Guten Abend allerseits!
Nachdem ich jetzt diverse Threads durchforstet habe, poste ich meinen Beitrag jetzt mal hier, weil der Titel noch am ehesten zu passen scheint. Wenn's nicht so ganz im Sinne des Erfinders ist, bitte nicht hauen (ich weiß, machst Du eh nicht

).
Erstmal kurz die Vorgeschichte: Das gestrige Erlebnis im Cylon occupied Cinema ("Kobols Last Gleaming") + die anschließende breitgefächerte Diskussion quer durch alle Sparten haben mein Hirn nämlich irgendwie bewogen, ganz merkwürdige Verknüpfungen herzustellen. Nämlich zwischen BSG und C.G. Jungs Synchronizitätstheorie. Uff. Kennt wahrscheinlich niemand, deshalb mal ganz kurz, wie ich darauf und zu Jung gekommen bin. Es gibt ein sehr schönes Police-Album namens "Synchronicity" (sollte man sich wirklich zulegen, aber das gehört wohl in einen anderen Thread

) Naja, jedenfalls basiert der Titel sowie der der Songs "Synchronicity I" und "S.II" auf Jungs Theorie. Weshalb ich als fanatischer Fan mich zu Jugendzeiten auch mal kurz damit befasst habe (und dann später gezwungenermaßen im Studium).
Wie auch immer: Jung geht davon aus, dass zwei Ereignisse im Universum nicht nur durch eine Kausalbeziehung verknüpft sein können (Ursache-Wirkungs-Prinzip). Seiner Ansicht nach gibt es daneben noch das Prinzip der Synchronizität. Zwei Ereignisse stehen in keinem kausalen Zusammenhang, sind aber trotzdem durch einen gemeinsamen, zu Grunde liegenden Sinn verbunden. Ein Ereignis kann dabei eher der "inneren Welt" zugeordnet werden (spontaner Gedanke, Gefühl, Traum), eines eher der "äußeren Welt". Ein inneres Geschehen findet quasi eine äußere Repräsentation.
Ein Beispiel aus "Synchronicity II":
Ereignis 1: Ein desillusionierter Familienvater quält sich jeden Tag durch eine familiäre Hölle und Erniedrigungen im Job, ist aber unfähig, gegen diesen Zustand anzukämpfen oder ihn auch nur zu verbalisieren. Sein Verhalten wird zunehmend apatischer.
Ereignis 2: Aus einem schottischen See kriecht ein furchterregendes Ungeheuer (Nessie???

) und wird zur Bedrohung für die zivilisierte Welt (hier: cottage am Ufer)
Zwei scheinbar zusammenhanglose Ereignisse, allerdings kann das Ungeheuer auch als Sinnbild für die unterdrückten Gefühle des Mannes interpetiert werden.
Die lyrics findet Ihr hier (und den Beweis dafür, was für ein toller Texter Sting ist/war

):
Synchronicity II - lyrics
Ein eher phantastisches Beispiel

Synchronizitäten hat aber schon jeder mal irgendwie erlebt, z.B. man denkt an einen bestimmten Menschen und dieser ruft einen im nächsten Augenblick an. Oder (selbst passiert): Ich will mir ein bestimmtes Buch kaufen und bekomme es geschenkt. Na gut, es könnte auch sein, dass der Schenker mich einfach nur gut kennt
Mehr Infos und weitere schöne Beispiele findet Ihr hier. Sehr unheimlich finde ich die Geschichte zu Wolfgang Pauli.
Wikipedia-Eintrag zur Synchronizität
Natürlich kommt einem dabei leicht eine höhere Macht in den Sinn, die alles lenkt und steuert. Ein göttlicher Plan. Interessanterweise habe ich bei Jung aber nichts dergleichen gefunden.
Zum Schluss noch zurück auf Start, d.h. zu Synchronizitäten in BSG (wenn Ihr es bis hierhin geschafft habt

). Diese zeigen sich IMO z.B. in den Träumen/Visionen diverser Beteiligter, z.B. bei Roslin (Paradebeispiel

) siehe Schlangen, ihre Traumvision von Leoben, der Vision vom Opernhaus, die plötzlich Entsprechungen in der realen Welt finden. Auch sehr schön: Baltar (Six Degrees, Hand of God): Sein "Abfall vom Glauben", scheinbar zusammenhanglos der plötzliche Verdacht gegen ihn, der sich nach seiner Gottesbejahung genauso plötzlich wieder auflöst. Genauso sein willkürlicher Fingerzeig auf die Karte, der sich später als richtig erweist. Und natürlich: das Mandala. Kara zeichnet ein scheinbar willkürliches Muster, der Chief findet den Tempel of Five mit vielen Mandalas, die Supernova, der Maelstrom - unzusammenhängende Ereignisse, die merkwürdigerweise immer dieselbe Form widerspiegeln. Zumindest Head-Six tendiert ja dazu, das alles einer göttlichen Intervention zuzuschreiben, kann jedoch IMO auch als Synchronizität interpretiert werden.
Blöderweise entspricht das Beispiel von gestern Abend (Kobol II: Sharon auf dem Baseship, Lee auf der Colonial One) gar nicht so sehr Jungs Theorie vom "innen" und "außen". Hm. Letzlich nur ein Nebeneinander von zufälligen Ereignissen oder doch eine sinnhafte Verbindung? Lee stellt sich auf Roslins Seite, hält Tigh die Pistole an den Kopf und verrät seinen Vater. Ein symbolischer Dolchstoß. Boomer entdeckt ihre zylonische Natur, kehrt zurück - es folgt ein realer Dolchstoß (oder vielmehr Schuss in die Brust). Sie verrät ihren Ziehvater. Wobei man das hier noch ausweiten könnte als Verrat der Schöpfung (Cylon) am Schöpfer (Mensch). Adama ringt jedenfalls nach diesem beidseitigen Verrat seiner "Kinder" mit dem Tod.
Natürlich erscheint das alles sehr weit hergeholt. IMO ist diese Theorie auf der einen Seite sehr kritikanfällig. Hängen diese Ereignisse wirklich zusammen? Oder handelt es sich einfach nur um seltsame Zufälle, in die im Nachhinein ein Sinn hineininterpretiert wird. Andererseits ist der Gedanke, dass alles in der Welt irgendwie miteinander in Verbindung steht und dass diese Verbindungen über die Synchronizität von Ereignissen sichtbar werden, ziemlich spannend.
@Pedda: We call it Voigt-Kampff.

Du scheinst ja doch was für "Blade Runner" übrig zu haben

.