Model Six, on 24.10.2006, 09:03, said:
(1) Selbstmordattentate oder (2) Tötungen nach Fehlverhalten dürfen hier nicht aus unserer heutigen Situation im Irak heraus, sondern müssen aus der serieneigenen Logik beurteilt werden.
Grundsätzlich konstituiert sich eine Interpretation aus der "werkimmanenten" Logik, aber immer auch aus dem Kontext des Interpreten. Man betrachtet ein Werk nicht "vorurteilslos", sondern geht notwendig immer mit einer Perspektive heran, die von den eigenen Lebensumständen und Wertegefügen bestimmt wird.
Ist hier aber egal, denn auch aus der serieneigenen Logik sind Selbstmordattentate "abhorrent" und "contrary to everything that we believe in".
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(1) Der Viper-Pilot, welcher das Selbstmordattentat verübt hat, tat das nicht auf Befehl, weil er musste, sondern völlig freiwillig. Das geschah bestenfalls auf Sauls Empfehlung hin. Schließlich hatte der Pilot durch einen Angriff der Zylonen auf einen Tempel seine Frau verloren, obwohl diese rein gar nichts mit dem Widerstand zu tun hatte, und wollte sich an den Zylonen rächen
Der Widerstand selbst hatte dafür gesorgt, dass Unschuldige in die Auseinandersetzung hineingezogen wurden, indem er das Minimum an Anstands-Regeln brach, die bisher gegolten hatten (Tempel als neutrales Gebiet). Der Tod von Unschuldigen war kein Unfall, wurde noch nicht einmal "bedauernd" in Kauf genommen, sondern explizit begrüßt.
Das Motiv Ducks war Rache. Denn das vermeintliche Ziel des Anschlages, Baltar, war erkennbar gar nicht anwesend. Die Motive Colonel Tighs waren (zumindest zum Teil) ebenfalls Hass und Rache. Man denke an Tighs Ausbruch nach der Haftentlassung: "There's no boundaries for the Cylons there's no boundaries for us!" Oder wie er Tyrol später erklärt, warum dessen Vorbehalte unerheblich seien: "Well maybe you'll feel different when you're sitting in detention."
Ich hatte ein wenig den Eindruck, dass sich der Hass und der Wille zur Rache und zur Vernichtung ihre militärischen Gründe suchten und nicht umgekehrt, wie man das von einem besonnenen militärischen Führer erwarten sollte.
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Kollaborateure bestrafen, welche die Zylonen (als Dank für die Besetzung und Unterdrückung auch noch) unterstützen.
Man erfährt zumindest über Jammers Motive etwas. Und die konnte ich sehr gut nachvollziehen und fand sie letztlich ehrenwerter als das blutgeile Schlachtfest von Tigh. Jammer's Idealismus wurde missbraucht, aber es war immerhin Idealismus.
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[Dabei habe ich noch gar nicht von der Effektivität der Attentate oder deren Notwendigkeit für eine erfolgreiche Evakuierung gesprochen.]
"I don't care that it's effective. I don't care that the Cylons can't stop it. It's wrong."
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(2) In Battlestar Galactica gibt es die Todesstrafe. Damit müssen sich heutige Gegner derselben schlicht abfinden. Gaius hätte diese nach Logik der Serie verdient, denn er hat praktisch die gesamte Menschheit auf dem Gewissen.
Baltar hat weder die Menschheit vorsätzlich verraten noch konnte er auch nur im entferntesten ahnen, dass sein fahrlässiges Handeln derartige Konsequenzen haben würde.
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Gewisse Verhaltensweisen sind notwendig, wenn die eigene Existenz in Gefahr ist.
Die Menschheit ist auf unter 50.000 zusammengeschrumpft. Ist es dann wirklich eine Notwendigkeit im Überlebenskampf, Selbstmordattentäter mit Bomben in Ansammlungen der noch verbliebenen Menschen zu schicken? Oder einen Widerstandskampf auch seiner letzten humanitären Regeln zu berauben, die Unschuldige schützen sollen? Oder die Besatzungsmacht zu Massenhinrichtungen zu provozieren?
So verständlich es ist, nach dem Genozid die Zylonen zu hassen und jegliche Kooperation abzulehnen: dem Überleben der Menschheit förderlich ist es nicht gewesen. Zumal es ja mit den Kriegshelden durchaus Kräfte gab, mit denen eine Zusammenarbeit zumindest denkbar gewesen wäre. So aber wurden die wenigen Gutwilligen schnell ins Abseits manövriert.
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Und noch mal: „If the crew doesn’t hate the XO, then he’s not doing his job. Besides, you gonna make the old man look good.“ Dieser Meinung dürfte auch der beliebte Adama selbst sein. Sonst hätte er Saul schon längst gemaßregelt, anstatt ihn in den Posten als XO zu heben oder dort zu behalten.
Adama hat seinen alten Kumpel Tigh
trotz all dessen Unzulänglichkeiten immer mit durchgezogen. Dass Tigh bestimmte Eigenschaften aufweist heißt nicht, dass diese Eigenschaften für einen militärischen Führer gut oder gar notwendig sind (oder müssen XOs saufen?). Natürlich ist Tigh kein kompletter Depp, natürlich besitzt er Kompetenzen und macht vieles richtig. Aber nicht alles. Und auf New Caprica hat er sich imho in der Wahl seiner Mittel einige Male vergriffen.