht wirklich verstehen. Und je mehr man versucht, es zu definieren, desto weniger zufriedenstellend wird es. Wenn man erstmal so weit ist, dass man sich Gott als einen bärtigen Mann in den Wolken vorstellt, ist das alles kaum noch befriedigend.
Baltars Rede in der CIC ist ausschlaggebend - ''Es gibt hier noch eine andere Macht, wir alle haben sie gefühlt, wir haben ihre Auswirkungen gespürt, wir wissen, dass sie um uns herum ist, wir wissen, dass sie uns genau jetzt umgibt, und wir müssen Vertrauen haben und darauf vertrauen, dass sie hier ist und daran glauben, dass sie existiert, auch wenn man nicht versteht, was sie ist und welche Motivation sie hat, wenn sie eine Motivation hat.''
Maureen Ryan: Wie ich die Rückblenden verstanden habe, ging es darum, dass diese Menschen nach ihrem eigenen freien Willen wählen. Sie sind nicht nur Puppen an einem Faden.
Ron Moore: Ja, ich denke das stimmt. Das gehört zu den großen Widersprüchen unserer Existenz, sozusagen. Es gibt Dinge, die begleiten uns ein Leben lang und lassen uns glauben, dass es so etwas wie Schicksal gibt, so etwas wie eine Vorhersehung. Und gleichzeitig ist auch der Glaube daran stark, dass wir unseren freien Willen haben und unsere eigenen Entscheidungen treffen. Diese beiden Theorien sind beinahe unvereinbar, es sei denn, man glaubt, dass es so eine Art Interaktion zwischen dem Schicksal und dem freien Willen gibt, die wir nicht genau erkennen können.
Es scheint, als gäbe es etwas gemeinsames, unsere Existenz betreffend, das uns dazu bringt, an beide Ideen sehr stark glauben zu wollen. Wir wollen glauben, dass wir ein Schicksal haben, dass es vorhergesehen war, dass wir bestimmte Menschen treffen, dass wir einen Seelenverwandten haben, dass manche Menschen dazu geboren werden, bestimmte Dinge zu erreichen, dass bestimmte Dinge dazu bestimmt sind, zu geschehen, dass das in den Sternen steht. Und doch glauben wir auch, dass wir einen freien Willen haben und selbst wählen und dass die Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen, eine Bedeutung haben.
Maureen Ryan: Sollen wir die Head-Charaktere als Repräsentanten dieser Entität - die wir nicht unbedingt als gut oder böse definieren - ansehen?
Ron Moore: Ich glaube, zu den wenigen Dingen, die in der Serie von Anfang an klar gesagt wurden - Leoben sagt in der Folge ''Flesh and Bone'' aus der ersten Staffel, ''Wie lautet der erste Artikel des Vertrauens - ist das alles, was wir sind? Ist das alles, was ich bin? Ist da nicht noch irgendetwas?''' Und ich glaube immer noch, dass es ein wesentlicher Bestandteil der Menschheit ist, dass wir uns kontinuierlich fragen, ob das alles ist, was da existiert. Oder ob da noch mehr ist.
Die Serie konnte nur soweit gehen, dass sie aussagt, ''Ja, es gibt noch mehr, aber man versteht vielleicht nicht, was es ist. Es gibt da draußen etwas, und es ist etwas, das man berühren kann, und es kann das eigene Leben beeinflussen, aber es widersetzt sich Religionen und Ideologien und Dogmen. Aber da gibt es etwas''.
Maureen Ryan: Etwas, das sich aktiv einbringt.
Ron Moore: Ja, irgendwie sind wir damit verbunden.
Maureen Ryan: Haben Sie von Anfang an über diese Rückblenden nachgedacht, als sie angefangen haben, über das Finale nachzudenken?
Ron Moore: Die kamen erst ziemlich spät. Erst, als wir die Geschichte entwickelt haben, als wir überlegt haben, wie sie Hera retten sollen. Wir hatten eine generelle Vorstellung davon - dass die Galactica einen unmöglich zu gewinnenden Kampf gegen die zylonische Kolonie kämpfen würde, Hera irgendwie retten würde und dann, als das Schiff kurz davor ist, zerstört zu werden, gibt Kara die Noten von ''All along The Watchtower'' als Sprung-Koordinaten ein, die uns dann zur Erde bringen. Wir wussten, dass das die generelle Richtung sein würde.
Wir haben einen ganzen Tag damit verbracht, uns nur über den Plot Gedanken zu machen. Wie kann Lee landen? Wie bringen wir Kara mit rein? Welchen Korridor gehen sie entlang? Es ist frustrierend und nervig.
Als ich nach Hause ging, war ich nicht besonders glücklich. Ich duschte und in der Dusche hatte ich diese Eingebung - es ging nie um den Plot. Das Tolle an der Serie waren immer die Charaktere. Am nächsten Tag habe ich folgendes im Autorenraum an das Whiteboard geschrieben: ''It's the characters, stupid.'' [Ihr Idioten, es geht um die Charaktere.] Ich sagte, lasst uns einen Plot erstellen. Es wird einen Plot geben, er wird gut sein, wir haben das bisher noch immer geschafft, lasst uns darauf vertrauen. Und lasst uns überlegen, was wir mit diesen Charakteren anstellen wollen.
Ich sagte, dass ich ein paar Vorstellungen hätte, aber nicht wüsste, was ich mit ihnen anfangen soll. ''Ich stelle mir einen Mann in einem Haus vor, der versucht, mit einem Besen einen Vogel wegzujagen. Ich weiß nicht, wer er ist, aber ich mag diese Idee und es erscheint mit bedeutsam, also lasst es uns aufschreiben.''
Ich glaube, es war David Weddle, der von Rückblenden sprach oder darüber nachdachte, Teile aus dem Leben der Charaktere zu zeigen, die wir nicht gesehen haben. In einem Teil des Finales ging es in unseren Köpfen immer um Anfänge und Enden. Es war das Ende der Serie, das Ende der Galactica, der Beginn eines neuen Lebens auf der Erde.
Wir begannen, über die Miniserie zu reden und zu überlegen, wie die Charaktere angefangen haben, und wir sahen uns die ''Serien - Bibel'' an, die Hintergrundstories von Charakteren wie Laura enthält - ich habe die Geschichte mit dem betrunkenen Fahrer und ihren Schwestern da rein geschrieben, aber wir haben das nie benutzt. Wir begannen, über eine Struktur zu reden, die vier oder fünf Geschichten, in Rückblenden erzählt, beinhalten würde, und das sollte dann die eigentliche Geschichte im Vordergrund sein. Eigentlich ging es darum, wer diese Menschen wirklich waren und wie das ihr Ende beeinflusst hat. So dass man versteht, was aus ihnen geworden ist, indem man versteht, womit sie angefangen haben. All die Wege, die sie in den Rückblenden beschreiten, führen sie zu der Serie, und erzählen dem Zuschauer, wer sie am Ende waren.
Als wir das erst einmal hatten, ergab sich der Rest von alleine. Der Plot war ziemlich geradlinig, es war aufregend und wir haben viel Geld ausgegeben. Es würde viel Bang und Boom geben und wir haben einfach darauf vertraut, dass das alles funktionieren würde. Und dann kam eben noch hinzu, wer diese Leute in den Rückblenden sein würden und welche Geschichten wir erzählen wollen.
Maureen Ryan: Ich glaube, das hat der Entwicklung der Charaktere mehr Gewicht gegeben. Ich wurde ganz gefühlsduselig, als Baltar sagte, dass es nur um Ruhm ginge. Ich glaube, das hätte nicht die selbe Wirkung gehabt, wenn wir ihn nicht mit seinem Vater gesehen hätten.
Ron Moore: Er hatte schon vor der Miniserie eine Existenz. Die Miniserie positioniert ihn als den Charakter Gaius Baltar, ein millionenschweres Genie und ein Playboy. Aber niemand besteht nur daraus. Jeder Mensch ist komplex und hat eine Familie, durchlebt Krisen und Dramen und Dinge, für die sie sich schämen. Wir sahen das als eine Chance, Baltar ein bisschen genauer zu betrachten, und...naja, Sie wissen schon, er ist ein Mensch. Und das war auch seine Reise.
Maureen Ryan: Ich weiß, Sie lassen sich nicht davon beeinflussen, wie die Fans reagieren könnten, und dass sie das tun, was Sie für die Serie für richtig erachten, aber Karas Ende - sie verschwindet einfach so. Da wird es sicher viele Diskussionen drüber geben.
Ron Moore: Oh ja, das wird kontrovers diskutiert werden. Es wird Leute geben, die das absolut hassen und denken, dass wir versagt haben. Wir haben unter uns Autoren darüber diskutiert. Ich habe lange darüber nachgedacht, und ich habe mehr oder weniger genauso geantwortet. Und je mehr ich mich darum bemühte, das zu definieren, desto weniger zufriedenstellend wurde es. Wir haben verschiedene Möglichkeit ausprobiert, haben gesagt, dass sie genau dieses oder jenes ist. Und jedes mal kam es mir uninteressant und umständlich herbeigeführt vor.
Ich hatte das Gefühl, dass wenn sie wirklich mit dem Göttlichen verbunden ist, wenn sie etwas mit seiner Macht zu tun hat, mit dieser anderen Entität im Universum, dann reicht es, dass man weiß, dass sie damit verbunden ist und ihr Schicksal erfüllt hat. Sie hat uns an diesen Ort geführt, zu den beiden Erden, ehrlich, das reicht. Das sollte der eigenen Fantasie überlassen werden, den eigenen Nachforschungen. Die Zuschauer müssen die Lücken füllen, die wir übrig gelassen haben. Das ist meine Antwort, und ich bin sicher - ich weiß - dass die Leute darüber diskutieren werden.
Maureen Ryan: Ich finde, dass es funktioniert hat, aber ich habe mich auch gefragt, ob sie die ganze Zeit über ein Head-Wesen war?
Ron Moore: Das ist eine legitime Herangehensweise. Wir haben darüber diskutiert, und man kann das durchaus so auffassen.
Maureen Ryan: Aber die Head-Wesen können nicht mit der normalen Welt interagieren, das trifft es also nicht genau.
Ron Moore: Es ist anders, es passt also auch nicht genau in diese Kategorie.
Maureen Ryan: Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, dass die Debatte um Starbuck das Internet richtig aufheizen wird.
Ron Moore: Ich habe schon längst akzeptiert, dass es immer Leute geben wird, die damit nicht zurecht kommen.
Maureen Ryan: Am Tag nach dem Finale lief ich durch New York und ganz plötzlich wurde ich ganz gefühlsduselig. Ich dachte an die letzte Szene zwischen Adama, Kara und Lee und an den Moment, in dem Kara verschwindet. Ich musste an die Phrase "Der Vater, der Sohn und der heilige Geist" denken. Durch meine katholische Erziehung klang es einfach sehr danach.
Ron Moore: Ja, es wurzelt in solchen Traditionen. Wir haben über diese Idee geredet, über die Dreifaltigkeit, und dass Kara diese irgendwie repräsentiert, oder zumindest irgendwie damit verbunden ist. Wir haben viel über die Auferstehung Christi gesprochen und über die Mythologie, ebenso darüber, was das mit einer Frau zu tun hat, die stirbt und wieder zum Leben erweckt wird, zu einem bestimmten Zweck, und dann wieder verschwinden. Und dabei erneut Hoffnung darauf erweckt, dass es noch etwas anderes gibt. Sie lebt gewissermaßen durch solche Gedankengänge weiter.
Maureen Ryan: Und vielen Dank dafür, dass Sie sie zu einer Frau gemacht haben.
Ron Moore: Ja. [Er lacht] Gern geschehen.
Maureen Ryan: Ein Teil von Ihnen liest Ihren Fans gerne mal die Leviten, richtig? [Sie lacht] Erwarten Sie das? Gibt es Momente, in denen Sie denken, dass Ihnen diese Entwicklung gefällt und Sie den Fans damit eine Lektion erteilen können?
Ron Moore: Ja, so lange ich mir meiner Sache und der Gründe dafür ziemlich sicher bin und wir das nicht machen, nur um ihnen eine Lektion zu erteilen. Wir haben viel darüber diskutiert, wir haben uns verschiedene Wege angeschaut, und nichts davon war zufriedenstellend. Hätte sie einfach ihre Flügel ausgebreitet und wäre in den Himmel geflogen, wäre das kein zufriedenstellendes Ende gewesen. Nein, wirklich nicht. Wir haben noch nie eine konkrete Definition für Kara Thrace gehört, bis heute nicht, keine, die zufriedenstellender wäre als unsere.
Bei uns bleibt ein Stück Poesie und etwas mystisches zurück, und das Geheimnis um sie bleibt gewahrt. Dadurch diskutieren die Leute und denken nach. Sie fragen sich, welche Bedeutung sie hatte, wo sie herkam und was das alles zu bedeuten hatte. Und es ist auch klar, dass sie die Menschheit zu ihrer Erlösung geführt hat. Sie war der Vorbote des Todes, und sie hat sie in den Tod geführt. Sie war aber auch der Vorbote des Lebens und auch dorthin hat sie die Flotte gebracht.
Maureen Ryan: Es ist interessant, dass Ihre Serie eine solch philosophische Debatte ermöglicht. Aber dann gibt es da noch die ersten 45 Minuten, in der so viel tolle Action stattfindet und es unglaubliche Szenen von kämpfenden Robotern zu sehen gibt.
Ron Moore: Das liegt in unseren Genen, das sind die Gene von "Battlestar Galactica".
Maureen Ryan: Die ersten 45 Minuten sind auch sehr lustig.
Ron Moore: Ja, da steckt eine Portion Humor drin, es ist wie in einer Achterbahn.
Maureen Ryan: War es Ihre Idee, die alten und die neuen Zenturionen miteinander kämpfen zu lassen?
Ron Moore: Nein, das haben sich Gary Hutzel und seine Jungs ausgedacht. Ich lachte nur und gab ihnen mein Einverständnis.
Maureen Ryan: Um wieviel haben Sie denn ihr Budget überzogen? Als ich die erste Hälfte gesehen habe, dachte ich, dass Sie ihre Bank in den Ruin getrieben haben.
Ron Moore: Die Folge war als zweistündige Folge konzipiert, also hatte sie auch das entsprechende Budget. Als das Drehbuch fertig war haben die Leute von der Produktion drauf geschaut und sich Sorgen gemacht. Wir mussten die Idee an der Realität prüfen. Es war unmöglich, dieses Drehbuch mit einem Budget für zwei Folgen zu drehen, und nur auf zwei Stunden begrenzt. Aber das Studio setzte sich für uns ein.
So habe ich herausgefunden - und mir war das während des Verlaufs der Serie immer klar, aber das hat es nochmal sehr deutlich gemacht - dass die Leute im Studio und beim Sender genauso große Fans sind wie wir. Sie haben Himmel und Erde in Bewegung gesetzt - und das Budget für eine weitere Stunde heraus geholt. Als wir eine extra Stunde bekamen, hatten wir also auch das zusätzliche Budget zur Verfügung, für exakt das selbe Drehbuch.
Maureen Ryan: Ich verstehe die Bedürfnisse des Senders, aber ich hätte mir gewünscht, alle Folgen gleichzeitig zu sehen. Diese erste Folge funktioniert am besten als Teil des Ganzen.
Ron Moore: Naja, das war der Knackpunkt. Ich habe sehr lange und sehr heftig dagegen argumentiert. Das Drehbuch war dafür nicht ausgelegt. Als ich das Drehbuch geschrieben habe, habe ich nicht mal an verschiedene Abschnitte gedacht. Ich habe das Drehbuch für einen 2-Stunden-Film geschrieben und es sollte auch so angeschaut werden. Aber sie haben mir das extra Geld gegeben, da ist man nicht so...
Maureen Ryan: Sie haben also einfach die Klappe gehalten.
Ron Moore: Ja, ab einem bestimmten Punkt, und dann habe ich eben weiter gemacht. Sie wollten das, auch für die eigene Programmplanung, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass die Leute dazu bereit sein würden, schon um acht Uhr eine Serie einzuschalten, von der sie gewohnt sind, dass sie sie später sehen. Sie gingen davon aus, dass niemand einen dreistündigen Film sieht, einen zweistündigen dagegen schon, undsoweiter. Die Folge 19 ist keine Folge. Sie ist ein überhaupt nicht zufriedenstellendes Ereignis. Da bin ich mir sicher, denn sie sollte ja auch nie alleinstehend sein.
Maureen Ryan: Sie ist nur der erste Akt eines ganzen Stücks.
Ron Moore: Ja, der erste Akt eines Stücks. Sie ergibt keinen Sinn, sie hat keinen sinnvollen Handlungsbogen. Sie ist wie ein Ast, der abgebrochen wurde. ich habe sie immerhin dazu gebracht, diesen Freitag alle drei Folgen auszustrahlen. Ich hoffe, dass einige Leute alle drei Folgen sehen werden, oder zumindest alle drei hintereinander. Auf DVD wird sie unsterblich werden und da wird man sie auch so schauen, und so hätte es eigentlich immer sein sollen.
Maureen Ryan: Sie wissen sehr genau, dass Sie es nicht jedem recht machen können. Ich fand, dass es in dieser Hälfte der Staffel vor allem darum ging, die Charaktere an das Ende ihrer Reise zu bringen. Das gefällt einer Gruppe von Fans. Wie Sie wissen, gibt es aber auch andere Fans, die endlich die verdammten Fragen beantwortet haben wollen. Die wissen wollen, was es mit dem Opernhaus auf sich hat. Für mich ist es in Ordnung, wenn eine vernünftige Menge an Fragen beantwortet und eine vernünftige Menge an Charakteren zu ihrem Ende geführt wird. Das ist es, worauf ich im Finale gehofft habe.
Ron Moore: Als wir uns der zweiten Hälfte der Staffel annäherten, sogar in der Mitte noch, dachte ich, dass wir einige Handlungsstränge vor dem Finale auflösen sollten. Ich wollte nicht, dass der letzte Zylone bis dahin noch in der Luft schwebt, denn dann wäre es im Finale nur um ihn gegangen. Ich wollte auch nicht, dass es darum ging, die Erde zu finden. Ich wollte, dass das aus dem Weg geräumt wird, so dass die Zuschauer nicht mehr darüber nachdenken. Wir wollten die Hintergrundgeschichte der Final Five erklären, wo sie herkommen und wer sie sind, und woher Cavil und die anderen Humlons stammen. All diese Fragen wollten wir auf dem Weg zum Finale beantworten und dann überlegen. Überlegen, was wir bis zum Ende für uns behalten wollen.
Maureen Ryan: Und bei den Opernhaus-Visionen - hat da diese Entität zu den Charakteren gesprochen?
Ron Moore: Sie hat diese Charaktere zu einen bestimmten Punkt bewegt, der entscheidend sein würde. Sie mussten bestimmte Handlungen auf eine bestimmte Art und Weise ausführen, damit die finale Szene sich so ereignen konnte. Die Interaktion zwischen der Head-Six und Baltar war notwendig, weil sie ihn an einen Punkt gebracht hat, an dem er an Gott glaubt, oder zumindest an die Möglichkeit eines Gottes als ein Konzept oder etwas Übernatürliches, so dass er im CIC diese an Cavil gerichtete Rede halten kann, das war eine Schlüsselszene.
Maureen Ryan: Und dieses eine Mal hat er auch daran geglaubt.
Ron Moore: Ja, er hat daran geglaubt. Und er hat aus seinem Herzen gesprochen und ehrlich argumentiert, damit Cavil Hera nicht tötet oder sie wegbringt - so hat er alles andere möglich gemacht.
Maureen Ryan: Eine der wichtigsten Fragen drehte sich darum, ob die Geschichte mit Cally nochmal von Bedeutung sein würde. Sie hat in ihrem Leben nur wenig Gerechtigkeit erfahren und ich wollte, dass sie wenigstens nach ihrem Tod welche erfährt. Ich schrieb sogar in einem Kommentar auf meiner Seite, dass ich nicht davon ausgehe, dass die Sache mit Cally beantwortet wird. Ich bin der schlechteste Prophet, den Sie je gesehen haben!
Ron Moore: Sehen Sie, ich habe das auch absichtlich fallen lassen. Ich wollte nicht mal mehr über Tory und Cally reden. Ich fand, dass wie diese Karte tief im Stapel verstecken sollten um in diesem Moment, wenn man nicht mal ansatzweise daran denkt, diese Karte auszuspielen. Das selbe gilt für die Erde - als die Leute nicht einmal ansatzweise daran dachten, spielten wir diese Karte aus.
Maureen Ryan: Dass Tyrol Tory tötet klingt wie etwas, das den Kreislauf der Gewalt und des Hasses erneut starten könnte. Man kann diese Szene aber auf so viele Arten deuten. Man könnte auch sagen, dass das Gerechtigkeit für Cally war.
Ron Moore: Ja, das zum einen. Mich interessierte auch die Idee, dass aus den menschlichen Emotionen - Rache, Wut, Mordlust - gleichzeitig die Rettung der Menschheit entstand. Dass es diese seltsamen, sich widersprechenden Einflüsse in unserem Leben gibt - erstaunliche, wunderbare Dinge entstehen aus furchtbaren Taten, und umgekehrt. Ich wollte das noch einmal betonen und fragen, was wir darüber denken. Was denken wir über diesen Augenblick? Alles bewegte sich auf einen Augenblick der Auflösung zu und man will Tyrol dafür verdammen, aber dann schaut man sich an, was danach passiert, und schon will man ihn dafür eher feiern. Man ist zwischen diesen beiden Impulsen gefangen. Das mag ich.
Maureen Ryan: Das erinnert mich an die Szene zwischen Athena und Boomer - ich verstehe, dass es vielleicht falsch war, Boomer zu töten, aber gleichzeitig verstehe ich auch, dass Athena ihr Kind beschützen will, egal was es kostet.
Ron Moore: Und die Szene sollte zeigen, dass Boomer ihre Entscheidung getroffen hat. Sie wusste, dass sie sterben würde, und hat das akzeptiert und gewissermaßen auch gewollt.
Maureen Ryan: Hera umgab viel mythologisches und wir haben oft gesagt bekommen, wie wichtig sie ist. War sie im Endeffekt wichtig, einfach weil es sie gab, weil sie ein empfindungsfähiges Wesen war und nicht nur eine Laborratte oder ein Orakel?
Ron Moore: Das auch, ja, aber sie ist auch buchstäblich die Verkörperung der menschlichen und der zylonischen Rasse und das ist genau das, was wir später werden. Letztendlich sind wir alle Heras Kinder, was bedeutet, dass wir die Kinder all jener Menschen sind, die wir die Serie hindurch beobachtet haben. Ihre Menschheit überlebt durch uns, und das selbe gilt für die Zylonen.
Maureen Ryan: Sie war also die Verkörperung des Traums, dass beide Rassen zusammen leben?
Ron Moore: Ja, das war sie. Wie wir auch.
Maureen Ryan: James Poniewozik hat mir per Mail folgende Frage geschickt: "Ich habe das Gefühl, dass wir diesen Kreislauf wiederholen. Wäre es für uns nicht besser gewesen, wenn die Flotte sich selbst ausgelöscht hätte? Oder uns wenigstens einfach nur die Technologie überlassen und ihre Philosophie / ihre Götter / etc. für sich behalten hätte, anstatt anders herum?
Ron Moore: Ich vermute, das hängt davon ab, was von heute an passiert. Scheinbar hat der Kreislauf einen anderen Schlüsselmoment erreicht. Er kann immer noch unterbrochen werden, die Frage ist, wie am Ende auch gesagt wird, ob er gebrochen wird. Das wird unbeantwortet gelassen und ich glaube nicht, dass es eine Antwort gibt.
Maureen Ryan: Es kommt auf uns an, vermute ich.
Ron Moore: Genau an diesen Punkte wollte ich die Serie bringen - an dem es von uns abhängt.
Maureen Ryan: Wie kamen Sie darauf, in der letzten Szene einen Auftritt zu haben? Mussten sie lange darüber diskutieren?
Ron Moore: Wissen Sie was? Ich dachte einfach, das ist ein Witz, ich dachte, ich spiele einfach den Typen am Zeitungsstand, der dieses Magazin liest. Es wirkte wie ein verrückter, kleiner Cameo-Auftritt. Aber jedes mal, wenn ich die Szene jetzt sehe, zucke ich zusammen und denke, dass ich das nicht hätte tun sollen, weil es mich wirklich ablenkt, wenn ich es anschaue. Und ich habe das Gefühl, dass es auch die Leute ablenken wird. Ich denke dann, verdammt, ich wollte nicht, dass das so markant aussieht. Ich dachte, dass das einfach ein kleiner Spaß sein würde, und jetzt ist es sehr viel präsenter als ich das gedacht hätte.
Maureen Ryan: Ich glaube, von einem ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, oder von dem Standpunkt aus, dass dies das Ende der Reise ist, hätte ein Teil von mir die Szene mit Adama auf dem Hügel, mit Laura Roslins Grab im Hintergrund, als wirklich schöne Szene zur Beendigung der Serie empfunden. Haben Sie je darüber nachgedacht oder hatten Sie das Bild mit der Caprica Six auf dem Times Square schon immer im Hinterkopf, und das war es, was sie unbedingt wollten?
Ron Moore: Wir hatten die Szene schon vor ein paar Jahren angedacht, und ich wollte immer an diesen Punkt gelangen. Diese Szene - der Times Square in der modernen Welt - wirkt nur verbunden mit der Hera-Geschichte. Es geht darum, Heras Geschichte eine Bedeutung zukommen zu lassen. In dieser letzten Szene geht es eigentlich nur um sie, warum sie wichtig war, wer wir sind. "Oh mein Gott, wir sind mit ihr und den Zylonen verbunden!" Und es ging um den Kreislauf und ob er sich wiederholen würde. Es schien, als würde der übergreifende Handlungsbogen der Serie das so verlangen, dass das aufgelöst wird, und zwar auf diese Art und Weise.
Quelle: Interview bei der Online-Ausgabe der Chicago Tribune
Weiterführende Links:
- Alle Maureen Ryan - Interviews
- Thread zur Folge "Daybreak, Part 2"
#13
25. März 2009 um 21:39 Uhr
da kommt der rdm ja selbst in stottern ganz am schluss wenns um
kara und ihr plötzliches verschwinden geht...
#14
25. März 2009 um 21:59 Uhr
#16
26. März 2009 um 12:19 Uhr
#17
26. März 2009 um 13:05 Uhr
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