Cassandras Büro/ Quartier, vormittags, 36. Tag
Seufzend lehnte sich Cassie zurück und massierte ihre Schläfen, während sie den angenehmen Duft des Tees einatmete.
Früchtetee...
In den letzten Tagen hatte sie viel zu tun gehabt. Wahrscheinlich hatte sich wirklich schnell herumgesprochen, dass es sie gab, denn sie hatte kaum eine ruhige Minute. Selbst in der Messe während ihrer Kaffeepause wurde sie schon angesprochen und um Rat gefragt.
Und das war auch gut so!
Die Arbeit lenkte sie von ihrem eigenen Gefühlschaos ab.
Seit dieser überstürzten Ambrosia- seeligen Nacht mit Tom hatte sie alles getan, ihm aus dem Weg zu gehen, was sich jedoch als Mission Impossible entpuppt hatte.
Sie hatte versucht, ihre Tage so zu planen, dass sie ihm auf keinen Fall in der Messe begegnete. Beim ersten Frühstück war es ihr auch noch gelungen. Doch schon beim Mittagessen hatte er wohl die gleiche Idee gehabt und war ungewohnt früh in die Messe gekommen.... Genau wie sie.
Sie waren sich sehr distanziert begegnet. Fast schon unterkühlt. Von der Leidenschaft der Nacht war nichts mehr zu spüren. Wieder in ihrem Quartier fragte sich Cassie zum wiederholten Male, warum.
Warum konnte sie zu Männern keine "normalen" Beziehungen aufbauen?
Wieso musste sie mit jedem, der ihr begegnete nach fünf Minuten im Bett landen und danach voller Panik die Flucht ergreifen???
Es war immer so gewesen... und sie fürchtete, dass es sich wohl niemals ändern würde.
Die ganzen Tage war es dummerweise immer so gegangen : Kaum verließ sie ihr Quartier- was sie wirklich nur so wenig wie möglich tat, traf sie.... Genau!
Sie ging an für sie ungewöhnliche Orte. Wem lief sie auf einem Gang über den Weg? ...
Es kam ihr fast schon so vor, als wolle er sie ärgern und provozieren. Doch seinem Blick nach zu urteilen, dachte er genau das Gleiche von ihr.
Cassandra nahm einen Schluck. Das Leben spielte einem manchmal schon seltsame Streiche.
Da half der Job. Sich auf die Probleme anderer zu konzentrieren, lenkte von den eigenen ab.
Und alle, die sie bisher aufgesucht hatten, hatten andere Probleme, als die, die Cassandra zur Zeit beschäftigten.
Hautsächlich ging es ihnen um den Verlust geliebter Menschen, Zukunftsängste oder Ängsten, im Job zu versagen.
Das waren alles Dinge, bei denen Cassandra ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen konnte.
Aber sie ließ nichts mehr so nah an sich heran, wie an...besagtem Tag X.
Da war ihr vorher nicht passiert. Und das würde ihr auch hoffentlich nie wieder passieren.
Cassandra faltete aus einem kleinen Blatt Papier einen Flieger und schickte ihn auf einen Kurzen Rundflug mit Bruchlandung durch ihr Quartier.
Nein, heute geh ich nicht in die Messe! Ich verzichte auf meinen Kaffe! Sehen Sie, Mr Daddy Elar, was ich alles für Sie tu? Ich verzichte auf meinen heiligen Kaffe unf trinke....Früchtetee.
"Du bist neurotisch!" sagte sie sich selbst. Doch das wusste sie ja schon lange. Nach außen würde es niemand mitbekommen. Zumindest niemand, der nicht davon wusste. Und sie selbst hatte es niemandem gesagt.
Wenn der nächste Patient anklopfte würde sie die kühle, beherrschte Psychologin sein.
Nicht das beziehungsunfähige Wrack, das sich nach einem One Night Stand in seinem Quartier verschanzte und sich auf eine verquere masochistische Art doch immer freute, wenn sie ihn auf dem Gang traf, was sie ja eigentlich zu vermeiden versuchte.
Dieser Beitrag wurde von Cassandra Maguire bearbeitet: 17. Februar 2007 um 09:06 Uhr

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17. Februar 2007 um 08:47 Uhr












