Caprica-City-Forum: Battlestar Academica - Caprica-City-Forum

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Battlestar Academica
Wissenschaftliches und Philosophisches zu BSG

#1 Mitglied ist offline   Victim-Boomers Revenge 

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07. Januar 2008 um 17:39 Uhr

Endlich - nach einem guten halben Jahr habe ich es nun doch noch geschafft, diesen (von mir schon länger geplanten) thread zu eröffnen. Nun ja, gut Ding will Weile haben...

Worum soll es hier gehen? Meine Idee ist, diverse Links, Texte, Ideen und Hinweise zu / auf wissenschaftliche(n) und /oder philosophische(n) Auseinandersetzungen mit "Battlestar Galactica" in diesem thread zu versammeln und zu diskutieren (ob eigenes Material oder von Anderen, ist egal - Aber bitte eventuelle Copyrights nicht verletzen). Also, bisher in der Brig eingesperrte academic nerds, Theorie-verrückte Frakheads, und poststrukturalistisch beeinflusste Colonial Warriors: Dies ist der thread speziell für Euch!!! :ninja:
Falls jemand aber andere/weiterführende Ideen hat: gerne posten...I would be delighted to be reading from you.

Da es (meines Wissens nach) in deutscher Sprache noch nicht allzu viele Abhandlungen / akademische Texte zu BSG gibt, wird dies hier (vorerst?) notgedrungen vor Allem auf englischsprachig verfasstes Material verweisen. Das liegt jedoch nicht an mir, sondern eben am bisherigen Mangel an deutschen Publikationen.

Ach so: Wer Probleme mit so genannter "academic speech" hat, könnte hier unter Umständen falsch sein... Oder anders ausgedrückt: Dies ist nicht der richtige Ort, um sich über Ausdrücke wie "inkriminiert" zu beschweren oder Postende darum zu ersuchen, doch bitte wieder "normal" (was immer das auch sein mag) zu reden / zu schreiben. :blink: Was nun anderer Seits aber auch nicht heissen soll, sich so umständlich als möglich auszudrücken - der Gebrauch von Fachwörtern und nicht immer Allen bekannten Idiomen ist nur manchmal nicht zu vermeiden.

Und nun: Wünsche ich uns Allen viel Vergnügen, und hoffentlich interessante Diskussionen.

Ich fang' dann auch gleich mal an, und verlinke zur neuesten Ausgabe des Online-Magazins/-Forums "Flow TV" (kritische www-Plattform zu Fernseh- und Medienkultur des Department of Radio, Television, and Film at the University of Texas, Austin) die sich mit "BSG" befasst. Ihr findet dort diverse Texte und Essays zu Repräsentationen von Technologie und ihrer Bedeutung für Kultur im Kontext der Serie, der Bedeutung und Kontextualisierung von BSG den Wandel der Medienlandschaft betreffend, zu Fan Fiction (auch zum Battlestar Wiki), sowie ein von Julie Levin Russo geführtes, sehr interessantes Interview mit Mary McDonnell.

Edit: Ein Paper von Shira Chess zum Thema "Battlestar Galactica and the Technoqueer", welches sich mit der Frage nicht-normativer Reproduktionstechniken bei "BSG" und "The L-Word" befasst, lässt sich hier finden.
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#2 Mitglied ist offline   Victim-Boomers Revenge 

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08. Januar 2008 um 16:57 Uhr

So - dieser thread hier wird wohl mein ganz persönliches Äquivalent zu xshrekx' "BSG Roleplaying Game"- und peddas "BSG Comics"-threads werden, jeden Falls was das "Lonesome Posten" anbelangt. Ich bitte deshalb die Admins um Nachsicht, aber da sich die Topics des ersten und dieses zweiten Postings doch sehr unterscheiden, habe ich ausnahmsweise mal doppel gepostet. Wollte ausserdem auch den ersten Post nicht zu sehr mit Text und Links vollstopfen/überladen.

Die wunderbare Julie Levin Russo :ninja: hat auf ihrem Online-Livejournal namens "cyborganize" diverse Materialien / Texte zu "BSG" (Link führt zur Übersicht der einzelnen Postings) eingestellt, unter Anderem auch die (downloadbaren) podcast-Aufzeichnungen der Lectures des "BSG"-Panels einer "Media in Transistion 5" betitelten Conference am Massachusetts Institue of Technology vom April letzten Jahres (Panel-Bericht zu "Remixing 'BSG'). Ausserdem dokumentiert sie dort auch die Vorbereitungen zu und die fortlaufende Arbeit an ihrer Diss(ertation), inclusive Postings einzelner Textteile, die sich ebenfalls mit "BSG" und den Problemen/Überlappungen/Konfrontationen von "offiziellen" und fanproduzierten Texten auseinandersetzt.

Off-Topic: Julies unglaublich lustige (da zusammen mit einer ganzen Horde Kuscheltiere gehaltene :blink: ) und zugleich auch kritische Vlogs zu "BSG" seien Euch hiermit ebenfalls ans Herz gelegt.
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#3 Mitglied ist offline   xshrekx 

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08. Januar 2008 um 18:40 Uhr

Du warst ja auch einer der ersten, die in "meinem" Thread gepostet haben, also mach ich mir mal an "deinem" zu schaffen *g*

Victim-Boomers Revenge, on 07.01.2008, 17:39, said:

Ich fang' dann auch gleich mal an, und verlinke zur neuesten Ausgabe des Online-Magazins/-Forums "Flow TV" (kritische www-Plattform zu Fernseh- und Medienkultur des Department of Radio, Television, and Film at the University of Texas, Austin) die sich mit "BSG" befasst.
[...]

Hiervon hab ich auch einen kleinen Newsbeitrag rumliegen, der kommt wohl noch im Laufe der Woche.
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#4 Mitglied ist offline   Lt.Angela Christian 

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09. Januar 2008 um 23:21 Uhr

Ich habe eine Hausarbeit über KI geschrieben und die Frage behandelt, ob Maschinen "Geist" haben können. Ist wirklich akademisch abgesichert :ninja: , falls jemand Interesse daran hat, die Wahrheit hierüber abseits von SCIFISerien/Filmen zu lesen.

Kann auch ein Buch empfehlen : Künstliche Intelligenz - Philosophische Probleme, Reclam > recht anspruchsvoll für Nerds (wie mich) :blink:
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#5 Mitglied ist offline   xshrekx 

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12. Januar 2008 um 15:47 Uhr


Wissenschaftler über "Battlestar Galactica" - Online


von Mirco Neubauer (xshrekx) und René Kissien (Lex) | 12.01.2008

Das "Battlestar Galactica" auch Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten sein kann, konnten Sie auch in unserem Forum das eine oder andere mal verfolgen.

Prof. Lynne Joyrich[ von der Brown University in Rhode Island, USA hat bei FlowTV eine Sammlung von acht Arbeiten zum Thema "Battlestar Galactica" veröffentlicht.



Die Artikel befassen sich unter anderem mit den "Paradoxen der Geschichte und Technologie in 'Battlestar Galactica'", Geschlechterrollen bei der "Battlestar Galactica"-Wiki, den sechs Müttern von Hera und der Interaktion von Fans und Produzenten.

Außerdem gibt es auch ein ausführliches Interview mit Mary McDonnell, der Darstellerin der Präsidentin Laura Roslin, an dessen Übersetzung wir bereits arbeiten.

Prof. Joyrich hat die Einleitung zu den Arbeiten beigesteuert: "Wie wurde die Kult-Fernsehserie 'Battlestar Galactica' erdacht, gemacht und wieder gemacht? Eine Einführung zu den Fragen der Textualität, Geschichtlichkeit und Zukünftigkeit, Produktion und Wahrnehmung, Liebe und Aggression, die in dieser Sonderausgabe angesprochen werden."
Sie befasst sich unter anderem mit Geschlechterstudien und Feminismus- und Homosexualitätstheorie.

FlowTV sieht sich als Forum für Wissenschaftler und Studenten und will eine Plattform zur Diskussion über die Medien bieten. Die Webseite ist ein Projekt der Univerity of Texas.
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#6 Mitglied ist offline   Victim-Boomers Revenge 

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24. Januar 2008 um 16:42 Uhr

Hab' während der Recherche-Arbeit für meinen (nun ja leider doch ausgefallenen) Vortrag zu gender und sexualities bei "BSG" noch was Interessantes gefunden - Ein Artikel bei FlowTV zur Rassialisierung von Louanne "Kat" Katraine - der auch Eingang in mein Lecture-Script gefunden hat (welches sich ohnehin auch sehr stark mit der Figur von Kat auseinandergesetzt hat - nicht nur, aber gerade auch in ihrer Beziehung zu Starbuck).
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#7 Mitglied ist offline   Pedda 

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  12. Februar 2008 um 17:47 Uhr

Victim-Boomers Revenge, on 08.01.2008, 16:57, said:

Julies unglaublich lustige (da zusammen mit einer ganzen Horde Kuscheltiere gehaltene  :D ) und zugleich auch kritische Vlogs zu "BSG" seien Euch hiermit ebenfalls ans Herz gelegt.

Aaah... hinter cyborganize steckt also jene Wissenschaftlerin, die letztes Jahr Mary McDonnell sehr ausführlich für Flow TV interviewt hatte. Immer wieder erstaunlich, wie klein die Welt des BSG-Fandoms ist, man begegnet sich immer wieder. :D

Von dem Videoblog habe ich nur einen Teil der Ausgabe zu "The Passage" gesehen. Die fand ich wegen der schrägen Präsentation und der Kat/Kara-Spekulationen sehr unterhaltsam. Auch Luciana "Kat" Carro ist übrigens mal über dieses Video gestolpert, ihr gefielen vor allem die neckischen Zeichnungen.



Den meisten Beobachtungen und Einschätzungen kann ich durchaus zustimmen, es mangelt ja z.B. in der Tat an homosexuellen Beziehungen in der Serie. Prinzipiell hätte ich natürlich nichts gegen ein lesbisches Kat-Pairing.

Aber wäre es so eine gute Idee gewesen, ausgerechnet in dieser Folge anstelle von Kat/Enzo die erste Beziehung dieser Art zu zeigen? Dann hätte sich vor dem Hintergrund der niederen Absichten der Person aus Kats Vergangenheit doch sicher wieder jemand (zu Recht oder zu Unrecht) über die negative Darstellung von Homosexualität beschwert.
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#8 Mitglied ist offline   Ninive 

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23. Juni 2008 um 21:03 Uhr

Guten Abend allerseits!

Nachdem ich jetzt diverse Threads durchforstet habe, poste ich meinen Beitrag jetzt mal hier, weil der Titel noch am ehesten zu passen scheint. Wenn's nicht so ganz im Sinne des Erfinders ist, bitte nicht hauen (ich weiß, machst Du eh nicht ;) ).

Erstmal kurz die Vorgeschichte: Das gestrige Erlebnis im Cylon occupied Cinema ("Kobols Last Gleaming") + die anschließende breitgefächerte Diskussion quer durch alle Sparten haben mein Hirn nämlich irgendwie bewogen, ganz merkwürdige Verknüpfungen herzustellen. Nämlich zwischen BSG und C.G. Jungs Synchronizitätstheorie. Uff. Kennt wahrscheinlich niemand, deshalb mal ganz kurz, wie ich darauf und zu Jung gekommen bin. Es gibt ein sehr schönes Police-Album namens "Synchronicity" (sollte man sich wirklich zulegen, aber das gehört wohl in einen anderen Thread :( ) Naja, jedenfalls basiert der Titel sowie der der Songs "Synchronicity I" und "S.II" auf Jungs Theorie. Weshalb ich als fanatischer Fan mich zu Jugendzeiten auch mal kurz damit befasst habe (und dann später gezwungenermaßen im Studium).

Wie auch immer: Jung geht davon aus, dass zwei Ereignisse im Universum nicht nur durch eine Kausalbeziehung verknüpft sein können (Ursache-Wirkungs-Prinzip). Seiner Ansicht nach gibt es daneben noch das Prinzip der Synchronizität. Zwei Ereignisse stehen in keinem kausalen Zusammenhang, sind aber trotzdem durch einen gemeinsamen, zu Grunde liegenden Sinn verbunden. Ein Ereignis kann dabei eher der "inneren Welt" zugeordnet werden (spontaner Gedanke, Gefühl, Traum), eines eher der "äußeren Welt". Ein inneres Geschehen findet quasi eine äußere Repräsentation.

Ein Beispiel aus "Synchronicity II":
Ereignis 1: Ein desillusionierter Familienvater quält sich jeden Tag durch eine familiäre Hölle und Erniedrigungen im Job, ist aber unfähig, gegen diesen Zustand anzukämpfen oder ihn auch nur zu verbalisieren. Sein Verhalten wird zunehmend apatischer.
Ereignis 2: Aus einem schottischen See kriecht ein furchterregendes Ungeheuer (Nessie??? ;)) und wird zur Bedrohung für die zivilisierte Welt (hier: cottage am Ufer)
Zwei scheinbar zusammenhanglose Ereignisse, allerdings kann das Ungeheuer auch als Sinnbild für die unterdrückten Gefühle des Mannes interpetiert werden.
Die lyrics findet Ihr hier (und den Beweis dafür, was für ein toller Texter Sting ist/war :lol: ):

Synchronicity II - lyrics

Ein eher phantastisches Beispiel :dafuer: Synchronizitäten hat aber schon jeder mal irgendwie erlebt, z.B. man denkt an einen bestimmten Menschen und dieser ruft einen im nächsten Augenblick an. Oder (selbst passiert): Ich will mir ein bestimmtes Buch kaufen und bekomme es geschenkt. Na gut, es könnte auch sein, dass der Schenker mich einfach nur gut kennt :)

Mehr Infos und weitere schöne Beispiele findet Ihr hier. Sehr unheimlich finde ich die Geschichte zu Wolfgang Pauli.

Wikipedia-Eintrag zur Synchronizität

Natürlich kommt einem dabei leicht eine höhere Macht in den Sinn, die alles lenkt und steuert. Ein göttlicher Plan. Interessanterweise habe ich bei Jung aber nichts dergleichen gefunden.

Zum Schluss noch zurück auf Start, d.h. zu Synchronizitäten in BSG (wenn Ihr es bis hierhin geschafft habt :)). Diese zeigen sich IMO z.B. in den Träumen/Visionen diverser Beteiligter, z.B. bei Roslin (Paradebeispiel :P) siehe Schlangen, ihre Traumvision von Leoben, der Vision vom Opernhaus, die plötzlich Entsprechungen in der realen Welt finden. Auch sehr schön: Baltar (Six Degrees, Hand of God): Sein "Abfall vom Glauben", scheinbar zusammenhanglos der plötzliche Verdacht gegen ihn, der sich nach seiner Gottesbejahung genauso plötzlich wieder auflöst. Genauso sein willkürlicher Fingerzeig auf die Karte, der sich später als richtig erweist. Und natürlich: das Mandala. Kara zeichnet ein scheinbar willkürliches Muster, der Chief findet den Tempel of Five mit vielen Mandalas, die Supernova, der Maelstrom - unzusammenhängende Ereignisse, die merkwürdigerweise immer dieselbe Form widerspiegeln. Zumindest Head-Six tendiert ja dazu, das alles einer göttlichen Intervention zuzuschreiben, kann jedoch IMO auch als Synchronizität interpretiert werden.

Blöderweise entspricht das Beispiel von gestern Abend (Kobol II: Sharon auf dem Baseship, Lee auf der Colonial One) gar nicht so sehr Jungs Theorie vom "innen" und "außen". Hm. Letzlich nur ein Nebeneinander von zufälligen Ereignissen oder doch eine sinnhafte Verbindung? Lee stellt sich auf Roslins Seite, hält Tigh die Pistole an den Kopf und verrät seinen Vater. Ein symbolischer Dolchstoß. Boomer entdeckt ihre zylonische Natur, kehrt zurück - es folgt ein realer Dolchstoß (oder vielmehr Schuss in die Brust). Sie verrät ihren Ziehvater. Wobei man das hier noch ausweiten könnte als Verrat der Schöpfung (Cylon) am Schöpfer (Mensch). Adama ringt jedenfalls nach diesem beidseitigen Verrat seiner "Kinder" mit dem Tod.

Natürlich erscheint das alles sehr weit hergeholt. IMO ist diese Theorie auf der einen Seite sehr kritikanfällig. Hängen diese Ereignisse wirklich zusammen? Oder handelt es sich einfach nur um seltsame Zufälle, in die im Nachhinein ein Sinn hineininterpretiert wird. Andererseits ist der Gedanke, dass alles in der Welt irgendwie miteinander in Verbindung steht und dass diese Verbindungen über die Synchronizität von Ereignissen sichtbar werden, ziemlich spannend.

@Pedda: We call it Voigt-Kampff. :D Du scheinst ja doch was für "Blade Runner" übrig zu haben B) .
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#9 Mitglied ist offline   Silverado 

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24. Juni 2008 um 09:46 Uhr

Beitrag anzeigenNinive, on 23.06.2008, 22:03, said:

C.G. Jungs Synchronizitätstheorie. Uff. Kennt wahrscheinlich niemand

"Niemand" würde ich nicht sagen, aber ich kannte sie tatsächlich bislang nicht. :(

Zitat

Jung geht davon aus, dass zwei Ereignisse im Universum nicht nur durch eine Kausalbeziehung verknüpft sein können (Ursache-Wirkungs-Prinzip). Seiner Ansicht nach gibt es daneben noch das Prinzip der Synchronizität. Zwei Ereignisse stehen in keinem kausalen Zusammenhang, sind aber trotzdem durch einen gemeinsamen, zu Grunde liegenden Sinn verbunden. Ein Ereignis kann dabei eher der "inneren Welt" zugeordnet werden (spontaner Gedanke, Gefühl, Traum), eines eher der "äußeren Welt". Ein inneres Geschehen findet quasi eine äußere Repräsentation. [...] Zwei scheinbar zusammenhanglose Ereignisse, allerdings kann das Ungeheuer auch als Sinnbild für die unterdrückten Gefühle des Mannes interpetiert werden. [...] Synchronizitäten hat aber schon jeder mal irgendwie erlebt, z.B. man denkt an einen bestimmten Menschen und dieser ruft einen im nächsten Augenblick an. Oder (selbst passiert): Ich will mir ein bestimmtes Buch kaufen und bekomme es geschenkt.

Verstehe ich das richtig? Die Idealisten konstruieren einen Zusammenhang zwischen Geist und Materie, indem sie letztere zu einer Hervorbringung des ersteren machen. Die Materialisten gehen den umgekehrten Weg und erklären den Geist zur Hervorbringung der Materie. In beiden Fällen wird also die Einheit von Innen und Außen hergestellt, indem das eine das andere hervorbringe. Jung lässt nun beides einfach nebeneinander stehen und erklärt es "irgendwie" als synchron, sozusagen als verschiedene Anschauungsformen des gleichen Sinnzusammenhangs, so wie das Phänomen Licht je nach verwendeter Untersuchungsmethode mal als Welle und mal als Teilchen erscheint? Wobei jedes Phänomen für sich genommen einer eigenen, unabhängigen Kausalitätskette folgt?

Zitat

Natürlich kommt einem dabei leicht eine höhere Macht in den Sinn, die alles lenkt und steuert. Ein göttlicher Plan.

Oder die Idee, dass es sich um Zufälle handelt, die subjektiv be-deutet werden.

Er riß theatralisch die Flügel auf, bat uns hinauszuschauen und zeigte uns in der Ferne, an der Ecke
zwischen der Seitenstraße und der Allee, einen hölzernen Kiosk, in dem vermutlich die Lose der
staatlichen Lotterie verkauft wurden.
»Sehen Sie jenen Kiosk dort«, sagte er. »Ich lade Sie ein, nachher hinzugeben und ihn zu vermessen.
Sie werden sehen, daß die Breite des Bodens 149 Zentimeter beträgt, also ein Hundertmilliardstel der
Entfernung von der Erde zur Sonne. Die Höhe der Rückwand geteilt durch die Breite des Fensters
ergibt 176 : 56 = 3,14, die Zahl π. Die vordere Höhe beträgt 19 Dezimeter, soviel wie die Zahl der
Jahre des griechischen Mondzyklus. Die Summe der Höhen der beiden vorderen und der beiden
hinteren Kanten macht 190 x 2 + 176 x 2 = 732, das Datum der Schlacht von Poitiers. Die Dicke des
Bodens beträgt 3,10 Zentimeter und die Breite des Fensterrahmens 8,8 Zentimeter. Ersetzt man die
Zahlen vor dem Komma durch die entsprechenden Buchstaben des Alphabets, so erhält man C10H8,
die Formel des Naphthalins.«
(Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel)

Wer suchet, der findet. Wenn man von einem verborgenen Sinnzusammenhang ausgeht, wenn die äußere Welt als symbolische Entsprechung der inneren unterstellt wird, dann lassen sich Zusammenhänge konstruieren.

Worauf stützt sich denn Jungs Synchronizitäts-Hypothese? Was ist es, das eine geheimnisvolle Beziehung zwischen "Innen" und "Außen" ermöglicht?

In dem von Dir angeführten Wikipedia-Artikel heißt es: "Jung und Pauli haben noch geahnt, dass dazu der Einbezug einer "raumzeitlosen Seinsform der Psyche" nötig wird. Dies führt auf das Problem der empirischen Beobachtungsmöglichkeit eines "Jenseits" nach dem Tod des Individuums, sowie von Inkarnationen aus diesem unus mundus."

Womit wir doch wieder bei Religion, Seele und übersinnlichem Raum sind.

Zitat

Synchronizitäten in BSG [...] zeigen sich IMO z.B. in den Träumen/Visionen diverser Beteiligter, z.B. bei Roslin (Paradebeispiel :)) siehe Schlangen, ihre Traumvision von Leoben, der Vision vom Opernhaus, die plötzlich Entsprechungen in der realen Welt finden. Auch sehr schön: Baltar (Six Degrees, Hand of God): Sein "Abfall vom Glauben", scheinbar zusammenhanglos der plötzliche Verdacht gegen ihn, der sich nach seiner Gottesbejahung genauso plötzlich wieder auflöst. [...] Zumindest Head-Six tendiert ja dazu, das alles einer göttlichen Intervention zuzuschreiben, kann jedoch IMO auch als Synchronizität interpretiert werden.


Womit Du gleich die Schwäche Deiner Theorie aufzeigst: Head-Six und überhaupt die Head-Figuren können von der Synchronizitäts-Hypothese nicht wirklich erklärt werden, oder? Und was ist mit der Nova, mit Karas Wiederauferstehung? Wir haben es mit einer Fülle von explizit religiösen Verweisen, Prophezeiungen, "Wundern" und dergleichen zu tun, die mehr sind als rätselhafte psychologische Entsprechungen. Wenn wir dort schon von einer wirkenden höheren Macht ausgehen können, warum dann nicht auch andere rätselhafte Phänomene gleich in den selben Kontext stellen? Zumal sie sich deutlich aufeinander zu beziehen scheinen.

Vielleicht könnte man mit Synchronizität noch "erklären", wie die Träume und Visionen funktionieren, aber ich sehe darin jetzt erst einmal kein Erkenntnispotential, das über D'Annas Oh, there's something beautiful... Miraculous, between life and death. aus Hero hinausgeht.

Zitat

Blöderweise entspricht das Beispiel von gestern Abend (Kobol II: Sharon auf dem Baseship, Lee auf der Colonial One) gar nicht so sehr Jungs Theorie vom "innen" und "außen". Hm. Letzlich nur ein Nebeneinander von zufälligen Ereignissen oder doch eine sinnhafte Verbindung? Lee stellt sich auf Roslins Seite, hält Tigh die Pistole an den Kopf und verrät seinen Vater. Ein symbolischer Dolchstoß. Boomer entdeckt ihre zylonische Natur, kehrt zurück - es folgt ein realer Dolchstoß (oder vielmehr Schuss in die Brust). Sie verrät ihren Ziehvater. Wobei man das hier noch ausweiten könnte als Verrat der Schöpfung (Cylon) am Schöpfer (Mensch). Adama ringt jedenfalls nach diesem beidseitigen Verrat seiner "Kinder" mit dem Tod.

Warum so kompliziert? Wir haben es hier mit Fiktion, also mit "gestalteter Wirklichkeit" zu tun, die sich ja gerade dadurch auszeichnet, Ereignisse so zu zeigen, dass sie sinnhaft miteinander verbunden sind, dass Bildfelder und Metaphern auftauchen, Entsprechungen von innen und außen.

Fast könnte man so gesehen sagen, Jungs Theorie "literarisiert" die Welt und sucht nach Entsprechungen, die ein rätselhafter "Autor" hervorbringt.

In Kobol wird Adama mit Variationen von Verrat konfrontiert: Die Präsidentin verrät ihn, Starbuck verrät ihn, sein Sohn verrät ihn, und dann - als er der scheinbar treuen Boomer danken will - "verrät" die ihn auch noch. (Wobei die Schüsse wohl kaum etwas damit zu tun haben dürften, dass Boomer ihre "zylonische Natur" entdeckt habe und womöglich sogar noch annehme; hier drückt ihr hidden protocol ab, nicht sie).
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#10 Mitglied ist offline   Victim-Boomers Revenge 

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24. Juni 2008 um 18:20 Uhr

Meine Antwort zu Thema "Synchronizität" muss ich leider auf nächste oder übernächste Woche verschieben, sorry... too much to do right now, als dass ich mich hier und jetzt und eingehender damit auseinander setzen könnte. Kommt aber definitiv noch was dazu, von meiner Seite aus.

Aber: Ich habe gerade hier (bitte die page ein wenig downscrollen) und hier auf "In Media Res" ein paar hochspannende Diskussionen zum Thema "Rassialisierung, Familien-Modelle sowie Menschen- und Büger_Innen-Rechte in 'Battlestar Galactica'" gefunden.
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#11 Mitglied ist offline   Ninive 

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29. Juni 2008 um 21:59 Uhr

@Silverado: Schöner Name übrigens, muss ich gleich an den Film mit Kevin Costner denken. Ist das der Ursprung?
Nun aber zum Thema, d.h. meiner Antwort auf Deinen Beitrag. War in der vergangenen Woche irgendwie leicht überlastet und hätte fast mein eigenes Monster generiert ... Zum Glück funktioniert das mit der Synchronizität dann doch nicht so gut :daggit:

Zitat

Verstehe ich das richtig? Die Idealisten konstruieren einen Zusammenhang zwischen Geist und Materie, indem sie letztere zu einer Hervorbringung des ersteren machen. Die Materialisten gehen den umgekehrten Weg und erklären den Geist zur Hervorbringung der Materie. In beiden Fällen wird also die Einheit von Innen und Außen hergestellt, indem das eine das andere hervorbringe. Jung lässt nun beides einfach nebeneinander stehen und erklärt es "irgendwie" als synchron, sozusagen als verschiedene Anschauungsformen des gleichen Sinnzusammenhangs, so wie das Phänomen Licht je nach verwendeter Untersuchungsmethode mal als Welle und mal als Teilchen erscheint? Wobei jedes Phänomen für sich genommen einer eigenen, unabhängigen Kausalitätskette folgt?


Richtig. Jung geht davon aus, dass sich ein inneres Geschehen, d.h. etwas eigentlich Ideelles, "veräußerlicht", also eine tatsächliche Auswirkung auf die materielle Welt hat. Insofern hättest Du mit Deiner Aussage, dass der Geist die Materie irgendwie beeinflusst, Recht.

Zitat

Worauf stützt sich denn Jungs Synchronizitäts-Hypothese? Was ist es, das eine geheimnisvolle Beziehung zwischen "Innen" und "Außen" ermöglicht?
... In dem von Dir angeführten Wikipedia-Artikel heißt es: "Jung und Pauli haben noch geahnt, dass dazu der Einbezug einer "raumzeitlosen Seinsform der Psyche" nötig wird. Dies führt auf das Problem der empirischen Beobachtungsmöglichkeit eines "Jenseits" nach dem Tod des Individuums, sowie von Inkarnationen aus diesem unus mundus." Womit wir doch wieder bei Religion, Seele und übersinnlichem Raum sind.


Ich bin kein Jung-Experte, versuche mich aber trotzdem mal an einer Erklärung. Jung war ein Schüler von Freud und hat von diesem die Theorie des Unbewussten übernommen. Allerdings hat er sie abgewandelt und unterscheidet zwischen einem persönlichen und einem kollektiven Unbewussten. Das persönliche Unbewusste schließt wie bei Freud die verdrängten Wünsche, Triebe usw. ein. Dazu gibt es für ihn aber noch das kollektive Unbewusste, psychische Grundstrukturen, die alle Menschen teilen. Er meint damit bestimmte Verhaltensmuster und Vorstellungsbilder, sogenannte Archetypen (oder Ideen, nach Platon :wub: ), die bei jedem unabhängig vom jeweiligen Kulturkreis vorhanden sind. Sozusagen einen kollektiven Erfahrungsschatz, der die individuelle Psyche beeinflusst. Dieser zeigt sich nach Jung aber nur in symbolischer Form, z.B. in Märchen, Mythen, Traumbildern. (Er vermischt hier IMO ein bisschen Biologie und Kulturwissenschaft, aber egal :lol:) Jedenfalls geht er davon aus, dass dieses kollektive Unterbewusste eine Art "Weltseele" oder "Weltgedächtnis" bildet, dass sich evolutionär entwickelt und weitervererbt wird. Durch dieses sind wir alle miteinander verbunden und alle unsere Handlungen und Gedanken stehen miteinander in Wechselwirkung, die inneren wie die äußeren.

Das erklärt jetzt aber auch nicht, wie z.B. unbelebte Objekte oder Tiere beeinflusst werden können. Siehe der Rosenkäfer, den es an der Fensterscheibe entschärft hat. Dieses Beispiel erscheint mir auch wie ein nachträgliches Hineinlesen einer Bedeutung, die im Ereignis selbst gar nicht vorhanden ist. Zwischen welchen Ereignissen ein Zusammenhang konstruiert wird, lässt deshalb wahrscheinlich wirklich eher Rückschlüsse auf den Geisteszustand des Beobachters zu als auf die Natur des Universums :daggit:

Bezüglich BSG (und Autor/"Gott" RDM :daggit:) :

Zitat

Warum so kompliziert? Wir haben es hier mit Fiktion, also mit "gestalteter Wirklichkeit" zu tun, die sich ja gerade dadurch auszeichnet, Ereignisse so zu zeigen, dass sie sinnhaft miteinander verbunden sind, dass Bildfelder und Metaphern auftauchen, Entsprechungen von innen und außen.


Die parallele Darstellung von Ereignissen ist ja in BSG ein beliebtes Stilmittel. Und natürlich handelt es sich um eine "gestaltete Wirklichkeit". Diese deutet aber an, dass ähnliche Parallelen auch im wirklichen Leben vorhanden sind. Plus Fragezeichen, woher diese kommen. Hm. Vielleicht wünsche ich mir auch unterbewusst (da war es wieder, das böse Wort), dass uns die Autoren mit dem ganzen religiösen Blabla nur auf eine falsche Fährte locken wollen und dass es für die ganzen mystischen Erscheinungen eine andere Erklärung gibt. Obwohl wir am Ende wahrscheinlich ganz ohne Erklärung bleiben werden. Was ja auch nicht unbedingt verkehrt wäre, weil man dann auch weiterhin so schöne Hypothesen aufstellen kann :daggit:
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#12 Mitglied ist offline   Victim-Boomers Revenge 

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13. Juli 2008 um 22:36 Uhr

Hab' noch zwei neue Fundstücke aufgetan... :daggit:

Eine Abhandlung zum Thema "Religion in 'Galactica'"...

...und - das wird Ninive sicherlich freuen - noch einen Essay zu Symbolismus und Synchronizität :lol: bei "BSG" (inclusive einigen Gedanken zu Leoben).
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#13 Mitglied ist offline   Ninive 

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14. Juli 2008 um 21:19 Uhr

Beitrag anzeigenVictim-Boomers Revenge, on 13.07.2008, 23:36, said:

Hab' noch zwei neue Fundstücke aufgetan... :daggit:
Eine Abhandlung zum Thema "Religion in 'Galactica'"...
...und - das wird Ninive sicherlich freuen - noch einen Essay zu Symbolismus und Synchronizität :daggit: bei "BSG" (inclusive einigen Gedanken zu Leoben).


Wow :daggit: Wenn das jetzt nicht der Beweis ist ... :lol:

Danke Dir! Lesen werde ich es aber erst in den nächsten Tagen. Mein Hirn ist im Augenblick leider in keiner Weise mehr aufnahmefähig, deshalb gibt's den penetranten Kommentar erst später.
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#14 Mitglied ist offline   Capricomus 

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28. Juli 2008 um 03:57 Uhr

Wenn ich eines in der gesamten Serie nicht verstehe dann das Thema Religion. Wie wir spätestens seit Revelations wissen stammt die Menschheit definitiv von der Erde, das wiederum bedeutet wie zum Teufel hat sich so eine Religion dort auf Kobol entwickeln können was ist mit dem Christentum, dem Judentum und den Islam passiert ? das kann meiner Meinung nach nicht sein das sie aufeinmal wieder an dei alten griechische und römischen Götter glauben und dan noch zu einem Zeitpunkt wo sie technologisch so weit fortgeschritten sind das solch ein Glaube unhaltbar ist, ich meine die meisten alten Götzen erklärten doch nur Naturphänomene und menschliche Eigenschaften und Gefühle wie z.B. der Kriegsgott Mars oder Aphrodite oder Apollo, die alle stehen nur für Dinge die die Menschen in den zwölf Kolonien viel besser wissen also verstehe ich das nicht wirklich, aber es is ja eigentlich viel weniger das, sondern wie schon zuvor angesprochen das nix von der Kultur der Erde übrig geblieben ist keine Sprachen auser das Englische und keinerlei Religion oder Kultur, nur irgend so ein Brei aus amerikanischer Lebensart und heidnischem Kult. :lol:



Wäre echt super wenn mir jemand dabei helfen könnte einen klaren Kopf zu fassen. :daggit: :daggit: :daggit: ................... :daggit:



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