Und weiter geht es mit dem Interview:
Callum Keith Rennie will seine Wirbelsäule beim Sex leuchten sehen
von Mirco Neubaue (xshrekx) und Marion Rauhut (Caprica) | 05.01.2008
Callum Keith Rennie hatte in “Battlestar Galactica” als Zylone zu leiden: Er wurde misshandelt, getötet und gequält. Aber als Zylone kommt er immer wieder zurück
Marcel Damen von
Galactica TV sprach ausführlich mit dem kandadischen Schauspieler über Leobens Religiosität, seine Leidensfähigkeit und hat versucht herauszufinden, warum bei männlichen Zylonen beim Sex die Wirbelsäule nicht leuchtet.
Lesen Sie heute den zweiten Teil des Interviews.
Vorsicht vor Spoilern für die dritte Staffel
Galactica TV: Sie spielen Leoben Conoy, einen der zwölf Zylonen. Leoben sagt, dass er tiefe, religiöse Überzeugungen hat, aber er ist auch nicht über Lügen erhaben und versucht Leute zu manipulieren. Würden Sie dieser Einschätzung zustimmen?
Callum Keith Rennie: (Lacht) Ich glaube, so wie er versucht, Leute zu erleuchten... Er ist in der Lage, die Wahrheit auszuschmücken um das zu erreichen, was er will. Das kann böse sein oder auch nicht. Das könnte ziemlich schlimm sein, ich bin mir noch nicht ganz sicher.
Galactica TV: Er scheint Gott in allen Lebewesen zu sehen. Er sagte zu Starbuck: “Wir alle sind Gott”. Glaubt er das, oder tut er nur so?
Callum Keith Rennie: Nun, ich glaube, es gibt diese Dialogzeile, wo er sagt: “Gott hat die Roboter, nun... erschaffen, Gott hat Euch erschaffen und ihr habt die Roboter erschaffen, also muss Gott in mir sein.” Warum sollte er das nicht glauben? Das ist wörtlich zu verstehen und irgendwie niedlich... und ungewöhnlich! (Beide lachen)
Galactica TV: Ja, ist es. Das erste mal treffen wir Leoben auf der Ragnar-Station. Er behauptet, er wäre Waffenhändler. Er und Adama werden später vom Rest der Gruppe getrennt und Adama entdeckt, dass er ein Zylone ist. Wie war es, so eng mit Edward James Olmos zusammen zu arbeiten?
Callum Keith Rennie: Das gehört zu den Dingen, die ich schon seit vielen Jahren liebe. Und die ich immer schon geschätzt habe, wissen Sie? Es ist eine Ehre mit jemandem zu arbeiten, der viel gedreht hat und das sehr, sehr gut macht. Und so solide. Es war eine großartige Zeit, er ist absolut professionell und lustig, man kann ihm toll zusehen und er ist wirklich locker. Der Mann hat mir wirklich was gegeben. Ich meine, seine Präsenz gibt der Serie wirklich etwas. Ich habe vorher nicht viel Science Fiction gemacht und man sagte mir, dass die meisten meiner Szenen mit Edward James Olmos wären und ich dachte mir, das würde Spaß machen. Und es machte Spaß. Man hat da immer ein wenig Angst, ja, aber ich glaube, es hat gut funktioniert und wir haben gut zusammen gearbeitet.
Galactica TV: War es schwierig, da die Szenen doch sehr körperbetont waren? Sie wollten schließlich versuchen, sich gegenseitig umzubringen.
Callum Keith Rennie: Ach, das war nur das Material, der Stil und das Material, sowas hatte ich vorher noch nicht. Weltraum zum Beispiel. Ein wenig vom Text, ein wenig die Sprache. Und ich kannte die Konzepte nicht so gut. Aber als ich dann erstmal dabei war, ging es gut.
Galactica TV: Als die Miniserie gemacht wurde, redete man da schon über eine regelmäßige Serie?
Callum Keith Rennie: Ich glaube, sie sagten, die Serie könnte gekauft werden. Man weiß halt nie, viele Piloten und Miniserien werden gedreht und nicht gekauft. Aber ich denke, das wollten sie von Anfang an. Nicht, dass man mir das gesagt hätte. Ich weiß es also nicht. Normalerweise nehmen sie eine gewisse Anzahl der Schauspieler bei einer Miniserie oder einem Piloten unter längeren Vertrag. Das garantiert, dass es in eine Richtung geht. Das haben sie mit mir nicht gemacht. Ich war mir also nicht sicher, was passieren würde, ob das das Ende für mich wäre, oder...
Galactica TV: Sie sind ja erst in der achten Folge der ersten Staffel wieder aufgetaucht. Wurde Ihnen gleich, als klar war, dass es zu einer Serie kommen würde, gesagt, dass Sie wiederkehren würden?
Callum Keith Rennie: Ja, sobald das bekannt war, aber sie fanden keine... Sie haben im Frühling angerufen und angefragt, ob ich verfügbar wäre. Aber sie waren sich nicht sicher, ob sie mich einsetzen wollten. Sie wussten, dass es da irgendwo eine Folge geben würde, aber ja, es war ein Wartespielchen, mich zur richtigen Zeit bei der Serie unter zu bekommen.
Galactica TV: Das war eine großartige Rückkehr, denn in der Folge "Fleisch und Blut" behauptet eine Kopie von Leoben, er habe eine Atombombe auf einem der Schiffe versteckt. Er wird dann brutal von Starbuck verhört. Und das sieht wirklich brutal aus. Wurden Sie dabei verletzt oder haben Sie sich Sorgen ums Ertrinken gemacht, als Ihr Kopf so lange unter Wasser war?
Callum Keith Rennie: Nein, nichts dergleichen. (Beide lachen) Nein, ich meine... das ist wie mit den körperlichen Sachen. Ich mag es, wenn es so ist. Ich mag, dass man weiß, dass man am nächsten Tag ein paar Blessuren hat und ein paar Schrammen und so, und dass man das in dem Moment, wenn es passiert, gar nicht merkt. Das ist wie im Leben. Man verletzt sich, wenn man irgendwas macht und dabei nicht aufpasst. Nein, für solche Szenen versuchen wir, das so echt wie möglich zu machen. Es geht nicht darum, auf sich aufzupassen. Das ist eher unbequem und je körperlich ungewöhnlicher, desto besser.
Galactica TV: Haben Sie das alles selbst dargestellt? Kein Stunt-Double?
Callum Keith Rennie: Ja.
Galactica TV: Leoben macht dann gegenüber Roslin einige Vorhersagen über Kobol und die Flotte. Er behauptet natürlich auch, Adama sei ein Zylone und wird dann aus der Luftschleuse geworfen. Werden wir je herausfinden, was wahr und was Lüge war?
Callum Keith Rennie: Ich glaube, das lassen die Autoren offen. Da halten sie sich verschiedene Wege offen, je nachdem, wie sich die Serie weiterentwickeln soll. Auf diese Art kann man, denke ich, gut die Richtung, in die sich alles entwickelt, ändern. Fragen aufwerfen, wo keine waren. Und ich glaube, das macht diese Rolle aus, im System der Flotte und auf gewisse Weise auch in der Serie.
Galactica TV: Wir sehen Leoben dann nicht vor der 20. Folge der zweiten Staffel wieder. Das ist verglichen mit der zylonischen Besetzung in der dritten Staffel nur ein sehr kurzer Auftritt. Haben Sie sich gefragt, ob sie Sie vergessen haben?
Callum Keith Rennie: Äh... Nein, habe ich nicht. Ungefähr acht Folgen, bevor sie mich zurückgebracht haben, da wusste ich nicht wirklich, ob sie... Das war so eine Geschichte, letztes Jahr war das erste mal, dass es sich angefühlt hat, als ob. Sie hatten gesagt, dass sie mich in zehn Folgen in der nächsten Staffel einsetzen wollten. Und dann ist man da und weiß, dass sie wirklich entschlossen sind, dich für diese Zeit einzusetzen. Aber bis dahin ist man einfach... Wenn ich nicht konnte, wenn sie gefragt haben und sie... Ich kam gerade dazu, als sie mich angefragt haben und ich war zufrieden damit. Ich arbeite gerne bei der Serie, es war also nie... Wir haben einfach versucht, das in den Zeitplan zu bekommen und alles hat gepasst.
Galactica TV: Während der Besetzung ist Starbuck in einer Wohnung mit Leoben eingeschlossen und er lügt sie an. Er sagt ihr, dass Kacey aus einer Eizelle aus einem ihrer Eierstöcke gezeugt wurde. Sie bringt ihn fünf mal um und er kommt immer wieder zurück. Liebt er sie wirklich? Man sollte meinen, dass es ein Wink mit dem Zaunpfahl ist, dass sie in foltert und immer wieder tötet.
Callum Keith Rennie: (Lacht laut) Ich glaube nicht, dass er sein Ziel erreicht hat, denn zu dem Zeitpunkt hat sie noch immer nichts von dem, was er gesagt hat, geglaubt. Er musste also weiter machen, ihr weiter über sie selbst und das, was er wusste, erzählen, was erforderlich war. Die ganze Folge über, auch beim Lesen des Drehbuchs, ist das sehr anstrengend. Das wünscht man sich eigentlich nicht und als Zylon ist es ziemlich schmerzhaft. Es laugt einen aus, immer wieder gedownloaded zu werden und zurückzukommen. Aber offensichtlich mussten bestimmte Dinge gesagt und von ihr verstanden werden. Diese Ansätze haben sich aber noch nicht [alle] entwickelt.
Galactica TV: Einige Enthüllungen von Leoben über Starbuck und dazu ein paar Sachen, die sie selbst heraus gefunden hat - das alles deutet darauf hin, dass sie vielleicht selber ein Zylone ist. Und vielleicht eine religiöse Verbindung hat. Was bedeutet das? Werden wir mehr davon sehen?
Callum Keith Rennie: Da bin ich mir nicht sicher, aber sie sind es, denn ich bin da und das ist alles. Ich hab mir gestern Abend die Folgen angesehen. Fast alle meine Szenen sind mit ihr. Als Stimme in ihrem Kopf, als Person neben ihr, als dieses Ding, egal, ob als Gewissen oder Schicksal oder irgendein Teil, der mit ihr verbunden ist. Ich weiß nicht, wo das hin führt.
Galactica TV: Wir erleben soetwas auch zwischen Baltar und Six. Glauben Sie, dass das eine natürlich Verbindung ist?
Callum Keith Rennie: Ja, aber so ist das mit der Serie. Ich kann meistens nicht sagen, wohin die Serie mich führen wird. Ich lese das Drehbuch und denke: “Okay”, und ich versuche mir das selbst zusammenzureimen. Was ich glaube, wo alles hinführt und was passieren wird. Aber die meiste Zeit weiß ich es nicht.
Galactica TV: Als Six in der ersten Staffel Sex hatte, da leuchtete ihre Wirbelsäule rot. Warum ist das bei den Männern nicht so?
Callum Keith Rennie: (Lacht) Ernsthaft? Sag das noch mal?
Galactica TV: Als Six in der ersten Staffel Sex hatte, da leuchtete ihre Wirbelsäule rot. Warum ist das bei den Männern nicht so?
Callum Keith Rennie: Sie wollen sagen, unsere Wirbelsäule leuchtet nicht?
Galactica TV: Ja, Cavil sieht man auf dem Rücken liegend, als er mit Ellen zusammen ist, aber wieso passiert bei Aaron und Leoben nichts mit der Wirbelsäule?
Callum Keith Rennie: Ich will, dass was mit der Wirbelsäule passiert! Und ich dachte, die bauen das ein. Aber ich schätze... vielleicht wollten sie nicht teuflisch werden.
Galactica TV: Aber Cavil ist ziemlich teuflisch.
Callum Keith Rennie: (Lacht) Ja, nein, kein Ahnung warum. Vielleicht muss ich dafür ein paar Antworten finden. Manchmal weiß ich es einfach nicht.
Galactica TV: In den Folgen "Torn" und "Measure of Salvation" wird ein zyloneisches Basisschiff mit einem tödlichen Virus infiziert. Viele der Zylonen sterben, einige werden zur Galactica gebracht. Man hat vor, zu warten, bis die Zylonen dicht genug sind, damit die Gefangenen downloaden können und die anderen Zylonen infizieren. Aber Helo verhindert das, indem er die Gefangenen vorher tötet. War es schwer, das zu spielen?
Callum Keith Rennie: Den Krank-Teil?
Galactica TV: Ja.
Callum Keith Rennie: Pffff. Ja, das war ein wenig anstrengend. Aber es hat auch Spaß gemacht. Man kann mit den Leuten gut arbeiten. Das fühlt sich manchmal etwas merkwürdig an und wird eine eigene Sache. Der Krank-Teil... Da wollte ich, dass es echt aussieht, aber man will auch nicht, dass es billig wirkt. So wie in "Fleisch und Blut", die körperlichen Dinge, die dir da passieren, während man das spielt, man muss das für sich ausnutzen.
Galactica TV: Ist es auch schwierig, sich selbst in verschiedenen Versionen in der gleichen Szene zu spielen?
Callum Keith Rennie: Nein. Man hat die bestimmte Stelle, wo man stehen soll und das andere Ich ist dann irgendwo anders. Es ist nur ein wenig fremd sich selbst zu sehen. Das ist alles.
Galactica TV: Ist es schwierig, das Timing hinzubekommen? Oder helfen die Regisseure dabei?
Callum Keith Rennie: Meistens der Regisseur. Ja. Die waren wirklich, wirklich gut.
Galactica TV: Die anderen Zylonen müssen das ja auch machen. Es scheint schwierig, herauszufinden, wie jeder laufen muss und so.
Callum Keith Rennie: Ja, die großen Szenen sind immer ein wenig kompliziert. Gerade die Gruppenszenen und die auf dem Schiff, aber vielleicht mag ich es deshalb so, mit Katee allein zu drehen, weil es viel persönlicher ist. Bei den großen Szenen sind da sehr viele Leute, viele Effekte, viele, viele Kopien von jedem und sehr viel Ablenkung
Galactica TV: Wenn Sie auf Ihren Charakter zurückblicken, müssten Sie feststellen, dass er eine harte Zeit hinter sich hat: Mit Adama gekämpft und von ihm erschlagen, von Starbuck gefoltert und mehrfach getötet, an einem Virus gestorben und auch nochmal als Helo die Luft abdreht. Vielleicht sollte er sich einen weniger stressigen Job suchen.
Callum Keith Rennie: Er ist ein Antiheld. Der zylonische Antiheld.
Galactica TV: Mit seinen andauernden Lügen und Wahrheiten und seinen Manipulationen, vielleicht könnte er Politiker werden.
Callum Keith Rennie: Genau, ist er vielleicht. Er läuft weiter. Er steckt Prügel ein, aber er kommt immer wieder.
Quelle:
Interview bei Galactica TV