Warum der Qualitätseinbruch in den letzten beiden Staffeln?
#1
25. Februar 2012 um 19:26 Uhr
Ich will jetzt keine Diskussion anfangen, ob BSG würdig zuende gebracht wurde - mir ist klar, dass es durchaus eine Gruppe von Leuten gibt die mit dem Ende einverstanden sind. Mich würde aber mal interessieren, wie die Fans, die mit meiner "Analyse" oben einigermaßen konform gehen, die Schuld für diesen Niedergang sehen? Was hat man später falsch gemacht, was anfangs richtig gemacht wurde? Wieso ist es gegen Ende nie mehr gelungen, gute "globale" Plot-Entwicklung mit einer eine spannenden Episoden-Story und handelnden Personen, die sich glaubwürdig ("in character") verhalten, zu kombinieren?
Ich stehe in dieser Hinsicht nämlich auf dem Schlauch. Offenbar hat man sich irgendwann entschlossen, die bis dahin eher vagen religiösen Elemente in den Vordergrund zu stellen - aber wieso (Einschaltquoten?)? Das Resultat ist nämlich eine völlig andere Serie. Auch ist mir klar, dass die fehlende Planung ihnen irgendwann in den Hintern getreten hat - z.B. hatten sie bis zur Besetzung von New Caprica erst 7 der angekündigten 12 Zylonen enttarnt, was der Auslöser für den ganzen Final Five-Unsinn war, der eine ganze Reihe von Problemen verursacht hat.
Aber reicht das als Erklärung für zwei qualitativ so unterschiedliche Serienhälften? Mir kommt es vor, als hätte man irgendwann nur noch unmotiviert beliebige Schockmomente (Starbucks Selbstmord und Wiederauferstehung, Athena erschießt Natalie, Boomers unsinnige Entführung von Hera) und vermeintlich optisch eindrucksvolle Bilder (diverse Visionen, Roslin mit Glatze) und Mystery-Rätsel aneinander gereiht. Wieso macht jemand so etwas, der es doch so offensichtlich besser kann?
#2
26. Februar 2012 um 15:53 Uhr
Vergangenes Wochenende habe ich dann endlich mal die vierte Staffel angesehen, allerdings ohne vorher nochmal die anderen gesehen zu haben. Eines kann ich allerdings mit Bestimmtheit sagen: zwar gab es in den ersten Staffeln hin und wieder mal Längen, aber ich habe mich niemals gelangweilt. Bei der vierten Staffel schwankte ich jedoch ständig zwischen Langeweile und Ärger hin und her.
Den Drehbuchschreibern ist wohl tatsächlich nichts mehr eingefallen. Plot, welcher Plot? Eine Aneinanderreihung von Szenen, mehr nicht. Unendlich viel religiöses Geschwafel, Beziehungs-Geschwafel, Hilfe-ich-bin-ein-Zylon-Geschwafel. Okay, es wurde endlich mal richtig deutlich, das die Flotte 1.) einer Militär-Diktatur untersteht und 2.) die ganze Zeit lediglich den Drogen-Visionen einer religiösen Fanatikerin hinterher fliegt, springt, was auch immer.
Liebe Drehbuchschreiber, es ist legitim und durchaus möglich, Hauptcharaktere sterben zu lassen (siehe z. B. "Das Lied von Eis und Feuer", "Das Spiel der Götter", "Harry Potter"). Aber nein, das traut man sich wohl nicht.
- Felix Gaeta. Den hat man erst umgebracht, als aus dem 'guten' Gaeta der 'böse' Gaeta geworden war. Was sollte dann bitte das von Helo eingeforderte Versprechen "lass nicht zu, das Cottle mein Bein amputiert"? Da habe ich fest mit aktiver Sterbehilfe gerechnet. Fehlanzeige.
- Laura Roslin. Man hätte sie spätestens in der Mitte der Staffel sterben lassen sollen (dann hätte ich auch nicht länger ihre selbstgefällige F***** ertragen müssen....). Aber nein, die todkranke Frau kann plötzlich wieder Sport treiben und sogar durch's halbe Schiff joggen.....WTF?!
- Starbuck. ARGH. AAAAARGHHHH. Starbuck ist ein Engel.
- Adama. Da ging ich im Finale doch tatsächlich davon aus, das dieser Mann, nachdem er Roslin im Tiefflug die Flamingos gezeigt hat, den Raptor mitsamt ihnen drin irgendwo zerschellen läßt. Aber nein, er fliegt in die Einöde und baut eine Blockhütte. Toll.
Überhaupt, das Finale. Hat es mir gefallen? Keine Ahnung. Zu dem Zeitpunkt war ich von der ganzen Staffel ohnehin schon dermaßen enttäuscht, das ich keine großen Erwartungen mehr hatte.
Ach ja, und die (mißlungene) Zylonen-Schwangerschaft, was sollte das? Und warum altert Baltar nicht und sieht 150.000 Jahre später immer noch so aus wie immer? Oder ist das sein Ur-Ur-Ur-Ur-Ahn, der nach zig Generationen wieder so aussieht wie der Stammvater? Sehr seltsam.
Und da machen wir uns unten im RPG Gedanken um 'Realismus' und führen zu dem Thema heiße Diskussionen.....
Ne, liebe Drehbuchschreiber, das war Murks. Sechs, setzen.
Edit:
Wieso, weshalb, warum die Qualität eingebrochen ist, ist mir völlig schnuppe. Mir darum Gedanken zu machen, fehlt mir die Zeit und die Lust. Aber immerhin war die Staffel bei Amazon massiv reduziert, wenigstens etwas.
#3
26. Februar 2012 um 16:59 Uhr
Korodny, on 25. Februar 2012 um 19:26 Uhr, said:
Ich würde den Punkt, an dem die Qualität gekippt ist, anders verorten. Klar, nach "Resurrection Ship" kamen ein paar schwächere Episoden. Aber so richtig schlecht waren eigentlich nur "Epiphanies" und "Sacrifice". Warum "Black Market" kollektiv so sehr gehaßt wird, kann ich bis heute nicht verstehen. Und der folgende Storyarc rund um die Präsidentenwahl und daraus resultierend das New-Caprica-Desaster ist in meinen Augen mit Pegasus/Resurrection Ship mehr als gleichauf. Kontinuierlich bergab ging's erst danach.
Warum und wieso? Da bin ich allerdings auch überfragt.
#4
26. Februar 2012 um 17:35 Uhr
Spaß beiseite, über den wirklichen Grund können wir nur spekulieren, aber ich war schon zu Anfangszeiten der Serie der Meinung, dass das gewählte Szenario recht eng abgesteckt ist und nicht Stoff für unzählige Folgen hergibt ohne Ermüdungserscheinungen und Wiederholungen aufzuweisen. Hinzu zähle ich noch RDMs Planungsarmut der Handlung (maximal 13 Folgen im Voraus), sodass das Autorenteam irgendwann vor der großen Ideensackgasse gestanden hat. Was macht man in so einer Situation? Man schaut sich im weiteren Fernsehprogramm um und bedient sich an dem, was gerade "in", mehr noch, was gerade ein Phänomen in der TV-Landschaft ist: Mystery.
Dann nimmt man die losen Mysteryteile (Roslins induzierte Visionen, Kobol, Headsix) aus der Anfangszeit, fügt immer weitere Elemente (FinalFive, Temple of Five, Starbucks Destiny etc.) hinzu und rührt mal kräftig um, erschafft so ein aberkompliziertes Mysterymonstrum, nur um zu merken, dass man dafür keine recht plausible Auflösung in petto hat. Aber das macht ja nichts, denn den Punkt kann man bis zum Ende der Serie aufschieben. Nur dann kommt irgendwann (bei manchen Zuschauern eher bei manchen später) der große Knall, an dem die Magie verpufft. Ich nehme es RDM und Co. bis heute nicht ab, dass man von Anfang an auf ein solches Ende, bei dem selbst ganze Figuren ihrer Charakterentwicklung und Selbstbestimmung beraubt werden, hingearbeitet hat. Ganz zu schweigen in der 4. Staffel eine mystery-driven Show zu haben und dann zu behaupten "It was all about the characters".
Bei einer Serie, die auf einen kontinuierlichen Handlungsbogen und vor allem plastische Charakterentwicklungen setzt, kann man nicht nur einen wie auch immer gerarteten Endgedanken haben und den ganzen Wegt dahin, wie lang der auch immer sein mag, "on the fly" schreiben. Irgendwann ist mit Sicherheit der Punkt erreicht, in dem man sich in eine Sackgasse geschrieben hat, oder die Ideen aufgebraucht sind. Dann kann man sich nur noch mit billigen Tricks (WTF-Wendungen und Cliffhanger um ihrer selbst willen) helfen. Aber das ist nicht allein das Problem von BSG. Andere Serien wie Lost, Akte X oder Fringe sind da nicht besser. Solange sich da nichts sendermäßig oder vom Produktionsprozess in der Fernsehlandschaft großartig ändert, wird sowas immer wieder vorkommen.
Davon abgesehen würde ich nicht behaupten, dass nach einem bestimmten Punkt der Serie nur noch Mist gekommen sei. Abseits der Auflsöung der Haupthandlung gibt es für mich auch in der 2. Hälfte der Serie noch etliche gute bis fantastische Folgen. Angefangen vom New-Caprica-Arc über Baltars-Gerichtsprozess, hin zur Entdeckung der Zylonen-Erde (auch wenns rückblickend an Verarschung grenzt) und der aus meiner Sicht starken letzten Hälfte der 4. Staffel, ausgenommen "Deadlock" und der Gaga-Auflösung des Finales selbst. Ja, auch den Meutereidreiteiler fand ich trotz Logikschwächen und plumper Message gut.
Mit der Serie habe ich meinen Frieden gemacht. Ich kann sie mir gut unter Ausblendung mancher Aussagen und Handlungen anschauen (hypocrite much). Selbiges gilt für Caprica. Die Entstehung der Zylonen ist ebenfalls komplizierter, aber unterhaltsamer Schwachsinn³ mit höherer Intervention. Falls Blood&Chrome noch kommen sollte, erwarte ich nichts anderes. Ob ich das noch brauche, steht auf einem anderen Blatt.
#5
26. Februar 2012 um 18:51 Uhr
Die Serie hat sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt. Genau wie die Figuren darin. Die Idee Menschen und Zylonen mittelfristig zusammenzuführen begann gegen Ende der zweiten Staffel. Daraus folgte dass die militärischen Interventionen immer weiter abnahmen und andere DInge in den Vordergrund rückten. Das mag nicht immer den großen Schauwert gehabt haben aber es war der einzig sinnvolle Weg. Dass sich ein einsamer schrottreifer Battlestar mit begrenzten Ressourcen an Munition und Manpower ohne Unterlass den Weg Richtung Erde freischiesst wäre mindestens genauso fragwürdig gewesen, wie der kritisierte Mysterypart. Ich würde damit konform gehen wenn man sagt dass BSG zwei große Teile hatte. Qualitätseinbruch? Ich weiss nicht. Die erste und zweite Staffel hatten auch ihre schlechten Folgen.
#6
26. Februar 2012 um 19:44 Uhr
Ritti, on 26. Februar 2012 um 18:51 Uhr, said:
Ich wollte wirklich nicht diskutieren, ob es diesen Qualitätseinbruch gab - das ist bereits tausend mal diskutiert worden, und es führt zu nichts. Ich wollte tatsächlich mit den Leuten seine Ursache diskutieren, die mir zustimmen dass er existiert.
Aber eines muss ich trotzdem anmerken:
Zitat
Das ist das Standard-Argument aller, die die zweite Hälfte der Serie mögen: "Euch war's doch nur zu wenig Krach-Bum!"
Natürlich war die Kooperation (eines Teils) der Zylonen und (eines Teils) der Menschen der einzig mögliche Schluß von BSG. Nur war das leider Dank der Mystery-Elemente in Staffel 3/4 keine bewusste Auseinandersetzung beider Seiten mit den Motiven und Sünden der jeweils anderen: So wie uns BSG die Geschichte erzählt, hat der liebe(?) Gott allen Beteiligten so lange Visionen, Engel, untote Viper-Piloten und absurde Zufälle um die Ohren gehauen bis sie quasi gezwungenermaßen eine Kooperation eingegangen sind.
#7
26. Februar 2012 um 20:17 Uhr
tubbacco, on 26. Februar 2012 um 17:35 Uhr, said:
Ich stimme dir in beiden Punkten vollkommen zu, aber m.E. kann das nicht die ganze Erklärung sein. Sie haben ja nicht einfach nur eine andere Geschichte erzählt, sie haben das m.E. auch zunehmend schlechter getan:
- In Razor, also zu Beginn von Season 4, erklärt Sharon die Anwesenheit der alten Zenturios mit ihrer Flucht zusammen mit dem ersten Hybriden - so seien sie "der Verschrottung entkommen". Am Ende der Staffel wird die Colony dann aber von Hunderten alten Zenturios verteidigt.
- "Starbuck muss sterben und wiederauferstehen - geiler Cliffhanger, geile Mystery. Das ist leider total out-of-character, aber dann lassen wir eben einen Engel auftauchen, der sie überredet".
- Sie bauen den Charakter Natalie über mehrere Folgen auf, nur um sie dann in einer völlig überflüssigen Szene von Athena erschießen zu lassen.
Das sind bloß Beispiele, mir fallen seitenweise solche Dinger ein, die alle irgendwie den Eindruck erwecken, als hätte plötzlich niemand mehr auch nur einen Tick mehr Energie aufgebraucht als nötig. Das gab es in den ersten Staffeln auch ("um einen Chrome-Job zu töten, brauchen wir diese Woche Munition der Sorte..."), aber in dieser Massierung?
Ich hatte irgendwo eine Bemerkung eines Autoren gelesen, der die Frage warum Helo nicht merkt dass er in 4.5 nicht mit seiner Frau sondern mit Boomer Sex hat, tatsächlich damit beantwortet, dass die Intention eigentlich gewesen sei dass er es doch zumindest ahnt es ihm aber egal sei. Häh? Der Kerl kann bis dahin unmöglich die selbe Serie gesehen haben wie ich.
Zitat
Klar, New Caprica. Aber in Crossroads muss ich gefühlte 30 Minuten einem lobotomierten Tigh zusehen, wie er die Musik im Schiff suchen geht und am Schluss werden mit Tigh und Tyrol zwei glaubwürdige und interessante Charaktere "ermordet" ("Haha, war alles nur Spaß - die sind in Wirklichkeit jemand ganz anderes"), das macht den ansonsten tatsächlich sehr guten Zweiteiler in meinen Augen kaputt.
Zitat
Uh, "starke Season 4.5"? Mutig
#8
26. Februar 2012 um 22:40 Uhr
Korodny, on 26. Februar 2012 um 20:17 Uhr, said:
...
Das sind bloß Beispiele, mir fallen seitenweise solche Dinger ein, die alle irgendwie den Eindruck erwecken, als hätte plötzlich niemand mehr auch nur einen Tick mehr Energie aufgebraucht als nötig. Das gab es in den ersten Staffeln auch ("um einen Chrome-Job zu töten, brauchen wir diese Woche Munition der Sorte..."), aber in dieser Massierung?
Die erste Hälfte der 4. Staffel ist wirklich eine Achterbahnfahrt aus vielen Tälern. Manchmal blitzen ein paar gute Gedanken auf, aber viel zu oft wirkt es, als ob einfach drauflos gewschrieben wurde, was dann bei solchen Plotdevices wie dem Hub extra mit Schild und zwei blinkenden roten Pfeilen "FTL. Hier schießen!" mündet. Ob da der Autorenstreik eine Rolle gespielt hat, wage ich nicht einzuschätzen. Zumindest musste BSG nach der 10. Folge erstmal ne Weile deswegen pausieren. Dass sich nun ein paar Figuren als Zylonen herausstellen, werte ich noch nicht mal negativ, da sich daraus viele gute Szenen ergeben könnten und konnten, wie diese Figuren mit der neuen Situation umgehen und wie ihre Umwelt darauf reagiert.
Korodny, on 26. Februar 2012 um 20:17 Uhr, said:
Dazu kann ich nichts sagen, außer dass "Mann" in solch einer Situation nicht nachgedacht hat und zu sehr mit seinem Trieb beschäftigt war um etwas zu merken. Von einem ganz anderen Kaliber war aber der Austausch der Achten. Das war einfach ungeschickt geschrieben. Warum nun (gefühlt) vermehrt Logikbrüche und dererlei Dinge in der 2. Hälfte der Serie auftreten, weiß ich nicht. Vielleicht war man nicht mehr so sorgfältig, vielleicht hat man sich durch die Zeit mit dem Projekt zu sehr darin verliebt, sodass man sowas gar nicht mehr sieht (passiert vielen Buchautoren die an Reihen und Zyklen arbeiten), vieleicht waren es auch äußere Umstände die interferriert haben (Sendervorgaben, Zeitmangel, zu viele Köche, die den brei verderben etc.). Mit Sicherheit können wir das nicht sagen und von der offiziellen Seite werden natürlich keine kritischen Stimmen laut.
Korodny, on 26. Februar 2012 um 20:17 Uhr, said:
Die Auflösung des Dreiteilers habe ich ja auch teilweise kritisiert. Da wurde viel Potential der Sendezeit geopfert und am Ende hat man es sich leicht gemacht. Trotzdem die Schlussszene ist bittersüß. Aber die Gründe für Gaetas handeln wurde vorher eigentlich schon deutlich (ok, durch die Webisoden "The Face of the Enemy" reichlich banal, aber was will man von Frau Espenson auch anderes erwarten). Auch mit dem Rest, abgesehen von den 2 Ausnahmen, habe ich keine großen Probleme. Ja, im Prinzip müsste ich den Mysteryhandlung den betreffenden Episoden anlasten, weil die Auflösung dieser im Finale nicht funktioniert, aber trotzdem funktioniert "Sometimes a great notion" für sich gesehen sehr gut, ist super atmosphärisch und cinematographisch ein kleines Meisterwerk. Auch die Erklärung zu den FF ist nach den Seriengesetzen in Ordnung und für BSG-Verhältnisse schon quasi logisch.
Also so eine wirklich klare Linie, ab da wo ich sagen kann, dass jetzt der Qualitätseinbruch stattfindet, kann ich nicht erkennen. Ich sehe höchstens Phasen, wo vermehrt lahme Folgen vorgekommen sind, aber die gabs auch schon in der 2. Hälfte der 2. Staffel. Ich sehe qualitative Mängel in der Auflösung und Entwicklung des Hauptplots, die natürlich umso offensichtlicher werden, je mehr wir im Plot voranschreiten, eben darum, weil man sich den Weg zum und das Ende nicht wirklich überlegt bzw. durchdacht hat. Ich sehe ein paar "Fillerfolgen", bei dem man den Ruf des Senders nach mehr Einzelfolgen zum Einsteigen für das Casualpublikum gerecht wurde, weil wohl die Quoten am Fallen waren.
Wenn ich nun wirklich konsequent wäre (und das bin ich nicht), müsste ich die Effekte der Aufösung im Finale bis an den Anfang der Serie zurückprojezieren und mir jeden Spaß am Sehen der Serie nehmen. Dann ist Headsix nicht nur eine Möglichkeit eines Messengers eines aktiv in die Handlung eingreifenden Gottes (ich bin kein Gottgegner, Gott in der Scifi als Naturkraft kann durchaus funktionieren), sondern ein Fakt und lässt die Figur Baltars zu einer fremdgesteuerten Puppe an Fäden mutieren, die keinerlei Charakterentwicklung durch eigene Entscheidungen trifft, sondern nach Strich und Faden solange manipuliert wird, bis sie die für die äußere Kraft richtige Entscheidung trifft. Möchte ich das mit Baltar so 4 Staffeln lang sehen? Nein, deswegen blende ich den Gaga-Plot aus und erfreue mich lieber an einer halbwahnsinnigen Figur, der Visionen von einer heißen Blonden im Kopf herumspuken und deren Gründe für ihre Existenz manigfaltig interpretierbar sind.
#9
05. März 2012 um 08:44 Uhr
Angmar, on 26. Februar 2012 um 15:53 Uhr, said:
Ähm.Liegt wahrscheinlich daran,dass es sich nicht um den "echten" Baltar handelt,sondern dass das der Baltar "Engel" sein soll,der Caprica 6 öfter´s mal erschienen ist.
Ebenso wie "sie" der Caprica "Engel" ist,der dem echten Baltar ständig erschien.Die beiden beobachten halt immer noch gerne das Ergebnis ihrer Bemühungen.Die lieben,viel besseren Mensch/Zylon Hybriden.
#10
20. Juni 2012 um 16:33 Uhr
Das sind in der Tat die "großen Fragen des Lebens". Und daran hat sich BSG schlicht verhoben. Sie haben die Fragen aufgeworfen und je weiter man in die dritte und vierte Staffel vordringt, um so klarer wird, dass man diese Fragen wird nicht beantworten können.
Aber ich seh das aus meiner Warte ja so: 40.000 Menschen, eingekertert in Blechdosen für 4 Jahre und mehr, in ständiger Angst und Clinch mit den Zylonen und am Ende auch ohne wirkliches Ziel. Da muss man ja einen an die Waffel kriegen. Und das stellt die Serie eigentlich gut dar.
Qualitätsverfall: Der Eindruck entsteht aus mehreren Faktoren.
1. Enthäuschende Auflösungen der aufgeworfenen Fragen (aber im Gegensatz zu Akte-X und Co. gibt es wenigstens Auflösungen, so unbefriedigend sie sind).
2. Der Verlust der "Leichtigkeit" der Serie, durch immer stärker werdenden bideren Ernst.
3. Zu viele Fragen, die gleichzeitig beackert wurden.
4. ... was dazu führte, dass man zum Schluss eigentlich gar nichts mehr verstand und froh war, dass es ein Ende hatte.
Ich persönlich wollte nach dem Mystery-Overkill der ersten Hälfte von Staffel 4 eigentlich nur noch ein Ende haben, dass auch wirklich ein Ende darstellt. Ich war demnach auch mit dem Finale sehr zufrieden, da es zumindest in weiten Teilen den gesamten Storytechnischen Rahmen abrundete. Man kam an, es war nicht die dreizehnte Kolonie, es war eine neue Erde für einen kompletten neuanfang. Man stelle sich nur mal vor, man hätte sich im Finale für ein 80s Galactica-Ende entschieden (*schüttel*).
Gestört hat mich:
1. Die Zylonen haben einen Plan... ? ??? ? ??? ja welchen denn? Menschen platt machen!
2. Die Final-Five sind keine Final-Five - es sind eigentlich die First-Five!
3. .. und die Sache mit dem totalen Gedächtnisverlust... *BIBBER*
4. Warum einen Oberbösewicht Cavil? Warum nur? Waruuuuuuuuuuuuuuummmmm.....? Zwar war er richtig schön evil, aber waruuuuum?
Es war für mich der allergrößte Fehler überhaupt!
Aber drehen wir die Sache doch mal um. Was war denn gut?
Ich fand gut dass:
1. Mensch und Maschine immer weiter auseinanderfielen. Die Menschen seelisch und moralisch, die Galactica in ihren Einzelteilen.
2. Die "Enge" und die Klaustrophobie, so wie die Ausweglosigkeit super dargestellt wurden, auch wenn das in manchen Episode zu einer deprimierenden Langeweile durch eine langweilige Deprimiertheit mündete.
3. Man sich nie vom Thema der griechischen Mythologie entfernt hat (bspw. die Taube im Finale). Wenns auch manchmal platt war.
Und nun zu (meiner) Begründung:
Das Serien-Aus von BSG war erst Mitte der dritten Staffel endgültig beschlossen. Nach der Vierten ists vorbei.
Schnell wurden alle Handlugsstränge zu gemacht. Die Sache mit der Meuterei musste noch "durch", die wollte man haben.
Schnell alles was man noch vor hat, in eine letzte Staffel "gepresst". Wie guter Wein hätten sich manche Dinge entfalten müssen.
Ich fand übrigens die Entdeckung der eingeäscherten Erde eine Superidee. Danach herrschte die totale Hoffnungslosigkeit. Leider aber auch bei den Drehbuchschreibern, denen danach bis zum imho furiosen Finale echt nix mehr einfiel. Aber gar nix! Wie wollte man aber auch die bisherige Serie noch toppen? Sie haben es erst gar nicht versucht.
Schon in der alten Serie gab es andeutungen, dass es Starbuck sein wird, der die Flotte auf die richtige Spur bringt. Leider wurde dies ja nie zuende gesponnen. Und dass im 80s Revival der Abgang von Starbuck, ein Abklatsch von Enemy Mine, gleich auch noch zu einer der imho stärksten Episoden der Serie wurde... Da wurde ebenso stark in die Mystery-Kiste gegriffen, aber ich schweife ab.
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