von Philip Arendt (penumbra) | 03.01.2011
Als "Battlestar Galactica" 2004 seinen erfolgreichen Serienstart feierte, wurde die Serie von Kritikern und Fans als ambitionierte und revolutionäre Science-Fiction-Serie betrachtet. Selbst von einer Neuerfindung des Genres war desöfteren die Rede. Viele der grundlegenden Eigenschaften der Show wurden zu Beginn der Dreharbeiten von Serienerfinder Ronald D. Moore in einem Manifest niedergeschrieben.
Darin lassen sich alle Hintergründe zum Serienuniversum nachlesen - zumindest so wie sie 2004 erdacht wurden. Egal ob die Betrachtung von Technologie, kurze Umrisse zur Geschichte von Menschen und Zylonen oder detaillierte Charakterbeschreibungen.
Dieses interessante Dokument wurde kurz nach der Ausstrahlung des Serienfinales "Daybreak" im März 2009 veröffentlicht. Von der breiten Masse des Fandoms blieb dies jedoch scheinbar weitestgehend unbemerkt. Caprica City liefert einen Überblick über die Inhalte des Schriftstücks.
Zu Beginn der Serienbibel steht der Aufsatz "Battlestar Galactica: Naturalistic Science Fiction". Dieser Text wurde bereits vor vielen Jahren veröffentlicht und enthält eine Abhandlung darüber, welche Science-Fiction-Elemente in der Serie verwendet werden. Im Prinzip bedeutet das: Keine Außerirdischen, keine Zeitreisen, keine Weltraumphänomene, kein Techno-Babble, keine Überhelden.
Die Serie handle von Menschen und nicht etwa "Hardware und bizarren außerirdische Kulturen". Es ist eine Show über "uns", eine "Allegorie zu unserer Gesellschaft, unseren eigenen Leuten".
Die Kolonien und die Zylonen
Nachfolgend stehen kurze Beschreibungen der kolonialen und zylonischen Gesellschaft. Im Vergleich zu den späteren Charakterbeschreibungen sind diese Texte recht vage. Viele von ihnen wirken zudem mittlerweile veraltet und ungenau - nicht zuletzt auch durch den Weg, der von "Caprica" eingeschlagen wurde.
Interessant ist hier zum Beispiel die Beschreibung des Quorum of Twelve als religiöser Beraterstab. Dort lässt sich noch nichts von dem mächtigen zivilen Machtorgan erahnen, welches schließlich in der Serie eingeführt wurde.
Über die Zylonen wird mehrfach geschrieben, dass sie nicht als die Borg aus "Star Trek" gesehen werden dürfen. Obwohl sie miteinander verbunden sind, sind die Zylonen gerade deswegen so unheimlich, da sie Individuen sind. Außerdem wird auf die Wertschätzung von Leben und die "pathologische" Angst vor dem Tod eingegangen. Ein fast schon ironischer Aspekt der zylonischen Gesellschaft - ermorden sie zu Beginn der Serie doch mehrere Milliarden Menschen.
Charakterbiografien
Die Charakterbeschreibungen sind sehr ausführlich und enthalten bereits viele Details, welche erst sehr spät in der Serie verraten wurden.
So finden sich zum Beispiel Beschreibungen von Laura Roslins Familie - der Unfalltod ihrer Schwestern und ihres Vaters sowie dem Krebsleiden ihrer Mutter. Ihr Aufstieg zur Begleiterin und späteren Bildungsministerin von Richard Adar wird detailliert geschildert - über die in "Epiphanies" enthüllte Affäre steht dort jedoch noch nichts.
Auch die Beschreibung von Kara Thraces Familie klingt vertraut: Die kalte und strenge Soldatin Socrata und der erfolglose Musiker Dreilide. Im Dokument findet sich zudem auch die Beschreibung von Saul Tighs Frau, durch welche der Charakter Ellen später überhaupt erst eingeführt wurde. In der Serienbibel trägt sie allerdings noch den Namen Sherry.
Über William Adama finden sich viele Informationen, welche später auch in "Battlestar" und "Caprica" verwertet wurden. Interessant ist nicht zuletzt die Beschreibung von Number Six. Im Gegensatz zu allen anderen Figuren findet sich zu ihr nur ein einziger Halbsatz: "The Woman as Machine."
Charakterbeziehungen und Handlungsstränge
In der Serienbibel finden sich viele Ideen für Storylines und Charakterentwicklungen in der ersten Staffel. Die meisten davon wurden verwirklicht, es gibt jedoch auch einige Ideen, welche später verworfen wurden.
So gab es ursprünglich Pläne für einen ausufernden Widerstand gegen die Roslin-Regierung innerhalb der zivilen Flotte - angeschürt von zylonischen Schläferagenten. Überhaupt werden die Positionen der beiden Flottenanführer viel stärker getrennt: Roslin als pragmatische Hardlinerin und Adama als moralischer Pol der Flotte. Außerdem steht dort, dass es zwar durchaus eine gewisse Attraktivität zwischen den beiden gibt, sie ihre Beziehung aber niemals ausleben werden. Ups.
Kara und Lee sollten bereits sehr früh eine gemeinsame Nacht miteinander verbringen - danach jedoch jeden Kontakt miteinander vermeiden. Im Gegensatz dazu wird eine wirkliche Beziehung von Starbuck und Gaius Baltar in Aussicht gestellt - im krassen Gegensatz zu den tatsächlichen Entwicklungen der ersten Staffel.
Der Kampfstern Galactica
Den letzten Teil der Serienbibel nimmt eine genaue Beschreibung des Schiffes und seiner Technologie ein. Sicher interessant für viele Fans, die mehr über die technologischen Aspekte des Serienuniversums wissen wollen.
Zu guter Letzt wird dort auch genau geklärt was die "Red Line" ist: Nicht etwa die Grenze zwischen kolonialem und zylonischem Raum sondern die maximale Entfernung über die ein FTL-Sprung sicher berechnet werden kann. Dort wird auch angedeutet, dass mit einem Sprung kaum mehr als ein oder zwei Lichtjahre zurückgelegt werden kann ohne auf ernsthafte Probleme zu stoßen.
Quelle: Die Serienbibel

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03. Januar 2011 um 12:29 Uhr






