Caprica-City-Forum: Flashbacks - Caprica-City-Forum

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Flashbacks

#241 Mitglied ist offline   Rhayne Vasquez 

  • Crewman Recruit

  • Gruppe Vermisste
  • Beiträge 10
  • Beitritt 22.01.11
  • KoloniePicon



31. Januar 2011 um 22:15 Uhr

All – früher Mittag – 107. Tag

Rhayne war langweilig einfach verdammt Langweilig da in dieser Suppe die man Nebel nannte nichts aber auch wirklich garnichts passierte.
Sie warf wieder einen Blick auf ihr Dradis.Konnte aber nichts aussergewöhnliches Entdecken.
War ja Klar, wenn man beim fliegen zumindest schlafen könnte murrte sie leise in ihrem Kopf als erneut ihr Funkgerät knackte und Burner wieder zu hören war.
„Widow, Widow, Widow ... Noch nie den Spruch gehört, schlafende Daggits soll man nicht wecken? Also ich finde lieber ne stinklangweilige CAP, als uns hier zu zweit mit ner Staffel übellauniger Konservendosen rumzuärjern.“

Klar Opa du willst ja Lieber auf der Oma landen dachte sie wieder als dieser Kerl der grade 5 jahre älter war als sie sich aufführte als hätte er die Weisheit eingetrichtert bekommen

"Ich Kämpf lieber mit Knoserven als irgendwo gegenzufliegen weil ich eingeschlafen bin.Ich hab die Schlagzeile des Abschiedsbrief schon vor Augen.Wir müssen ihnen leider Mitteilen das Lt....bla bla tot ist weil sie sich zu blöd angestellt hat." gab sie die bissige Antwort auf dem internen Kanal zu Burner.
Ja die Langeweile schlug ihr definitv auf die Laune.
Danach schwieg sie und folgte Burners Führung während sie ihren Gedanken nach hing.

Knapp eine Stunde später

Gleich zu Hause und endlich diese lästige CAP vorbei dachte sie als sie zusammen mit Burner den äusseren Sicherheitsperimeter abgeflogen hatte da hörte sie wieder ihr Funkgerät.

„Na Widow was meinste, wenn Big Mama uns gleich wieder hat, wie wär es mit nem lecker Essen in der Messe .... uaaah, was zum?“

den Rest von Burners Funkspruch hatte sie garnicht mehr wahrgenommen als sie aus reflex die Viper in eine Fassrolle zog und dann nach unten wegstiess als das Shuttle sie beinahe gerammt hätte.

„Widow bist Du okay? Was war das denn für ein Zonk?“ kam auch schon Burners nun doch besorgte Stimme über den internen Funkkanal und Rhayne verzog missmutig das Gesicht.

"Was war das denn für ein Frakker, dämlicher Idiot" motze sie in den internen Funk, zumindest ein zeichen das es ihr gut ging.

"Rycon CAP 01 für das Shuttle der Independence kommen. Was sollte das denn grade für ein Manöver werden? Ihnen sollte man den Pilotenschein abnehmen, Sie sind ja gemeingefährlich ...“
konnte man Burner auf dem Flottenkanal hören und Rhayne musste bei der Wortwahl doch ein wenig grinsen.
Da geb ich dir recht fügte sie in Gedanken hinzu als der Pilot, offensichtlich eine Frau mit starkem Akzent endlich antwortete.
„Ähm ja ... tut ... tut mir Leid ... Irgendein Problem mit den Manövrierdüsen ... nit beabsichtigt.

Wenn meine Guns dich ausversehen abschiessen wars au nit bebasichtigt dachte Rhayne grimmig bei der laschen Ausrede.
Ja schon klar ... lassen sie das besser mal von einem ihrer Techniker nachsehen. Rycon CAP 01 Ende.“

„Was meinst Du Widow, manchen Frauen sollte man echt die Lizenz abnehmen oder?“ hörte sie Burner gleich kurz danach auf dem Internen Kanal und musste ihm leicht amüsiert zustimmen was diese Pilotin angeht.

"Naja Du geniesst das grade richtig das das ne Frau war oder?Aber ernsthaft das Manöver werd ich zukünftig als Toasterstyle in meinem Buch führen" antwortete sie nun leise Lachend bevor sie fort Fuhr.
"Komm Schon Burner ich hab gehört die Gondeln deiner Oma warten auf uns"

Dieser Beitrag wurde von Rhayne Vasquez bearbeitet: 31. Januar 2011 um 22:18 Uhr

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#242 Mitglied ist offline   Butch Styles 

  • Burner

  • Gruppe Gebannt
  • Beiträge 849
  • Beitritt 17.04.08
  • WohnortKassel
  • KolonieTauron



31. Januar 2011 um 23:08 Uhr

All – früher Mittag – 107. Tag

Widow hatte den Beinahe-Zusammenstoß ebenfalls unbeschadet überstanden, war sie doch auf dem privaten Kanal schon direkt wieder beim Meckern zu hören. Butch konnte sich ein Grinsen nicht verkneiffen. Solange sie meckern kann, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.

"Naja Du geniesst das grade richtig das das ne Frau war oder?Aber ernsthaft das Manöver werd ich zukünftig als Toasterstyle in meinem Buch führen ...“, die junge Piconerin schien sich prächtig zu amüsieren.

„Sicher Süße ... wo kämen wir denn da hin, wenn die Toaster mit den Kolonien auch noch das Chauvinistentum vernichtet hätten ... Bis zum letzten Atemzug werde ich dafür kämpfen.“ Es war Butch anzuhören, dass er sich nur schwer beherrschen konnte, nicht lauthals zu lachen.

„Komm Schon Burner ich hab gehört die Gondeln deiner Oma warten auf uns ..."
Jetzt konnte Butch sich ein entnervtes Stöhnen nicht mehr verkneiffen. Den schmiert sie mir jetzt bis ins Tartaros täglich aufs Brot.

Er zauberte sich ein Lächeln aufs Gesicht. „Hmmm ... so en Frakmist aber auch ... und dabei wollte ich vorher noch bei Big Mama vorbeischaun, nicht das die noch eifersüchtig wird.“

Butch tat so als er würde er einen Moment überlegen.

„Ich weiß ... wir schaun erst auf Big Mama vorbei, und schleichen uns nachher nochmal raus, um Oma zu besuchen. Okay?“

In diesem Moment zeigte das Dradis, dass sie sich dem Anflugbereich der Rycon näherten, so dass er seinen Funk umstellte um sein Sprüchlein aufzusagen.

„Rycon Control, Burner. Erbitte Landeerlaubnis für die CAP.“

Der LSO ließ nicht lange auf sich warten. „Burner, Rycon Control. Beide Maschinen freigegeben für Steuerbordausleger.“

„Burner bestätigt.“ Ein letztes Mal für diese Patrouille wechselte Butch die Frequenz. „Widow, hast Du es gehört? Big Mama hält uns die Türe auf.“

Er blickte ins Cockpit seiner Flügelfrau, und überließ ihr per Handzeichen den Vortritt. „Ladies first.“

Zufrieden lächelnd beobachtete er, wie Widow mit dem Anflug auf die obere Steuerbordlandebahn begann.“

War ja klar ... also darf ich die Rolle nochmal üben
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#243 Mitglied ist offline   Sally M. Wainwright 

  • Raptor Pilotin

  • Gruppe Vermisste
  • Beiträge 165
  • Beitritt 23.10.09
  • WohnortAhrensburg
  • KolonieVirgon



14. Februar 2011 um 13:43 Uhr

Im All - später Abend - 98. Tag

Sally Marlene Wainwright, Caroline Miller, Maybelline Jade, Tek Jameron

Achtung, sehr lang ;)
__________

Sally starrte den Captain an, als ob er aus dem Märchen wäre. Dann nickte sie langsam. Immerhin war er Captain und sie nur Ensign. Und dann mochte er ja recht haben. Die Toaster waren mordsstabil. Mussten es ja auch sein, so als Blechkameraden. Ein Mensch dagegen ging recht schnell kaputt. Aber weshalb sollte ein Mensch sich darauf einlassen, den Zylonen zu dienen? Das war doch eine loose-loose-Strategie. Oder hatte jemand Spaß daran, durch eine radioaktiv verstrahlte Welt zu taumeln? Lächerlich.

Und dann schien dieser Mensch da hinten ja gerettet werden zu wollen. Sie selber wäre auch heilfroh, wäre sie an dessen Stelle. Nein, hier lag der Captain eindeutig daneben. Aber er war Captain, also würde sie ihm gehorchen... erstmal. Also gab Sally ein wenig Schub und manövrierte ihren schweren Raptor näher heran.


Caroline sträubten sich auch die Nackenhaare. Aber aus einem ganz anderen Grund. SIE wusste von menschlichen Zylonen. Zumindest hatte sie davon gehört. Drei hatten sie gefunden. Und auch wenn sie noch nie einen von denen gesehen hatte, erschien ihr die Existenz von denen logisch. Es erklärte ja auch die Existenz der Zylonen als solches. Blechbüchsen konnten nicht kreativ sein, Menschen schon. Natürlich hatten Menschen schon immer hinter diesen Metalleimern gestanden. Schon immer. Nur jetzt waren sie auch mal in Erscheinung getreten. Und natürlich gab es nicht viele. Nur eine Handvoll Verräter, die immer wieder geklont wurden. Oder was auch immer - Caroline war das egal. Aber so einen zu erwischen... Da konnte man ihm endlich mal einbläuen, was man von diesem Angriff so hielt!
Ach, Caroline war eigentlich eine sehr friedfertige Person, aber das hier... das war eine Chance!

Zufrieden und gleichzeitig etwas böse grinsend achtete sie weiter auf ihre Instrumente, bereit, sofort eine Warnung abzugeben, sobald sich an Bord dieses Raiders irgendetwas tat. Energetisch oder mechanisch. Egal. Und sie zweifelte nicht, dass Sally das Teil dann in den Hades blasen würde.


Maybelline Jade hing ungesichert aber sich mit einer Hand festhaltend an der Außenhülle des toten Raiders. Mit der anderen Hand winkte sie weiter. Und sie hätte fast vor Erleichterung geheult, als der feindliche Raptor langsam näher kam. Immer näher, so dass sie zuletzt den Piloten durch das Frontfenster sehen konnte.

Sie machte sich bereit, mit einem kurzen Schwung zu dem anderen Schiff hinüber zu springen. Sobald die eine Luke öffnen würden...


Tek ging langsam und bedacht zum Fenster des Cockpits und stellte sich neben die Pilotin und musterte kurz die Gestalt die sich da festhielt. Der Anzug war recht eng und wies weibliche Formen auf. Langsam hob er seinen Helm so dass die fremde Gestalt es sehen musste. Mit einem Finger tippte er mit übertrieben großer Gestik damit sie es ja sehen konnte gegen das Mikroseines Helmes und zeigte dann die aktuelle Frequenz des Raptors mit Fingern. Er hoffte dass sie verstehen würde.
Immer wieder gingen ihm die Ungereimtheiten dieses merkwürdigen Treffens durch den Kopf. Irgendetwas stank da doch zum Himmel. Aber es gab zu wenig Infos als, dass er irgendwie errechnen oder erraten könnte was hier vor sich ging. Verdammt noch eins. Dann schaute er weiter starr auf die Person da draußen und horchte ob sie auf seine Anweisung reagieren würde...
Hoffentlich verstand sie es überhaupt.


Maybelline sah neben der Person, die wohl der Pilot des Schiffes dort war eine weitere Gestalt auftauchen, die dann sogar den Helm abnahm. Ein Mensch, ein Mann. Und er wirkte nicht böse oder ärgerlich. Sie war sehr froh und bemerkte er nach einigen Augenblicken, dass er auf seinem Helm herum tippte, so als ob er ihr eine Nachricht zukommen lassen wollte. Sie aktivierte kurz ihr eigenes Helmmikro und die Helmkamera und funkte dann den Centurion an.
"Centurion, kannst Du mir erklären, was der Mann dort von mir will?"

Die Antwort kam umgehend und in elektronisch modulierten Worten: "Es ist offensichtlich, dass dieser Mensch einen Kommunikation erwartet. Ein Scan der Frequenzen hier hat drei gebrauchte Kanäle ermittelt. Einer wird für Sprechfunk genutzt. Die Frequenz ist 144.25."

"Danke!" erwiderte May und schaltete dann ihren Helmfunk auf jene Frequenz.
"Hallo?" fragte sie dann. "Hört mich jemand..?"


"Hallo? Hört mich jemand..?" scholl es aus den Lautsprechern des Raptors.
Ein kurzer Blick auf die beiden Frauen in den Raumanzügen der Kolonialen Flotte zeigte ihm, dass wohl er reden sollte. Wenn nicht würden sie sich schon einmischen. Immerhin war er hier der misstrauische.

"Hier spricht Captain Tek Jameron an Bord eines Raptors der Kolonialflotte zugehörig zum Flottenhauptquartier Picon. Gemäß des Kriegsrechts der 12 Kolonien nehme ich an dass sie durch die Cylonen gefangen genommen worden. Bitte identifizieren sie sich und erklären sie wie... sie unseren Treffer überstehen konnten sowie warum die Cylonen sie gefangen haben. Ich hoffe sie verstehen das wir vorsichtig seien müssen."

Er sagte bewusst Flottenhauptquartier Picon. Sie würde darauf antworten in der ein oder anderen Weise was ihm den Vorteil geben würde zu wissen wie viel sie weiß. Durch die mehr oder weniger steife Art der Erklärung würde sie ebenfalls sehen dass sie es mit dem Militär zu tun hatte und es noch organisiert war. Gespannt wartete er auf eine Reaktion der Fremden und der beiden Frauen im Raptor.


Captain Tek Jameron... das war ein Millitär, wie er im Buche stand. Zumindest wenn man seinen Worten vertraute. Jeder Satz war eine Aussage. Keine Wärme war darin enthalten und das machte ihr Angst.

Jetzt musste sie etwas antworten. Aber was? Wenn die Menschen sie als Feind ansahen, würden sie sie sofort niederschießen ohne ihr die Chance zu geben, sich zu ergeben. Aber dazu müsste sie lügen und das würde nach ihrer Enttarnung sicher gegen sie sprechen. Dennoch...
"Ich... ich weiss überhaupt nicht, was hier vor sich geht, wer Sie sind und wo ich hier bin. Bitte, holt mich hier einfach nur weg. Mein... mein Name ist Jade. Maybelline Jade. Ich komme von..."


Was immer sie noch hatte sie sagen wollen ging in lautem Gelächter unter. Und es dauerte Sekunden, ehe Sally sich wieder eingekriegt hatte. Caroline dagegen hatte riesige Augen bekommen.


Leicht runzelte Tek die Stirn bei der Aussage der Fremden. Sie wusste nicht wo sie war oder wer er war. Ja klar woher auch. Aber der Rest. Es wirkte zu perfekt. Warum sollten die Toaster sie unter einer Narkose oder so gehalten haben. Sie war offensichtlich keine Militär. Ärgerlich schaute Tek zu Sally als diese in ein schallendes Gelächter ausbrach.

"Soldatin... wurde ein Witz gerissen?"

Ohne noch auf eine Antwort Sallys zu warten schaute er kurz zu Caroline herüber ihre aufgerissenen Augen bemerkend.

"Wenn sie etwas wissen... raus damit solange ich mit der Frau draußen rede."

Dann wandte Tek sich wieder dem Fenster zu und begann wieder in das Mikro zu reden.

"Miss Jade... Sie befinden sich im freien Weltraum. Wir gehören zur 13. Flotte der Kolonien welche den Zylonen Angriff zurückschlagen wird. Insgesamt 40 geheime Kampfsterne. Sie sind gerade aus einem zylonischen Jäger herausgekrochen. Aufgrund des Wissens um die Zylonen bezweifle ich dass sie unter einer Narkose standen. Also... geben sie mir etwas womit ich arbeiten kann?"

Tek lauschte genau auf den Wortlaut der nun kommen würde. Nun pokerte er. War es eine zylonische Kollaborateurin, würde ihre Stimme nun zittern. Eine dreizehnte Flotte hatte nie existiert aber vielleicht war sie wirklich geheim gehalten worden und 40 voll einsatzbereite Kampfsterne waren eine nicht zu unterschätzende Streitmacht. Sie würde in der Stimme geringfügig zittern wie jeder Mensch egal wie unwahrscheinlich diese Behauptung sei.


Sally grinste immer noch breit.
"Ja, Sir!" erwiderte sie. "Ensign Wainwrigt, Sir, Captain, Sir.
Dieser Name... Maybelline Jade... Sie könnte sich ebenso gut Dolce Gabbana nennen. Oder Maria Smith-Wesson... wenn Ihnen das mehr sagt."
Sally versuchte ein ernstes Gesicht zu machen, was ihr aber nicht gelang.
"Dieser Name... ist der einer äh... Kosmetikbranche, Sir. Und ich glaube nicht, dass wirklich so jemand heißt, Sir."

Doch Captain Jameron hatte sie nicht mehr beachtet, weshalb Sally immer noch grinsend sich wieder der Frau im Raumanzug zuwandte, die da an den Raider geklammert im Nichts hing.


Caroline war nicht ganz so albern und nickte nur.
"Sie hat recht, Captain. Der Name ist... ein Markenname. Würden Sie eine Tochter noch Mercedes Benz nennen wollen? Wenn Sie tatsächlich Benz mit Nachnamen hießen?"


Gedanklich schüttelte sich Tek bei dieser Aussage. Danke sie halten mich also für einen absoluten Schwachkopf Ensign. Eine Hauptzutat aus dieser Branche stammte immerhin aus den weitläufigen Ozeanen Picons. Schwer in der Schulzeit an dieser Information vorbeizukommen. Ich mag mit Frauen Probleme haben das ist mir durchaus klar.

Nun meldete sich auch noch die ECO zu Wort bevor er seinen Text durch den Äther schickte. Vermutlich wusste sie nicht... das Mercedes die Tochter eines Herrn namens Benz war und er die Marke nach ihr benannte aber egal so viel zur Schulbildung. Plötzlich nach seinem Text über die geheime nicht existierende Flotte wurde es sehr ruhig im Funk. Volltreffer.


May hatte von dem Gelächter nichts mitbekommen. Ihr Gegenüber hatte den Sender nicht aktiviert. Weshalb nicht, wusste sie nicht. Der Funk war mitten im Satz abgebrochen.
Nun war der Captain wieder da und berichtete ihr von Unglaublichem!
Eine 13. Flotte! 40 Kampfsterne! Das war... eine Streitmacht mit der gerechnet werden musste. Aber wieso wussten sie nichts davon? Im Verteidigungsnetzwerk war jedes aktive Schiff aufgeführt. Und ihnen waren nicht viele durch die Lappen gegangen. May wusste zwar keine Einzelheiten aber von einer 13. Flotte - dessen war sie sich sicher - war niemandem etwas bekannt.

Auf einmal hatte ihre so schön anmutende Idee von einer Verständigung mit den Menschen eine völlig andere Bedeutung! Auf einmal erschien sie... notwendig! Sie hoffte inständig, dass der Centurion im Schiff alles mitgeschnitten hatte, was gesagt wurde und es sicher speicherte.

Aber wichtiger für sie war noch immer das Überleben.
Sie atmete ein paar Male tief durch um ihre Stimme einigermaßen sicher klingen zu lassen. Dann sagte sie: "Captain Jameron, mir ist nicht klar, was sie unter 'etwas zum Arbeiten' verstehen, aber ich bitte Sie ganz einfach nur, mir das Leben zu retten und mich bei sich an Bord zu nehmen. Ich..."
Sie schluckte schwer. Das war jetzt die Sekunde, die zwischen Leben und Tod stand!
"...ich bin kein Mensch. Ich bin eine Zylonin. Und ich ergebe mich Ihnen!"


Bei allen verfrakten Göttern, ein menschlicher Zylon? Es gab keinen Punkt den Tek an der Geschichte hätte zweifeln lassen. Sie erklärte zu gut die Funksprüche beim Untergang und die Effektivität der Blechköpfe besser als jeder Kollaborateur und noch dazu hatte die Frau... das Ding keinen Grund zu lügen. Noch bevor die beiden anderen an Bord etwas sagen konnte sagte Tek lauter und bestimmend.

"Ruhe bewahren. Das ist ein Befehl" Er kannte die beiden nicht wirklich und hoffte das die Energie in den Worten reichen würde sie wenigstens kurz ruhig zu halten. Das musste ja auch für sie eine ungeheure Aktion sein. Dann wandte er sich wieder der Zylonin zu.

"Zylonin... Gemäß der Gesetze der 12 Kolonien von Kobol berufe ich mich auf das Bergungsrecht kriegswichtigen Materials. Sie sind ab sofort Eigentum der kolonialen Flotte. Und kommen sie mir nicht mit Paragraphen für Kriegsgefangene. Sie sind keine Person sondern ein Ding. Werfen sie alle Gegenstände und Waffen die nicht für den Raumanzug notwendig sind in den Jäger zurück und stoßen sie sich in Richtung der Schleuse des Raptors ab. Sollten sie von dieser Anweisung abweichen... sind sie zerstört. Sobald sie an Bord sind legen sie den Raumanzug ab. Ausführung jetzt!"

Sollte sie ruhig einen Hieb bekommen. Sie war keine Person sondern ein Gegenstand. Und das würde er sie spüren lassen. Dann wandte er sich an Sally.

"Ensign sobald sie vom Jäger weg ist... jagen sie das Schiff hoch und währenddessen... alle Funkfrequenzen stören. Sie übernehmen die Schleuse ich will immer eine Waffe auf den Kopf dieses Dinges gerichtet sehen."

Mitten im Sprechen wandte er sich an Sweety im Hintergrund so dass diese ihre Anweisungen bezüglich Frequenzen und Waffen bekam.



Sally war völlig konsterniert. Nein, geschockt traf es schon eher.
Kein Zylon... Eine Zylonin! Eine... 'Sie'!

Sally hatte die Zylonenmodelle, die in den verschiedenen Museen ausgestellt war, gesehen. Sie hatte schon zu ihrer Schulzeit mit ihrer Klasse ein solches Museum besichtigt und mit einer Mischung aus Furcht und Faszination vor dem gold-silber glänzenden Zenturion gestanden. Und jetzt... eine Frau?
Vor ihrem geistigen Auge entstand die Vision einer metallenen Person mit schlankeren Maßen und metallenen Brüsten aber immer noch mit diesem roten Leuchtauge, was im Kopf hin und her pendelte. Es gab genug Cartoonfilme mit solchen Wesen, die Filmemacher in den Kolonien waren fleißig und fantasievoll gewesen. Sogar ein Zylonenauto hatte es gegeben, aber das war eines von den Guten gewesen. Sally schüttelte leicht mit dem Kopf. Was für einen Quatsch hatte sie sich damals bloß angeschaut...

Die Worte des Captain rissen sie aus ihren Gedanken. Ruhe halten! Ja, klar! Das Scherzen war Sally völlig vergangen. Was zunächst wie ein blöder Witz klang hatte eine völlig andere Bedeutung bekommen. Nur warum wollte der Captain jetzt einen gemeingefährlichen Blechkameraden an Bord holen? Weiblich oder nicht?

Aber... warum zum Kuckuck trägt dieses Ding denn dann einen Raumanzug???

Sally war immer noch ein wenig verwirrt aber ihre Verwirrung ging langsam in eine Besorgnis über. Nun, der Captain würde ja sicher wissen, was er tat. Bislang klang er zwar im höchsten Maße gestresst aber weitgehend vernünftig. Andererseits... Wer er war wusste Sally nicht. Und dass er mal so eben das Kommando übernahm... ohne dass er sich wirklich autorisieren konnte... der Code seines Raptors dagegen war schon korrekt. Aber... ach, sie wusste es nicht.


Caroline war ebenfalls sehr besorgt aber aus ganz anderen Gründen. Sie wusste von menschlichen Zylonenmodellen und auch wenn sie selbst noch keines davon zu Gesicht bekommen hatte, hatte sie die Bilder in der Datenbank gesehen. Wenn sie hier ein solches Modell hätten, wäre das sicher ein guter Fang. Sie zog also ihre Waffe und begab sich zu der Seitenluke.
"Alles klar!" sagte sie und nachdem sie die Rückmeldungen der anderen beiden bekommen hatte, ließ sie die Luft abpumpen. Dann ließ sie das Schott aufschwingen um die verhasste Feindin in Empfang zu nehmen.


Maybelline hatte sich fast verschluckt, als sie die letzte Aussage des Captain gehört hatte.
Sie war ein 'Ding'! Ihr Mut sank. Die Menschen hatten sich nicht geändert.
'Bergungsrecht'. Sie war sein Eigentum! Kurz schloss sie die Augen. Warum nur musste das alles so kommen. Sie war so glücklich auf Virgon gewesen. Damals, vor dem Angriff. Der Innenminister war kein junger Mann mehr gewesen aber er war sehr nett und zuvorkommend und aufmerksam in der Liebe. Ihre Tage und Nächte zusammen waren immer sehr zärtlich gewesen und auf den Veranstaltungen zu denen er sie mitgenommen hatte, war sie von allen immer mit großer Höflichkeit behandelt worden. Auch von den Millitärs. Aber jetzt, jetzt war sie nur noch ein Ding, weniger wert als ein Hündchen, das man liebte.

Aber sie wollte leben. Also stieß sie sich ab von dem Jäger und schwebte die 10 Meter herüber zu der geöffneten Luke des kolonialen... des feindlichen Fahrzeuges in der sie die Gestalt eines Menschen sah, der sie mit einer gezogenen Waffe empfing.

Kaum dass sie an Bord war, wurde die Luke schon geschlossen und sie spürte, wie das Fahrzeug Fahrt aufnahm. Sie sah den Menschen - eine Frau! - ihr gegenüber mit ihrer Waffe auf ihren Kopf zielen und hob vorsichtshalber beide Hände hoch. Sie hatte sich das alles so viel entspannter vorgestellt, aber so... hoffentlich ließ man sie nur leben...


Sally nahm, kaum dass die Luke wieder zu war, Fahrt auf um Abstand von dem Raider zu gewinnen. Wenn sie aus dieser Distanz feuerte würde das nur Schäden am eigenen Schiff verursachen. Ein-zweitausend Meter waren da ein viel komfortablerer Abstand. Sie nahm Maß, aktivierte die Gatlings und feuerte dann ein paar Salven in den Antriebsbereich des Zylonen.
In einem hellen Feuerball verging das feindliche Schiff. Thylium war schon ein klasse Sprengstoff!

Dann sah sie sich zu der Gefangenen um, die Captain Jameron und Caroline inzwischen in die Zange genommen hatten. Caroline hatte der Frau deren Waffe abgenommen, und sie außer Reichweite abgelegt. Sally stand auf und nahm sie an sich. Das wäre doch mal ein Stück Beute, dass sie sich durch den Abschuss redlich verdient hatte! Dann sah sie neugierig zu der Zylonin, ob diese wirklich so monströs war wie in den Cartoonserien.


Tek atmete tief durch als die Lufts des Raptors abgesogen wurde. Kurz betrachtete er gedankenverloren das verschwommene Spiegelbild seines Gesichts im Helmvisier. Er versuchte wie es ihm beigebracht wurde die Gefühle auszuschalten und nur die Fakten sowie seine Intuition zu sehen.

Zylon! Anhand des Raumanzugs vermutlich menschliche Form. Entweder eine Maschine die Menschlich aussah oder - was wahrscheinlicher war - eine genetische Kopie eines Menschen und gedanklich programmiert. Letztendlich waren auch die Menschen nur Maschinen, sicher biologische und welche die sich selbst durch die Natur und die Götter von Kobol entwickelt hatten, aber auch ihre Gehirne funktionierten nur über elektrische Impulse. An den ganzen Schwachsinn von einem Leben nach dem Tod glaubte er kaum. Warum hatten diese Zylonen eine Frau hier rausgeschickt? Warum eine Frau, warum gerade das? War es eine Falle für ihn? Nein dazu war er zu unbedeutend. Nun er würde ja sehen was passiert. Verfrakte Zylonen aber auch.
Nun die Peitsche war gezeigt. Nun musste sie sie auch noch spüren. Sie war eine Zylonin und er würde ihre Programmierung schon brechen und ummodeln.

Sweety ging an die Luftschleuse und öffnete sie um sofort mit der Waffe auf den Kopf der Zylonin zu zielen. Tek legte die rechte Hand auf seine Waffe am Gürtel und baute sich bereits auf während die Zylonin die Hände hob und die Luft zurück in den Raum des Raptors zischte. Sweety nahm der Feindin die Waffe ab und liess sie nach hinten über den Boden schlittern. Dass Sally sie sich in seinem Rücken nahm sah er nicht während er sich in aller Ruhe den Helm abnahm und die Hand wieder auf seine Waffe legte.

"Zylon Jade... sie sind meiner Anweisung nicht gefolgt, die Waffe in ihren Jäger zu werfen... und bislang stehen sie noch in einem Raumanzug der potentiell gefährliche Dinge verbirgt. Ich werde mich nicht wiederholen. Letzte Chance oder Deaktivierung durch Kugel im Kopf. AUSZIEHEN!"

Tek atmete tief durch. Den letzten Befehl hatte er hart kommandierend gebrüllt. Er hasste es, aber es musste sein. Für die Menschheit und die Kolonien. Und das was sich unter dem Raumanzug abzeichnete war kein Mensch sondern eine Maschine, verfrakt. Nichts von diesen Gedanken und seiner geistigen Anstrengung ließ er im Gesicht niederschlagen.


Maybelline Jade zuckte zusammen, als das gebrüllte Kommando an sie gerichtet wurde. Hunderte von Gedanken schossen ihr durch den Kopf aber nicht einer blieb greifbar. Was blieb war die Angst. Angst vor Gewalt aber auch Todesangst. Und die war stärker als alles andere.

Sie nahm den Helm ab und ließ ihn zu Boden fallen. Dann, in der Gewissheit, dass dieser Mensch seine Drohung gewiss wahr machen würde, sie hier und jetzt kaltblütig zu töten, zog sie ihren Raumschutzanzug aus, unter dem sie nichts weiter als einen modischen aber völlig unzweckmäßigen Slip trug.


Sally hielt die Luft an. Jetzt würde sie sehen, ob ihre Vorstellungen von einem weiblichen Zylonen den Tatsachen entsprachen. Sie taten es... nicht!
Zu Sallys Verblüffung kam unter dem schwarzen Helm der blonde Schopf einer ganz normalen jungen Frau zum Vorschein. Oder besser, einer ausnahmslos hübschen jungen Frau! Einer Frau, der die Angst vor dem, was ihr bevor stand deutlich ins Gesicht geschrieben stand.

AUSZIEHEN!

Jetzt war es Sally, die zusammenzuckte. Hatte sie eben noch kaltblütig die Handwaffe der Zylonin an sich genommen und sich nur wenige Minuten zuvor noch gefragt, weshalb der Captain diese potentiell gefährliche Maschine überhaupt an Bord nehmen wollte, so sah sie jetzt voller Bestürzung, dass eben dieser Captain diese Frau seinerseits kaltblütig demütigte! Eine Frau, die, als sie fast völlig nackt dastand, alles Mögliche war, aber kein gefährlicher Feind. Unmöglich!

"AUFHÖREN!" Dieser Aufschrei war nicht minder laut als das eben noch gegebene Kommando von Captain Jameron.


Sie folgte Teks Aufforderung prompt und ohne Wiederstand. Die Angst vor der wie Tek es nannte Deaktivierung standen ihr klar in das Gesicht geschrieben. Gut der Peitschenhieb hatte sie getroffen. Doch dann musste er schlucken, etwas was die Zylonin und sicher auch Sweety bemerken würden doch nicht die in seinem Rücken sitzende Sally. Die Zylonin hatte einen bei den Göttern Aphroditengleichen Körper und hatte nichts ausser einem Slip an. Warum, verfrakkt, hatte sie nur einen Slip an... natürlich der Zylonische Raumanzug war deutlich enger als sein koloniales Pendant. Er würde sicherlich nicht irgendwo scheuern wenn man nichts drunter trug. Dann folgte ein Aufschrei von hinten.

"AUFHÖREN!"

Nur kurz zuckte er zusammen als die gellende Stimme durch den Raptor hallte. Natürlich Frauen, was auch sonst. Sie hatten eben keinen Blick für das wesentliche oder auch nur Verständnis für das Taktieren. Wahrscheinlich war die Frau deshalb auch nur Ensign. Würde sich sicher auch nicht auf kurz oder lang ändern.

"Ensign Wainewright, niemand fragte nach ihrem Kommentar. Setzten sie bitte Kurs auf die Rycon und sobald wir in sicherer Entfernung sind, dass kein Zylon mithört melden sie uns an mit einem Gast."

Tek lächelte leicht. Nun wich er ab. Die Peitsche war gegeben nun würde er das Zuckerbrot geben. Alleine die Anrede sollte dies schon verdeutlichen: Gast... nicht Fracht. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Tek musterte, kurz innerlich mit sich ringend, die zylonische Frau und strich kurz über seine Waffe um sich selbst zu beruhigen.

"Nun, Miss Jade... ich denke sie verstehen wieso sie den Raumanzug ablegen mussten. Ich möchte nicht riskieren das sie eine Bombe oder ähnliches zünden. Da ihr Körper offenkundig menschlicher Natur ist, gehe ich nicht davon aus, dass sie eine Bombe implantiert haben. Ich hoffe sie werden dieses Vertrauen nicht enttäuschen."


Sally konnte ihren Blick kaum von der blonden Frau wenden. Das war keine Feindin! Nie im Leben!

Dann bedachte sie Captain Jameron mit einem finsteren Blick. Bombe! In einem Raumanzug! Was für eine alberne Idee.
"Mr. Jameron, auf meinem Schiff wird kein Gefangener gedemütigt oder misshandelt. Nehmen Sie das bitte zur Kenntnis. Setzen Sie sich bitte auf ihren Platz. Und Sweety, gib der Frau ihren Anzug zurück. Leg ihr in Zeus' Namen Handschellen an oder sowas aber das reicht dann auch."
Und an die Zylonin gewandt sagte sie dann: "Dies ist mein Schiff. Und ich anerkenne Ihren Status als Kriegsgefangene mit allen Rechten und Pflichten gemäß der kolonialen Millitärgesetzgebung."


Caroline hatte bei Sallys kurzem Ausbruch nur mit den Augen geblinzelt. Und dann einfach nur die Luft angehalten. Ihr Götter, was erlaubte sich ihre Pilotin denn nun schon wieder? Hatte sie etwa eine Meuterei im Sinn? Frak!
Jetzt saß sie aber übel zwischen den Stühlen. Okay... nach den Dienstvorschriften war der Pilot eines Raptors der Truppführer. Bei ihnen beiden kam aber das Problem hinzu, dass sie mit ihrem höheren Dienstgrad dieses Prinzip durchbrach. Aber die Dienstposition überwog den Dienstgrad.

Aber nur dabei! Denn der Captain stand so deutlich über dem Ensign, dass er wohl das Kommando innehatte. Es sei denn... Aber das war ein gewagtes Spiel. Ein sehr gewagtes Spiel..! Und noch war sie nicht sicher, ob sie das auch spielen wollte.



Tek atmete tief die Luft ein. War diese Pilotin eigentlich wirklich so schwer von Begriff? Nein, die Situation war ja nicht schon schwer und kompliziert genug, nein, man musste es noch komplizierter und noch problematischer machen.

"Ensign Wainwright. Sie vergreifen sich im Ton. Falls sie es vergessen haben, ist sie nichtsdestotrotz ein Zylon. Eine Maschine. Gedenken sie also Jäger und Centurios ebenfalls den Gefangenenstatus zu gewähren? Wenn ja muss ich sie verhaften, da sie gerade einen solchen Gefangenen da draußen zerstört haben. Sie sollten auch bedenken, dass genau diese Reaktion, die sie zeigen, von den Zylonen intendiert wird. Oder was glauben sie wohl welches Zylonenmodell die Kolonien infiltrierte, die Flotten lahmlegte und dann ein paar Billionen Megatonnen auf unsere Heimat fallen liess.
Es liegt mir vollkommen fremd unnötig grausam zu sein, aber ich werde nicht blauäugig in die Höhle der Medusa gehen. Ausserdem... glauben sie, die Marines der Rycon werden ihr gestatten ihren Raumanzug anzubehalten? So kann sie sich wenigstens daran gewöhnen und wird nicht mit Marinefreundlichkeit dazu gebracht."

Dann schaute er wieder zu Maybelline Jade auf eine Reaktion sowohl von Sally und Sweety wie von ihr wartend.


Sally hörte nur halb hin. Sie sah nur diese Frau, nackt, schutzlos und der Gewalt dieses Mannes ausgeliefert.
"Ich bin Kommandantin dieses Schiffes. Sie sind ein Schiffbrüchiger, den wir aufgenommen haben. Und bis zur offiziellen Bestätigung durch die zuständigen Stellen der Rycon sind Sie nur Passagier."

Sie zeigte mit ausgestrecktem Arm auf die Zylonin.
"Wir wissen nicht einmal, ob sie wirklich eine Zylonin ist."

"Doch, Sally, das ist sie!" warf Caroline ein. "Es gibt ein Bild von ihr auf der Rycon. Oder von einer...äh... Schwester von ihr."

"Was?" keuchte Sally. "Du meinst, sie gibt es mehrmals?"

"Ja!" warf auch die blonde Zylonin ein. "Ich bin ein Modell der Serie 6. Aber ich lebe! Ich habe Gefühle. Und ich will nicht sterben..!"

Sally sah die Zylonin an, dann Sweety und den Captain. Sie war deutlich überfordert von der Situation. Dann schüttelte sie den Kopf.
"Sie sind... eine Zylonin. Gut. Aber sie sind keine Maschine. Nicht wie diese Toaster. Auf keinen Fall. Und den Raumanzug..."

Maybelline kam ihr zuvor: "Es macht mir nichts aus."
Sie versuchte ein Lächeln. "Ich schäme mich nicht. Und ich friere auch nicht. Es ist in Ordnung!"

Wieder war Sally leicht überfordert.
"Okay. Setzen Sie sich... dorthin!" Sie zeigte auf einen der Klappsessel für den Truppentransport.

Dann sah sie den Captain an.
"Sir, Captain, ich stehe dazu. Ich akzeptiere ihren Rang als Offizier der kolonialen Streitkräfte aber ohne eine offizielle Bestätigung darf ich Sie nicht als meinen vorgesetzten Offizier ansehen. Bitte akzeptieren Sie das und sehen Sie weiterhin davon ab, Befehle zu geben. Ihren Rat aber nehme ich dankbar an." Sally hoffte, dass sie die Kurve noch einmal bekommen hatte.


Naja wenigstens hatte die Pilotin Eier in der Hose... auch wenn ihr Gehirn und Gehör offensichtlich nicht zu den Paradebeispielen der Gattung Homo Sapiens gehörte. Noch ehe Tek etwas erwidern konnte mischte sich Sweety ein und obwohl Tek es nicht glaubte bezog sie mehr indirekt Stellung für ihn.

Oh ja, Perfekt! Warum zum Hades wussten niedrige Offiziersränge von diesen Dingen... Da musste es ja zwangsläufig auf der Rycon zu Misstrauen und Panik kommen.

Tek hörte der kurzen Diskussion zwischen den drei Frauen ruhig zu und beugte sich dann kurz zu Sally herunter und flüsterte leise, so dass nur sie das hören konnte:
"Dann hören sie auf meinen Rat Ensign. Sie ist ein Zylon kein Mensch. Hoffentlich haben sie das gelernt bevor ihre Schutzbefohlene ihre Brüder und Schwestern informiert wo die Rycon ist und diese aus der Rycon das gleiche Altmetall gemacht haben wie aus unserer Heimat."

Ruhig wandte er sich ab und setzte sich der Zylonin gegenüber und auch wenn es ihm Überwindung kostete, zwang er sich, ihr nur in die Augen zu sehen. An sich kostete ihn diese gesamte Situation unheimliche Kraft. Er hasste die Zylonen wie jeder seiner Familie. Im ersten Krieg waren sie an jeder großen Aktion beteiligt und hatten viele Angehörige verloren und nun hatten sie so ziemlich jeden ausser ihm erwischt. Gute und treue Soldaten der Kolonien. Und auf der anderen war es eine Frau, eine verfrakte Frau. Nicht gerade seine Stärke.
Irgendwie kam sie ihm bekannt vor. Irgendwo hatte er sie schon mal gesehen - oder eine andere ihrer Baureihe. Nur wo? Es war offensichtlich keine wirklich wichtige Begegnung sonst würde er sich genau erinnern. Wo hatte er sie gesehen?
So schaute er in ihre Augen. Eine Hand auf der Waffe nachdenklich in Gedanken versunken.


Sally war insgeheim wirklich dankbar, dass Captain Jameron jetzt keinen Stress machte. Und was er sagte, mochte grundsätzlich Hand und Fuß haben. Aber wie sollte eine - fast - nackte Frau jetzt ihre Schwestern und Brüder kontaktieren sollen?
"Ich werd' dran denken, Sir!" sagte sie und hob den schwarzen Raumanzug auf, der da am Boden lag und nahm ihn dann mit nach vorn ins Cockpit. Auch den würde sie so leicht nicht rausrücken.

Sally setzte sich in ihren Sitz und schnallte sich an. Noch immer war sie sowas von verwirrt. Menschliche Zylonen. Modellserie 6. Waren das Clones? Oder Cyborgs? Und wenn es ein Modell sechs war, gab es dann auch Modell Eins bis Fünf? Oder Sieben bis... Hundert? Tausend?

Das war... mindestens schlimm. Schlimmstenfalls eine Katastrophe. Wenn die anderen Modelle vielleicht wirklich aggressiv waren? Offensiv? Gefährlich? Wie viele waren an Bord der Rycon? Und was taten sie? Sie warf einen Blick zurück auf den Captain. Was, wenn auch er einer war?

Shit! Sie schüttelte den Kopf. Das war nicht ihre Sache. Sollte die Führung sich damit auseinandersetzen. Sie setzte erst einmal Kurs heim. Zur Rycon.


Maybelline Jade hatte ganz andere Gedanken. Sie war erst einmal froh, noch am Leben zu sein. Sie selbst zu sein. Und dass man ihr nichts angetan hatte.
Dass sie hier nun fast nackt saß, machte ihr wenig aus. Sie hatte nicht gelogen. Schamgefühle waren Ihresgleichen normalerweise fremd. Weshalb auch? Gott hatte ihre Körper geschaffen. Es wäre Blasphemie, sich dessen zu schämen!

Der Captain ihr gegenüber suchte den Blick in ihre Augen und sie erwiderte diesen Blick.
"Captain..?" fragte sie ihn dann. "Darf ich Sie etwas fragen?
Warum hassen sie mich so sehr?"


Leicht seufzte er. In einer Sache hatten die Zylonen neben dem Körper offenbar beste Arbeit geleistet. Frauen und Smalltalk. Es gab natürlich nichts wichtigeres, was ein Gefangener nun wissen wollte als warum man ihn hasst. Aber gut er würde ihr den Gefallen tun.

"Nun ist das so... unergründlich? Ich bin ein Jameron. Vielleicht haben sie den Namen schon einmal gehört in ihrer Infiltration der Kolonien. Ich bin mir zumindest sicher, dass genau dies vor dem Angriff passiert ist nachdem ich sie sah. Meine Familie war seit ewigen Zeiten eine stolze Soldaten-Dynastie. Vor der Raumfahrt gehörten wir zu denen, die die Ozeane Picons bereisten und unsere Kolonie verteidigten. Wir waren die ersten die im Raum kämpften um Picon unabhängig zu halten und zu der Macht werden zu lassen die Picon war. Und als sich eure Vorväter gegen uns wandten, waren wir die ersten die selbst Faust gegen Metall kämpfte bevor die ersten Schiffe starteten um euch zurückzudrängen. Wir haben euch nie gehasst ihr wart ein Feind, dem man ehrenvoll gegenübertreten konnte... damals. Die Verluste die wir im ersten Krieg erlitten waren hart aber wir schauten mit Stolz darauf zurück. So wurde ich erzogen...
Doch dann kamt ihr wieder. Ohne Kriegserklärung die diplomatische Station zerstörend. Die Flotte hilflos machend und etliche gute und tapfere Soldaten tötend ohne dass sie auch nur etwas tun konnten. Das war nicht ehrenvoll. Das war ein feiger, dreckiger Massenmord. Wenn Zeus einem Titanen begegnet... ist es als wenn ich euch begegne. Verstehst du das?"

Zum Ende steigerte er sich in seine Worte hinein. Aber es musste raus. In seinen Worten schwang Zorn, Hass, Wut und verletzter Stolz mit. Tek hatte wie die meisten bei dem Angriff alles verloren. Doch das war nicht das, was am meisten schmerzte. Jeder der Flotte wusste, dass es irgendwann zu Kampfhandlungen kommen konnte. Jeder Viperpilot war seines Glückes Schmied. Doch der Angriff der Zylonen war ohne Kriegserklärung gekommen, ohne Möglichkeit, etwas zu tun. Ständig kamen ihm die Gedanken, wie er sich wohl an Bord eines der mächtigen Kampfschiffe gefühlt hätte, als das Licht erlosch, die Gravitation ausfiel, man spürte, dass man bereits tot war bevor auch nur eine Salve getroffen hatte. So schaute er sie an auf ihre Antwort wartend.


Maybelline lächelte leicht. Der Captain war ein stolzer Mann. Und jetzt erinnerte sie sich auch an ihn.
Es war bei einem Empfang gewesen. Vertreter von Virgon und von Picon waren dabei gewesen und auch einige Militärs. Und dieser stolze Mann war auch dabei gewesen.

"Ich erinnere mich an Sie, Captain. Auf Virgon. Bei einem Empfang. Sie haben mir die Hand geküsst."
May lächelte bei der Erinnerung. Er war so steif gewesen, nahezu verkrampft. Als Adjutant eines Generals oder Admirals... was auch immer... Und jetzt war er voller Hass.

"Sie fühlen deshalb Hass, weil sie sich betrogen fühlen, nicht wahr? Betrogen um die Chance, die man ihnen nicht gelassen hatte. Die Chance zu siegen und unser Volk zurück zu schlagen. Aber geht es denn in einem Krieg nicht darum zu siegen? Und wenn man durch eine List viele Opfer sparen kann?
Ich verstehe nicht viel von Krieg. Das ist überhaupt nicht mein Gebiet. Ich kann nicht kämpfen. Ich wurde auch sofort besiegt und getötet. Aber ich hasse euch nicht. Nicht einmal dafür, dass ihr mich getötet habt.
Wir alle fürchten euch. Wir fürchten euren Zorn, eure Wut und euren Hass. Ihr habt uns nie in Ruhe gelassen. Wenn wir nicht genau das taten, was ihr wolltet, wenn wir nicht eure Sklaven waren, dann mussten wir eure Wut fürchten. Auch nach dem Friedensschluss war das so. Eure Sensoren und Scanner haben immer wieder versucht, uns auszuspähen. Stets mussten wir in Furcht leben, von euch erneut angegriffen zu werden. Immer. Und diese Furcht besteht auch jetzt noch, nicht wahr?"

May sah den Captain nun genau an.
"Und auch ich muss euren Hass, eure Wut und euren Zorn fürchten, richtig?"


Warum lächelte diese Zylonin nun... war seine Erklärung so zum schmunzeln gewesen. Verdammt, er spürte dieses leichte Lächeln bis tief in sich. Verfrakte Frauen und ihre seltsamen fast schon magischen Fähigkeiten! Sie lächelte und sprach dann und als sie es sagte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Die jugendliche Freundin des virgonischen Innenministers. Diese Zylonin war die Freundin des Innenministers gewesen! Er hatte sie auf dem Ball gesehen und sich noch gedacht, wie seltsam die beiden zusammen aussahen und das sie doch mehr etwas für einen jungen Offizier statt einem alten Politiker wäre. Diese Erkenntnis traf ihn so hart, dass er laut genug ausstieß, dass auch Sweety und Sally es hören konnten.

"Sie waren die Freundin des Innenministers von Virgon!"

Sie ging über diese Aussage hinweg und während ihrer Ansprache, ihrem Versuch der Erklärung, konnte Tek sich ein wenig sammeln und doch sah er sich plötzlich in der Rolle eines Verteidigers - eines Verteidigers von Monstren - und ihm kam die lösende Idee. Das Stück Puzzle, was im Gesamtbild fehlte. Nachdem sie zu Ende war, erhob er das Wort.

"Wir... sind vergänglich. Wenn wir sterben, stehen wir nicht mehr auf. Unser Wissen geht verloren. Ja wir hatten Furcht. Furcht, die ihr genähert habt. Wir warteten in der Hoffnung auf Verbesserung auf eure Diplomaten. Wir ließen euch alleine. Doch unsere Furcht vor einem erneuten Angriff ließ uns die Grenze beobachten. Wie ihr es offensichtlich auch tatet. Doch wir schickten jedes Jahr einen Abgesandten. Von euch... keine Spur.
Wir wurden älter... viele die den Krieg erlebten, schieden aus dem Amt oder sogar aus dem Leben. Die wenigsten der Soldaten, die ihr tötetet, hatten je einen Krieg erlebt. Die letzten verbliebenen beobachteten euch aus diesem Grund noch genauer suchten euch. Befürchteten eine List. Womit sie nicht unrecht hatten; vielleicht aus falschen Beweggründen.
Wenn eure Soldaten sterben... wie lange dauert es bis ihr sie ersetzt habt? Um einen gefallenen Menschen zu ersetzen... braucht es gute 19 Jahre... Wir sind in so vielerlei Hinsicht unterlegen, dass wir vorsichtig sein mussten."

Kurz schloss er die Augen und atmete durch. Sie zog an psychologischen Schnüren und er hatte nichts gegen diese Fähigkeit einzusetzen.

"Nein, meinen Hass haben sie nicht zu fürchten wenn sie beginnen zu verstehen was es bedeutet, Mensch zu sein. Es ist mehr als eine körperliche Form."


Maybelline schloss die Augen, ihr Gesicht war aber weiterhin ihm zugewandt.
"Ich weiß genau, was Sie meinen." sagte sie. "Auch ich fürchte den Tod. Wenn ich diesmal sterbe, werde ich vernichtet sein. All das, was mich ausmacht, mein Wesen, meine Erfahrungen und mein Wissen werden verloren sein. Dann bin ich, Maybelline Jade, tot."
Sie öffnete wieder ihre Augen.
"Das meinten Sie, nicht wahr? Ist es nicht das, was Menschsein auch ausmacht? Das, und die Fähigkeit zu lieben, zu fühlen und... Kinder zu bekommen?"

"Frak!" warf Caroline ein, die nicht länger nur zuhören mochte.
"Gefühle! Pah! Das sind alles nur Simulationen."

Sweety war wirklich empört. Sie hatte die Promachos gesehen, hatte Hammers Leid erlebt und wusste genau, was sie von den Zylonen zu halten hatte. Wenn sie jetzt Pseudolebewesen auf die Menschen losließen, dann waren das eben Pseudolebewesen. Mehr aber auch nicht. Und wenn sie zehnmal vorgaben, zu leben!

May sah die ECO kurz an, dann wandte sie sich wieder an den Captain.
"Ja. Ich war die Freundin des Innenministers. Er war zu diesem Zeitpunkt vier Jahre Witwer. Ich lernte ihn kurz nach dem Tod seiner Frau kennen. Es... war arrangiert. Aber meine Gefühle ihm gegenüber waren echt. Er war ein sehr netter Mann. Sanft und milde. Ich... ich habe ihn nicht ausspioniert. Das war nicht mein Auftrag."

Sie sah zu Boden, fixierte ihre nackten Zehen. "Es war ein brutaler Tod, im Feuersturm. Aber es dauerte nur wenige Sekunden. Dennoch werde ich es nicht vergessen. Wenn Sie mich lassen!"


Tek hörte ruhig und dennoch angespannt zu. In ihm war ein Feuersturm am toben. Hass, logisches Denken, Loyalität, Offiziersverhalten, etliche widersprüchliche Verhaltensweisen, die um seine Handlung kämpften. Die ECO hatte nicht unrecht. Eine Simulation mochte vielleicht sogar glauben dass sie unabhängig war. Ein System kann ein Höheres nicht begreifen. Nach außen hin jedoch zeigte er seine Aufgewühltheit nicht sondern fixierte die Zylonin nur erneut.

"Miss Jade... Was war dann ihr Auftrag? Und können sie mir garantieren dass ihre Mitzylonen sie nicht per Fernsteuerung übernehmen? Können sie mir glaubhaft versichern, dass ihre Emotionen wahr sind und nicht nur eine wunderbar perfekt programmierte Simulation? Können sie sich dies selber überhaupt versichern? Entschuldigen sie den Vergleich, aber eine Laborratte weiß nicht, wie dass das Labyrinth, durch dass sie rennt, funktioniert. Wenn sie verstehen was ich meine.
Und zu dem brutalen aber kurzen Tod. Was ist mit denen, die nicht im Epizentrum der Explosionen waren. Die Leute der Berge... die, die zwischen den Explosionen waren. Ein Strahlungstod... ist lang und mehr als schmerzhaft, wie sie sicher wissen. Wie viele waren dies? Hundert? Tausend? Zehntausend? Wie viele waren dies auf allen zwölf Kolonien..."

Tek atmete tief durch. Dies hier war nicht produktiv, das wusste er. Man könnte es durchaus psychologische Folter nennen... doch sie sollte alle Seiten sehen, sollte sich deswegen ruhig schlecht fühlen. Es sollte ihr nicht gestattet sein, wenn sie denn wirklich reale Gefühle besaß, dies zu verdrängen. Und vielleicht gelang es ihm ja sogar, in ihr Hass auf ihre Brüder und Schwestern zu entwickeln. Vielleicht... würde dies auf der Rycon und in ein paar Monaten einen Gegenschlag eröffnen. Agenten in den Reihen der Zylonen, genau wie sie es taten, um ihre Flotte an einen Punkt zu locken, kampfunfähig zu machen und dann zu vernichten um einen erneuten Status Quo zu verhandeln. Vielleicht und Wenn. Viele davon. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt.


May schaute dem Offizier direkt in die Augen.
"Mein Auftrag? Sie meinen, meinen ersten Auftrag auf Virgon, ja? Das..."
Sie zögerte. Sollte sie das jetzt schon alles preis geben? Natürlich würde sie auf dem kolonialen Schiff - sicher einer der zahllosen Battlestars, von denen dieser Captain gesprochen hatte - verhört werden. Vielleicht würden die Kolonialen es ja positiv werten, dass sie so kooperativ war. Oder sie würden glauben, dass sie ja alles schon gesagt hatte und sie entsorgen. Oder... weil sie so leichtfertig alles erzählt hatte, was sie wusste, annehmen, dass es gelogen wäre.
Sie beschloss, einen Mittelweg zu gehen. Nichts Ganzes und nichts Halbes.
"Ich sollte den Innenminister kennen lernen und ihn für mich einnehmen. Ihn ablenken. Damit er im Falle einer Inneren Krise handlungsunfähig wäre. Das erwies sich als unnötig. Mein ganzer Auftrag war völlig unnötig. Er... und ich starben in den ersten Sekunden dieses Krieges."

Wieder sah sie diese schrecklichen Bilder vor sich. Der gleißende Lichtblitz, die Hitzewelle, die Druckwelle... Sie blinzelte die Erinnerungen weg. Doch sie würden wieder kommen. In den Alpträumen. Wie immer.

Dann kam eine ungewöhnliche Frage. Fernsteuerung?
"Wie meinen Sie das... übernehmen? Ich bin eine Zylonin aber kein Werkzeug oder sowas. Niemand kann einen Zylonen... übernehmen." Von Schläferagenten wollte sie jetzt nicht anfangen. Sie war keine. Nicht mehr.
"Und meine Emotionen sind so echt wie ihre. So, wie ich ebenso organisch bin wie Sie. Können Sie versichern, dass Sie ein Mensch sind? Dass Ihre Erinnerungen alle echt sind? Oder dass sie nicht nur ein Programm in einer Maschine sind, eine virtuelle Figur in einer Simulation? Niemand kann das. Aber ich empfinde mich als echt. Als lebendig."
Dass er über die zahllosen Menschen nachdachte, die nicht sofort umkamen, sprach sehr für ihn. Und es gab Überlebende. Sie wusste das, sie war ihnen in die Hände gefallen.
"Es gab viele Überlebende. Mein zweiter Auftrag auf Virgon war es, sie zu finden und einzusammeln. Ich war ineffizient. Nicht ich habe sie gefunden, sondern sie mich. Und sie waren nicht zimperlich. Ich war eine Frau und sie waren Männer. Sie können sich vorstellen, was geschah. Dennoch hasse ich euch nicht. Nicht die Menschheit als solche."
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tbc
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#244 Mitglied ist offline   Gabriel Santos 

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21. Februar 2011 um 10:39 Uhr

Bankräuber 1
Bankräuber 2
Sarah Santos

Tauron - T-14 Jahre


Es war ein wunderbarer Sommertag gewesen. Die Santos Familie hatte einen ausgiebigen Stadtbummel hinter sich gehabt, bei denen die 8 Jahre alten Zwillinge Gabriel und Alexia eine Menge von ihren Eltern abgestaubt hatten. Als es Nachmittag wurde und die Kinder langsam anfingen hibbelig zu werden, beschlossen sie wieder nach Hause zu fahren. Zuvor würde Sarah Santos jedoch noch einmal in die Bank müssen. "So wer von euch will mich begleiten?" fragte sie nett. "Ich!" meldete sich der kleine Gabriel zu erst und nahm die Hand seiner Mutter. Alexia und ihr Vater Adrian blieben mit den vielen Taschen auf einer Holzbank sitzen, während Gabriel und Sarah im Gebäude verschwanden.

Er langweilte sich. Die Schlange am Bankschalter war für ihn viel zu lang. Hätte er gewusst, dass es so langweilig sein würde, wäre er draußen bei seinem Vater und seiner Schwester geblieben. Er wollte am liebsten schnell nach Hause und mit seinen neuen Sachen spielen. Seine Mutter hielt ihn an der Hand und bemerkte seine kindliche Unruhe. Lächelnd sah sie zu ihm herab. "Wir sind gleich dran Gabriel. Es dauert nicht mehr lange. Und wenn wir fertig sind, dann treffen wir Papa und Alexia wieder vor der Tür. Und danach gehen wir ein leckeres Eis essen." Er sah zu seiner Mutter hoch und wirkte plötzlich glücklich. "Schokoladeneis?" fragte er mit großen leuchtenden Augen. "Natürlich mein kleiner." Die Schlange bewegte sich ein kleines Stück. Mutter und Kind rückten weiter auf ihr Ziel zu. Zehn Minuten später wurden auch sie endlich bedient.

Es dauerte nicht lange und sie hatten das erledigt, weshalb sie gekommen waren. Sarah wollte sich gerade mit Gabe zum Ausgang begeben, als es plötzlich mehrmals hintereinander laut knallte. Es war das Geräusch von Waffenfeuer. Vier maskierte Personen waren in das Gebäude gestürmt und schossen in die Luft. Die Menschen in der Bank schrien vor Entsetzen auf und bückten sich instinktiv. Gabriel war verwirrt und hatte Angst. Er hatte noch nie so laute Geräusche gehört. Seine Mutter schloss ihn fest in ihre Arme und drehte sich von den Bankräubern weg um ihren kleinen Sohn zu schützen.

"Nein nein nein!" richtete einer sein Gewehr auf einen Bankangestellten, welcher den Alarmknopf unter dem Tisch betätigen wollte."Schön weg da Kollege!" Der Mann hob die Hände und entfernte sich von seinem Arbeitsplatz. "Bleibt alle ruhig, dann passiert euch auch nichts. Wir wollen niemanden unnötig verletzen, außer wir werden dazu gezwungen! Und nun alle nach da drüben!" deutete der vermutliche Anführer der Bande. Die Menschen in der Bank taten, was ihnen befohlen wurde und entfernten sich von den Fenster und Ausgängen. Gabriel verstand nicht was passierte. Männer mit schwarzen Masken und langen Gegenständen in den Händen, die großen Krach machen konnten, sagten was die Leute tun sollten. Die Tatsache, dass selbst seine Mutter Angst hatte, ließ ihn anfangen zu weinen. "Nicht weinen, alles wird wieder gut. Mach nur das, was Mama sagt und wir kommen ganz schnell zu Papa und deiner Schwester."

"Deine Mutter hat Recht Kleiner." sagte einer der Bankräuber, welcher sich von hinten angenähert hatte. "Tut alle, was wir sagen und das ganze hier wird schnell vorbei sein." zwinkerte der Maskierte dem kleinen Jungen zu, welcher sich umgehend fester an seine Mutter drückte. Diese gab einen funkelnden bösen Blick an den Maskierten zurück. "Sprechen sie nicht mit meinem Kind!"gab sie hart aber ruhig zurück, worauf der Mann sich abwand. "So du machst jetzt erst einmal diese Taschen schön voll. Und alle Anderen werden ihre Gelbörsen und Handys hier in den Sack werfen. Und kommt ja nicht auf irgendwelche komischen Ideen. Der erste, der versucht den Helden zu spielen, den werde ich erschießen!"

Die Geiseln warfen die geforderten Gegenstände in einen Sack, welcher von einem anderen Maskierten Mann getragen wurde."Mama ich will nicht mehr hier sein. Ich will nach Hause." Er zitterte ein wenig und Sarah versuchte ihn zu beruhigen. "Es dauert nicht mehr lange mein Kleiner." Der Bankangestellte kam mit dem vierten Gangster zurück. Beide waren mit je zwei vollen Taschen beladen. "Wir bedanken uns für ihre Kooperation. Einen schönen Tag noch!" Sie schnappten sich je eine Tasche und wollten gerade zum Ausgang eilen, als Polizeisirenen erklangen und die dazugehörigen Fahrzeuge vor der Bank hielten.

"Frack it! Wir waren zu langsam!"

"Die werden uns eiskalt abknallen wenn wir da raus kommen. Wir sitzen in der Falle!"

"Bleib ruhig. Noch sind wir hier drinnen und haben Geiseln. Wir haben noch eine Chance! Los verteilt euch!"

Der Mann schien von der Aussage seines Anführers nicht sonderlich überzeugt zu sein. Trotzdem verteilte er sich mit den Anderen im Raum. Dabei behielten sie stets die Geiseln im Auge. Nach einigen unbeantworteten Polizeidurchsagen von außen, warfen diese schließlich ein Telefon durch die Tür. Bankräuber und Polizei begannen miteinander zu verhandeln. Die Geiseln wurden immer unruhiger, was auch auf die Bankräuber über ging. Zwei von ihnen liefen hibbelig hin und her. Gabriel glaubte ein leises Geräusch gehört zu haben, welches aus dem hinteren Teil kam. "Hast du das auch gehört Mama?" fragte der Junge schließlich. Sarah sah ihn verwundert an. "Was gehört Liebling?" Doch er beantwortete die Frage nicht weiter und sah sich stattdessen um. Als er nach hinten sah, sah er zwei weitere Männer in schwarzer Kleidung. Doch sie unterschieden sich in etwas von den Anderen schwarz gekleideten bösen Männern. Diese Männer trugen Helme und die Aufschrift TPD, was die Abkürzung für Tauron Police Department war. Seine Mutter bemerkte diese Männer nun ebenfalls. Die Männer deuteten den Beiden nach vorne zu sehen und still zu sein. Augenblicklich drehte sich seine Mutter mit ihm zurück, welches jedoch einem der Bankräuber aufgefallen war.

"Was gibts denn da hinten zu...SIE SIND HIER!!!" Im nächsten Moment brach Chaos aus. Maschinengewehrfeuer donnerte durch die Bank. Die Menschen schrien vor Angst und besonders Gabriels helle Kinderstimme war deutlich zu vernehmen. Einer der Bankräuber versuchte sich in Deckung zu begeben, indem er sich zu den Geiseln warf. Dabei haute er Gabriels Mutter um, welche ihren Sohn bei der Wucht des Fallens nicht mehr halten konnte und er aus ihrem Arm glitt. Der acht jährige Junge war nun schutzlos. Im selben Moment stürmte die Polizei von außen in das Gebäude. Der Mann richtete sich wieder auf und riss die Waffe hoch um auf die Polizisten zu schießen. Sahrah versuchte ihren Sohn zu packen, konnte diesen jedoch nicht mit ihrem Arm erreichen.

Die stürmenden Polizisten eröffneten das Feuer und durchsiebten den Mann, welcher direkt auf Gabriel viel und ihn unter sich begrub. "GABRIEL!!!" schrie seine Mutter und kroch in dessen Richtung. Das Waffenfeuer verstummte von einen auf den anderen Moment. Seine Mutter hatte den toten Körper erreicht unter dem er sich befand. Das Gewicht des Mannes auf seinem Körper war extrem belastend für ihn. Als dieser endlich zur Seite geschoben wurde und er das Gesicht seiner Mutter sah, machte sich Erleichterung in ihm breit. Sein Gesicht und sein ganzer Körper war mit Blut überströmt. Seine Mutter war panisch. Immer und immer wieder fragte sie ob er irgendwo Schmerzen habe und suchte seinen Körper nach Schusswunden oder anderen Verletzungen ab. Doch er antwortete nicht. Er sah nur auf seine Hände. Kleine Kindehände die voll von Blut waren. Seine Mutter versuchte das Blut aus seinem Gesicht zu wischen als sie feststellte, dass ihm nichts fehlte. Und erst jetzt begann der kleine Junge zu zittern und zu weinen. Er versuchte sich das viele Blut von den Händen zu entfernen, doch es war einfach zu viel davon an seiner Kleidung. Dort in einer Blutlache, neben dem toten Körper eines Verbrechers nahm Sahrah den kleinen Gabriel in den Arm und drückte ihn an sich. "Es ist vorbei mein Schatz." sagte sie liebevoll mit zitternder Stimme. "Es ist vorbei."
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#245 Mitglied ist offline   Eddy Kennington 

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22. Februar 2011 um 22:03 Uhr

Picon - T-3 Monate

Aufgeregt sah Eddy sich um. In der großen Halle herrschte um ihn herum geschäftiges Treiben. Vieles um ihn herum erinnerte ihn an einen ganz normalen Flughafen. An mehreren Schaltern wurden Passagiere abgefertigt, gehetzt aussehende Menschen eilten ohne einen Blick nach links oder rechts zu verschwenden an ihm vorbei. Kleinere Gruppen standen herum, vertieft in Diskussionen. Das alles wirkte auf Eddy unbewusst zielstrebig und effizient. Alles schien nach einem übergroßen System abzulaufen, das er noch nicht verstand. Und gerade das machte es umso interessanter. Neugierig sah er durch das große Panoramafenster hinaus auf den riesigen Komplex der Werft. Ein unübersichtliches Gewirr aus Hallen, Büros und Lagerstätten erstreckte sich beinahe bis zum Horizont, verbunden durch ein kompliziertes Gewirr aus Straßen und Wegen. Und mittendrin lagen wie große Seen die betonierten Landeplätzen der riesigen Schwerlastshuttles, welche die vormontierten Segmente zu den Orbitalwerften hinaufschafften. Das Dröhnen ihrer gewaltigen Triebwerke lies selbst auf die Entfernung den Boden unter seinen Füßen vibrieren.

„Kennington?“

Eddy drehte sich um und sah dabei einem älteren Mann in die Augen.

„Ja.“

„Christensen.“ Der Neuankömmling reichte Eddy die Hand und drückte sie fest.

„So, und sie sollen heute das erste Mal rauf, was?“

„Irgendwann muss jeder ja mal anfangen, oder?“ gab Eddy zurück. Christensen grinste.

„Schon gut, war nicht böse gemeint. Haben sie ihre Sachen?“

Eddy klopfte auf den großen Rucksack neben sich.

„So bereit, wie man nur irgendwie sein kann.“

„Ha, sie werden sich noch wundern.“ Er wies auf einen Terminal am Ende der Halle.

„Spätestens wenn sie zum dritten Mal oben sind, brauchen sie nicht mal mehr die Hälfte.“ Er machte eine kurze Pause. „Gerade fertig geworden?“

Eddy nickte knapp.

„Ja, vor ein paar Wochen.“

Christensen stieß einen anerkennenden Pfiff aus.

„Und dann gleich hier draußen? Nicht schlecht.“

Eddy versuchte sich in einem gequälten Lächeln.

„Leider nur Vertretung.“

„Ah, noch so ein Hitzkopf. Glauben sie mir, der Job hier draußen wird überbewertet. Haben sie ihr Ticket?“

Eddy gab dem Mann den Ausdruck. Der Leser am Drehkreuz piepte einmal kurz, und sie konnten passieren.

„Was sollen sie denn da oben machen?“

„Richtig Großes eigentlich nicht. Eigentlich nur den Anschluss eines Munitionsliftes überprüfen und sicherstellen, dass die dazugehörige Geschützbatterie korrekt mit dem Feuerleitrechner verbunden ist.“ Er zuckte mit den Schultern. „Nichts Wildes.“

„Klingt doch zum Warmwerden gar nicht mal schlecht.“

Durch eine automatische Drehtür verließen sie die Halle. Sofort schlug ihnen ein Sammelsurium an Gerüchen und Lärm entgegen. Warme Luft umwaberte sein Gesicht, der quarakteristische Geruch von verbranntem Tylium stach ihm in seine Nase, durchsetzt mit verbranntem Stahl und heißem Kunststoff. Unförmige Schlepper und Traktoren rumpelten mit dröhnenden Motoren an ihnen vorbei, ölig-schwarze Abgase ausstoßend. Christensen hielt ihn zurück.

„Aufpassen, immer auf den Wegen bleiben. Die Jungs da haben immer Vorfahrt, und das wissen die auch.“

Er deutete auf eine kleine Haltestelle etwas abseits.

„Von da drüben geht der Zubringer zum Dock Siebzehn.“

Selbst auf dem kurzen Weg fiel es Eddy schwer, sich zu konzentrieren. Überall um ihn herum gab es soviel Neues und Unbekanntes zu entdecken, Dinge die er bisher nur aus Büchern kannte. Riesige Carryalls senkten sich auf flammenden Triebwerken über gewaltigen Hallen ab, deren Dächer sich weit geöffnet hatten. Spinnenbeinartige Greifer und Kabel hingen an ihnen herab, bereit ein neues Modul für ein Schiff im Orbit oder einen Transportcontainer mit zusätzlichem Material für die Werften im All aufzunehmen. Auf einem Freigelände sah er einige gestikulierten Arbeiter auf einem skelettartigen Gerippe stehen, die einem Mann am Boden Anweisungen zubrüllten. Ein großer Portalkran verfuhr derweil mit heulenden Sirenen ein neues, halbfertiges Segment und brachte es in Position. Sofort stürzten sich Arbeiter auf der Teil, brachten Kettenzüge und Sicherungsseile an. Blaue Schweißlichter flackerten auf. Begierig saugte Eddy alles an Eindrücken auf, die sich ihm boten. Christensen konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er die beinahe kindliche Begeisterung in Eddys Gesicht erkannte.

„Beeindruckend, nicht wahr?“

Eddy nickte nur stumme. Hastig zuckten seine Augen hier und dorthin, um nur ja nichts zu verpassen. Erschrocken zuckte er zurück, als plötzlich direkt vor ihnen ein Shuttlebus hielt.

„Na, dann warte mal ab, was da gleich noch kommt. Dagegen ist das hier höchstens ein nettes Rahmenprogramm.

Gemeinsam steigen sie in den Bus, und die Türen schlossen sich zischend hinter ihnen.


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#246 Mitglied ist offline   Sally M. Wainwright 

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02. März 2011 um 12:57 Uhr

Eingefügtes Bild Maybelline Jade (Mod. 6)

Vergangenheit - Drei Monate vor dem Angriff


(I) Samuel Shepard. Innenminister der kolonialen Regierung Virgons.

Es war ein wunderschöner Spätsommertag. Nachmittags, so um 1530 herum. Samuel Shepard, seines Zeichens Innenminister der Kolonialen Planetaren Regierung Virgons machte einen Spaziergang über die Strandpromenade der beschaulichen Ferieninsel Jesta, einer der vielen Inseln des Fresia-Archipels.

Dieser Archipel zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass dort keinerlei motorisierte Fahrzeugen erlaubt sind. Es gibt einen Shuttlehafen, aber die Shuttles müssen alle im Tiefflug über eine Route eintreffen. Private Fahrzeuge sind nicht erlaubt. Da aber die Insel auch recht klein ist, gibt es nur zweimal täglich einen Anflug und der wird kaum wahrgenommen. Nichts störte die beschauliche Ruhe hier auf Jesta.

Sam Shepard hatte sich nach dem Tod seiner Frau vor sechs Monaten hierher zurück gezogen. Sein Amt hatte er auch weiterhin ausgeübt und wenn er sich ehrlich eingestand, musste er zugeben, dass er nicht besonders tief getrauert hatte. Der Tod seiner Frau war nur das Ende einer Leidensstrecke, die schon vor Jahren ihren Anfang genommen hatte. Sie beide hatten sich der Situation gestellt und sie letztendlich gemeistert. Der Rückzug hierher nach Jesta war eher ein Schritt für die Öffentlichkeit und... auch das musste Shepard zugeben... eine Chance, etwas Urlaub zu machen.

Shepard mochte diese Insel. Das Publikum war ruhig und es gab hier einfach keinen echten Stress. Kinder gab es und das war auch gut so, aber außer mal einigen etwas zu schwungvoll gesteuerten Fahrrädern auszuweichen war das Leben hier einfach sehr angenehm. Zurückhaltend konnte man sagen. Und - vor allem - war es hier nie so heiß wie in anderen, beliebteren Urlaubs-Archipels.


Mit einem Strohhut und Sonnenbrille angetan und einem Buch in der Linken schlenderte der amtierende Innenminister langsam in Richtung seines Lieblings-Cafés. Dort würde er einen Fruchtsaft genießen und vielleicht noch ein kleines Eis. Oder - wahrscheinlich eher - eine kleine Portion der dort hausgemachten roten Grütze. Das Rezept war hervorragend und nirgendwo schmeckte diese Grütze, genossen mit frischer Milch und einem Hauch von Streuzucker, so gut wie hier.

Doch plötzlich wurde sein Blick angezogen von einer jungen Frau die mit einem kleinen Windsegel zu kämpfen schien. Während er noch leicht amüsiert zuschaute, wie sie versuchte, die Stangen in den Sandboden des Standes zu stecken klappte dieses Segel immer wieder um und zuletzt schien sie einfach aufzugeben. Dabei steckte sie ihren linken Ringfinger in den Mund und wirkte reichlich deprimiert.

Diese junge Frau war unglaublich hübsch. Eine echte Schönheit geradezu. Und... sie hatte ein ähnlich dickes Buch dabei, was aber jetzt auf einem Strandlaken dalag und sich keiner Beachtung erfreute. Das feine Strandkleid, was sie trug - angenehmerweise stellte sie ihre sicherlich makellose Haut nicht frei zur Schau - umschmeichelte sie und wirkte so nur verheißungsvoller und dennoch dezent. Sam war völlig fasziniert.

Dann trafen sich ihre Blicke und trotz der Sonnenbrille fühlte Sam sich ertappt. Und seinem naturell gemäß wich er nicht zurück sondern trat die Flucht nach vorn an.

Mit steten Schritten verließ er die Promenade und trat hinab an den Strand zu der jungen Frau hin.
"Verzeihen Sie bitte meine Neugier, doch ich kam nicht umhin, ihr Bemühen zu beobachten. Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?"

Die blonde Frau hatte nicht nur einen hinreißenden Körper, sie hatte auch ein ausgesprochen hübsches Gesicht.
"O danke, Sir. Ich... ich habe eben diese Windsegel im Strandladen gekauft. Ich wollte mich ein wenig in den Sand legen und lesen und dabei vermeiden, dass mir dabei immer wieder Sand ins Gesicht oder über die Seiten fliegt. Aber ich bekomme es einfach nicht richtig aufgestellt. Dabei hat man mir im Laden versichert, dass es ganz einfach ist."
Sie hielt ihren Ringfinger hoch.
"Dabei habe ich mich sogar verletzt!"

Der Finger blutete tatsächlich. Sam zückte sein Taschentuch.
"Das tut mir sehr leid. Lassen Sie mich doch erst einmal ihre Verletzung verbinden. Dann kümmere ich mich um das widerspenstige Segel, ja?"
Und fachmännisch legte er sein Taschentuch um den kleinen Schnitt. Ihre Hände waren wundervoll zart und warm und ihre Finger so schlank wie ihr ganzer Körper.

Nach wenigen Augenblicken hatte Sam dann das Problem mit dem Windsegel herausgefunden.
"Ja, Miss, ich fürchte, Sie haben in der Tat ein Problem. Dieses Windsegel ist leider kein Windsegel sondern ein Sonnensegel. Es ist für Wind, zumindest für einen solchen wie er derzeit vorherrscht, leider nicht geeignet. Es wird ihnen immer wieder umfallen. Tut mir leid."

Das enttäuschte Gesicht dieser Frau traf ihn bis ins Mark. Sam Shepard überlegte nicht lange.
"Ich möchte ihnen aber eine Alternative vorschlagen. Gleich dort oben ist ein wirklich sehr nettes Café. Dort gibt es Liegen und Sie können sich gern dorthin legen, wenn Sie ein wenig lesen möchten. Es ist nicht viel los derzeit und ich kenne die Inhaber. Sicher dürfen Sie dort gern ein paar Stunden verbringen. Und dort fliegt auch kein Sand."
Er lächelte.
"Und ich würde Sie sehr gern auf einen Kaffee einladen, wenn Sie nichts dagegen haben.

Das Lächeln der jungen Frau war jedes einzelne Wort wert.
"Wirklich? Vielen Dank, Mr. Ich hatte es schon ins Auge gefasst, doch ich hatte angenommen, dass die Liegen nur für zahlende Gäste sind. Also nur für eine begrenzte Zeit. Und ich habe doch einige Stunden Zeit, die ich mit meiner Lektüre verbringen wollte."

"Wie gesagt, ich kenne die Inhaber gut. Wir sind praktisch befreundet. Ich bin sicher, dass es keine Probleme geben wird. Und wenn doch... nun, dann finden wir sicher eine Alternative."
Dass er ein Haus nur zwei Kilometer von hier am Strand besaß, damit wollte Sam nun wirklich nicht aufwarten. Das wäre... peinlich.

Sam half der jungen Frau dann noch, das Sonnensegel, als das es sich ja nun herausgestellt hatte, in seine Hülle zu verpacken und ihr Strandlaken einzurollen. Dabei viel sein Blick natürlich auch auf das Buch, was sie las. er war beeindruckt.
"Gedanken und Erinnerungen. Von Thierry Roscale. Interessant. Sie lesen historische Biografien?"
Dass er selber dieses Buch erst vor zwei Monaten beendet hatte machte ihn nur umso neugieriger.

"Oh ja." Sie nickte lächelnd und nahm das Buch entgegen.
"Einmal mag ich den Stil. Aber auch aus beruflichen Interesse. Ich bin... Lektorin. Auch wenn das nicht mein Hauptberuf ist, so macht es doch Spaß. Und wenn man gern liest, nun, das ist sicherlich eine Grundvoraussetzung für einen gewissen Erfolg."

"Und Sie lesen gern?"

"Aber ja!" Sie deutete auf sein Buch. "Und Sie auch, wie ich sehe."

"Gut beobachtet!" scherzte Sam und hielt sein Buch so hin, dass sie den Titel erkennen konnte.

"Master und Commander." Die Frau schürzte die Lippen. "Ich bin beeindruckt.

"Ja? Wieso?" jetzt war Sam neugierig geworden.

"Nun, der Schreibstil ist nicht leicht. Es erfordert eine gute Konzentrationsfähigkeit. Aber ich finde, das Buch ist jede Minute wert, die man es liest. Es hat sich aber nicht so gut verkauft."
Sie grinste neckisch.
"Wahrscheinlich warten alle auf die Verfilmung."

Sam lachte laut auf. Es kam aus dem Herzen und überrascht stellte er fest, dass er bestimmt seit dem Tod seiner Frau - oder eher seit weit davor - nicht mehr so herzhaft aufgelacht hatte.
Völlig fasziniert starrte er die Frau an.

"Was ist denn?" fragte diese ein wenig irritiert.

"Nichts." sagte er. "Nur... Sie tun mir gut!"

"Danke." erwiderte die junge Frau, wirkte aber immer noch ein wenig verwirrt.

"Kommen Sie, wir sind da!" lenkte Sam das Thema auf das Café oben an der Promenade.

-

(II) Zylon-Modell VI. Tarnname Maria Isabella Alvarez Maybelline Jade.

Ihr Zielobjekt, Samuel Shepard, kannte den Inhaber dieses Cafés tatsächlich gut genug, so dass es es ein Leichtes für ihn zu sein schien, diese Beziehungen spielen zu lassen und einen schönen Platz im Freien zu bekommen. Gepolsterte Sitze unter einem Sonnenschirm und ein herrlicher Blick über den Strand und das Meer luden geradezu zum Träumen ein. Maria nahm Platz und dankte ihm mit einem Strahlenden Lächeln als er ihr, ganz Kavalier, den Stuhl zu Recht rückte.
Dann setzte auch Samuel sich und während sie noch auf die Bedienung warteten, stellte er die Frage, die die kritischste überhaupt war. Denn sie musste bei der Antwort improvisieren:
"Bitte verzeihen Sie, aber ich möchte doch gern neugierig sein. Würden Sie mir wohl ihren Namen verraten?"

Ihr ursprünglicher Tarnname war Maria Isabella Alvarez. Doch zu ihrem Entsetzen musste sie feststellen, dass dieser Name bereits vergeben war. Hier musste die Vorabaufklärung entweder geschlampt oder geschlafen haben. Denn, wie sie erst heute früh herausgefunden hatte, hieß die verstorbene Großmutter von Sams verstorbener Frau Alvarez mit Nachnamen und Isabelle mit Vornamen. Also konnte sie sich unmöglich so nennen.
Sie hatte dann ganz spontan einen Namen gewählt, der ihr in den Sinn gekommen war. Und ihre Papiere entsprechend angepasst. Das war eine aufwändige Prozedur gewesen und noch eine Änderung war nicht möglich, sie hatten nicht genügend Vorlagen hierfür.
"Jade." erwiderte sie und schenkte ihm ihr bezauberndstes Lächeln. Mit weißen Zähnen und Grübchen in den Wangen. "Maybelline Jade. Und Sie, Sir?"

May war nicht sicher, ob das leichte Zucken in seinem Mundwinkeln auf einen Fehler ihrer Namenswahl zurück zu führen war oder auf die Tatsache, dass er als Prominenter eigentlich erkannt werden musste. Sie hoffte das zweite. Denn sollte die Kontaktaufnahme aufgrund ihrer Namenswahl scheitern, wäre das sehr, sehr ärgerlich. Einen zweiten Versuch würden sie innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht mehr geben.
Doch dann grinste Sam nur und meinte: "Sie kennen mich nicht?"

Innerlich erleichtert machte sie ein leicht fragendes Gesicht. "Nein. Entschuldigen Sie, ich... habe kein besonders gutes Personengedächtnis."

Sams Lächeln wurde breiter. May deutete das als gutes Zeichen.
"Nun, das macht doch nichts. Ich meine, es ist nicht schlimm, dass Sie mich nicht erkannt haben. Es spricht eher für Sie. Ich bin... Politiker. Und Politik ist nicht immer ein fröhliches Geschäft. Wenn Sie nichts von mir gehört haben, haben Sie wenigstens nichts Schlimmes von mir gehört."

May kicherte leicht. "Dann habe ich wenigstens keine Lügen gehört. Denn ich habe zwar kein gutes Personengedächtnis, aber meine Menschenkenntnis ist recht gut. Und Sie, Sir, sind ganz offensichtlich ein Gentleman. Durch und durch. Ich fühle mich in Ihrer Nähe sehr wohl und... gut behütet."

Sam lächelte und May stellte fest, dass es ein ehrliches Lächeln war, welches nicht nur den Mund sondern auch die Augen und das ganze Gesicht beinhaltete.
"Danke, Miss Jade. Sie ahnen nicht, wie gut es tut, das zu hören. Ganz besonders aus ihrem Munde. Samuel Shepard." Er nickte ihr zu. "Meinen Titel lasse ich einmal weg. Sie können aber gern Sam zu mir sagen. Und bitte, sagen Sie Du zu mir, ja?"

"Gern. Wenn Sie... wenn Du mich May nennen magst." Und sie reichte ihm die Hand.

Zu ihrer Überraschung nahm er sie bei den Fingerspitzen, hauchte einen Handkuss darauf und sagte galant: "Es ist mir ein ganz besonderes Vergnügen, May."

Das Erscheinen der Bedienung unterbrach sie. Sam und May nahmen eine Karte entgegen und warfen einen Blick hinein während die Bedienung Platzsets, Servietten und Besteck auflegte.

"Möchten Sie ein Getränk vorweg?" fragte die Dame dann und May nickte.
"Ich weiß schon, was ich möchte!" erklärte sie fröhlich. "Einen Fruchteisbecher mit Streuseln. Und einen Latte Macchiato."

"Nein!" unterbach Sam sie und May sah ihn ein wenig erschrocken an. Hatte sie etwas zu selbstbewusst gehandelt?
"Nimm das nicht!" erklärte er ernsthaft. "Wenn Du Früchte magst, dann versuche die rote Grütze. Sie ist hervorragend. hausgemacht. Das Beste, was es hier gibt. Ich nehme das auch. Mit Milch. Und nur einem Hauch Streuzucker."
Er nickte ihr wissend zu. "Meine dringende Empfehlung. Die eines Kenners. Vertrau mir!"

May überlegte einen kurzen Augenblick, dann klappte sie die Karte wieder zu. "Ich vertraue Dir. Rein aus meinem Herzen heraus vertraue ich Dir." meinte sie und an die Kellnerin gewandt sagte sie: "Dann auch bitte für mich eine ihrer roten Grützen, ja? Genauso, wie Sam es vorgeschlagen hat."

Die Kellnerin sah sie ein wenig erschrocken an, doch may hatte ihn absichtlich beim Vornahmen erwähnt. "Dann also zwei Mal rote Grütze mit Milch und Zucker. Und für Sie einen Latte Macchiato?"

May sah Sam erwartungsvoll an und der nickte. "Was immer Du möchtest, May."

Sie strahlte. Er hatte den Vornamen erwidert! "Bitte!" sagte sie zur Bedienung, die sich dann an Sam wandte: "Und Sie, Mr. Shepard?"

"Einen Kakao. Ohne Sahne. Danke! Oh..! Und ein Heftpflaster bitte."

"Haben Sie sich verletzt, Sir?" fragte die Kellnerin etwas irritiert.

"Nein. Aber die junge Dame an meiner Seite."

"Ich werde es sofort bringen." versprach sie und ging dann, um die Bestellung abzugeben.

[tbc]
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#247 Mitglied ist offline   Steve Vandenberg 

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06. Juli 2011 um 10:24 Uhr

Ensign Ashton "Goldie" Steward
Eine der "Nullen"

Aerilon - Kneipe "Bulls Eye" nähe der Militär Akademie - T-5 Jahre


"Schenk noch einen ein, Jody. Für die Jungs und mich!"

Rief Steve quer durch die Bar der wundervollen, 1 Meter 70 großen, schwarzhaarigen Schönheit zu, die im Bulls Eye die Drinks servierte.
Die "Jungs" mit denen er hier heute Abend saß, hatten heute ihren Abschlusstag an der Akademie gehabt und sollten Morgen mit ihrem frischen Offizierspatent in alle Winkel der Galaxis versetzt werden. Doch heute Abend waren es noch "seine" Jungs, die er in den letzten Sectaren durch die Ausbildung prügelte. Steve war ihr Fachausbilder für digitalte Kommunikation und Kriegsführung und gemäß der Ausbildungsweisungen als -wie haben es die Bürokraten einst benannt? "Vertrauensausbilder" zugeteilt. Ab morgen war alles anders. Ab morgen sollten sie ihren eigenen Weg gehen.

Er musterte sie alle noch einmal.

Ensign Gordon "Sharki" Barrington. Ein junger, dynamischer Heißsporn. Die Jungs hatten ihm den Spitznamen Sharki, abgeleitet von Shark dem Hai gegeben. Er war ein Jäger der schönen Röcke und Steve hatte in der zweiten Secton schon den Überblick verloren, welche der Frauen nun in welchem Verhältnis zu dem jungen Mann standen und selbst heute, schien er schon wieder Blut gelegt zu haben.
Steve war am Überlegen, ob er Sharki warnen sollte, denn die "dralle Blonde" auf die der Junge ein Auge geworfen hat, hatte weit mehr unter ihrem Rock zu bieten, als einem gesunden Mann lieb war.
Nein, er würde den Augenblick genießen und hoffte darauf, Sharki's Gesicht noch einmal zu sehen, bevor er mit "Traci" -so der Name des eigentlich bekannten Transvestiten- abzog.

Dann wanderte sein Blick zu Ensign Michael "Dot" Shokster. Ein Computerfreak. steve wusste von sich selbst, dass er nicht der schlechteste am Datapad war, aber was dieser Junge aus dem System zauberte, entlockte Steve durchaus Anerkennung. Dot sollte in die IT-Abteilung der Atlantia. Kein Wunder mit dem Notenschnitt und den hat Steve selbst mehr als zweimal kontrolliert. Auch er selbst war kein Unschuldslamm und wusste, wie schnell man der Verlockung erlag, ein Noten- / Bewertungssystem einer Schule zu hacken. Aber sollte Dot wirklich irgendwo manipuliert haben, hätte er es sich verdient, denn dann hat er tatsächlich keine Spuren hinterlassen.

Der dritte im Bunde war Ensign Ashton "Goldie" Steward. Aus dem einst ihm zugeteilten Milchbubi ist nun tatsächlich ein Kerl geworden. Goldie wurde wegen seiner Haarpracht so genannt und war am Anfang eine echte halbe Portion.
Steve hatte mit dem Ausbilder für Sport und Taktik gesprochen. Ein alter Bekannter welcher Goldie so richtig ran genommen hatte. Mehr als einmal hatte der Junge aufgeben wollen, aber irgendwie hatte Steve nach den Trainingseinheiten immer ein paar gute, aufbauende Worte parat um ihn davon abzubringen. Er lächelte innerlich. Das Unteroffizierskorps war schon eine Schweinebande in der es sich zu dienen lohnte.

Nummer vier war Silent Bob. Eigentlich hieß er Bobby Xynthalis, war aber der Ruhigste Offiziersanwärter, den Steve je erlebt hatte. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er die Gesamtzahl Bobs gesprochener Worte auf wenige Handvoll schätzen. Ein komischer Kautz und Steve hatte dieses miese Gefühl in der Bauchgegend, dass dieser Junge später zu der Sorte Offiziere gehören würde, die auf dem Schlachtfeld eher von hinten erschossen würden.
Gut, er sollte zum planetaren Abwehrdienst und somit würde Steve ihn wohl nie wieder sehen -was in seinen Augen auch nicht unbedingt ein Verlust sein würde. Dennoch fand er es schade, dass er fast nichts über den Jungen in Erfahrung gebracht hatte.

Der letzte in der Runde war Grizzly. Er fragte sich, warum Männer die zwei Meter groß und ein Kreuz wie ein Kleiderschrank hatten immer mit Bären assoziiert wurden. Ok, bei ihm passte es irgendwie tatsächlich und wenn er sich vorstellte, dass dieser Junge auf einem kleinen Datapad tippen sollte oder filigrane, hoch sensible elektronischen Teile tauschen sollte, musste er noch mehr in sich hinein grinsen. Das wäre so, als wenn man versucht mit einem MT-65 Multifunktionsgreifarm ein Faden durch eine Nähnadel zu ziehen. Aber dennoch hatte Grizzly beziehungsweise Ensign Justin Goldberg die Akademie bestanden.
Weit entfernt davon, Jahrgangsbester zu werden, aber bestanden und nur das Ergebnis zählte.


"Und Chief? Was werden Sie machen, wenn Sie uns nicht mehr haben?" fragte ihn Goldie und Steve wurde aus seinen Gedanken gerissen.
"Oh, Mr. Steward, dass kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich denke, ich werde den nächsten Haufen Muttersöhnchen und Stubenhocker zugeteilt bekommen und wieder vor der unlösbaren Aufgabe stehen, aus ihnen Männer zu machen.
Vorher werd ich aber ein paar Tage Heimaturlaub nehmen, ich muss mich noch immer von den letzten Weicheiern erholen." Dabei grinste er und nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarre.

Goldie schien über die Anspielung hinweg zu sehen und redete einfach weiter. "Ich bin schon ganz aufgeregt, wie es auf der Juliete wird. Ich hab gehört ihr Commander soll ein scheiß harter Hund sein.

Oh ja, das war sie. Commander Elaine Glazer. Steve hatte schon einmal mit ihr zu tun gehabt und 50% von den beiden waren nicht wirklich begeistert, als sie mit einander -rein dienstlich- fertig waren. Nachdem ihm Commander Glazer einen Befehl gab, der den Verlust eines kompletten Marine Teams zur Folge gehabt hätte, gab er ihr als Dienstälterer Soldat einen gut gemeinten Ratschlag der ein 30 sekündiges -einseitiges- Statement ihrerseits zur Folge hatte. Nachdem sie in diesem Statement sage und schreibe 10 mal auf ihren Dienstgrad pochte, lief Steve dummerweise der Kaffee über das Com Pult und der Funkspruch, der die Position des Teams verraten hätte, konnte nicht gesendet werden. Nüchtern betrachtet war das ärgerlich, aber sein anschließendes "Ups" waren wohl zu viel für die Dame und er erhielt einen direkten Verweis.
Da der Einsatz trotzdem ein Desaster wurde, begann man nach dem Einsatz mit einer Untersuchung. Diese führte dazu, dass Commander Glazer auf Grund verschiedenster Fehlentscheidungen auf die Juliete an den Rand des Universums versetzt wurde. Bedauerlicher Weise behielt Steve seinen Verweis, da man ihm offiziell Insubordination unterstellte unter der Hand sagte man ihm aber, dass er wohl das richtige getan hätte. Aber jeder Soldat weiß, was unter der Hand gesagt wird, steht nie in den Akten.

"Auf die Juliete? Was haben sie verbrochen, Mr. Steward, dass man Sie auf diesen Kahn versetzt hat?". Steve wusste es. Es würde dem Jungen gut tun zu sehen, wie man Menschenführung am Negativbeispiel funktioniert. Er hoffte, dass Goldie sein neu erworbenes Rückgrad nicht gleich verlieren würde. Um dem Jungen noch den Stoß in die richtige Richtung zu geben sagte Steve ihm noch "...Grüßen Sie den Commander von mir." Leben war eben doch Krieg, aber es würde ihn abhärten.

Kurz bevor der Junge noch etwas erwieder konnte, brachte Jody die Gläser und gab jedem von ihnen eins.

Steve erhob das Glas. "Meine Herren, es war mir eine Freude ihnen in den letzten Sectaren den Arsch zu straffen, die Brust zu stählen und ihnen den Unterschied zwischen null" -dabei nickte er in Richtung einiger abgefrakter Typen- "und eins" -mit dem Blick auf Jody gerichtet, was den Jungs ein breites Grinsen auf entlockte- "klar zu machen. Wenden Sie Ihr Fachwissen an, überzeugen Sie mit Kompetenz und Courage und vergessen Sie nie, wirklich niemals woher Sie kommen! Denken Sie daran, wenn man Sie zum Lieutenant befördert und ihnen die erste, wirkliche Verantwortung an die Hand gibt. Mögen die Götter mit Ihnen sein!"

Er hob das Glas und wollte gerade einen Schluck nehmen, als er einen Stoß von hinten gegen die Schulter bekam. "Ey Alter, hassu uns grad ne Null genannt?" Fragte eine fast piepsende, betrunkene Stimme und während Steve sich umdrehte und den obersten Knopf seines Uniformhemdes öffnete, wusste er, das dies noch ein wirklich netter Abend werden würde......
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#248 Mitglied ist offline   Steve Vandenberg 

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07. Juli 2011 um 14:45 Uhr

Lieutenant junior Grade Paul Grimms
Crewman Bobby Doratio
Crewman Shawn Defling

Zeroday - Irgendwo in den Eingeweiden des Kampfsterns Rycon

>>Actionstations! Actionstations! This is not a drill<< hallte es durch die Gänge der Rycon und drangen mehr wie ein Echo denn wie eine direkte Durchsage zu Vandenberg in die Versorgungsschächte. Er realisierte die Worte nicht, denn er war zu vertieft in einer der Hauptplatinen.
Omega Schaltkreis .... i.O. Gamma Schaltkreis .... i.O. Verfrakkt, das gibts doch nicht.
Wenn er es nicht besser wüsste, würde er meinen, er wäre verrückt. Dieses verfrakkte drecks System war ok aber es verweigerte einfach seinen Dienst.

"Hast Du Dir was eingefangen, Lady"? Fragte er in die Stille hinein, durchaus im Bewustsein, dass ihm das Schiff nicht antworten könnte. Die Platine gehörte zum Subsystem der Redundanzsysteme, die im Falle eines Alarms -und auch nur dann- als Sekundärkreislauf die Versorgung für die WASCHRÄUME zuständig war. Selbst wenn die Firewall am Mainframe und am Sekundärframe abgeraucht sein sollte -was durchaus für Aufregung gesorgt hätte, da diese sensiblen Systeme mehrfach überwacht wurden-, wäre dieses System eins der unwichtigsten im ganzen Schiff. Also musste es ein Hardwarefehler sein.
Allerdings warf er bei diesem Gedanken einen Blick auf den neben ihm liegenden Stapel Mainboards.
Das wiederum konnte nun auch nicht sein. Eine komplette Baureihe?
Er schüttelte den Kopf und schloss noch mal sein Diagnosepad an. Omega Schaltkreis....

"VAAAANDENBERG!" schallte eine Stimme durch den Versorgungsschacht und Steve schreckte hoch. *Plong* und stieß sich den Kopf. "Damn" warum hat man diese drecks Versorgungsschächte eigentlich so verdammt eng gebaut. "Ja doch, ich weiß. Im ganzen Schiff drehen die Computer durch. Das weiß ich doch." Fluchte er leise vor sich hin. "Ich komme gleich!" rief er zurück und steckte die Platine wieder in den Slot.
"Man beeilen Sie sich, es ist Alarm!" schallte es erneut durch den kleinen Schacht. ja, sicher. Alarm. Natürlich. Ging es ihm durch den Kopf.
Ich bin seit zwei Tagen hier und jetzt solls einen Alarm geben. Während einer KampferWertSteigerung an den Systemen, die nicht wirklich funktioniert.
Er kannte das. Er war >>der Neue<< und so dachte Vandenberg, dass es sich um den bisher ausgebliebenen >>Willkommensscherz<< handeln würde. "Ja doch, ich komm ja schon" rief er zurück und verschraubte den Verschluss der Abdeckung.
Langsam kroch er auf allen vieren zurück.
"Man, könnt Ihr Euren dämlichen Scherz nicht auf NACH der KWS verschieben, wenn hier die Systeme wieder laufen?"
Fluchte er auf dem Weg nach draußen. Wenn ich den in die Finger kriege, der sich diesen Crap ausgedacht hat, reiße ich ihm den Kopf ab fluchte der CPO vor sich hin.
Mit zusammengekniffenen Augen, kroch er aus der Röhre und fixierte seinen Gegenüber, um ihm klar zu machen, dass er ihn gleich zerreißen würde.
Allerdings schien sein Auftreten schon so gewirkt zu haben, dass der junge Lieutenant -auch wenn er nur Lt. juniorgrade war- extrem nervös war und hektisch links und rechts an ihm vorbei schaute.
"Lieutenant..." setzte er gerade an, als der Lt. ans Interkom ging. "Lieutenant Grimms, Sir. IT Sektor Alpha.... ja Sir.... ja Sir.... nein Sir, wir arbeiten daran.... ja Sir....sofort Sir... ja Sir..." Damit legte er auf und war kreidebleich.

"Chief wir haben ein Problem..." begann der Ltjg und wirkte dabei völlig aufgelöst was Steve argwöhnen lies. Aus den Augenwinkeln sah er, wie verschiedenste Menschen am offenen Schott vorbei rannten und Steve schaute den Lt fragend an. "...die Zylonen sind zurück...sie ...sie haben einen Großangriff gestartet... und sie haben wohl Atombomen geschmissen..." Dann wurde er kurz einen Augenblick abwesend, schaute Steve direkt in die Augen "CLAIRE!!" entfuhr es ihm und Vandenberg wusste genau, was gleich passieren würde. Er war kein Psychofreak aber er hatte schon oft genug gesehen, wie Männer ihre Haltung verloren.

"Lieutenant. Jetzt holen Sie mal tief Luft, setzen sich und beruhigen sich." Dann schaute er kurz zu einem der beiden Crewman, die mit zur Abteilung gehörten. "Bobby, hol dem Lt. mal ein Glas Wasser und Du Shawn erzählst erstmal, was denn überhaupt los ist."

"Ja Chief", sagte Bobby und holte selbiges. Er war einer der Crewman in dieser Sektion, gerade 20 Jahre alt, schmächtig aber zumindest nicht hohl in der Birne.

"Uff Chief", began Shawn, der zweite Crewman der Abteilung und noch jünger wie Bobby. Er war gerade 18 und frisch zur Flotte gekommen. "Vor ein paar Minuten schallte der Alarm durch die Gänge und das CIC hat den Lt. zusammengestaucht, wo denn die Systeme blieben und warum das so lange dauern würde ... und was denn los sei mit den Computern."
Nachdem er dafür gesorgt hatte, dass der Lt sich gesetzt hatte und sich beruhigte, bedeutete er Bobby, dass er auf den jungen Offizier aufpassen sollte. Das würde jetzt noch fehlen, dass einer durchdrehte.

"Zeig mal her, Shawn. Gib mir mal den COM 2 auf das Terminal". Der Alpha-Sektor war ein Dreh- und Angelpunkt außerhalb des CIC -zumindest was die Computertechnik anbelangte. Es war ein kleines Büro und mit vier Mann besetzt. Dem Lieutenant junior Grade Paul Grimms, den beiden Crewman Bobby Doratio und Shawn Defling und seit zwei Tagen ihm selbst. Eigentlich gehörte es zu der Sorte Büros, die niemanden Auffallen und die eigentlich nicht existierten. Es war eines dieser Büros, die dafür sorgten, dass die >>Innereien<< des Battlestars liefen und selbst wenn mal was nicht lief, griffen die Sekundärkreise so fix, dass man den Ausfall nicht spürte. Sie hatten hier seltenst bis niemals überhaupt einen Anruf und schon garnicht aus dem CIC. Doch seit heute war alles anders.
Seit Stunden spannen die Systeme FTL, Life Alpha und Bravo, Firecontrol, NAV, COM, DEFENSE ...einfach alle! Und wie er gerade selbst gesehen hatte auch die unwichtigsten Sekundärsysteme.

Er las sich die letzten offenen Funksprüche durch, die über die Elektronik empfangen und ans CIC weitergeleitet worden waren und in diesem Moment erbleichte selbst er. "Bei den Göttern" entglitt es ihm.
Nach einigen Sekunden setzte bei ihm der Automatismus ein, den er sich bei so vielen Gefechten gegen Piraten, Schmugler und Aufständische angeeignet hatte. Es war wie bei einem Rechner, auf den man Strom gab *pling* eingeschaltet.
"Shawn, ziehen sie die Stecker, wir resetten jeden einzelnen Frame! Bobby, schnall den Lt. an und lass ihn da sitzen, ich brauch Dich am Zuluterminal! Du fährst jetzt der Reihe nach folgende Systeme runter!" und als er sah, dass die beiden Crewman ihn fragend ansahen, fügte er hinzu "... JETZT!" Irgendwie löste es bei den beiden Crewman die Starre und sie fingen an zu handeln. Während Crewman Defling anfing die Stromkabel von jedem System raus zu ziehen, fuhr Crewman Doratio jedes einzelne System, jeden einzelnen Frame runter.

Da klingelte erneut das Interkom und Vandenberg ging ran."CPO Vandenberg, IT Sektor Alpha!" Meldete er sich. An der Leitung war ein Ensign, der ihn im Auftrag Colonel Kents befragte, wie weit sie denn seien. "Wir resetten gerade die Systeme, geben sie uns noch fünf Minuten, dann ist zumindest genug Rechenleistung da, um Defense, COM, Life und FTL online zu schalten. Nur springen wird nichts, keine Chance. Die Serverfarm für die Sprungberechnung braucht mindestens 20 Minuten zum resetten!" Damit hämmerte er den Höhrer wieder auf und Tippte weiter auf dem Eingabeterminal. "Bobby, jetzt der Reihe nach abschalten. Wir nehmen erst die Gammaline, dann Fox. Also los Gamma eins, zwo, fünf und neun und jetzt Fox drei, vier, sechs, sieben und acht!
Ja, gut so." Er beobachtete die Anzeigen und sah wie für die einzelnen Schaltkreise die Energie nach und nach auf Null ging.
"SHAWN, wie weit bist Du" fragte er, ohne seine Augen von dem Terminal abzuwenden. "Gleich fertig, Chief. Geben Sie mir noch 20 Sekunden."
Innerlich zählte Steve runter fünf, vier, drei "Shawn, JETZT!" fügte er entsprechenden Druck hinzu und bekam ein "Fertig" als Antwort.
Sehr gut, die Jungs waren super. "Gut, jetzt nimmst Du die Systeme wieder nach und nach ans Netz. Als erstes die Lebenserhaltung, Frame Alpha." Das war eines der Primärsysteme, die unbedingt laufen mussten. "Frame Beta", das war Grundversorgung Strom und das Feuerleitsystem.
Seine Finger flogen in der Zwischenzeit über das Terminal. Er konnte kaum glauben, was er da sah. Kaum hatten sie ein sauberes System Hochgefahren, schon schien es im Quellcode an einigen Zeilen überschrieben zu werden. "Nein, zieh wieder den Stecker!" Fieberhaft hämmerte er auf das Terminal, Codezeile für Codezeile, Bit für Bit. Ah, frakk. Ich weiß nicht, was es ist, aber es geht über Line 7258 und sprengt mir Port 64 00 0. Das kann doch nicht sein ging Steve im Kopf immer wieder den Ablauf durch. Selbst dieser re-direkt lenkt den Drecks Code nicht ab. Und tippte weiter.

Schweißperlen rannen ihm über die Stirn. Komm schon, Baby. Und dann kam ihm eine Idee. "Wir leiten diesen Dreckscode um auf die Wäscherei! Bobby, Du machst jetzt genau das, was ich Dir sage: Als erstes Stufst Du die Lebenserhaltung auf Sekundärsystem runter"... der Crewman schaute ihn entgeistert an "Aber dann würden sämtliche Mainsysteme die Lebenserhaltung als unwichtig sehen. Damit würde die komplette Systemüberwac..." "MACH es einfach!" Herrschte Steve ihn an, was auch zu einem entsprechenden Ergebnis führte. Als er auf der Anzeige sah, dass die Lebenserhaltung nun nur noch ein Sekundärsystem war, trug er in den Sicherheitsplan die Priorität 9999 ein, was gleichzusetzen war mit >>unwichtiger gehts nicht<<. Schlagartig wurden die greifenden Backupsysteme auf wichtigere Systeme umgestellt. Die Serverfarm reagierte, wie erwartet. Während er noch ein paar Codezeilen einfügte, fuhr er fort. "Und nun gib den Spühldosierern in der Wäscherei Prioritätsstatus!"
Der arme Junge musste seinen Chief nun für völlig übergeschnappt halten. Ein kurzer Seitenblick genügte aber, um ihm sämtlichen Protestwillen auszutreiben.
Es dauerte einige Sekunden, als er auf seinem Display sah, dass die Dosimeter der Waschmaschinen nun eines der Lebenswichtigsten Systeme des Kampfstern wurden. Um seine Theorie zu testen, vergab er dem System im Überwachsungsplan die Priorität 0, was so viel bedeutete wie >>wenn dieses System stirbt, explodiert der Kampfstern.... INSTAND<<. "Shawn, jetzt wieder Strom auf das System. Fang wieder mit Frame Alpha an" und tatsächlich funktinierte die Taktik. Sicher, die Lebenserhaltung wurde noch immer gestört, da einfach zu viele Subsysteme mit diesem einstigen Primärsystem verbunden waren, aber sie regenerierte wieder die Luft und das war es, was zählte.
Seine Finger fühlten sich schon wie gemartert an, als er mit den Jungs nach und nach jedes System umstrukturierte und wieder ans Netz nahm.
"Lieutenant, sie können was für Ihre Karriere tun. Rufen Sie das CIC an und sagen sie denen da oben, dass sie zumindest wieder handlungsfähig sind. Sagen Sie ihnen, sie sollen jedes einzelne, verdammte Computersystem manuell neu starten! Wir machen den Rest."

Und während er hörte, wie der Lt an siner Karriere feilte, nahmen er und die Jungs jedes System vom Netz, dass durch einen Benutzer offline geschaltet wurde, änderten die Priorisierung und hofften, dass irgendjemand im Schiff die Systeme wieder hoch fuhr und nichts davon merkte, was hier unten getrieben wurde.....
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